Genehmigt: Russland darf bei Uranfabrik in Lingen bei Atombrennstoff-Fertigung beteiligt werden

Trotz Krieg Russlands gegen die Ukraine: der russische Atomkonzern Rosatom darf sich am deutschen Standort in Lingen an der Herstellung von Uran-Brennelementen vom Typ VVER/WWER für den Einsatz vor allem in osteuropäischen Atomkraftwerken beteiligen. Das für die Genehmigung zuständige Umweltministerium in Niedersachsen erteilte dazu die erforderliche atomgesetzliche Genehmigung. Das Atomrecht ist in Deutschland Sache des Bundes. Die Länder übernehmen die Zuständigkeit im Rahmen der sogenannten Auftragsverwaltung für den Bund. Der kann in diesen Fällen das Land per Weisung zwingen, seine Entscheidungen durchzuführen. (Foto: TVEL, VVER/WWER Brennelemente)

Der niedersächsische Grüne Umweltminister Meyer hatte angesichts der Kriegslage eine Genehmigung scharf kritisiert – und auf Druck der Bundesregierung nun erteilt. Betreiber der Uran-Fabrik in Lingen ist der französische Staatskonzern Framatome, der ungeachtet des Ukraine-Krieges seine Nuklear-Geschäfte mit Russland weiter betreibt und intensiviert. Siehe auch unten die PM von Framatome ANF Lingen zur erteilten Genehmigung als Dokumentation.

Mit dem Deal mit Rosatom bzw. des zum Konzern gehörenden Brennstoff-Unternehmens TVEL will Frankreich auch gegen den Atomkonzern Westinghouse Marktanteile gewinnen. Während Westinghouse seit Jahren an einer eigenen Entwicklung von VVER-Brennelementen arbeitet, sollen Knowhow, Maschinen und Lizenzen von Rosatom die Geschäfte von Frankreich im Bereich der Brennstoffversorgung ausweiten.

      • Die Genehmigung für die Fertigung von VVER/WWER ist unten in der PM des Umweltministeriums Niedersachsen verlinkt. Außerdem hier direkt als PDF

Umweltorganisationen wie der BUND und .ausgestrahlt, Sofa und BBU, aber auch Linke und Grüne haben die Entscheidung massiv kritisiert. Einige forderten stattdessen die Uranfabriken in Deutschland endlich auch in den Atomausstieg einzubeziehen und stillzulegen. Hier die PM des BUND: Genehmigung für Atomfabrik Lingen bedroht Sicherheit

Der BUND Niedersachsen und der Bundesverband hatten in der gemeisamen PM auch angekündigt: „Der BUND prüft rechtliche Schritte gegen die Genehmigung, die unter Auflagen erfolgte.“ Die PM ist ebenfalls unten dokumentiert. 

Die Uranfabriken in Lingen (ANF) und in Gronau (URENCO, Anreicherung) sind weiterhin nukleare Schlüssel-Unternehmen im internationalen Uran-Handel und stellen den Betrieb von Atomkraftwerken auch im grenznahen Ausland sicher. Aber auch Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und anderswo erhalten Brennstoff von diesen beiden Uranfariken aus Deutschland.

UmweltFAIRaendern hatte vielfach über diese beiden Atomfabriken informiert.

Dokumentation:

Herstellung russischer Brennelemente in Lingen unter hohen Auflagen genehmigt -Umweltminister Meyer: „Politisch halte ich die russische Beteiligung an der Brennelementefertigung für grundfalsch“

