Natürlich Vattenfall: Brennelemte verwechselt

Was kostet die Stillegung? Foto: Dirk Seifert
Dumme Verwechslung im Vattenfall-AKW Krümmel.  Foto: Dirk Seifert

Na, wieder eine dieser Pannen, die nur Vattenfall schafft. Diesmal keine rostzerfressenen Atommüll-Fässer, sondern nur eine kleine dumme Verwechslung. Irgendwie hatten die KollegInnen offenbar vergessen, dass man 2007 gleich nach dem Brand des Transformators in der frohen Hoffnung auf eine erneute Inbetriebnahme 12 frische Uran-Brennelemente in das Nasslager oberhalb des Reaktors eingestellt hatte. Jahrelang hat Vattenfall diese für hochradioaktiven Atommüll gehalten und entsprechend in den Statistiken ausgewiesen. Auf diese Panne weist das Energieministerium in Schleswig-Holstein in einer Pressemeldung hin (siehe vollständig unten). Allerdings: So richtig erklärt auch das Ministerium nicht, wieso die Verwechslung erst jetzt entdeckt wurde.

Bereits im Jahr 2007 sollen die frischen Brennelemente in das Nasslager eingestellt worden sein. Vorgesehen war, diese nach Abschluss von Reparaturen in den Kern einzusetzen. Doch diese Reparaturen dauerten dann immerhin zwei Jahre. Im Sommer 2009 versuchte Vattenfall dann, den Reaktor wieder ans Netz zu bringen. Doch offenbar waren diese 2007 ins Nasslager eingestellten neuen Brennelemente schon zu diesem Zeitpunkt vergessen. Jedenfalls wurden sie offenbar nicht in den Reaktor eingefahren.

Diesen Startversuch von 2009 (NDR) erwähnt das Kieler Energieministerium in seiner Erklärung gar nicht, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass diese 12 frischen Brennelemente eigentlich in den Reaktor sollten – stattdessen aber wohl andere neue Uranelemente genommen wurden.

Der Startversuch 2009 scheiterte. Wieder kam es zu Problemen mit den gerade ausgetauschten Transformatoren, Sicherheitseinrichtungen, die per Anordnung der Behörde eingebaut werden sollten, hatte man in der Hektik bei Vattenfall glatt vergessen einzubauen und außerdem wurden Metallteile durch den Reaktor gespült, die dort einwandfrei nicht hingehörten. Nach wenigen Tagen musste Vattenfall den Startversuch abbrechen. Seit dem war der Reaktor abgeschaltet. Mit der Atomgesetzänderung nach der Fukushima-Katastrophe 2011 kam dann das endgültige Ende.

Die PM des Energieministeriums dazu: Kernkraftwerk Krümmel: Abweichung bei der Deklaration von Brennelementen, 25.06.2014

„GEESTHACHT/KIEL. Bei der Deklaration der Anzahl der bestrahlten Brennelemente im Kernkraftwerk Krümmel ist eine Abweichung festgestellt worden. 12 Brennelemente im Brennelementlagerbecken wurden als bestrahlt mit erfasst, obwohl sie nicht bestrahlt waren. Diese Abweichung wurde im Entsorgungsvorsorgenachweis für das Jahr 2013, der am 31.März 2014 vorzulegen war, korrigiert. Sicherheitstechnisch ist sie ohne Bedeutung. Dies teilte die Atomaufsicht heute (24. Juni 2014) mit.

Die Betreibergesellschaft hatte im Jahr 2007 die 12 unbestrahlten Brennelemente im Jahre 2007 vorsorglich in das Nasslager gestellt, weil Vattenfall zum damaligen Zeitpunkt mit einer Wiederaufnahme des Leistungsbetriebes rechnete.

Das Energiewendeministerium (Reaktorsicherheitsbehörde) hat die fehlerhafte Deklaration zum Anlass genommen, den schleswig-holsteinischen Kernkraftwerksbetreibern gegenüber die Qualitätssicherungsmaßnahmen im Rahmen der Entsorgungsvorsorgenachweise und die notwendige Sorgfalt bei der Datenerhebung noch einmal zu verdeutlichen.

Hintergrund:
Die Betreiber von Kernkraftwerken haben jährlich einen Entsorgungsvorsorgenachweis für bestrahlte Kernbrennstoffe zu führen. Darin ist unter anderem nachzuweisen, dass für den Umgang mit bestrahlten Kernbrennstoffen aus dem Reaktorbetrieb und mit den aus der Wiederaufarbeitung von bestrahlten Kernbrennstoffen stammenden radioaktiven Abfällen ausreichende Vorsorge getroffen ist. Auch in den nicht mehr betriebenen Kernkraftwerken befinden sich noch bestrahlte Brennelemente aus dem früheren Reaktorbetrieb, die ständig gekühlt werden müssen. Das Kernkraftwerk Krümmel hat die Berechtigung zum Leistungsbetrieb im Zuge der Atomgesetznovelle von 2011 verloren.“

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