Nachbau des Versuchs-Atom-Reaktors in Haigerloch. Für eine stabile Kettenreaktion reichte es am Ende nicht.

Spurensuche: Atomreaktor-Versuche in Nazi-Deutschland – Haigerloch Keller-Museum

Bis zum Schluss versuchten deutsche Atomforscher unter dem Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg eine nukleare Kettenreaktion hinzubekommen. Bereits schnell nach der Entdeckung der Kernspaltung hatten verschiedene Wissenschaftler die Möglichkeiten der Kernspaltung sowohl zur Energieerzeugung als auch zur Atombombe erkannt und die entsprechenden staatlichen Stellen darüber informiert. Mehrere Forschungsgruppen, nur teilweise über den 1939 gebildeten sogenannten „Uran-Verein“ koordiniert, machten sich an die Arbeit. Während zum Kriegsende eine Gruppe um Kurt Diebner vor allem im thüringischen Stadtilm experimentierte, war eine Gruppe um Werner Heisenberg im württembergischen Hechingen und Haigerloch aktiv. Dort, in einem ehemaligen Bierkeller in Haigerloch, errichteten sie ab September 1944 einen Versuchs-Reaktor, um eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion zu erreichen. Doch das Experiment B-VIII scheiterte im Februar/März 1945. Heute zeugt in dem dortigen Atomkeller ein kleines Museum von diesen Versuchen, bemüht vor allem eines festzustellen: „Die Atombombe stand nicht auf dem Programm“. Eine Aussage, die wissenschaftlich so nicht zu halten ist.

Spurensuche: Militärische Motive der deutschen Atomenergie-Politik und die Atomforscher Kurt Diebner und Erich Bagge

Diebner-Strauß-Bagge
Vielfältige Atomkontakte: Der Atom- und spätere Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (Mitte) und die beiden Atomforscher Kurt Diebner (links) und Erich Bagge (rechts). Foto: Montage

Am Anfang stand die Atombombe. Direkt nach der Entdeckung der Kernspaltung und der dabei frei werdenden Energie begann in Nazi-Deutschland ein vielfältiges Forschungsprogramm, mit dem der Bau einer Atombombe realisiert werden sollte. Auch in der Frühphase der jungen Bundesrepublik spielte die Atombombe bei der Entwicklung eines Atomenergieprogramms eine herausragende Rolle – allerdings aufgrund der internationalen Rahmenbedingungen mit Ausnahmen eher im Versteckten und später unter dem Mantel der zivilen Atomenergienutzung im Rahmen des „geschlossenen Brennstoffkreislaufs“. Mit diesem Text setze ich meine „Spurensuche“ über die militärischen Interessen an der Atomenergie in Nazi-Deutschland und der frühen Bundesrepublik fort (*siehe ganz unten im Text). In einer Studie hat Roland Kollert im Jahr 2000 auf die militärischen Motive an der Atomenergie in der jungen Bundesrepublik aufmerksam gemacht und zahlreiche Hinweise nicht nur mit Blick auf die Bonner Politik, sondern auch auf die wissenschaftliche Unterstützung gerichtet. Dabei berichtet er auch über die Aktivitäten der Atomforscher Erich Bagge und Kurt Diebner, die bereits in der Nazi-Zeit zusammengearbeitet und später gemeinsam die Atomforschungsanlage GKSS in Geesthacht gegründet haben.

Die Suche nach Hitlers „Atombombe“ – ZDF Rechereche und Doku

Gab es ihn wirklich - den Bau an Hitlers Atombombe? Copyright: ZDF/Lukas Kronsteiner
Gab es ihn wirklich – den Bau an Hitlers Atombombe? Copyright: ZDF/Lukas Kronsteiner

Das ZDF hat sich auf die „Suche nach Hitlers „Atombombe““ begeben und in Verbindung mit einer recht umfangreichen Recherche eine Dokumentation gesendet. Als wissenschaftlicher Berater u.a. mit dabei Rainer Karlsch, der mit dem Buch „Hitlers Bombe“ im Jahr 2005 für Aufsehen sorgte, weil er auf bislang wenig beachtete Atomforscher in Nazi-Deutschland abstellte und über Forschungsarbeiten berichtete, die möglicherweise auf eine Art nuklearer Waffe auf dem Prinzip der Hohlladungsexplosion (Implosion) abzielten. In dem ZDF Beitrag wird außerdem über Standorte in Österreich berichtet, wo zahlreiche unterirdische Anlagen existieren, die unter Leitung des SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Hans Kammler entstanden, – Hitlers „Geheimwaffenchef“.

Spurensuche: Nazi-Deutschland und die Atombombe – Kurt Diebner, Paul Harteck, schweres Wasser aus Norwegen und tote Partisanen

Kurt-Diebner-FotoaufDoku
Kurt Diebner (Mitte) und die Nazi-Atombombe: Tote Partisanen und Norweger für die Beschaffung von schwerem Wasser für die Forschung.

