Uranbergbau: Staatliche Repressalien gegen Kritiker im Niger

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Uranbergbau: Staatliche Repressalien gegen Kritiker im Niger.

Vor rund zwei Wochen wurden im Niger Aktivisten gegen den dortigen Uranabbau vorübergehend festgenommen. Die Maßnahme wird mit einem Besuch des französischen Staatspräsidenten Hollande in Verbindung gebracht. Der französische Atomkonzern AREVA baut im Niger seit vielen Jahrzehnten das Uran ab, um damit die eigenen Atomanlagen zu betreiben. Erst vor kurzem hat es nach langen Auseinandersetzungen zwischen dem Atomkonzern und der Regierung des Nigers eine Einigung für einen neue Abbau-Vertrag gegeben. Diese Einigung wurde von einem der Festgenommen kritisiert. Ramatou Solli stellte fest: „Bei dieser Vereinbarung wurde der Niger über den Tisch gezogen; wir haben überhaupt nichts gewonnen. Man hat fast 18 Monate lang so getan, als würde man verhandeln, und letztlich nichts erreicht“ (siehe unten).

Seit Jahren gibt es massive Konflikte rund um die Uranmine im Norden des Nigers, bei denen es auch zu Entführungen und bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen ist. Nach dem militärischen Eingreifen Frankreichs im benachbarten Mali ist es bei Arlit zu schweren Terroranschlägen gekommen. Frankreich hat Spezialeinheiten an den Minen stationiert. Die gesamte Region – die als Rohstoffreich gilt – gerät immer mehr in einen Prozeß der Destabilisierung. Siehe dazu auch diesen Artikel in der Zeit.

SwissAid berichtet auf seiner Seite über die Vorkommnisse der letzten Wochen:

„Nach einer Pressekonferenz am 17. Juli 2014 und einem Aufruf zu einer Kundgebung am Vortag der Ankunft des französischen Präsidenten Hollande in Niamey wurde Ali Idrissa zu Hause von der nigrischen Polizei verhaftet. Auch die GREN-Verantwortliche Solli Ramatou sowie rund zehn Mitglieder der von Ali Idrissa geleiteten Organisation ROTAB wurden festgenommen. Die beiden Vereinigungen setzen sich entschlossen für mehr Transparenz im Rohstoffabbaugeschäft im Niger ein und sind langjährige SWISSAID-Partner in diesem afrikanischen Land. SWISSAID ist besorgt über die Verhaftung von Vertretern der nigrischen Zivilgesellschaft.

Die beiden Betroffenen wurden inzwischen zwar wieder freigelassen, aber es ist weiterhin Wachsamkeit angebracht. An der Pressekonferenz vor der Ankunft des französischen Präsidenten hatte Ali Idrissa die Partnerschaft zwischen Areva und dem Niger kritisiert. Diese war nach monatelangen Verhandlungen gerade besiegelt worden. Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen äusserten ebenfalls ihre Enttäuschung über die neue Vereinbarung zu den Rohstoffabbauverträgen: Für die Menschen im Niger würden erneut nur «Brosamen» abfallen. Die Hoffnung war gross gewesen, dass das Land dank dieser Vereinbarung endlich fair für sein seit Jahrzehnten vom französischen Nuklear-Riesen abgebautes Uran entschädigt werden würde.

«Bei dieser Vereinbarung wurde der Niger über den Tisch gezogen; wir haben überhaupt nichts gewonnen. Man hat fast 18 Monate lang so getan, als würde man verhandeln, und letztlich nichts erreicht», bedauerte die GREN-Verantwortliche Ramatou Solli. Diese SWISSAID-Partnerorganisation hatte 2013 in Niamey eine Konferenz über die Bergbauindustrie durchgeführt. Dabei wurde sie von der Fédération genevoise de coopération und dem Journalisten und Mitglied von SWISSAID Genf, Gilles Labarthe, unterstützt. Ali Idrissa hat bereits an mehreren von SWISSAID in der Schweiz organisierten Konferenzen zum Thema Transparenz im Rohstoffsektor teilgenommen. SWISSAID wird folglich die weitere Entwicklung im Niger genau verfolgen und darauf achten, ob ihre Partner unter Druck gesetzt oder bedroht werden.“