PI 064/2026

Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat im Auftrag des Bundes am (heutigen) Mittwoch den Antrag der Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer Tochtergesellschaft der französischen Framatome GmbH, auf Erweiterung ihrer Brennelementefabrik für die Herstellung von hexagonalen Brennelementen russischen Typs in Lingen unter hohen Auflagen genehmigt. Das Unternehmen ANF hatte beantragt, hexagonale Druckwasser-Brennelemente in Lizenzfertigung mit dem russischen Atomkonzern TVEL produzieren zu dürfen. Diese sollen mit russischen Lizenzen und russischer Technik in einem Joint Venture mit dem russischen Atomkonzern TVEL/Rosatom für den osteuropäischen Markt hergestellt werden. Vorher hatte der Bund in einem bundesaufsichtlichen Schreiben an das Land klargestellt, dass es vor dem Hintergrund der aktuellen Einschätzung der Sicherheitsbehörden des Bundes zur Risikolage in Bezug auf Sabotage oder Spionage keine Möglichkeit gibt, eine Genehmigung rechtlich zu versagen.

Bisher sind der Nuklearsektor Russlands und etwa die Einfuhr russischen Urans in die EU nicht mit Sanktionen belegt, trotz Putins verbrecherischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer: „Ich habe immer gesagt, dass ich Geschäfte und eine enge Kooperation mit Putins Atomkonzern für grundfalsch halte. Es muss darum gehen, Abhängigkeiten von Russland gerade im sensiblen Atomsektor zu verringern und nicht zu erhöhen. Auch aus der Ukraine wurde vor der Kooperation mit Rosatom gewarnt, zumal dieser Putin direkt unterstellte Atomkonzern in Kriegshandlungen verwickelt ist und ihm schwere Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden. Leider gibt es von Framatome bzw. der ANF auch kein klares Signal zur Beendigung der Kooperationen im Nuklearbereich mit Russland. Und in der EU gibt es immer noch keine Mehrheit für Sanktionen auf den Bereich von russischem Uran und den Brennelementen, obwohl etwa die Ukraine und andere osteuropäische Staaten gezeigt haben, dass hexagonale Brennelemente für VVER-Reaktoren auch ohne russische Beteiligung hergestellt werden können.

Die enge Kooperation mit Putin im Nuklearbereich ist ein fatales Signal für die angestrebte Unabhängigkeit der Energieversorgung in Europa. Zu meinen, Putin wolle mit dem Joint Venture nur dabei helfen, von ihm unabhängig zu werden, ist naiv und gefährlich. Die sicherheitspolitische Bewertung der aktuellen Bundesregierung zu möglichen Risiken bei Spionage und Sabotage durch die enge Kooperation mit Russland kann ich vor dem Hintergrund massiver Warnungen der Sicherheitsdienste vor hybriden Bedrohungen, gerade bei kritischer Infrastruktur, persönlich nicht nachvollziehen. Detaillierte Erkenntnisse, wie der Bund zu seiner Bewertung kommt, sind vertraulich und liegen mir nicht vor. Klar ist aber im Rechtsstaat auch: Im Rahmen der atomrechtlichen Bundesaufsicht hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umweltministerium aufgrund der neuen Sicherheitsbewertung und Einschätzung der aktuellen Bundesregierung, auf die es am Ende rechtlich ankommt, nach intensiven Prüfungen und Nachfragen und nach Atomgesetz keine rechtliche Möglichkeit, den Antrag abzulehnen oder zu befristen, obwohl ich die jetzige Entscheidung politisch für grundfalsch halte.“

