Lust auf Wissen? Sommerakademie: Atomares Erbe – Herausforderungen für die nächste Generation

Atomausstieg? Schrittweise. Was bleibt: Jede Menge radioaktiver Abfälle, der noch Menschen beschäftigen wird, die heute noch gar nicht auf der Welt sind. Von großer Bedeutung ist es, dass heutige Wissen weiter zu vermitteln. Einen Beitrag dazu will die Sommerakademie des Atommüllreports liefern: „Welches atomare Erbe hinterlassen wir künftigen Generationen? Dieser Frage soll eine interdisziplinäre Gruppe von StudentInnen und jungen WissenschaftlerInnen bei der Sommerakademie nachgehen. Ausgewiesene ExpertInnen geben eine Einführung in die Probleme bei Umgang und Lagerung radioaktiver Abfälle und zeigen berufliche Perspektiven auf“, heißt es in der Ankündigung der Bildungsveranstaltung.

Das Wissen von Experten und auch die Erfahrungen der Anti-Atom-Bewegung in Sachen Atomenergie und radioaktive Abfälle ist groß, über Jahrzehnte gewachsen. Schon seit längerer Zeit bemüht sich das Projekt „Atommüllreport“ dieses Wissen zu bündeln, im Internet verfügbar zu machen, Fachtagungen durchzuführen und auch, dieses Wissen einer jungen Generation nahezubringen.

Erst vor wenigen Wochen hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) dem Atommüllreport dafür etwas über 100.000 Euro zur Verfügung gestellt, um in den nächsten zwei Jahren Jugend-Projekte und Bildungsmaterial zum Thema Atommüll zu entwickeln. Die Sommerakademie, die vom 2. – 6.  in Wolfenbüttel zwischen der ASSE und dem Schacht Konrad stattfinden wird, soll dazu einen ersten Beitrag leisten. Das Programm, die Themen und die Informationen zur Anmeldung sind gleich hier unten zu finden oder natürlich direkt auf der Homepage des Atommüllreports.

Sommerakademie

2.–6. August 2017, Wolfenbüttel

Atomares Erbe – Herausforderungen für die nächste Generation

Themen

  • Die Geschichte des atomaren Zeitalters
  • Gesundheitliche Auswirkungen von Radioaktivität
  • Was ist eigentlich Atommüll? Eine Bestandsaufnahme
  • Technische Aspekte der Zwischen- und Endlagerung
  • Ethische Überlegungen zum Thema „Atomares Erbe“
  • Ökonomische Aspekte des Atommüllproblems

ReferentInnen

  • Bernward Janzing (Journalist)
  • Dr. med. Alex Rosen (IPPNW)
  • Dipl.-Geol. Jürgen Kreusch (intac-GmbH, Hannover)
  • Dipl.-Phys. Oda Becker (Hannover),
  • Dipl.-Phys. Wolfgang Neumann (intac-GmbH, Hannover),
  • Dipl.-Ing. Manuel Reichart (iBMB, TU Braunschweig)
  • Prof. Dr. Wolfgang Irrek (Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft, Hochschule Ruhr West)

 Die Atomenergiekontroverse braucht kritischen Sachverstand.

Sei dabei! (Flyer, Programm usw.)

Modul Strahlung und Strahlenwirkung

Einführung ins Thema Radioaktivität und den Risikobegriff, Auswirkung von Radioaktivität auf Mensch und Umwelt

Referent: Dr. med. Alex Rosen, IPPNW

Radioaktivität kann man nicht sehen, riechen, fühlen oder schmecken. Dennoch stellt es eine relevante Gefahr für Umwelt und Gesundheit dar. Zu Beginn der Summer School stellen wir uns daher die Frage: Was ist eigentlichen Radioaktivität und wie wirkt sie auf Gewebe und auf den menschlichen Körper? Außerdem wollen wir uns mit dem Begriff des „Strahlenrisikos“ auseinandersetzen und und anschauen, was die neuesten Studien zu den gesundheitlichen Folgen ionisierender Strahlung im Niedrigdosisbereich sagen

Modul Atommüll

Klassifizierung,  Herkunft, Mengen, Eigenschaften

Referentin: Ursula Schönberger, Politologin MA, Projekt Atommüllreport

Nach 60 Jahren Atomenergienutzung lagern an vielen Orten in der Bundesrepublik Deutschland radioaktive Abfälle. Infolge des  Rückbaus der Atomkraftwerke wird sich die Abfallmenge innerhalb relativ kurzer Zeit noch einmal erheblich vergrößern. Darüberhinaus fallen bereits bei der Produktion des Brennstoffs radioaktive Abfälle an, die im Ausland verbleiben. Woher kommen die radioaktiven Abfälle, wie sind ihre Eigenschaften und wie ist ihr gegenwärtiger Zustand? Was kann getan werden, um die Sicherheit zu erhöhen?  Außerdem wollen wir uns mit dem rechtlichen Rahmen und den Interessen beschäftigen, die den Umgang mit radioaktiven Abfällen bestimmen.

