Bereits im Mai 2025 hat Taiwan sein letztes Atomkraftwerk abgeschaltet. Dennoch gab es Bemühungen, den Ausstiegsbeschluss zu revidieren. Ein Referendum um August aber bestätigte durch die Mehrheit der Bevölkerung das Ende der Atomenergie in Taiwan. Ein Grund sicherlich auch, dass das AKW in einem überaus gefährlichen Erdbebengebiet liegt. Über diesen Mehrheitsentscheidung berichten unter anderem die Zeit hier und die FAZ hier.
Die Zeit fassst zusammen: „In Taiwan ist ein Volksentscheid zur Inbetriebnahme des stillgelegten Atomkraftwerks Ma’anshan und damit zu einem Wiedereinstieg in die Nuklearenergie gescheitert. Das Referendum in der ostasiatischen Inselrepublik erreichte nicht die nötige Zustimmung, wie aus offiziellen Daten der zentralen Wahlkommission hervorging.“
Obwohl viele Medien und Lobbyisten von einer Renaissance der Atomenergie schwärmen: In Belgien wird in der Nacht zum 1. Oktober der Block 1 des AKW Tihange abgeschaltet und Anfang Dezember folgt dann der Block 2 des AKW Doel. Darüber berichten aktuell zahlreiche Medien und auch .ausgestrahlt. Von den ehemals sieben Atomkraftwerks-Blöcken bleiben dann zunächst nur zwei Reaktoren weiterhin am Netz.
Auch das Grenzecho schreibt: „Mit der Stilllegung wird Tihange 1 zum vierten Reaktor, der in Belgien außer Dienst gestellt wird – nach Doel 3, Tihange 2 und Doel 1. Ende November folgt auch Doel 2. Danach bleiben nur noch zwei Anlagen am Netz: Doel 4 und Tihange 3, deren Laufzeit bis 2035 verlängert wurde.“
Während der Betreiber die dauerhafte Stilllegung und den Rückbau der beiden Reaktoren anstrebt, will die derzeitige Regierung gegen den Willen der Betreiber weiterhin eine Reaktivierung erzwingen. Dazu das Grenzecho: „Die Regierung möchte diese Arbeiten verzögern. Energieminister Mathieu Bihet bat Betreiber Engie, keine unumkehrbaren Schritte einzuleiten, solange Gespräche über eine mögliche Laufzeitverlängerung laufen. Ob diese realistisch ist, bleibt offen: Engie hat wiederholt erklärt, nicht mehr als die beiden Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 weiterzuführen. Zudem wären hohe Investitionen und eine umfassende Sicherheitsprüfung nötig.“
Die Proteste gegen die anstehenden Atommülltransporte mit hoch radioaktivem Atommüll aus dem Atomforschungsreaktor München-Garching und Jülich in das Zwischenlager in Ahaus nehmen zu. Am 4. Oktober ist eine Demonstration in Ahaus geplant. Nun rufen Initiativen und Umweltverbände auch für den 9. Oktober zum Protest nach München-Garching auf. Auch der BUND Naturschutz in Bayern unterstützt die Aktion. Die Stadt Ahaus hatte bereits Widerspruch gegen die Atomtransporte aus Bayern eingelegt. Damit ist – bis zu einem Bescheid der zuständigen Genehmigungsbehörde BASE – ein Transport aus Garching nicht möglich. Ein weiterer Widerspruch gegen die Genehmigung ist zusätzlich auf dem Weg.
Da der Betreiber, die TU München bzw. der beauftragte Transportunternehmer Orano.NCS bislang keinen Antrag auf Sofort-Vollzug gestellt haben, ist durch den Widerspruch der Transport aus München nicht möglich. Sollte der Widerspruch von BASE abgelehnt werden, könnte dann eine Klage erfolgen. Solange der Sofort-Vollzug nicht beantragt und von BASE erteilt worden ist, hätte eine Klage dann aufschiebende Wirkung.
Informationen über die geplante Demonstration am 4. Oktober hier bei der BI Ahaus. Auch der BUND in NRW ruft zu der Demonstration auf. „Planlos, überflüssig und gefährlich“ bezeichnet der BUND die Atomtransporte. Der BUND NRW klagt im Eil-Verfahren vor dem Verwaltungsgericht in Berlin gegen die Atomtransporte, nachdem das BASE den Widerspruch des Umweltverbands abgelehnt hatte.