Das Niedersächsische Umweltministerium handelt in dem Genehmigungsverfahren nach dem Atomgesetz in Bundesauftragsverwaltung für das Bundesumweltministerium und ist in diesem Verfahren weisungsgebunden. Die Betreiberin der Brennelemente-Produktion in Lingen, die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) hatte für die beabsichtigte Fertigung von hexagonalen Brennelementen für Atomkraftwerke russischer Bauart (VVER-Druckwasserreaktoren) einen Antrag nach Atomgesetz beim Niedersächsischen Umweltministerium gestellt. In Frankreich wurde ein – zunächst in Deutschland geplantes, aber nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zurückgezogenes – Joint Venture mit dem russischen Atomkonzern TVEL zur Lizenzfertigung von Brennelementen russischen Typs in Lingen geschlossen. Energieminister Meyer hatte im Einvernehmen mit dem damaligen Bundesumweltministerium eine zweimonatige Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht, an der sich knapp 11.000 Menschen beteiligten. Eine dreitägige Anhörung in Lingen fand im November 2024 statt. Im Anschluss wurden die schriftlichen und mündlichen Äußerungen der Einwenderinnen und Einwender ausgewertet und im weiteren Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Danach folgte ein umfangreicher Abstimmungsprozess mit dem Bund, in dem auch Fragen der inneren und äußeren Sicherheit thematisiert wurden. Eine erste Beteiligung der Bundesbehörden ergab ein uneinheitliches und unklares Bild. Abschließend kam der Bund in einer vom Niedersächsischen Umweltministerium eingeforderten neuen, aktualisierten Einschätzung zu den Gefahren der inneren und äußeren Sicherheit zu dem einheitlichen Schluss, dass aufgrund der aktuellen Bewertung eine Genehmigung mit Auflagen atomrechtlich nicht zu verweigern ist. Daher hat das Niedersächsische Umweltministerium dem Antrag unter Bezugnahme auf die maßgebliche bundesaufsichtliche Einschätzung letztlich stattgeben.

Zu den Auflagen gehören ein grundsätzliches Betretungsverbot von Angehörigen des russischen Konzerns TVEL oder von Rosatom sowie von ihnen beauftragter Personen. Ein Betreten ist nur in eng begrenzten Fällen unter Begleitung der Aufsichtsbehörde möglich.

Die Hard- und Software der TVEL-Lizenzmaschinen muss sicherheitstechnisch extern überprüft werden und diese Maschinen müssen datentechnisch von der sonstigen IT/OT der Brennelementefabrik getrennt werden. Die aus Russland kommenden fertigen Gadolinium-Brennstäbe müssen mit Aktiv- und Passivscannern im Vier-Augen-Prinzip zu 100 Prozent im Hinblick auf mögliche Manipulationen überprüft werden. Ebenso sind die Beschäftigten der ANF in regelmäßigen Abständen zum Schutz von Spionage- und Sabotageaktivitäten zu schulen und zu sensibilisieren.

Aus Transparenzgründen wird die vollständige Genehmigung schon vor der offiziellen und rechtswirksamen Bekanntmachung im Bundesanzeiger vorab veröffentlicht. Siehe dazu unter: https://www.umwelt.niedersachsen.de/download/230500

Auch das Bundesumweltministerium reagiert auf die Genehmigung für die Beteiligung von Rosatom an der Uran-Brennelemente-Fertigung in Lingen: 

Entscheidung über die Herstellung russischer Brennelemente in Lingen

22.07.2026

Im Brennelementewerk Lingen sollen künftig in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart gefertigt werden. Das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) hat als zuständige Genehmigungsbehörde seine Entscheidung über den atomrechtlichen Antrag der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) veröffentlicht. Die Genehmigung ist mit bestimmten Auflagen verbunden. Über die Einzelheiten informiert das niedersächsische Umweltministerium in seiner Pressemeldung.

Dazu veröffentlicht das Bundesumweltministerium folgende Information:

Entscheidungen über Genehmigungsanträge ergehen nach Recht und Gesetz. Wenn alle tatbestandlichen Voraussetzungen vorliegen und wenn Risiken, die im Entscheidungsermessen der Behörde liegen, durch entsprechende Maßnahmen und Auflagen hinreichend begegnet werden kann, ist eine atomrechtliche Genehmigung zu erteilen.

Sollten Erkenntnisse zu neuen Risiken oder einer veränderten nationalen Sicherheitslage gewonnen werden, kann die Genehmigungsbehörde dem Rechnung tragen, zum Beispiel durch weitere Auflagen.

Das niedersächsische Umweltministerium und das Bundesumweltministerium als Bundesatomaufsicht standen im Zuge der Antragsprüfung in sehr gutem Austausch und haben gleichermaßen Wert auf ein möglichst sorgfältiges Genehmigungsverfahren gelegt. Das Bundesumweltministerium hat zusätzlich ein Rechtsgutachten eingeholt.

