Ausbau Uranfabriken URENCO: Neue Atomanlage in UK geht 2018 in Betrieb – Neues Zwischenlager in Gronau 2019

Mit einigen Jahren Bauverzögerungen soll eine Uran-Konversionsanlage am britischen URENCO-Standort in Capenhurst im Laufe des Jahres 2018 in Betrieb gehen. Ein Zwischenlager für dieses konvertierte Uran soll dann in Gronau voraussichtlich 2019 starten. URENCO ist ein dreistaatliches Unternehmen, an dem die deutschen Atomkonzerne E.on/RWE sowie die niederländische und britische Regierung zu je einem Drittel beteiligt sind. Das Unternehmen betreibt Urananreicherungsanlagen in Gronau, Almelo, Capenhurst und in den USA (New Mexico) für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz im Atomreaktoren (darunter auch Tihange und Doel in Belgien). Die neue „Tails Management Facility“ (TMF) wandelt das chemisch brisante Uranhexafluorid (UF6) in die langfristig stabiler zu lagernde Form Uranoxid (U3O8) um. Bislang erfolgen solche Umwandlungsarbeiten z.B. für den URENCO-Standort Gronau im französischen Pierrelatte. Diese Umwandlung von UF6 zu U3O8 ist in der 2005 von der damaligen rot-grünen Landesregierung in NRW erteilten Ausbaugenehmigung für die URENCO in Gronau als Auflage festgeschrieben und wird von der NRW-Atomaufsicht überwacht. URENCO Gronau ist bislang vom Atomausstieg in Deutschland komplett ausgenommen und soll verkauft werden.

Die Inbetriebnahme dieser TMF in Capenhurst sollte eigentlich bereits in 2015 erfolgen, danach hieß es 2017. Nun wird erneut verschoben und 2018 angekündigt. Das Online-Portal WNN teilt außerdem mit: „Die Urenco-Gruppe investierte im ersten Halbjahr 2017 151,2 Millionen Euro (179,5 Millionen US-Dollar), davon 71% im Zusammenhang mit der TMF.“

Um Uran für den Einsatz in Leichtwasserreaktoren vorzubereiten, muss der spaltbare Anteil von etwa 0,7 auf ca. fünf Prozent erhöht werden. Das erfolgt in Zentrifugen, in die das Uran in der chemischen Form des Hexafluorids gasförmig eingespeist wird. Über zahlreiche Kaskaden entsteht dann als „Produkt“ das angereicherte Uran. Auf der anderen Seite fällt etwa im Verhältnis eins zu fünf abgereichertes Uran an. In beiden Fällen zunächst weiterhin Uranhexafluorid, auch UF6, genannt.

In Gronau lagern derzeit etwa rund 20.000 Tonnen von diesem abgereicherten UF6 unter freiem Himmel. Teilweise wird dieses abgereicherte Uran mehrmals durch die Zentrifugen geleitet und daher als UF6 weiterhin für die Produktion benötigt. Unterhalb bestimmter Grenzen, die stark von den Weltmarktpreisen beim Uran abhängig sind, aber auch z.B. vom Strompreis, wird aus dem abgereicherten Uran weiteres Uran angereichert. Eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE) hatte gezeigt, dass abgereichertes Uran auch zwischen den URENCO-Anlagen hin und her transportiert wird, z.B. weil in Almelo offenbar ein Kaskadenzug mit Zentrifugen eingerichtet ist, in dem auch weit abgereichertes Uran erneut angereichert werden kann.

Zwar gelingt es URENCO so, die Uranmengen von abgereichertem Uran besser auszunutzen. Mit Wiederverwertung hat das aber im Grundsatz nichts zu tun. Am Ende bleiben so oder so große Mengen abgereichertes Uran, das irgendwann „endgelagert“ werden muss.

Da das nicht in der Form des chemisch hochaggressiven UF6 erfolgen kann, wird es bereits für die längerfristige Zwischenlagerung in die chemisch stabilere Form von U3O8 umgewandelt. Bisher erfolgte das für die Anlage in Gronau z.B. in der zu AREVA gehörenden Konversionsanlage in Pierrelatte. Die neue TMF in Capenhurst wird ab 2018 dann diese Umwandlung für den URENCO-Konzern betreiben.

