Atomalarm in der Luft: Schlafende Piloten Ursache für AKW-Teilevakuierung? Sechs Renegade-Vorfälle

Ist der unter Sicherheitsorganen als „Renegade“ bezeichnete Luft-Atom-Alarm vom 10. März, bei dem Kampfflugzeuge wegen fehlendem Funkkontakt zu einem Passagierflugzeug starteten und das Personal fast aller deutschen Atomkraftwerke teilevakuiert wurde, durch schlafende Piloten der Air India-Maschine ausgelöst worden? WDR-Journalist Jürgen Döschner hat über Twitter auf einen entsprechenden Bericht von Aereo.de hingewiesen. Mit Bezug auf die „Times of India“ heißt es dort: „Zwei indische Linienflüge antworten der Flugsicherung nicht und lösen Großalarm im europäischen Luftraum aus. Eurofighter steigen auf, Atomkraftwerke werden evakuiert. Haben die beteiligten Piloten im Februar und März sprichwörtlich „gepennt“? Indiens Luftfahrtaufsicht DGCA vermutet das.“ Ein Video zeigt außerdem einen Luft-Alarm-Einsatz von Kampfflugzeugen mit einem Passagierflugzeug bei einem weiteren Vorfall im Februar. (Foto: Screenshot Bundeswehr-Journal. Das Hintergrundbild der Infografik zeigt zwei deutsche Eurofighter am 7. September 2009 beim Luftkampf-Training. (Foto: Ingo Bicker/Luftwaffe/Bundeswehr))

Latente Proliferation – Wie „friedlich“ ist die Atomenergie?

Es wird wieder über Atomwaffen debattiert. Über mehr, neue, modernisierte und die Frage, wer darüber verfügen darf. Und seitens der UN und einigen Friedensbewegten auch über einen weltweiten Bann dieser Waffen. Sogar über eine deutsche Nuklearbewaffnung wurde um den Regierungswechsel in den USA herum eine Diskussion geführt und die neue US-Regierung Trump will mächtig aufrüsten und fordert dies insbesondere auch von der EU. Die Aufregung ist irgendwie groß und moralische Entrüstung schnell auf dem Plan. In der EU sind Frankreich und Großbritannien Atomwaffenstaaten. Andere EU-Staaten betreiben demnach ein ausschließlich „ziviles“ Atomprogramm. Unter dem Stichwort „Dual-Use“ werden die Grenzen und Überschneidungen beschrieben, die der Atomenergietechnik inne sind. Dass eine solche Trennung von militärischer und ziviler Nutzung der Atomenergie nur schwerlich realitätstauglich ist, hatte Roland Kollert in seinem Buch „Politik der latenten Proliferation – Militärische Nutzung „friedlicher“ Kerntechnik in Westeuropa“ bereits 1994 anhand von Länderstudien aufgezeigt. Mit Genehmigung des Autors stellt umweltFAIRaendern dieses Buch nun als PDF komplett und in einer aktualisierten Fassung zum kostenlosen download zur Verfügung.

Atomtransporte Hamburg: Proteste und radioaktive Frachten für den Super-GAU

Während letztes Wochenende knapp über 300 Menschen an den Hamburger Landungsbrücken gegen Atomtransporte demonstrierten, bilanziert die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Bürgerschaft: 45 Atomtransporte, davon 16 mit angreichertem Uran, sind seit Anfang Dezember bis Ende Februar 2017 erneut über Hamburg durchgeführt worden. Die Transporte dienen überwiegend der Versorgung von Atomanlagen mit dem erforderlichen Brennstoff. Brandheiße News weiß der Senat über den Verlauf der in dem rot-grünen Koalitionsvertrag vereinbarten Zielsetzung zu einem Ende der Atomtransporte über den Hafen zu berichten: „Im Dezember 2016 wurde mit einem weiteren Umschlagsunternehmen gesprochen.“

Atomalarm in der Luft: Im Ernstfall wäre kein AKW sicher!