Es handelt sich um einen besonderen Fall. Der russische Staatskonzern Rosatom ist in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren beteiligt in Zeiten, in denen der russische Staat einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Europa führt, und die EU – und explizit auch Deutschland – als Gegner begreift.

Das Bundesumweltministerium hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass es eine Kooperation mit einem russischen Staatskonzern kritisch sieht. Das geeignete Instrument, damit umzugehen, ist jedoch nicht das Atomrecht, sondern es wären EU-weite Sanktionen auch für den Nuklearbereich. Für diese fand sich bislang jedoch keine Mehrheit der Mitgliedstaaten. Daher machen wir uns weiterhin dafür stark, dass es zu EU-Sanktionen gegen Russland im Nuklearbereich kommt.

22.07.2026 | Meldung Nukleare Sicherheit
Der BUND Landesverband Niedersachsen (Sitz der ANF Lingen) und der Bundesverband haben in einer gemeinsamen PM (Link siehe oben) auf die Genehmigung reagiert und die Prüfung rechtlicher Schritte angekündigt: 

BUND: Genehmigung für Atomfabrik Lingen bedroht Sicherheit

22. Juli 2026 | Atomkraft, Energiewende

Umweltverband prüft rechtliche Schritte

  • Russischer Kooperationspartner an Krieg gegen Ukraine beteiligt
  • Bundesregierung muss Erweiterung sofort stoppen
  • BUND prüft rechtliche Schritte

Berlin/Hannover. Das niedersächsische Umweltministerium (NMU) hat den Enstieg des russischen Staatskonzerns Rosatom in die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen gebilligt. Der BUND prüft rechtliche Schritte gegen die Genehmigung, die unter Auflagen erfolgte. Rosatom ist direkt in den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine involviert. Durch die Beteiligung an der Besetzung des Atomkraftwerks Saporischschja steht der Konzern sogar in Verdacht, aktiv an Kriegsverbrechen beteiligt zu sein. Nun könnte Russland durch die Kooperation in Lingen Zugriff auf kritische Infrastruktur und sicherheitsrelevante Informationen in Deutschland und der EU erhalten. Auch Sabotage kann nicht ausgeschlossen werden.

Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik: „Die Zusammenarbeit mit Rosatom stellt ein unkalkulierbares Risiko für die innere und äußere Sicherheit dar – das ist unhaltbar. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, die Sicherheitsinteressen Deutschlands zu schützen, verschließt jedoch die Augen vor der offensichtlichen Gefahr. Wir fordern sie daher auf, die Kooperation mit Rosatom umgehend zu untersagen. Zudem prüft der BUND rechtliche Schritte gegen die Genehmigung.“

In der Änderungsgenehmigung verweist das NMU als Genehmigungsbehörde bei der Bewertung der Belange von innerer und äußerer Sicherheit auf die Bewertung des Bundesumweltministeriums (BMUKN). Demnach sieht das BMUKN keine sicherheitspolitischen Risiken, die einer Genehmigung entgegenstehen. Geopolitische Aspekte wie Versorgungssicherheit oder der Krieg Russlands gegen die Ukraine sind laut BMUKN bei der Genehmigung nicht berücksichtigt worden.

Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen: „Der russische Staatskonzern hat in Niedersachsen nichts zu suchen. Dessen Mitwirkung in Lingen stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar – sowohl technisch als auch geopolitisch – und muss gestoppt werden. Gerade am Beispiel Niedersachsens zeigt sich der Erfolg der Energiewende. Anstatt auf Atomkraft und fossiles Gas zu setzen, muss der Ausbau Erneuerbarer Energien konsequent vorangetrieben werden. Atomkraft bleibt eine schmutzige, teure und hochgefährliche Energiequelle, die Abhängigkeiten weiter zementiert. Anstatt den hart erkämpften Atomausstieg zu unterlaufen, müssen auch die Uranfabriken in Gronau und Lingen endlich geschlossen werden.“

Hintergrund:

Der BUND fordert seit Jahren, die Uranfabriken in Lingen und in Gronau zu schließen und damit den Atomausstieg endlich zu vollenden. Bis heute wurde die Bundesregierung jedoch nicht aktiv, obwohl ein Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums bereits 2017 belegt hatte, dass die Anlagen durch ein Gesetz stillgelegt und dauerhaft geschlossen werden könnten.

