Geschichte „gelöscht“ – umweltFAIRandern hält die Zeit an – Dokumentation einer Atommüll-Tagung

Immer wieder bekomme ich Mails, die mich auf nicht mehr funktionierende Links in meinem Blog aufmerksam machen. Das liegt manchmal an Tippfehlern, meistens aber leider daran, dass Organisationen, Behörden und Initiativen einfach mal ein Relaunch machen und nur mangelhaft darüber nachdenken, was mit alten Inhalten passiert. Greenpeace, der BUND und viele andere haben in den letzten Jahren vorgemacht, wie man Geschichte und Wissen „vernichtet“/ löscht oder aber die Recherche nach solchen Umstellungen zumindest zur Experten-Aufgabe macht. Eine gewisse Ironie bekommt das, wenn es um Atommüll geht: Da suchen wir Sicherheit für Quasi die Ewigkeit – aber Erfahrungen, Diskussionen und Wissen aus der jüngsten Vergangenheit werden im Internet gelöscht (während sich andere Atommüllprojekte (Gorleben Archiv / Atommüllreport) gerade bemühen, die alte gedruckte Anti-Atom-Bewegung online zu bringen!). Aktueller Anlass, warum ich das nun beklage? Der Deutsche Naturschutz Ring (DNR), Dachverband der Umwelt- und Naturschutzorganisationen, hat offenbar auch „relaunched“ und z.B. die Dokumentation einer Atommüll-Tagung vom März 2014 aus dem Netz genommen. umweltFAIRaendern hält die Zeit an.

Im folgenden bringt umweltFAIRaendern diese Dokumentation, die der DNR gelöscht hat, nun hier neu ins Netz (siehe weiter unten). Der Grund ist nicht nur, das in diesem Blog im Zusammenhang mit der Atommüll-Lagersuche und dem Standortauswahlgesetz häufiger auf diese Seite verwiesen wird. Der Grund ist auch, um an diesem Beispiel schlicht auf das Problem aufmerksam zu machen und vielleicht die eine oder andere Initiative oder Organisation darauf aufmerksam zu machen, dass es vielleicht im Internet auch darum gehen sollte, bereits veröffentlichtes Wissen nicht einfach bei einer Neu-Fassung einer Homepage achtlos zu vergessen, sondern es für spätere Interessierte zu erhalten.

Es gäbe viel dazu zu schreiben, hier nur zwei Anmerkungen:

  1. Ein Problem für einen Blog wie diesen, der Beiträge aus Medien aufgreift, ist: Die Quellen von öffentlich-rechtlichen Medien verschwinden aufgrund der unsäglich dummen (neoliberalen) Regelungen meist nach bestimmter Frist von deren Seiten. Das soll den privaten Medien und Verlagen nützen. Deren Berichte sind entweder deutlicher länger oder unbefristet online – oder können per Gebühr über die dortigen Archive bezogen werden. Für diesen Blog ist es also immer die Frage: Hat es einen Sinn auf eine öffentlich-rechtliche Quelle zu verweisen, wenn diese ohnehin demnächst aus dem Netz gelöscht wird? Das führt dann dazu, was von derartigen Quellen besser viel im eigenen Text zitiert wird, um die Quelle weitgehend online verfügbar zu halten – oder aber die öffentlich-rechtliche Quelle wird einfach außen vor gelassen. Bei den privaten Seiten ist das Problem etwas anders gelagert: Dort sind (noch) viele Seiten frei verfügbar oder über wechselnde „Tricks“ aufrufbar. In vielen Fällen aber blieben die Seiten, wenn sie nicht mehr frei verfügbar sind, über Bezahlservice erreichbar. Die Variante, aus diesen Quellen umfangreich zu zitieren, besteht natürlich – allemal bei einem nicht-kommerziellen Blog. Aber sie birgt doch das Risiko, dass die Urheber das nicht so dolle finden.
  2. Ein „Hohelied“ auf die Öffentlichen Bücherhallen wollte ich hier schon lange mal singen. Hier passt es jetzt! Auch wenn es die in 1. genannten Punkte nicht wirklich löst. Eine wunderbare Sache ist, dass die Öffentlichen Bücherhallen (mindestens in Hamburg) mit ihrem Online-Angebot auch den Zugang zu Presse-Datenbanken bieten. Da könnte man sich auch mehr wünschen, aber immerhin gibt es dort die private Genios-Presse-Datenbank mit 300 lokalen, überregionalen und internationalen Tages- und Wochenzeitungen sowie 700 Magazinen zu lesen. Außerdem den internationalen Pressreader, in dem noch mehr drin steckt. Das Gute daran: Diese Informationen stehen für Mitglieder der Öffentlichen Bücherhallen online im Rahmen der normalen Gebühr mit entsprechender Verzögerung zur Verfügung.

