Spurensuche: Atomforschung in Celle, Nazi-Deutschland – Uran-Anreicherung und die Zentrifugen

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Uran-Zentrifugen im industriellen Einsatz – Die Forschung begann in Nazi-Deutschland, unter anderem in Celle.

“Kernenergieforschung in Celle 1944/45. Die geheimen Arbeiten zur Uranisotopentrennung im Seidenwerk Spinnhütte”. Das ist der Titel eines bereits 1995 veröffentlichen Buches von Hans-Friedrich Stumpf, in dem er die Aktivitäten einiger Wissenschaftler in Nazideutschland zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Celle untersucht. Ihr Chef: Paul Harteck aus Hamburg. Ihr Ziel: Die deutsche Atombombe. Ihre Absicht: Mit der Entwicklung von Ultra-Gaszentrifugen das spaltbare Uran 235 so weit anzureichern, dass es entweder direkt zur Atombombenherstellung hätte eingesetzt werden können oder aber mit einer Anreicherung von 3-5 Prozent in einem mit normalem Wasser als Moderator betriebenen Reaktor zu Plutonium verwandelt, am Ende den gleichen Zweck hätte erfüllen sollen. Doch permanenter Material- und Ressourcenmangel und immer wieder Luftschläge der Alliierten verhinderten letztlich, dass diese Forschungen erfolgreich verliefen.

Spurensuche: Auferstanden aus Verbrechen – Deutsche Atomschmiede in Karlsruhe und ein Whistleblower

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Léon Gruenbaum: Whistleblower zur Nazi-Geschichte der ehemaligen Atomforschungsanlage Karlsruhe.

Spurensuche zur Geschichte der Atomenergie in Deutschland. Erst vor kurzem ist eine neue Studie von Tilman Hanel unter dem Titel “Die Bombe als Option – Motive für den Aufbau einer atomtechnischen Infrastruktur der Bundesrepublik bis 1963” erschienen. Darin steht auch das ehemalige Kernforschungszentrum in Karlsruhe im Zentrum der Betrachtungen. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Forschungszentrums – Dr. Léon Gruenbaum – hat jetzt von der “Vereinigung Deutscher Wissenschaftler” posthum einen “Wistleblower-Ehrenpreis” verliehen bekommen, weil er wichtige Informationen über Akteure in der frühen bundesdeutschen Atomforschung und ihre Verstrickung in die Nazi-Verbrechen ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat.

Spurensuche: Nazi-Deutschland und die Atombombe – Kurt Diebner, Paul Harteck, schweres Wasser aus Norwegen und tote Partisanen

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Kurt Diebner (Mitte) und die Nazi-Atombombe: Tote Partisanen und Norweger für die Beschaffung von schwerem Wasser für die Forschung.

Am 20. Dezember 1943 – kurz vor Weihnachten – sitzen die Herren Diebner, Harteck, Orlicek und einige andere in Leuna (Wikipedia) zusammen. Ihr Thema: “Übernahme der SH 200-Anlagen in Norwegen nach Mitteldeutschland”. Über dem Protokoll der Besprechung (Deutsches Museum, Geheimakten) in knallrot der Stempel: “Geheim! 1. Dies ist ein Staatsgeheimnis im Sinne §88 RStG.” Kein Wunder: Die Herren beratschlagen, wie sie die Versorgung mit dem für die Atom(bomben)forschung dringend benötigten schweren Wasser (Deuterium) sicherstellen können. Dr. Diebner ist, so vermerkt es das Protokoll, “Bevollmächtigter für Kernphysik”. Er spricht abstrakt von “politischen Gründen”, die den Nachschub des dringend benötigten schweren Wassers aus Norwegen behindern. Was er nicht ausspricht: Mehrfach hatten norwegische Widerstandskämpfer und alliierte Luftangriffe die einzige Produktionsanlage im besetzten Norwegen bombardiert oder die Transporte angegriffen. Dabei kamen viele Menschen ums Leben und Partisanen wurden erschossen.

