Brexit verzögert Verkauf des Urankonzerns URENCO

Eigentlich wollten E.on und RWE ihre gemeinsamen Anteile im Umfang von 33 Prozent an dem Uranunternehmen URENCO längst verkauft haben. Bis heute ist daraus nichts geworden, auch wenn sich der E.on-Chef weiterhin zuversichtlich gibt: „„Der Verkauf ist nicht gescheitert, natürlich sind die Gespräche anspruchsvoll“, sagte Johannes Teyssen den Aktionären bei der Hauptversammlung“ von E.on letzte Woche (Agentur Reuters). Doch die Probleme für einen Verkauf werden eher größer als kleiner. Nicht nur die Frage, wie die Nicht-Verbreitung und Kontrolle bei einem Verkauf der URENCO aussieht, deren Anreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (GB) und in den USA auch atomwaffenfähiges Uran herstellen könnten, sind überaus schwierig und bislang ungelöst. Auch der Brexit wird erhebliche Auswirkungen für das dreistaatliche Unternehmen mit Hauptsitz United Kingdom haben.

Die britische Regierung hat erklärt, dass sie nicht nur aus der EU raus will, sondern auch EURATOM verlassen wird. Damit dürfte der bisherige Hauptsitz der URENCO in Großbritannien keine Zukunft mehr haben. Ohne das Kontroll- und Regelungsregime von EURATOM stellt sich für die britische Anlage in Capenhurst aber auch die Frage: Wie wird diese dann künftig überwacht, wenn EURATOM dafür nicht mehr zuständig ist? Und wie soll die künftige Versorgung der Capenhurst-Anlage mit Uran funktionieren, wenn das nicht mehr unter Kontrolle und im Eigentum von URENCO stattfindet? Fragen, die der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) gerade auch an die Bundesregierung gestellt hat.

Klar ist, dass die mit dem Brexit verbundenen Regelungen, die für URENCO erforderlich sein werden, den geplanten Verkauf weiter verzögern werden und RWE und E.on sich also weiter gedulden müssen, um die erhofften rund drei Milliarden Euro aus dem Verkauf realisieren zu können.

Ungeklärt allerdings scheinen weiterhin auch die bislang schon offenen Fragen, ob denn ein Verkauf der URENCO auch über einen Börsengang möglich sein könnte, was die im Gemeinsamen Ausschuss vertretenen Regierungen aus den drei Staaten nicht zulassen wollen, E.on und RWE aber unbedingt als Möglichkeit haben wollen.

Auch sonst gerät URENCO immer mehr unter Druck. Das Bundesumweltministerium prüft erstmals per Rechtsgutachten, wie eine Stilllegung der URENCO-Anlage in Gronau möglich wäre. Grund dafür sind auch die Lieferungen von angereichertem Uran an marode Atommeiler im Grenzgebiet zu Deutschland, Stichwort Tihange. Dass die URENCO-Anlage in Gronau sowie die Brennelementefabrik in Lingen bis heute vom Atomausstieg komplett verschont wurden, wird immer mehr zum Politikum und vor allem die SPD in der Bundesregierung sieht hier offenbar einen wachsenden Handlungsbedarf.

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