Donnerstag, 9. Oktober um 10:45 Uhr am Forschungsreaktor Garching bei München, James-Franck-Straße 1 ( Zeit und Ort aktualisiert am 27.09.2025)
Warum? Der Atommüll aus dem Forschungsreaktor enthält auch nach dem Einsatz hoch angereichertes Uran (HEU), das für Atombomben missbraucht werden könnte. Die im August genehmigten Transporte nach Ahaus (NRW) sind ein Sicherheitsrisiko und keine Lösung.
Gemeinsam fordern wir:
• Keine Transporte mit waffenfähigem Uran nach Ahaus • Einsatz von waffenfähigem Uran im Reaktor stoppen: kein Weiterbetrieb ohne Abrüstung • Entwicklung und Bau einer Anlage zur Verdünnung des Urans in Garching – so wird das Uran abgereichert und entschärft. • Neubau eines möglichst sicheren Zwischenlagers in Garching
An der Aktion sind (bisher) beteiligt: Umweltinstitut, .ausgestrahlt, Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz. Weitere Organisationen sind angefragt / in Abstimmung.
Mach gerne mit:
-Verbreite den Aktionsaufruf
-Kommt zur Aktion (uns ist bewusst, dass unter der Woche manche nicht können)
-Als Organisation: Zeichnet das Forderungspapier (siehe unten)/ Factsheet, dass wir veröffentlichen und an die Presse geben wollen
Wichtig: Hier das Forderungspapier der bayerischen Gruppen zur Aktion in Garching: (klicken zum PDF-Download) (Stand 16.09.2025) Siehe auch direkt hier.
Für den Betrieb von Atomkraftwerken braucht es Uran-Brennelemente. In der EU werden solche nuklearen Kernbrennstoffe mit angereichertem Uran in Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien und Rumänien* hergestellt. Trotz allem Gerede vom weltweiten und europäischen Atom-Hype: In den Jahren von 2013 bis 2023 ist die Produktion von Uran-Brennelementen in der Europäische-Union stark rückläufig: Laut Angaben der EU ist in diesem Zeitraum insgesamt ein Rückgang von 22,0 % zu verzeichnen war. Besonders in Schweden bei Westinghouse in Västeras ist der Rückgang mit 34 Prozent sehr stark, gefolgt von einem weiteren Einbruch um 29 Prozent in Deutschland bei der ANF in Lingen. (Foto: Uran-Brennelemente in einem Lagergestell bei der ANF Lingen, ca 1990)
(*Rumänien betreibt sogenannte Candu-Reaktoren, die ohne angereichertes Uran für den Betrieb auskommen. Die Brennelemente werden im Land selbst hergestellt, mit Uran aus Rumänien. In sogenannten Leichtwasserreaktoren könnte dieser Brennstoff nicht eingesetzt werden. (Siehe hier))
Was die Daten nicht zeigen, ist die Herkunft des Urans und wo die Anreicherung und Vorbereitung für die Verarbeitung zu Brennelementen erfolgt. Uranbergbau gibt es in der EU nicht in relevanter Form. Neben Kasachstan, Canada, Niger und Namibia als Uranlieferanten ist bei der Anreicherung neben der URENCO mit Anlagen in Gronau (BRD) und Almelo (NL) in der EU auch und vor allem Russland zu nennen. Auch Frankreich reichert Uran an.
Auf der Euro-Stat-Seite der EU ist eine Übersicht unter dem Titel „Nuclear energy statistics“ online. Die Daten sind derzeit von 2013 bist 2023, sodass z.B. bei der EU-Stromerzeugung aus Atommeiler auch noch Deutschland mit angeführt wird. Die letzten AKWs wurden dann Mitte April 2023 stillgelegt worden, sodass der Atomstromanteil in der EU vermutlich weiter gesunken sein muss. Auch Daten zur Urananreicherung sind auf der genannten Seite zu finden. Deutschland ist mit der URENCO-Anlage in Gronau an der Urananreicherung beteiligt. In der Statistik befinden sich außerdem Daten zur Herstellung von Plutonum-Mischoxid-Brennelementen, MOX. Demnach stellt seit 2015 nur noch Frankreich innerhalb der EU solche Plutonium-Brennelemente für den Einsatz in Atomkraftwerken her.
