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Strahlenschutz – Kernfusion und eine Anhörung zum Gesetzentwurf im Bundestag

Die Bundesregierung und die Regierungsfraktionen streben an, den Ausbau der Kernfusion ohne Atomrecht, sondern nur mit Strahlenschutzgesetz zu regeln. Wissenschaftler*innen haben da ernsthafte Zweifel, immerhin geht es um einen höchst riskante und gefährliche Technik am Rande der Atombombe. In der kommenden Woche wird es dazu im Umweltausschuss des Bundestags eine Anhörung geben. Eine Kleine Anfrage der Grünen zum „ersten Atomfusionskraftwerk in Deutschland“ bekommt Antworten von der Bundesregierung.

Die CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, mit der Kernfusion etwas fürs Klima zu erreichen und streben an, dass das erste Fusionskraftwerk zur Stromerzeugung in Deutschland errichtet werden soll. In jedem Fall soll dazu die Forschung vorangetrieben werden. Parallel zur rechtlichen Regulierung der Kernfusion wird auch im Zuge der laufenden Haushaltsberatungen beim Etat des Bundesforschungsministeriums ein Milliarden-Betrag geplant, um bestehende Aktivitäten weiter zu intensivieren.

      • Einige Abgeordnete der Grünen-Fraktion im Bundestag haben gerade eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt und beantwortet bekommen. Das ist hier auf der Bundestagsseite zu finden. Dr. Andrea Lübcke steht dort als Erste der Fragenden. Sie ist Mitglied für die Grüne Fraktion im Forschungsausschuss und auch stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss. Zu lesen ist dort unter anderem als Antwort der Bundesregierung: „Die Fusionsstrategie, die zum Erreichen dieses Zieles führen soll, sei in der Hightech Agenda Deutschland im Aktionsplan „Fusion“ verankert. Für die Umsetzung der Fusionsstrategie sind laut Antwort in der laufenden Legislaturperiode rund 2,4 Milliarden Euro vorgesehen. Etwa 755 Millionen Euro seien im Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) und rund 810 Millionen Euro im Klima- und Transformationsfonds (KTF) veranschlagt.“

Einen Gesetzentwurf von der Bundesregierung gibt es dazu unter dem Titel: „Entwurf eines  Gesetzes zum Bürokratierückbau, zur Digitalisierung und zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts“ BT-Drs. 21/8415. Am Mittwoch, 4. November 2026, 9.30 bis 11.30 Uhr, wird die Anhörung im Bundestag stattfinden (Anmeldung erforderlich) – Aber auch live per Stream als öffentliche Sitzung übertragen. 

Die Sachverständigen sind für die Anhörung in der nächsten Woche benannt (PDF): Steffen Kanitz, RWE Power AG – Prof. Dr. Joachim Breckow, Technische Hochschule Mittelhessen – Armin Reinartz, Pro-Fusion e.V. – Dr. Annette Röttger, Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) – Dr. Joerg Kaulard,
JEN, Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH – Prof. Dr. Wolfgang Liebert i. R., BOKU University – Mag. Dr. Nikolaus Müllner, BOKU University.

Gleich zweimal Expertise wird aus Wien vom BOKU in der Anhörung kritisch zu Wort kommen. Das BOKU hat viel Kompetenz in Sachen Atomenergie und Proliferation und Umwelt- und Strahlenschutz.

Dabei sein wird auch der ehemalige Atomstrom-Gigant RWE in Person von Steffen Kanitz, der neulich noch Bundestagsabgeordneter der CDU aus NRW war, dort Mitglied der Endlagerkommission für hochaktive Atomabfälle war, anschließend bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung in der Geschäftsführung war, bevor er zurück nach NRW ging und dort in den RWE-Vorstand einstieg. RWE ist auch zuständig zum Beispiel für alle Atomanlagen des Konzerns. Auch für den havarierten Atomreaktor THTR in Hamm ist Kanitz heute zuständig. Da hat sich die Betreibergesellschaft gerade als Zahlungsunfähig für die weiteren Kosten von über eine Milliarde Euro für den Rückbau erklärt. Sein Unternehmen hält auch weiterhin Anteile an der Uranfabrik von URENCO mit einem Sitz in Gronau. Und: RWE beteiligt sich mit rund einer halben Milliarde Euro bei den privatwirtschaftlichen Fusionsforschungsprojekten.

