Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V.
Prinz-Albert-Str. 73, 53113 Bonn,
Fon 0228-21 40 32, Fax 0228-21 40 33
BBU

 

 

Übersicht

BBU und BUND LV Hessen kritisieren SIEMENS Hanau und Hessisches Umweltministerium wegen Plutonium-Unfall in Hanau-Wolfgang

Nach Meldung des Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Umweltschutz hat heute im Rückbaubetrieb der SIEMENS-Plutoniumbrennelementfabrik ein Mitarbeiter einen Arbeitsunfall erlitten. "Angeblich war der Mann im Rahmen des Rückbaus an einem mit Plutonium kontaminierten Handschukasten beschäftigt. Dabei rutschte ein von ihm benutztes Werkzeug ab, wodurch er sich eine geringfügige Verletzung (Stichwunde mit ca. 1 mm Durchmesser) an der rechten Hand zuzog. Nach Feststellung einer SIEMENS-Strahlenschutz-Fachkraft war die Wunde kontaminiert. Der zugezogen Arzt habe die Wunde sofort versorgt und hätte durch Ausschneiden der Wundränder die Kontamination soweit reduziert, so daß der Verletzte nach Hause entlassen werden konnte."

Nach Angaben der SIEMENS-Werksleitung wäre der Vorfall nicht meldepflichtig gewesen. Das HMU meint: Nach erster Prüfung trifft diese Auffassung zu, jedoch würde die Aufsichtsbehörde den Sachverhalt vor Ort prüfen und dann ggf. über weitere Maßnahmen entscheiden.

BBU u. BUND LV Hessen kritisieren diese Äußerungen der SIEMENS-Werksleitung und des HMU als wenig sachlich, voreilig und verharmlosend. Denn, so die Umweltschutz-Organisation, ist zu hinterfragen:

  1. Trug der Mitarbeiter bei Umgang mit hoch radioaktiven Stoffen - wie hier Plutonium -keine vorgeschriebene Strahlenschutzbekleidung bzw. Handschuhe?
  2. Wie lange dauerte es von der Unfallzeit bis zur Messung und von da an bis zum Ausschneiden der Wundränder?
  3. Wie hoch war die Messung der Strahlenbelastung?
  4. Nur von einer Kontamination zu sprechen und zu verschweigen, daß über die Wunde Plutonium in die Blutkreislaufbahn, also in den Körper, gelangen kann, ist ein Skandal.
  5. Wurden die ausgeschnittenen Wundränder überhaupt sichergestellt, um Feinmessungen des anhaftenden Plutoniums vornehmen und daraus evtl. auch Rückschlüsse über die möglicherweise inkorperierten Plutoniummengen ziehen zu können?
  6. Wie hoch ist die bisherige radioaktive Belastung lt. evtl. vorhandenem Strahlenpass des Mitarbeiters?
  7. Ist der Arbeitsraum des betroffenen Mitarbeiters als "Kontroll-Raum" ausgewiesen?

Wir Umweltorganisationen fordern von Umweltminister Dietzel eine schnelle Aufklärung bzw. Beantwortung der 7 vorstehenden Fragen und entsprechende Konsequenzen.

Für den BBU e.V.
Eduard Bernhard, Vorstandsmitglied

Für den BUND Hessen e.V.
Michael Rothkegel, Geschäftsführer