Urangeschäfte: Ohne Russland mit Kanada über URENCO zum AKW Gösgen

Urananreicherung findet in Deutschland bei der URENCO statt: Technisch ist die Herstellung von atomwaffenfähigem hochangereichertem Uran möglich. Foto: Dirk Seifert
Urananreicherung findet in Deutschland bei der URENCO statt: Technisch ist die Herstellung von atomwaffenfähigem hochangereichertem Uran möglich. Foto: Dirk Seifert

„Das AKW Gösgen bezieht sein Uran für die Brennstäbe künftig aus Minen in Kanada. Dies hat die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG (KKG) entschieden, nachdem eine Lieferung aus Russland nicht mehr infrage kommt.“ So berichtet Die Oberbadische vor wenigen Tagen. Für die Beschaffung des Urans ist eines der größten Uran-Unternehmen zuständig: Die URENCO, die u.a. in Gronau eine Anreicherungsanlage für Uran betreibt.

Vom Atomausstieg ist diese Anlage verschont. Sie hat die Lizenz zum unbefristeten Weiterbetrieb.  „Inzwischen hat sich das AKW Gösgen für den Kauf von Uran aus kanadischen Minen entschieden. Gekauft wird das Uran von der Firma Urenco. Die Anreicherung geschieht ebenfalls bei Urenco in Anlagen in Deutschland, den Niederlanden oder in England, wie die KKG gestern mitteilte. Danach wird das angereicherte Material von Areva in die Brennelemente abgefüllt. Ab 2018 liefert der französische Konzern 180 Brennelemente für fünf Nachladungen. Areva, beziehungsweise die Vorgängerunternehmen, haben das KKG seinerzeit gebaut und liefern seit der Inbetriebnahme die Brennelemente für die Anlage.“

Der Grund für diesen Wechsel zu URENCO und Kanada ist die Kritik in der Schweiz gegen die Urangeschäfte mit Russland. Die Oberbadische schreibt dazu. „Die beiden Schweizer AKW Gösgen und Beznau waren 2010 in die Kritik geraten, nachdem bekannt wurde, dass sie auf Umwegen über ihre Lieferanten teilweise Uran aus der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak bezogen hatten. Die Gegend um Majak gilt als verstrahlt. Die beiden AKW-Betreiber verzichteten danach auf weitere Lieferungen aus Russland. Die Verantwortlichen des AKW Gösgen entschieden Anfang dieses Jahres, dass man für die Herstellung der Brennstäbe angereichertes Uran künftig selbständig am Markt beschaffen will. Zudem wurde beschlossen, eigene Brennstoffreserven teilweise abzubauen.

Auf der Seite des Schweizer Rundfunks und Fernsehen wird über die unverantwortliche Situation in Majak berichtet: „Die Uran-Wiederaufbereitungsanlage Majak liegt etwa 1500 Kilometer von Moskau entfernt. In ihrer Umgebung wird immer wieder erhöhte Radioaktivität gemessen. Unklar ist, ob diese von der gegenwärtigen Uran-Wiederaufbereitung herrühren oder auf schwere, frühere Atomunfälle zurückzuführen sind.“

Auch die URENCO hat mit Majak und anderen russischen Atomstädten und -Lagern seine Erfahrungen.  Im Russland-Böllblog ist nachzulesen:  „Seit 1996 hat die Firma Urenco, die die Urananreicherungsanlage in Gronau betreibt, 27.300 Tonnen radioaktives und hochgiftiges Uranhexafluorid nach Sibirien transportieren lassen. Doch nur 10 bis 15 Prozent des Materials kamen wieder nach Gronau zurück. Der Rest, sogenanntes „abgereichertes” Uran, das als Brennstoff nicht mehr verwendet werden kann, wird in Sewersk (bei Tomsk) und Angarsk (in der Nähe von Irkutsk) in Fässern unter freiem Himmel gelagert.“ Im Jahr 2010 kam es dann sowohl in Deutschland als auch Russland zu lautstarken Protesten gegen die Praxis bei URENCO. Denn faktisch bedeutete der Export des abgereicherten Uran im Grunde nichts anders als das Abschieben der Atommüllprobleme. Diese Transporte wurden daraufhin endlich eingestellt.

Dass solche Geschäfte für deutsche Konzerne nicht so ganz ungewöhnlich ist, machte die Affäre um die EnBW 2012 klar. Die Süddeutsche und andere Medien berichteten darüber (Handelsblatt), dass der süddeutsche Stromkonzern ebenfalls Planungen hatte, Atommüll nach Russland abzuschieben.  Nur wenig vorher hatte die Süddeutsche Zeitung über die umfänglichen Urangeschäfte deutscher Atomkonzerne mit Russland berichtet. Nicht nur EnBW bezieht Uran aus Russland. Auch z.B. im E.on-Reaktor in Brokdorf an der Unterelbe kommen Uran-Brennstäbe aus Russland zum Einsatz, wie der Focus hier berichtet.

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