Die Brennelementefabrik in Lingen wird von der ANF betrieben, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der französischen Framatome GmbH. Sie ist bereits mehr als 45 Jahre alt und wies in den vergangenen Jahren zahlreiche meldepflichtige Ereignisse und Mängel auf. Trotzdem wird die Anlage bislang unbefristet weiterbetrieben. Sie produziert seit Jahrzehnten Brennelemente für verschiedene Reaktortypen. Mit der nun vorliegenden Genehmigung soll durch eine Unternehmenskooperation mit dem russischen Staatskonzern Rosatom die Produktion erweitert werden.

ANF hat beantragt, Brennelemente in hexagonaler Form für Reaktoren russischer Bauart zu produzieren. Die Reaktoren des Typs WWER werden unter anderem in fünf osteuropäischen EU-Staaten betrieben. Lange Zeit wurden diese aufgrund der speziellen hexagonalen Bauweise der Brennelemente ausschließlich aus russischer Produktion beliefert. Durch die französisch-russische Kooperation sollen nun auch Brennelemente für osteuropäische Atomkraftwerke in Lingen gefertigt werden. Zwar kaufen die Staaten dann nicht mehr aus Russland, letztlich würden die Brennelemente aber in Deutschland mithilfe Russlands produziert. ANF will die WWER-Brennelemente mit russischer Lizenz fertigen.

Die Abhängigkeit Europas von Uran und Brennelementen aus Russland ist so groß, dass der gesamte Atomsektor Russlands bislang nicht sanktioniert wird und über das Joint Venture der europäische Atommarkt für Rosatom sogar noch weiter geöffnet werden soll.

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens gingen 2023 beim Niedersächsischen Umweltministerium als Genehmigungsbehörde 11.000 Einwendungen gegen das Vorhaben ein – ein beeindruckender, gesellschaftlicher Widerstand. Der BUND Niedersachsen hatte im Verfahren eine detaillierte Stellungnahme eingebracht, in der 40 schwerwiegende Argumente gegen die Erweiterung aufgeführt wurden. Unter anderem blieben eklatante Sicherheitsfragen in Bezug auf technische Aspekte zum Zustand und zur Sicherung der Anlage unbeantwortet. Mehr Informationen:

Press Release FRAMATOME (Link siehe oben)

Framatome contracts with four VVER 440 European nuclear utilities to further advance the development of its 100% sovereign European fuel

April 09, 2026 | 3 min |

Framatome and the representatives from four utilities, ČEZ (Czech Republic), Fortum (Finland), MVM Paks NPP (Hungary), and Slovenské elektrárne (Slovakia), have signed a contract to further advance the development of Framatome’s 100% sovereign European VVER 440 fuel design. The signature seals a long-term cooperation agreement with the utilities to secure the future diversification and fuel supply of their 440 MW VVER pressurized water reactors.

The overall project is in its first phase consisting of the design activities of the VVER 440 fuel assembly – named VERA-440 – and its associated transport container. Further on, a Lead Test Assembly (LTA) program will be performed, enabling the reloads licensing with each Nuclear Power Plant concerned. All of this will be made possible through an integrated and robust 100% European design and supply chain involving Framatome’s French and German fuel fabrication facilities.