Modul Grundlegende Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle

Einführung in das Thema Endlagerung mit Schwerpunkt auf den Aspekten Risiko, Langzeitsicherheit, Nachweismöglichkeiten sowie neueste Entwicklungen

Referent: Dipl.-Geol. Jürgen Kreusch, intac-GmbH, Hannover

Die Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen wird seit mehreren Jahrzehnten von vielen Wissenschaftlern als beste Möglichkeit zum langfristig sicheren Umgang mit den Abfällen angesehen. Diese Ansicht wird von vielen anderen Menschen aus unterschiedlichen Gründen nicht geteilt. Die dieser Kontroverse zugrunde liegenden wesentlichen Argumente werden identifiziert und diskutiert. Dabei wird auch auf neue Entwicklungen in Deutschland eingegangen, insbesondere die Rückholbarkeit der Abfälle. Das Ziel des Moduls besteht darin, die verschiedenen Argumentationsstränge zu verstehen und sich ein begründetes Urteil zu bilden.

Modul Zwischenlagerung

Zeiträume – Sicherheitsfragen – Alternativen

Referenten: Dipl.-Phys. Wolfgang Neumann  intac-GmbH, Hannover, Dipl.-Ing. Manuel Reichardt, iBMB, TU Braunschweig, Dipl.-Phys. Oda Becker (Unabhängige Expertin)

Die deutschen Atomkraftwerke werden stillgelegt und abgebaut, die hochradioaktiven Abfälle sowie die bestrahlten Brennelemente sollen endgelagert werden. Über einen langen Zeitraum müssen hochradioaktive Abfälle und bestrahlte Brennelemente jedoch zunächst zwischengelagert werden. Aufgrund des langen Zeitraums stellt sich eine Reihe von Anforderungen, die das bisherige Zwischenlagerkonzept nicht erfüllt. Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Block Zwischenlagerung, dabei wird auch diskutiert, inwieweit realisierbare Alternativen (z. B. Transmutation) existieren. Darüber hinaus werden die Forschungsziele und -ergebnisse des Entria-Projekts erläutert.

Modul Ökonomische Aspekte

Kosten – Finanzierung – Markt – Beschäftigungsperspektiven

Referent: Prof. Dr. Wolfgang Irrek, Leiter Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft, Hochschule Ruhr West

Ein Atomkraftwerk nach dem anderen wird stillgelegt und zurückgebaut, das verbleibende radioaktive Material behandelt, transportiert, zwischen- und endgelagert. Doch wie viel wird dies alles kosten, inwieweit ist die Finanzierung gesichert, wer muss am Ende die Kosten bezahlen und wer profitiert von diesem Geschäft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Block zu den ökonomischen Aspekten. Darüber hinaus wird diskutiert, inwieweit es hier berufliche Perspektiven für kritisch denkende Menschen mit Verantwortungsbewusstsein gibt.

Exkursionen zu ASSE II und Schacht KONRAD

Am Freitag, den 4. August, finden zwei Exkursionen statt, zum Atommülllager ASSE II und zum geplanten Atommülllager Schacht KONRAD. In das ehemalige Salzbergwerk ASSE II wurden von 1967 – 1978 schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Da ein Langzeitsicherheitsnachweis nicht erbracht werden konnte, wird derzeit die Rückholung der Abfälle geplant. Das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht KONRAD ist als Endlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle genehmigt. Es wird seit 2007 zu einem Atommülllager umgebaut.

Exkursion Schacht KONRAD

Do 19.30 Uhr Einführungsvortrag in der Sommerakademie
08.00 Uhr Abfahrt
08.30 Uhr Vortrag in der INFO KONRAD, Salzgitter-Lebenstedt
09.15 Uhr Abfahrt zum Schacht KONRAD
09.30 Uhr Schachtanlage KONRAD: Eingangskontrolle Wache, Umkleiden, Sicherheitseinweisungen
10.00 Uhr Befahrung
12.00 Uhr Nachgespräch und Imbiss

Exkursion ASSE II

09.00 Uhr Einführungsvortrag in der Sommerakademie
11.00 Abfahrt
11:30 Uhr Vortrag in der INFO ASSE (Imbiss vor der Befahrung)
13.00 Uhr Schachtanlage Asse: Eingangskontrolle Wache, Umkleiden, Sicherheitseinweisungen
14.00 Uhr Befahrung
16.00 Uhr Nachgespräch INFO ASSE
17.00 Uhr Rückfahrt