In Sachen Brennelemente-Fertigung in der EU ist bei Euro-Stat zu lesen:
Production of fresh fuel assemblies
The fuel assembly constitutes the base element of the nuclear reactor core. The material used is the low enriched uranium (3% to 4% U235) produced by the enrichment plants. The standard pressured water reactor core contains about 157 fuel assemblies (depending on the reactor type). The uranium oxide (black powder) is pressed into pellets (small cylinders), then placed inside rods (tubes of about 1 cm diameter, 4 m length ) which are inserted into the basic element of nuclear fuel, the „assembly“. The term „fresh fuel“ indicates that it is the first use of uranium extracted from mines as opposed to the „MOX fuel“ which is mainly made of recycled material. MOX (mixed oxide) assemblies are not included in this section but are covered in section „Production of MOX fuel elements“.
Only 5 EU countries produced fresh fuel elements in 2023: Germany, Spain, France, Romania and Sweden (see Table 4 and Figure 2), with an overall decrease from 2013 to 2023 of 22.0%. Sweden recorded the largest decrease in production of fresh fuel elements over the past decade (-34.0%), followed by Germany (-29.0%), Spain (-19.5%) and France (-18.2%). Romania recorded an increase of +1.7%.
Production of fresh fuel assemblies, 2013 – 2023 (tonnes of heavy metal (tHM))
Ohne die angestrebten Geschäfte mit dem russischen Atomkonzern Rosatom könnte die Uranfabrik in Lingen möglicherweise dichtgemacht werden. Nur noch wenige Atomkraftwerke werden aus Lingen mit Uran-Brennelementen beliefert. Die zum französischen Konzern Framatome gehörende Anlage in Lingen ist schon seit vielen Jahren nicht mal mehr zur Hälfte ausgelastet. (Brennelementefertigung bei ANF Lingen, Foto Framatome.)
Der EDF-Anteil an Framatome beträgt seit Anfang 2024 insgesamt 80,5 Prozent. Die übrigen 19,5 Prozent verbleiben im Besitz von Mitsubishi Heavy Industries (MHI).
Frankreichs Atomprogramm unter dem Dach von EdF und Framatome ist massiv verschuldet und Teil der finanziellen Krise des Landes. Von einem Schuldenberg von ca. 50 Milliarden Euro ist immer wieder Rede. In diesem Zusammenhang ist der wirtschaftliche Betrieb der ANF Lingen derzeit sicher als eine dauerhafte Belastung anzusehen. Allein schon deshalb sind die Pläne für eine Kooperation mit Rosatom zur künftigen Fertigung von VVER-Brennelementen von großer Bedeutung für den Standort. Bereits jetzt kommen große Mengen des Urans, welches in Lingen für die herkömmliche Brennelemente-Fertigung eingesetzt wird, über Russland.
Wichtig aber auch: In Lingen werden auch Maschinen und Komponenten zur Brennelemente-Herstellung gebaut und exportiert. In den letzten Jahren war Kasachstan einer der wichtigen Geschäftspartner. Auch dort kooperiert Framatome mit Rosatom.
Im Lagebericht teilt die ANF Lingen für das Geschäftsjahr 2023 mit: „Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 111.375 (Vorjahr: 113.400) Brennstäbe gefertigt und zu 599 (Vorjahr: 544) Brennelementen unterschiedlicher Auslegung montiert. Wie geplant wurde kein Tails-Urandioxidpulver (Vorjahr: 106 t) mehr hergestellt und nach Frankreich ausgeliefert, da die Produktion bereits in 2022 kontrolliert beendet wurde.“
Im Bericht der Wirtschaftsprüfer für den Bericht 2023 heißt es auch: „Die Produktionsmengen lagen dagegen etwas unter dem Vorjahresniveau und damit in etwa im prognostizierten Rahmen. Im Detail wurden 111.375 Brennstäbe (Vorjahr: 113.400) zu 599 Brennelementen (Vorjahr: 544) montiert.“
Mit Blick auf die Daten in dem Bericht betrug der Gewinn (genauer: das Jahresergebnis vor Ergebnisabführung) der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF Lingen) gemäß dem Jahresabschluss für 2023 TEUR 8.519 (also 8,519 Millionen Euro). Als Umsatzerlöse werden Beträge in Höhe von TEUR 119.496 ausgewiesen, also etwa 119,496 Mio. €. Für das Jahr 2024 beläuft sich laut dem Geschäftsbericht aus dem Frühjahr 2025 der Gewinn rund 20,6 Millionen Euro, die komplett an Framatome abgeliefert werden.