Aber eigentlich sollte hier nun was zur digitalen Geschichts-Rettung beigetragen werden:

Dokumentation der Inhalte einer gelöschten DNR-Seite: http://www.dnr.de/aktuell/dokumentation-tagung-atommuell.html

Die vom Deutschen Naturschutzring (DNR) federführend und einem breiten Trägerkreis aus Umweltverbänden und Bürgerinitiativen organisierte und viel beachtete Tagung „Atommüll ohne Ende – Auf der Suche nach einem besseren Umgang“ am 28. und 29. März 2014 erbrachte viele Erkenntnisse für das weitere Verfahren. Einen Auszug der Tagungsdokumentation finden Sie nachfolgend. Die Dokumentation wird sukzessive komplettiert.

Programmflyer [257 KB]

Vorträge

„Ist das unser Müll?“ Rolle eines Umweltverbandes beim Konflikt um die Endlagerung von Atommüll [138 KB]
Prof. dr. Hubert Weiger, Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Konsequenzen aus der Bestandsaufnahme Atommüll – Die Atommüll-Diskussion vom Kopf auf die Füße stellen [84 KB]
Ursula Schönberger, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad

Fehler vermeiden in Suchverfahren von Standorten für radioaktive Abfälle: Erkenntnisse aus den schweizerischen Verfahren [579 KB]
Marcos Buser, Geologe, Institut für nachhaltige Abfallwirtschaft GmbH (INA), Zürich

Demokratische Atommüllpolitik – was wäre das? [342 KB]
Reinhard Ueberhorst

AG 1 Stärken und Schwächen existierender Beteiligungsverfahren, insbesondere beim Atommüll
Historische Beispiele [2.465 KB]
Ulrike Donat, Rechtsanwältin und Mediatorin

Konsensorientierter Dialog bei der Stilllegung von Atomanlagen des HZG (ehemals GKSS) [1.137 KB]
Torsten Fischer, Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Bernd Redecker, Begleitgruppe

Erkenntnisse aus dem schweizerischen Verfahren [10.799 KB]
Marcos Buser

AG 2 Probleme mit Atommüll sind viel größer
Probleme bei der Atomfabrik Eckert& Ziegler [131 KB]
Peter Meyer, BI Strahlenschutz Braunschweig

AG 3 Lagerung hochradioaktiver Abfälle
Wie lange kann der Atommüll in den Zwischenlagern bleiben? [83 KB]
Raimund Kamm, FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik, Gundremmingen

AG 4 Rahmenbedingungen für eine Beteiligung
Was braucht ein gelingendes Verfahren im Umgang mit dem Atommüll? [33 KB]
Roland Schüler, Friedensbildungswerk Köln

AG 5 Rolle der Medien und ihre Verantwortung beim Atomkonflikt
Es liegen noch keine Beiträge vor.

Ausblick – Wie geht es weiter?
Prinzipien und Bedingungen gelingender Vermittlung in öffentlichen Konflikten. Bedeutung von Vertrauen und Misstrauen [39 KB]
Roland Schüler, Friedensbildungswerk Köln

Print Friendly, PDF & Email

1 Gedanke zu „Geschichte „gelöscht“ – umweltFAIRandern hält die Zeit an – Dokumentation einer Atommüll-Tagung

Kommentar verfassen