Am 20. Dezember 1943 – kurz vor Weihnachten – sitzen die Herren Diebner, Harteck, Orlicek und einige andere in Leuna (Wikipedia) zusammen. Ihr Thema: „Übernahme der SH 200-Anlagen in Norwegen nach Mitteldeutschland“. Über dem Protokoll der Besprechung (Deutsches Museum, Geheimakten) in knallrot der Stempel: „Geheim! 1. Dies ist ein Staatsgeheimnis im Sinne §88 RStG.“ Kein Wunder: Die Herren beratschlagen, wie sie die Versorgung mit dem für die Atom(bomben)forschung dringend benötigten schweren Wasser (Deuterium) sicherstellen können. Dr. Diebner ist, so vermerkt es das Protokoll, „Bevollmächtigter für Kernphysik“. Er spricht abstrakt von „politischen Gründen“, die den Nachschub des dringend benötigten schweren Wassers aus Norwegen behindern. Was er nicht ausspricht: Mehrfach hatten norwegische Widerstandskämpfer und alliierte Luftangriffe die einzige Produktionsanlage im besetzten Norwegen bombardiert oder die Transporte angegriffen. Dabei kamen viele Menschen ums Leben und Partisanen wurden erschossen.

Nazi-Deutschland und „Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945“

DeutschesMuseum-GeheimdokumenteAtomNS-1
Staatsgeheimnis – Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945 im Online-Archiv des Deutschen Museums. Auszug aus einem dort veröffentlichten Protokoll.

„Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945“, so lautet die Überschrift von Original-Dokumenten über die Atomforschung in Deutschland aus der Nazi-Zeit, die beim Deutschen Museum online verfügbar sind. Die Dokumente geben schlaglichtartig einen Eindruck, mit welchen Fragen die Atomforscher im deutschen Faschismus und unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs arbeiteten und welche Probleme sie dabei hatten. Unter den Dokumenten befinden sich auch Protokolle über „Befragungen“ der ALSOS-Mission. Dieses Kommando der USA hatte noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs die Aufgabe, die deutsche Atomforschung aufzudecken, u.a. um festzustellen, ob Nazi-Deutschland eine Atombombe entwickelte.

Spurensuche Atomenergie im Faschismus: Kurt Diebner, tote KZ-Häftlinge und die Angst vor dem Zuchthaus

KurtDiebner
Kurt Diebner, einer der führenden Köpfe der Atom-Forschung in Nazi-Deutschland. Noch 1956 hatte er offenbar Angst vor dem „Zuchthaus“.

„Bei dem Versuch mit W. Tautorus in Verbindung zu treten, zeigte sich, daß Tautorus gar nicht auffindbar war, und daß es sich um einen ehemaligen kaufmännischen Angestellten handelte, der (nach E.B.) jene Arbeiten nie gesehen hatte. Tautorus wurde (nach E.B.) von Diebner nur als Pseudonym benutzt, da „er fürchtete, wegen dieser Liste (noch 1956!) ins Zuchthaus zu kommen“ (Kommentar überflüssig!).“ (Quelle: Arnold, Heinrich: Zu einem autobiographischen Brief von Robert Döpel an Fritz Straßmann (PDF), 2012, Technische Universität Ilmenau, S 14).

„Konsensorientierte Stilllegung“ der Atomanlagen in Geesthacht: Gemeinsamer Newsletter von Betreiber und Begleitgruppe

Jüngst zu Besuch im Schacht Konrad: Begleitgruppe und Betreiber HZG, die im "konsensorientierten Dialog" die Stilllegung der Atomforschungsanlagen in Geesthacht diskutieren. Foto: Dirk Seifert
Jüngst zu Besuch im Schacht Konrad: Begleitgruppe und Betreiber HZG, die im „konsensorientierten Dialog“ die Stilllegung der Atomforschungsanlagen in Geesthacht diskutieren. Foto: Dirk Seifert

Vor etwas über einem Jahr haben die Betreiber der Atomforschungsanlage in Geesthacht, das heutige Helmholtz-Zentrum (HZG) ein überraschendes Angebot gemacht. Den geplanten Rückbau der 2010 stillgelegten Forschungsreaktoren sowie der “Heißen Zelle” wollte der Betreiber in einem “konsensorientierten Dialog” mit der Bevölkerung und Initiativen durchführen. Um zu unterstreichen, dass dies Angebot ernst gemeint war, hatte der Betreiber mit Silke Freitag eine Anti-Atom-Aktivistin gewonnen, die die Moderation für diesen Prozeß übernehmen sollte. Ausdrücklich wird auch in ihrem Auftrag ein “konsensorientierter Dialog” festgeschrieben.

Spurensuche: „Hitlers Bombe“ – Nazi-Forschung und Entwicklung an einer militärischen Nutzung der Atomenergie und ein Ausblick auf die Debatte um die Atombewaffnung in der jungen Bundesrepublik Deutschland der 50er Jahre.

bx
Gab es eine atomare Nazi-Bombe. Ein Buch und viele Hinweise…

Hatte Hitler die Atombombe? Wie war der Stand der Forschung und Entwicklung in Sachen Atomenergie im Faschismus? Gab es eine „Explosion mit Kernenergiefreisetzung“? Und was wurde aus diesem Nazi-Wissen über die Atomspaltung in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland? Wie waren die politischen Interessen zu einer deutschen Atombombe im Nachkriegs-Deutschland?