“Today we celebrate far more than a technical accomplishment— we celebrate a shared vision and a strong teamwork across borders. I warmly congratulate all Framatome teams and extend my sincere gratitude to ČEZ, Fortum, MVM Paks NPP, and Slovenské elektrárne for the trust they have placed in Framatome. Their confidence has been essential in bringing this ambitious project to life. This agreement reflects our shared intention to work together over the long term, fostering continuous improvement, innovation, and operational excellence in nuclear fuel supply,” said Grégoire Ponchon, CEO of Framatome.

ČEZ Group has long focused on diversifying its nuclear fuel suppliers, which is a key priority for strengthening supply security, enhancing energy security, and ensuring the efficient operation of our power plants. Our participation in the development of a new fuel design for VVER 440 units operated at the Dukovany Nuclear Power Plant therefore represents a logical and strategically important next step,” said Bohdan Zronek, Member of the Board of Directors and Director of the Nuclear Division of ČEZ Group.

“Security of energy supply is a strategic priority for us at Fortum. Diversifying the entire nuclear fuel value chain strengthens our ability to supply electricity reliably to our customers. It is great that we can now, through European cooperation, develop a solution that benefits several companies at the same time and can enhance energy security in many European countries,” said Petra Lundström, Executive Vice President responsible for Fortum’s nuclear operations.

MVM Paks Nuclear Power Plant plans responsibly for the long term and is preparing a further extension of the operating life of its active units. An essential part of this work is to anticipate the conditions of our operation for decades and ensure them in fuel procurement as well. Preserving and strengthening energy sovereignty, guaranteeing the security of supply and maintaining environmentally friendly, clean electricity production are of key importance for Hungary, to which the newly signed agreement also significantly contributes.”, said Péter János Horváth, CEO of MVM Paks NPP.

“Nuclear power is a pillar of the energy security for Slovakia and all of Europe. If this pillar is to be strong on long-term basis, we must have control over one of the most important inputs, namely nuclear fuel. Long-term safe operation of nuclear power plants requires a stable and diversified fuel chain. Involvement of Slovenské elektrárne in the development of European fuel for VVER 440 reactors is a logical step in the management of these technological and contractor-related risks. This project facilitates the operation predictability and improves the resilience of nuclear power industry within the European Union,” declared Branislav Strýček, Chairman of the Board of Directors and CEO of Slovenské elektrárne.

Framatome and seventeen stakeholders, including these four European VVER utilities, have been working on the development of this new VVER fuel technology, including within the framework of the Framatome Safe and Alternative VVER European Project – “SAVE” – funded under the Euratom Research and Training Programme by the European Union.

Nineteen VVER reactors are currently in operation in the European Union, including fifteen VVER 440 MW reactors in the Czech Republic, Finland, Hungary and Slovakia. Framatome aims at manufacturing its first own-design lead fuel assemblies starting from 2028. It intends to contribute to the safe, reliable and uninterrupted operation of the existing nuclear fleet and prepare for the next generation of nuclear fuel.

Lionel Gaiffe, senior executive vice president of the Fuel Business Unit at Framatome declared: “This milestone for Europe’s energy future reflects our commitment to supporting both the nuclear industry and the energy policies of the European countries operating VVER reactors. Framatome is the only fuel supplier able to guarantee a 100% sovereign European technology.”

Dokumentation PM Framatome:

Die Framatome – Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) hat vom niedersächsischen Umweltministerium die Änderungsgenehmigung zur Fertigung hexagonaler Druckwasser-Brennelemente des Typs VVER in der Brennelementfertigungsanlage Lingen (Niedersachsen) erhalten.

Der behördliche Änderungsantrag war im März 2022 von ANF eingereicht worden, um hexagonale VVER-Brennelemente herzustellen, die in VVER-Kernkraftwerken in Mittel- und Osteuropa zum Einsatz kommen. ANF wird nun die notwendigen nächsten Schritte und Anpassungen in ihrem Werk in Lingen vornehmen, um schnellstmöglich mit der Herstellung von VVER-Brennelementen für ihre europäischen Kunden beginnen zu können.