Spurensuche Hitlers Bombe – Atomforschung in Nazi-Deutschland – Video-Dokumentation

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Video über die Nazi-Atomforschung. Carl Friedrich von Weizsäcker (Foto: Screenshot des Videos)

Über die Entdeckung der Kernspaltung und den Stand der Atomforschung in Nazi-Deutschland berichtet eine Video-Dokumentation aus dem Jahr 1992. Darin kommen die damals noch lebenden Wissenschaftler Carl-Friedrich von Weizsäcker und Erich Bagge zu Wort, die zu den maßgeblichen Atomforschern in Nazi-Deutschland gehörten. Bagge war Mitglied der NSDAP und gründete gemeinsam mit Kurt Diebner später die Atomforschungsanlage GKSS in Geesthacht bei Hamburg.

Atomenergie: Bonn und die Bombe

kuenzel-bonn-und-die-bombe-coverAm Anfang stand die Bombe. Auf diesen kurzen Nenner könnte man die Entdeckung der Kernspaltung und ihrer Möglichkeiten bringen. Heute ist in der Wissenschaft weitgehend geklärt, dass bei der Entwicklung der Atomenergie in der jungen Bundesrepublik militärische Interessen eine große Rolle spielten. Mit dem Buch “Bonn und die Bombe” (Inhaltsverzeichnis) hatte Matthias Küntzel Anfang der 90er Jahre eine umfangreiche Recherche vorgelegt, die aufzeigte, wie die Bundesrepublik unter Adenauer und dem Atomminister Strauß  die Option auf die Bombe anstrebte. Jetzt ist das Buch – mit Unterstützung von umweltFAIRaendern – online und kostenlos auf der Homepage des Autoren verfügbar (PDF).

Der deutsche Finger am Abzug: Atombomben-Technologie vor dem Ausverkauf

Urananreicherung findet in Deutschland bei der URENCO statt: Technisch ist die Herstellung von atomwaffenfähigem hochangereichertem Uran möglich. Foto: Dirk Seifert
Urananreicherung findet in Deutschland bei der URENCO statt: Technisch ist die Herstellung von atomwaffenfähigem hochangereichertem Uran möglich. Foto: Dirk Seifert

Die Urananreicherungsanlagen der URENCO dienen der Brennstoff-Versorgung für Atomkraftwerke. Sie können aber auch Uran für die Atombombe herstellen. Vom Atomausstieg ist die bundesdeutsche Anlage im westfälischen Gronau ausgenommen. Zu je einem Drittel gehört die URENCO den Niederlanden, Großbritannien und den deutschen Konzernen E.on und RWE. Die deutschen Konzerne und Großbritannien drängen seit Jahren darauf, ihre Anteile zu verkaufen. Von “Privatisierung” ist die Rede und von Verkaufserlösen um die 10 Mrd. Euro. Die Süddeutsche Zeitung widmet sich jetzt dieser Geschichte von Atombomben, Geheimdiensten, Militärs und fragwürdigen Investoren.

Hiroshima-Nagasaki: Eine Mahnung für Atomausstieg und Abrüstung

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Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der Linken, vor Ort in Gronau vor der dortigen Uranfabrik beim diesjährigen Ostermarsch – gemeinsam mit einem Aktivisten aus Tanzania. Foto: Dirk Seifert

In der nächsten Woche jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 69. Mal. Anlass für die Anti-Atom- und Friedensinitiativen rund um die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, am kommenden Sonntag, den 3. August, eine Kundgebung unter dem Motto “Hiroshima und Fukushima mahnen – für eine Welt ohne Atomwaffen und Atomenergie” durchzuführen. Auf der Kundgebung gibt es u. a. Redebeiträge der japanisch-deutschen Gruppen Sayonara Genpatsu Düsseldorf und Antiatom-fuku sowie von der DFG-VK. Vor Ort wird auch der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel von der Links-Fraktion sein, der heute mit einer Presseerklärung zur Teilnahme aufrief (siehe gleich unten).