Abgereichertes Uran wird auch als Tails oder DU (Depleted Uranium) bezeichnet, das angereicherte Uran als Produkt und das natürliche Uran wird als Feed bezeichnet.

Zu dieser Maßnahme ist URENCO in Gronau durch die 2005 von der damaligen rot-grünen Landesregierung per Genehmigung angehalten: Im Kapitel I.3.6: Auflagen zum Strahlenschutz heißt es: „105. Mit dem erforderlichen zeitlichen Vorlauf ist vertraglich sicherzustellen, dass das durch den Betrieb der UAG anfallende Tails in eine geeignete externe Dekonversionsanlage zur antragsgemäßen Dekonversion in Uranoxid (Schreiben der Ureneo Deutschland GmbH GN/5166(04/Kb/KSr vom 12. Februar 2004) abtransportiert wird, sobald eine anlagenbedingte Maximal-Dosis von 0,7 mSv/a (Summe aus y-Ortsdosis und Neutronen-Ortsdosis am Außenzaun) trendbedingt – auch über das Kalenderjahr hinaus – erwartet werden kann. Der Abschluss entsprechender vertraglicher Vereinbarungen ist der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde unmittelbar nach Vertragsabschluss anzuzeigen.“

Außerdem heißt es auf Seite 54 im Punkt 171: „Spätestens bei einer Tails-Lagerauslastung von 50 % ist mit der Errichtung des Uranoxidlagers und weiteren Vorbereitungen zur Tailsentsorgung (Dekonversion) zu beginnen. Die Planungsfortschritte der Antragstellerinnen für die Dekonversion von Uranhexafluorid (UF6) aus der UAG in U308 und für die Zwischenlagerung von U3O8 sind der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde jährlich, im Hinblick auf den Nachweis der Endlagerfähigkeit des Uranoxids in einem Abstand von zwei Jahren nachzuweisen. Weiterhin ist jährlich ein Verbleibsnachweis von Tails in Deutschland über die folgenden sechs Kalenderjahre zu führen und jeweils der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde zu Beginn eines Kalenderjahres vorzulegen. Diese Auflage ersetzt die Auflage Nr. 19 des Bescheides Nr. 7/Ä2 UAG und die Auflage Nr. 11 aus Bescheid 7/Ä3 UAG.“

Auf Seite 111 der Genehmigung ist außerdem zu lesen: „Die Lagerungskonzeption: Die Antragstellerinnen sehen für die längerfristige Zwischenlagerung von Tails im Wesentlichen folgende Lagerungskonzeption vor: Das beim Betrieb anfallende Tails wird zu einer externen Anlage zur chemischen Umwandlung (Dekonversion zu U3O8) verbracht. Das U3O8 ist chemisch für eine längere Zwischenlagerung geeignet.

Das U3O8 wird in Stahlblechbehältern, die korrosionsgeschützt sind, zurück zur Anlage transportiert. Die mit LKW oder Eisenbahn ankommenden U3O8-Behälter werrden mittels Gabelstapler abgeladen, in den Verladebereich gefahren und dort abgestellt bzw. eingelagert. Der Transport der U308-Behälter innerhalb des Lagergebäudes erfolgt mit dem Kran. Dazu wird der Behälter im Verladebereich mittels einer Traverse aufgenommen und durch die Öffnung in der Trennwand zur vorgesehenen und markierten Lagerposition verfahren und abgestellt. Es sind 24 Reihen in Querrichtung und 69 Reihen in Längsrichtung vorgesehen. Die Behälter können bis vier Lagen übereinander gestapelt werden. Das Lagergebäude dient zum Schutz der Behälter gegen naturbedingte Einwirkungen wie Regen, Wind und auch Erdbeben sowie zum Schutz vor den Belastungen aus Druckwellen.“

Weitere Einzelheiten sind in der Genehmigung unter dem oben angegeben Link nachzulesen.

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