„Wir begrüßen diese Entscheidung sehr, die einen wichtigen Schritt in Richtung europäischer Energiesouveränität darstellt und unser Engagement für die Unterstützung der Energiepolitik der europäischen Länder widerspiegelt, die VVER-Reaktoren betreiben. Die europäischen VVER-Betreiber können sich darauf verlassen, dass Framatome eine sichere und robuste Alternative für die Brennstoffversorgung ihrer VVER-Reaktoren bereitstellt. Wir sind in der Lage, sie ab 2027 zu beliefern“, erklärte Dr. Mario Leberig, VP Fuel Germany, Geschäftsbereich Brennelemente bei Framatome.

Ein mit größter Transparenz und Sorgfalt durchgeführter Prozess

Der Antrag wurde im Jahr 2022 gemäß § 7 des deutschen Atomgesetzes eingereicht. In den vergangenen vier Jahren hat sich das Unternehmen in jeder Phase des Genehmigungsverfahrens umfassend und transparent kooperativ gezeigt. ANF hat alle Auskunftsersuche beantwortet, aktiv an öffentlichen Konsultationen teilgenommen und ihre Argumente während einer dreitägigen öffentlichen Erörterung, die im November 2024 in Lingen stattfand, umfassend dargelegt. Im März 2025 wurde ein positives technisches Sicherheitsgutachten des Sachverständigen TÜV NORD vorgelegt.

„Wir sind bereit, unverzüglich mit den Anpassungen unserer Anlage zu beginnen. Wir waren stets zuversichtlich, dass dieser Antrag alle Anforderungen des Atomgesetzes erfüllt. Die heutige Entscheidung bestätigt dies”, fügte Jürgen Krämer, Geschäftsführer von ANF, hinzu. „Alle Teams im Werk haben auf diesen großartigen Moment gewartet und werden nun die erforderlichen Umbauten vornehmen. Wir starten nun mit der Fertigung der für die Kunden bewährten VVER-Brennelemente für europäische Energieversorger. Wir sind bestens motiviert.“

Volle Unterstützung durch den ANF-Betriebsrat

Die Entscheidung wurde von den Mitarbeitenden und den Arbeitnehmervertretern von ANF ausdrücklich begrüßt. Wolfgang Wolter, Betriebsratsvorsitzender, erklärte: „Diese Genehmigung sichert den Erhalt und den Ausbau unserer Arbeitsplätze bei ANF. Sie ist zudem eine wohlverdiente Anerkennung für die unermüdliche Arbeit, die viele Mitarbeitende in dieses Projekt gesteckt haben. Durch die Herstellung von VVER-Brennelementen werden wir weiterhin zu einer unabhängigen und zuverlässigen Energieversorgung in Europa beitragen. Wir möchten uns ganz herzlich bei unserer Branchengewerkschaft IGBCE für ihre hervorragende Unterstützung bedanken.“

Der Standort Lingen beschäftigt 420 Mitarbeitende und ist in den letzten fünf Jahren um 32 Prozent gewachsen; bis 2027 sind weitere Neueinstellungen geplant.

Ein entscheidender Schritt hin zur europäischen Energiesouveränität

Mit dieser Genehmigung leistet Framatome einen fortlaufenden Beitrag zum sicheren, zuverlässigen und unterbrechungsfreien Betrieb bestehender Kernkraftwerke und bereitet sich auf die Fertigung der nächsten Generation von Brennelementen vor.

Fünf EU-Länder – Bulgarien, die Tschechische Republik, Ungarn, die Slowakei und Finnland, allesamt Framatome Kunden – betreiben insgesamt 19 VVER-Reaktoren, die in jedem dieser Länder zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der nationalen Stromversorgung erzeugen.

Diese Reaktoren stellen die kritische Infrastruktur für rund 38 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger dar. Sie sind auf eine sichere, eigenständige europäische Brennstoffversorgung angewiesen – unabhängig von Importen aus Staaten außerhalb der EU.

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