Die Nazis, die Uranmaschine und die deutsche Atombombe

Plakat zum Film: Geheimsache Nazi-Uran, Quelle: RBB
Plakat zum Film: Geheimsache Nazi-Uran, Quelle: RBB

Über die Entwicklung der Atomenergie im deutschen Faschismus werden in den letzten Jahren vermehrt Forschungsergebnisse veröffentlicht. Unter dem Titel “Geheimsache Nazi-Uran: Atomjagd in Brandenburg” haben jetzt Thomas Claus und Maren Schibilsky einen Film gemacht, in dessen Zentrum die zum Degussa-Konzern (Karl-Heinz Roth, PDF) gehörenden Auer-Werke in Oranienburg stehen. Dort hat der Physiker Dr. Nikolaus Riehl daran gearbeitet, für die Atom-Forschung in Nazi-Deutschland ausreichende Mengen Uran herzustellen. Dr. Nikolaus Riehl war Uranmetallspezialist und Forschungsleiter der Auergesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er laut der beim RBB ausgestrahlten Dokumentation eine der Schlüsselfiguren für die Herstellung der ersten sowjetischen Atombombe.

Atomprogramm des Iran: Mit oder ohne Bombe?

Radioaktiv-05.jpgDie Weltmächte feiern ein Abkommen mit dem Iran, mit dem ein erster wichtiger Schritt unternommen worden sein soll, dass das Land keine Atombomben herstellen kann. Der Iran baut derzeit das Potential auf, mit dem grundsätzlich der Zugriff auf eine Atombombe möglich wird. Der Iran behauptet, dass er an einer militärischen Nutzung der Atomanlagen nicht interessiert sei, sondern diese Anlagen lediglich zu Forschungszwecken und zur Stromproduktion bauen und betreiben will. Zweifel daran sind aus einer Vielzahl von Argumenten mehr als berechtigt.

Spurensuche: „Hitlers Bombe“ – Nazi-Forschung und Entwicklung an einer militärischen Nutzung der Atomenergie und ein Ausblick auf die Debatte um die Atombewaffnung in der jungen Bundesrepublik Deutschland der 50er Jahre.

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Gab es eine atomare Nazi-Bombe. Ein Buch und viele Hinweise…

Hatte Hitler die Atombombe? Wie war der Stand der Forschung und Entwicklung in Sachen Atomenergie im Faschismus? Gab es eine “Explosion mit Kernenergiefreisetzung”? Und was wurde aus diesem Nazi-Wissen über die Atomspaltung in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland? Wie waren die politischen Interessen zu einer deutschen Atombombe im Nachkriegs-Deutschland?

Atommülllager ASSE: Strahlenschrott aus der Nazizeit und militärisches Erbe?

ASSE-RoWoAktion-Sylverster2011-001Liegt im absaufenden Atomlager ASSE auch das radioaktive Erbe aus der Nazizeit? Im Juli 2011 berichteten zahlreiche Medien: “Die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” vom 29. Juli 1974 zitiert den damaligen stellvertretenden Asse-Betriebsleiter Alwin Urff mit den Worten: “Als wir 1967 mit der Einlagerung begannen, hat unsere Gesellschaft als erstes radioaktive Abfälle aus dem letzten Krieg versenkt, jene Uranabfälle, die bei der Vorbereitung der deutschen Atombomben anfielen”, sagte Urff. “Die mussten wir nämlich aus Betonbunkern in der Nähe von München herausholen, wo sie seinerzeit deponiert worden waren, weil man damals ja nicht wusste, wo in drei Teufels Namen man das Zeug denn lassen sollte.”” (zitiert nach Verivox, dpad)

Die Atombombe kam aus Deutschland – Ein Bericht von RBB

Radioaktiv-07.jpgBereits vor 1945 forschten Physiker in Deutschland intensiv an der Atomenergienutzung. Die Entwicklung von Reaktor-Prototypen ebenso wie die militärische Nutzung spielten dabei eine Rolle. Im Zentrum dabei stand der Uran-Verein, der die deutschen Forscher zusammen fasste. Ausführlich berichtet Rainer Karlsch in seinem 2005 veröffentlichten Buch “Hitlers Bombe: Die geheime Geschichte der deutschen Kernwaffenversuche” (siehe hier auf Wikipedia). Darin versucht Karlsch nachzuweisen, dass es möglicherweise im März 1945 im deutschen Faschismus zu einer Explosion mit Kernenergiefreisetzung kam. In der Folge der Veröffentlichung kam es zu einer heftigen Kontroverse.