Sicherheitshinweise

Die Schachteinfahrten sind nur für Personen möglich, die über eine entsprechende physische Konstitution verfügen und keine Beklemmungen in Aufzügen oder engen Räumen bekommen. Siehe dazu auch die Besucherinformation des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Aufgrund der eingelagerten radioaktiven Abfälle in der ASSE II und der Radonhaltigkeit des Erzgesteins in Schacht KONRAD entsteht zusätzliche Radioaktivtiät. Eine Teilnahme an den Exkursionen ist nicht verpflichtend, für ein Alternativangebot wird bei Bedarf gesorgt.

 

Castor-Transporte von Obrigheim nach Neckarwestheim genehmigt

Das „Bundesamt für kerntechnische Entsorgungsicherheit“ (BfE) hat die Genehmigung für Transporte mit hochradioaktiven Abfällen über den Neckar vom AKW Obrigheim zu den benachbarten Reaktoren in Neckarwestheim erteilt. Insgesamt 15 Behälter sollen per Schiffstransport erfolgen, weil EnBW die Kosten für den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim einsparen will. Unter dem Motto „Neckar Castorfrei“ protestieren AntiAtom-Gruppen gegen diese gefährlichen Transporte, die erstmals in Deutschland auf dem Wasser stattfinden. Der Betreiber EnBW informiert hier, die PM ist hier.

Das BfE teilt in seiner PM mit (siehe unten): „Den Antrag auf Beförderung hatte die Firma DAHER im Auftrag der EnBW Kernkraft GmbH am 27.03.2014 gestellt. Gestattet wurden maximal acht Transporte mit einem Binnenschiff über den Neckar.“

AKW Obrigheim am Neckar. Seit Jahren im Rückbau

Das stillgelegte AKW Obrigheim befindet sich seit Jahren im Rückbau und hatte kein Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle vorgesehen, auch um Kosten zu sparen. Der Betreiber will den Abtransport in das Zwischenlager nach Neckarwestheim, um so den weiteren Rückbau durchführen zu können. Von den Atomtransporten gehen enorme Gefahren aus. Das radioaktive Inventar eines solchen Behälters entspricht etwa dem, was nach Tschernobyl freigesetzt wurde. EnBW hat in den letzten Monaten bereits „Probefahrten“ mit leeren Castoren durchgeführt, um das Verladen und das Handling und den Transport der über 100 Tonnen schweren Behälter zu trainieren. Anti-Atom-Gruppen haben Aktionen aus Protest gegen diese riskanten Transporte angekündigt. Das auch, weil der Transport nach Neckarwestheim auch nur eine Zwischenstation sein wird, da diese Abfälle später in ein vermutlich unterirdisches Dauerlager sollen.

 

Dokumentation der PM des BfE: Transporte bestrahlter Brennelemente nach Neckarwestheim genehmigt, Ausgabejahr 2017, Datum 16.05.2017

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) hat am 16.05.2017 die Beförderung von 15 Behältern mit insgesamt 342 bestrahlten Brennelementen vom stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim in das Standort-Zwischenlager Neckarwestheim genehmigt. Den Antrag auf Beförderung hatte die Firma DAHER im Auftrag der EnBW Kernkraft GmbH am 27.03.2014 gestellt. Gestattet wurden maximal acht Transporte mit einem Binnenschiff über den Neckar.

Doppelblock-Anlage Neckarwestheim 1 und 2.

Bei der vorliegenden Genehmigung handelt es sich um eine sogenannte gebundene Entscheidung nach Paragraf 4 des Atomgesetzes. Das heißt: Wenn alle gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt sind, besteht ein Rechtsanspruch auf Genehmigung. Dies beinhaltet unter anderem den Nachweis, dass die Transporte ausreichend gegen Einwirkungen Dritter, wie zum Beispiel Terror- und Sabotageakte, geschützt sind. Außerdem sind Vorkehrungen verpflichtend, die für den konkreten Fall einer Havarie des Transportschiffes, die Sicherheit des Transports gewährleisten. Für die Beförderung radioaktiver Abfälle mit einem Binnenschiff gilt das gleiche Sicherheitsniveau wie bei einem Straßen- oder Schienentransport. Die Beförderungsgenehmigung ist befristet bis zum 13.11.2018.

Der verantwortliche Transporteur ist die Firma DAHER im Auftrag der EnBW Kernkraft GmbH. Die Überwachung des Transports obliegt der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Bei den genehmigten Transporten werden Behälter vom Typ CASTOR® 440/84 mvK eingesetzt.

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