Uran-Brennelemente-Fertigung weiterhin nicht ausgelastet
Die Verarbeitung von Uran für Brennstoff nimmt bei der ANF Lingen seit Jahren ab und ist deutlich unter 50 Prozent der möglichen zulässigen Produktion. Um die Urangeschäfte anzukurbeln, will Frankreich gemeinsam mit Russland von Lingen aus besonders geformte Brennelementen für die russischen Reaktoren bauen, die in Osteuropa vielfach im Einsatz sind. Diese haben bereits teilweise Verträge mit Westinghouse in Schweden, aber es mangelt noch an Zulassungen für den Einsatz der eigenständig entwickelten VVER-Brennelemente, wie diese genannt werden.
Framatome will mit russischer Hilfe einerseits preiswerte VVER-Brennelemente anbieten, die außerdem noch mit russischer Hilfe über alle erforderlichen Genehmigungen zum Einsatz in den Reaktoren verfügen. Scheitert dieses Geschäft, weil angesichts des Krieges in der Ukraine solche Atomgeschäft zu viele Sicherheitsrisiken bedeuten?
Als Antwort auf eine schriftliche Anfrage eines grünen Abgeordneten (Harald Ebner, siehe dazu unten) hat die alte Bundesregierung Zahlen genannt, wie schlecht die Auslastung der Uranfabrik in Lingen ist. Zuletzt hatte ein Abgeordneter der Linken solche Daten abgefragt.
Alles über VVER oder WWER Brennelemente auf umweltFAIRaendern.de
Daten zur Brennelemente-Fertigung veröffentlicht Framatome für den Standort in den Betriebsberichten.
Juli 2025: 10 Brennelemente mit 4,588 tU
Juni 2025: Es wurden 18 Brennelemente mit 8,259 tU ausgeliefert
Mai 2025: Es wurden 36 Brennelemente mit 19,252 tU ausgeliefert
April 2025: Im April 2025 wurden 34 Brennelemente mit 17,425 tU ausgeliefert
März 2025: Im März 2025 wurden 59 Brennelemente mit 20,401 tU ausgeliefert
Februar 2025: Im Februar 2025 wurden 100 BE mit 27,845 tU ausgeliefert.
Januar: Keine Angaben – nicht online.
In der Summe – ohne die Daten von Januar: Von Februar bis Julia August 2025 wurden bei der ANF Lingen 257 Brennelemente hergestellt und dabei 97,770 Tonnen Uran ausgeliefert.
Die dafür durchgeführten Atomtransporte zu den jeweiligen Empfängern sind über die Exportgenehmigungen zur Ausfuhr von Kernbrennstoffen bei der BAFA bzw. dem BMU einzusehen. Eine Liste mit den durchgeführten Atomtransporten und dem Absender (und Empfänger) ANF Lingen ist beim BASE online verfügt. Kernbrennstoffe werden überwacht. In ihnen ist das spaltbare Uran235 per Urananreicherung für die Nutzung im Reaktor von ca. 0,7 Prozent im Naturzustand auf 3 – 6 Prozent erhöht worden, um die Kettenreaktion zu ermöglichen.
Dokumentation über die Daten zur Auslastung der BE-Fertigung in Lingen in den letzten Jahren:
Drucksache 20/10863 – 80 – Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode
Transportbehälter für frische Brennelemente, Foto ca. 1990 bei ANF Lingen.
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Auslastung der Uran-Brennelementefabrik der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) in Lingen jeweils in den Jahren 2020 bis 2024 gemessen an der Kapazität der Anlage und bezogen auf das Jahr 2010, und an welche Atomkraftwerke sind im Jahr 2022 und 2023 von Lingen aus frische Brennelemente geliefert worden?
Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Jan-Niclas Gesenhues vom 27. März 2024
Die Angaben der atomrechtlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz) zur Auslastung der Brennelementfertigung der Brennelementfertigungsanlage Lingen können für die Jahre 2020 bis 2023 der nachfolgenden Tabelle entnommen werden (die zugrundeliegenden Daten sind für die Jahre 2020 bis 2022 öffentlich zugänglich, siehe https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Nuclear_energy_statistics#Production_of_fresh_fuel_assemblies, Excel-Tabelle unter „Source data for tables and graphs“). Für das Jahr 2024 liegen noch keine Angaben vor. Jahr
Tabelle
Jahr – Uranmasse der hergestellten Brennelemente (Megagramm) – Auslastung bezogen auf genehmigte Kapazität (Prozent) – Auslastung bezogen auf 2010 (Prozent)