Dänemark sucht Atommüll-Endlager – mit Öffentlichkeitsbeteiligung aus Deutschland

radioaktivDiese Dänen. Kein einziges Atomkraftwerk, aber Atommüll haben sie doch. Und zwar aus einen Forschungsreaktor in Risø bei Roskilde, der im Jahr 2000 stillgelegt wurde. Jetzt suchen die Dänen dafür ein Endlager, sechs Standorte sind in der Wahl, eines davon direkt gegenüber von Fehmarn in Rödby, gleich am Ausgang des geplanten Tunnels unter dem Belt. Auch aus Deutschland können Einwendungen im Rahmen der Umweltprüfung gegen die Pläne der Dänen bis zum 23. Januar 2015 erhoben werden. Das niedersächsische Umweltministerium unter Stefan Wenzel hat dazu eine Ankündigung online gestellt. Das Land will sich mit einer eigenen Stellungnahme beteiligen. Der Text als Dokumentation folgt gleich.

Die SHZ berichtete bereits im November über diese Planungen. Demnach geht es um 5000 Kubikmeter leicht- und mittelradioaktiver Abfälle. „Die Rückstände mit der höchsten Radioaktivität wurden in die USA exportiert. Ab 2008 hatten die Behörden 22 denkbare Lagerstätten nach geologischen Kriterien unter die Lupe genommen. Von den außer Rødbyhavn übrig gebliebenen Stätten liegen drei am Limfjord, eins nahe der Großstadt Odense auf Fünen und eins auf Bornholm. Die Fläche am Fehmarnbelt befindet sich nur vier Meter über dem Meeresspiegel. „Klimaveränderungen werden begrenzte Auswirkungen auf das Gebiet haben“, schreibt das Gesundheitsministerium in einem Bericht. Ein steigender Meeresspiegel werde den Kamm des dortigen Deichs zwar nicht erreichen – „doch bei extremen Sturmverhältnissen wird der Druck auf den Deich zunehmen“.“

Reaktionen aus Schleswig-Holstein gibt es auch, wie die SHZ weiter berichtet, vor allem werden Risiken für den Tourismus befürchtet. Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) kündigte an, „er werde in dem Beteiligungsverfahren Position beziehen“. Habeck: „Atommülltourismus über den Fehmarnbelt darf es nicht geben“. Damit ist wohl die Sorge verbunden, dass nicht nur dänischer Atommüll dort versenkt werden könnte. Auch Ingo Ludwichowski vom Nabu Schleswig-Holstein will sich einmischen: „Sein Verband werde sich gegenüber Dänemark ebenfalls „sehr dezidiert äußern“. „Bei einem Unfall dort wären wir in Schleswig-Holstein schließlich direkt betroffen.““

Hier die Ankündigung zur Öffentlichkeitsbeteiligung auf der Seite des Umweltministeriums Niedersachsen:

Aufgrund verschiedener internationaler Verpflichtungen werden in Dänemark drei mögliche Lösungen für den Umgang mit dänischen schwach- und mittelradioaktiven Abfällen geprüft:

1) Ein Endlager für die Abfälle

2) Einrichtung eines Zwischenlagers für die Abfälle

3) Ausfuhr aller Abfälle

Im Rahmen einer Strategischen Umweltprüfung werden derzeit die potenziellen Umweltfolgen der Durchführung eines Plans für die erste Lösung, d. h. für einen „Plan zur Einrichtung eines Endlagers für dänische schwach- und mittelradioaktive Abfälle“ geprüft. Zu den möglichen Folgen gehören auch grenzüberschreitende Auswirkungen. Daher kann sich die deutsche Öffentlichkeit – also Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Behörden – an diesem Verfahren beteiligen. Darauf weist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz hin.

Für die Umweltprüfung hat das dänische Gesundheitsministerium einen Bericht vorgelegt, der für sechs verschiedene Standorte in Dänemark die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt behandelt. Das Lager soll alle dänischen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus Betrieben, Forschungsaktivitäten und dem Rückbau der Forschungseinrichtung Risø aufnehmen.

Zusätzliche Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, dort ist auch ein Download vorgesehen:

http://www.bmub.bund.de/themen/atomenergie-strahlenschutz/nukleare-sicherheit/internationales/uvpsup/sup-endlager-daenemark/

Stellungnahmen bzw. Eingaben können die deutsche Öffentlichkeit und die deutschen Behörden in deutscher Sprache bis zum 23. Januar 2015 unmittelbar bei folgender Stelle einreichen:

Special Consultant
Tove Kjeldsen

Danish Ministry of Health
Holbergsgade 6,
1057 København K
Denmark

E-mail

Eine Kopie der Stellungnahme bzw. Eingabe sollte zudem an

Christina Bergenhoff
Espoo Point of Denmark
Danish Ministry of Environment
Haraldsgade 53,
1057 København K
Denmark

E-mail

erfolgen. Gerne können Sie eine Kopie Ihrer Stellungnahme bzw. Eingabe auch an das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Referat 41, senden.

Das Ministerium wird im Januar 2015 eine eigene Stellungnahme abgeben.

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