Der WDR bestätigt heute den Bericht von umweltFAIRaendern, dass bei dem Atomalarm nach einem Ausfall der Funkverbindung zu einem Passagierflugzeug am letzten Freitag nahezu alle Atomkraftwerke von Schutzmaßnahmen betroffen waren und Teile der Belegschaften evakuiert wurden. Auch die Augsburger Zeitung hatte das am Wochenende gemeldet. Eine Recherche des WDR, so der Sender, habe ergeben, dass insgesamt „mindestens 17 Atomreaktoren an zwölf Standorten in ganz Deutschland betroffen“ waren. Ausgenommen oder ungeklärt ist das AKW Isar bei Landshut mit einem stillgelegten und einem in Betrieb befindlichen Reaktor. „Nach Einschätzung vieler Fachleute ist keines der deutschen Atomkraftwerke gegen eine gezielte Attacke mit einem großen Passagierflugzeug gesichert“, berichtet der WDR.

Rostende Brennelemente: AKW Brokdorf bleibt vorerst abgeschaltet

Das AKW Brokdorf bleibt auf Anordnung der Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zunächst weiter abgeschaltet. Grund sind Befunde an Brennelementen, an denen sich eine Oxid-Schicht über die Vorschriften hinaus entwickelt hat und deren Ursache bislang unklar ist. Während Betreiber E.on/PreußenElektra davon spricht, dass diese nur an einer bestimmten Charge von Brennelementen aufgetreten sind und damit wohl auf einen Fabrikationsfehler hinweisen will, spricht die Kieler Atomaufsicht davon, dass zwei Chargen betroffen sein könnten. Die Atombehörde in Schleswig Holstein unter dem grünen Minister Robert Habeck glaubt laut Spiegel „nun auch Parallelen entdeckt zu haben zu Störfällen in anderen deutschen AKW, etwa in Philippsburg und in Grohnde. Dies gab offensichtlich den Ausschlag, die Bestückung der Anlage mit neuen Brennelementen zu unterbinden.“ Im Mai finden in Schleswig-Holstein Landtagswahlen statt. Am 23. April findet am AKW Brokdorf anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe eine Protest- und Kulturmeile statt.

Atomalarm in der Luft: Gorleben nicht betroffen – Umweltministerium Hannover fordert bessere Information der Öffentlichkeit

In Reaktion auf einen abgebrochenen Funkkontakt zu einem Passagierflugzeug letzten Freitag wurden entweder an allen oder vielen Atomkraftwerken Teilevakuierungen des Personals vorgenommen. Eine Maßnahme, mit der im Krisenfall die Zahl möglicher Innentäter in den Atomanlagen reduziert werden soll. Kampfflugzeuge der Luftwaffe waren im Alarm-Modus gestartet, um in der Luft Kontakt zu der betreffenden Maschine herzustellen. Inzwischen liegen Informationen der BI Lüchow-Dannenberg vor, dass das Castor-Zwischenlager in Gorleben offenbar nicht von derartigen Maßnahmen betroffen war. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel sagte mit Blick auf die Atomkraftwerke Grohnde, Lingen und Unterweser/Esensham in einer Presseerklärung: Gelingt es den Piloten der Kampfjets nicht, Kontakt herzustellen, “ können Anlagen auch vorsorglich abgeschaltet werden.“ Das aber erfolgte letzten Freitag nicht. Außerdem forderte er, dass die Unterrichtung der Öffentlichkeit über derartige Vorfälle verbessert werden müsse.

Atomalarm in der Luft: AKWs teilevakuiert – Wäre ein Abschuss möglich gewesen?

(Überarbeitung/Update) Laut Angaben der Augsburger-Zeitung wurden letzten Freitag alle Atomkraftwerke in Deutschland teilevakuiert. Das habe ein RWE-Sprecher der Zeitung bestätigt (siehe dazu gleich weiter unter). Der Grund: Zu einer Maschine vom Typ A300 Boeing 787 auf ihrem Flug über Ungarn, Deutschland und Belgien nach London war der Funkkontakt abgebrochen. Bereits die ungarische und die tschechische Luftwaffe hatten die Maschine offenbar überprüft. Über dem deutschen Hoheitsgebiet übernahmen Eurofighter die Begleitung. Was aber hätte im Ernstfall, also bei einem Terrorangriff, geschehen können? Hätte die Maschine abgeschossen werden können? (Foto: Eurofighter-Eskorte für die britische Königin.Quelle: Luftwaffe/Stefan Petersen.)