BUND, Greenpeace und auch andere Umwelt- und Klima-Verbände haben sich zu den Vorhaben in Sachen Kernfusion sowohl im Rahmen der EU als auch der laufenden Gesetzesberatungen bei der Bundesregierung und jetzt im Bundestag kritisch und ablehnend geäußert. Der BUND plant auf seiner Bundesdelegiertenversammlung einen Beschluss gegen die Fusionsforschung zu fassen und warnt nicht nur vor dem falschen Erwartungen in Sachen Klimaschutz, sondern auch, weil die Fusionsenergie seit Jahrzehnten ein unerfülltes Versprechen ist und gleichzeitig enorme Risiken birgt. Immerhin ist das äußerst seltene Tritium Grundbedingung. Ein Stoff, der extrem sehr selten ist, unglaublich teuer und vor allem für militärische Zwecke als Sprengstoffverstärker von größter Relevanz ist. Davon sollte man besser die Finger lassen und die Verbreitung von nuklearen Waffen nicht weiter vergrößern. UmweltFAIRaendern hatte dazu immer wieder berichtet. Für mehr Hintergrund einfach die Suchfunktion nutzen oder in der Übersicht ein wenig scrollen.

Bei der Anhörung nicht dabei sind Gutachtereinrichtungen wie z.B. die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), die vom Bundesforschungsministerium federführend für zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen zuständig ist, die regulatorischen Anforderungen für die Kernfusion-Anwendung in Deutschland untersuchen. Auch das Öko-Institut ist daran beteiligt, aber wird nicht als Sachverständige dabei sein. Möglicherweise, weil das Forschungsprojekt des Ministeriums noch nicht abgeschlossen ist. Aber: Schon jetzt dürfte klar sein, dass die Studie die Linie der Koalition eher nicht bestätigen dürfte und Regulierungen auch im Atomgesetz vorschlagen dürfte.

 

Deutsche und die Atombombe – Geschichte bis Gegenwart

Da macht einer dann doch vor allem eine Art persönliche Abrechnung. Mit einer Friedensbewegung aus den 1980er Jahren und der späteren Außen- und Sicherheitspolitik von rot-grünen bis zu den Merkel-Regierungen. Aber es geht auch um die Rolle von Deutschen, die an der Entdeckung der Kernspaltung, der Entwicklung und Verbreitung von Atomwaffen und Reaktoren beteiligt waren  und mittendrin in der Ost-West-Konfrontation seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Die Deutschen und die Atombombe“, ein mindestens ambivalentes Buch von Joachim Krause, Politikwissenschaftler und emeritierter Professor für Internationale Politik am Institut für Sozialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Viele Standpunkte und Einordnungen muss man nicht teilen, sondern deutlich widersprechen. Aber Ausführungen zu historischen Dingen in Sachen Atomenergie, Waffen und Reaktoren und deutscher Beteiligung einer weiterhin latenten „Kernwaffenmacht“ sind vermutlich informativ. „Deutsche und die Atombombe – Geschichte bis Gegenwart“ weiterlesen

Berliner Atomforschungsreaktor – Radioaktiv und teuer – Anforderungen an Rückbau

Im Januar stellte der Berliner BUND auf Basis einer gutachterlichen Stellungnahme fest: „Berliner Atomreaktor-Rückbau: Gutachten zeigt Sicherheitslücken“. Seit Jahrzehnten ist die Atomanlage abgeschaltet. Weiterhin lagert dort neben anderen radioaktiven Abfällen auch noch hoch aktiver Atommüll. Der soll vermutlich in das Zwischenlager Ahaus nach NRW. Kosten von mndestens einer halben Milliarde Euro werden für den Rückbau derzeit geplant. Eine Begleitgruppe aus gesellschaftlichen Gruppen sowie der BUND Berlin haben jetzt Forderungen veröffentlicht, wie es weiter gehen sollen. Vorbild des Berliner Begleit-Dialogs ist die Stilllegung der Atomforschungsanlage GKSS bei Geesthacht. (Foto:HZB) „Berliner Atomforschungsreaktor – Radioaktiv und teuer – Anforderungen an Rückbau“ weiterlesen

Radioaktiv: In Gronau (NRW) geht neues Uran-Lager in Betrieb

Die Uranfabrik der URENCO in Gronau hat eine neue Lagerhalle für radioaktive Uranreststoffe in Betrieb genommen. Das geht aus einer Meldung des Unternehmen hervor (siehe unten). Die Genehmigung dafür war bereits 2005 erteilt worden. Während der Anreicherung von Uran235 für die Verwendung in nuklearen Bernnstoffen entsteht in großen Mengen abgereichertes Uran. Über Jahrzehnte hinweg hatte die URENCO derartige Restoffe immer wieder nach Russland exportiert. (Foto: Betreiber URENCO) „Radioaktiv: In Gronau (NRW) geht neues Uran-Lager in Betrieb“ weiterlesen

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