Atomarer Stromstreit zwischen E.on/PreussenElektra und Vattenfall – Reststrom von Krümmel für Grohnde

E.on/PreussenElektra und Vattenfall streiten vor Gericht über Reststrommengen aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Krümmel. Das AKW hatten beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent gemeinsam betrieben. PreussenElektra will die Strommengen aus Krümmel auf das AKW Grohnde übertragen, berichtet die Welt: „Das AKW Krümmel ist seit Jahren vom Netz, in Grohnde wird noch Strom produziert. Aber vielleicht nicht mehr lange. Darum will der Grohnde-Betreiber quasi stillgelegte Strommengen von der Elbe an die Weser holen. Dazu wird eine gerichtliche Entscheidung erforderlich.“ Grohnde darf nach geltendem Atomgesetz noch bis Ende 2021 Atomstrom erzeugen. Weil auch in den noch am Netz befindlichen Atommeilern ein Super-GAU nicht ausgeschlossen werden kann, fordern Atomkraft-GegnerInnen die sofortige Stilllegung.

Der Streit zwischen den beiden Unternehmen geht offenbar darum, dass PreussenElektra die Reststrommengen von Krümmel entsprechend dem Anteil von 50 Prozent einfach übernehmen möchte, während Vattenfall die Auffassung vertritt, dass die KKK-GmbH die gesamte Reststrommenge am Markt verkaufen müsste und PreussenElektra diese auf diesem Weg einkaufen müsste. In diesem Fall würde Vattenfall noch einmal Geld verdienen, im anderen Fall nicht. Ende Mai berichtete die DeWeZet bereits über den Rechtsstreit, außerdem hier der Tagesspiegel und das Hamburger Abendblatt.

In einer Agenturmeldung von DPA heißt es: „PreussenElektra beansprucht nach Gerichtsangaben 44 000 Gigawattstunden im Wert von rund 415 Millionen Euro. Um den Weiterbetrieb von Grohnde sicherzustellen, habe PreussenElektra auch den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, ergänzte der Gerichtssprecher. Dadurch solle rund ein Viertel der beanspruchten Reststrommenge vorläufig nach Grohnde übertragen werden können. Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH möchte die Reststrommenge von Krümmel dagegen am Markt veräußern. Mit Entscheidungen wird am Donnerstag voraussichtlich nicht gerechnet.“

Wie die Welt weiter berichtet, geht es in dem Verfahren wohl grundsätzlich auch um Reststrommengen aus dem ebenfalls gemeinsam betriebenen AKW Brunsbüttel: „Früheren PreussenElektra-Angaben zufolge geht es vor allem um die Frage, ob der 50-Prozent-Anteil an Krümmel auch einen kostenlosen Anspruch auf 50 Prozent der Reststrommenge bedeute. Für das Unternehmen ist die Klärung auch in Bezug auf das stillgelegte Kraftwerk Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen/Schleswig-Holstein) wichtig. Auch an dieser Anlage sind beide Prozessparteien beteiligt: Vattenfall mit 66,7 Prozent, der Rest entfällt auf die PreussenElektra-Muttergesellschaft Eon.“

  • Vor dem internationalen Schiedsgericht ICSID klagt Vattenfall gegen die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz für die Stilllegung der AKWs Brunsbüttel und Krümmel nach der Atomkatastrophe von Fukushima. E.on/PreussenElektra würde im Falle eines für Vattenfall positiven Urteils an den über fünf Milliarden Euro Schadensersatz beteiligt sein.
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