Atommüll Endlager Suche: Die Anhörung im Bundestag als Video

Wie soll die Suche nach einem Atommüll-Endlager für hochradioaktive Abfälle künftig ablaufen? Am letzten Mittwoch fand zur geplanten Novellierung des Standortauswahlgesetzes und einiger damit verbundener anderer Gesetzesänderungen eine vierstündige Anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags statt. Die Anhörung ist auf der Homepage des Bundestages in der Mediathek verfügbar. UmweltFAIRaendern dokumentiert das Video vom Server des Bundestags gleich hier unten. Auch das Thema der Export-Verbote für abgebrannte Brennelemente z.B. aus Jülich war Thema der Sitzung. Während BUND, Greenpeace und die BI Lüchow-Dannenberg gemeinsam mit der Fraktion DIE LINKE die Regelungen zum Export-Verbot kritisierten, weil Schlupflöcher möglich sind, betonten VertreterInnen von SPD und Grünen und vom Bundesumweltministerium, dass sie für derartige Exporte nach dem jetzigen Formulierungsvorschlag für das Gesetz keine Chance mehr sehen.

AKW Brokdorf: Blockiert

Rund 30 AktivistInnen haben nach Medienberichten heute morgen aus Anlass des Jahrestags der mehrfachen Fukushima-Katastrophe die beiden Zufahrtstore des AKW Brokdorf blockiert. Der Atommeiler an der Elbe ist zur Zeit abgeschaltet, nachdem während des Brennelementewechsels Oxid-Anhaftungen entdeckt worden, die über den zulässigen Grenzwerten liegen. Derzeit wird geprüft, welche Ursachen dafür verantwortlich sind. Die AtomkraftgegnerInnen fordern die sofortige Stilllegung des Atommeilers, der nach den gesetzlichen Regelungen noch bis Ende 2021 Atomstrom und Super-Gau-Risiken erzeugen darf. Außerdem machen die AktivistInnen auf die Demonstration gegen Atomtransporte am Samstag in Hamburg aufmerksam. (Foto: Fotograf: Pay Numrich)

Gering erhöhte Emissionen des radioaktiven Jod 131: Ursache Störfall in norwegischem Forschungsreaktor?

Vor einigen Wochen stellten zahlreiche Messinstitute eine geringe Erhöhung des radioaktiven Jod 131 fest. Ausgehend von Stationen in Skandinavien wurde diese Emission auch in Deutschland und Frankreich gemessen. Es handelte sich dabei um Werte im Bereich von Micro-Becquerel. Eine Ursache konnten die Behörden für diese Werte jedoch nicht angeben. Nun berichtet Detlef zum Winkel bei Telepolis über einen Störfall in einer Atomforschungsanlage in Norwegen, die möglicherweise als Verursacher in Frage kommen könnte.

Atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung und die Post!

Am 21. März beginnt der Erörterungstermin zur Stilllegung der ehemaligen Atomforschungsanlage der GKSS bei Geesthacht. Diverse Einwendungen, die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren eingesandt worden sind, kamen verspätet an und bleiben damit außen vor. Der Grund: Die Deutsche Post brauchte teilweise drei oder vier Tage, um Einschreibe-Briefe bei der zuständigen Behörde in Kiel abzuliefern (Siehe nebenstehendes Foto).

Atommüll-Endlager könnte „den Bevölkerungsrückgang im Fichtelgebirge verstärken“

Wo soll der hochradioaktive Atommüll dauerhaft gelagert werden? Heute hat der Bundestag zu einem Gesetzentwurf, der das klären soll, eine vierstündige Anhörung durchgeführt. In Bayern, genauer im Fichtelgebirge, macht man sich deshalb Sorgen: „Der Bischofsgrüner Bürgermeister Stephan Unglaub sagt, der Gemeinderat habe bereits in einer Stellungnahme im August 2011 ein mögliches Endlager im Fichtelgebirge abgelehnt. Daran habe sich zwischenzeitlich nichts geändert. Die Gesteinsformationen im Fichtelgebirge seien für die Endlagerung hoch radioaktiven Atommülls nicht geeignet, bekräftigt Unglaub. Zudem gebe es im angrenzenden Egerer Becken immer wieder Schwarmbeben. Und: Die Belastung durch natürliche Radioaktivität sei in der Region ohnehin relativ hoch. Die Gemeinde befürchtet, dass ein mögliches Endlager den Bevölkerungsrückgang im Fichtelgebirge verstärken könnte.“ So berichtet der Nordbayerische Kurier.