Hiroshima-Nagasaki: Eine Mahnung für Atomausstieg und Abrüstung

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Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der Linken, vor Ort in Gronau vor der dortigen Uranfabrik beim diesjährigen Ostermarsch – gemeinsam mit einem Aktivisten aus Tanzania. Foto: Dirk Seifert

In der nächsten Woche jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 69. Mal. Anlass für die Anti-Atom- und Friedensinitiativen rund um die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, am kommenden Sonntag, den 3. August, eine Kundgebung unter dem Motto „Hiroshima und Fukushima mahnen – für eine Welt ohne Atomwaffen und Atomenergie“ durchzuführen. Auf der Kundgebung gibt es u. a. Redebeiträge der japanisch-deutschen Gruppen Sayonara Genpatsu Düsseldorf und Antiatom-fuku sowie von der DFG-VK. Vor Ort wird auch der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel von der Links-Fraktion sein, der heute mit einer Presseerklärung zur Teilnahme aufrief (siehe gleich unten).

Die Anti-Atom- und Friedensgruppen wollen mit „der Kundgebung …  ein klares Zeichen für das Verbot aller Atomwaffen und der Urananreicherung sowie für den Ausstieg aus der Atomenergie setzen. Hiroshima hat der Welt schlagartig klargemacht, welche Zerstörungskraft Atombomben besitzen. Genau 100 Jahre nach dem Beginn des 1. Weltkriegs und 75 Jahre nach dem Beginn des 2. Weltkriegs ist eine weltweite Ächtung von Atomwaffen aber noch immer in weiter Ferne.“ (Aufruf)

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter, Fraktion Die Linke, Münster:  Die Opfer von Hiroshima mahnen uns: Nein zur Atomindustrie

„Am 6. August jährt sich zum 69. Mal der Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroshima. Aus diesem Anlass wird der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) am kommenden Sonntag an einer Gedenkkundgebung an Deutschlands einziger Urananreicherungsanlage in Gronau teilnehmen. In Hiroshima explodierte eine Atombombe mit angereichertem Uran.

Hierzu erklärt Hubertus Zdebel: „Es gibt in Deutschland kaum einen besseren Ort als Gronau und die Urananreicherungsanlage der URENCO, um die Mahnung und Verpflichtung zur atomaren Abrüstung zu unterstreichen. In Gronau kann grundsätzlich jederzeit nicht nur der Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt werden, sondern auch das angereicherte Uran, das für eine Atombombe geeignet ist.
Die Urananreicherung sei der einfachste Weg zur Atombombe, stellte Michael Sailer, Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission der Bundesregierung, im April 2013 fest.
Wer will, dass sich Ereignisse wie Hiroshima und auch Nagasaki nie wiederholen, muss die Atomenergienutzung auch zu vermeintlich friedlichen Zwecken endgültig beenden. Gerade die Urananreicherungsanlagen machen klar, dass sich militärische und vermeintlich zivile Nutzung nicht trennen lassen.

Die Uranfabrik in Gronau ist vom Atomausstieg nicht erfasst. In Gronau darf die URENCO weiterhin ohne jede zeitliche Befristung Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt herstellen. Fast jedes zehnte AKW erhält von hier das Uran. Deutschland exportiert damit auch in Zukunft das Risiko von Atomkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima. Das muss aufhören, die Uranfabrik Gronau muss endlich auf die Liste der stillzulegenden Atomanlagen, am besten sofort!

Doch statt Stilllegung dieser Anlage ist geplant, die URENCO-Anlagen zu verkaufen. Damit, so ist zu befürchten, wachsen die Risiken einer Weiterverbreitung dieser auch militärisch äußerst gefährlichen Technologie. Die Minderung der militärischen Risiken der Atomenergie erreicht man nicht durch einen Verkauf von solchen Anlagen, sondern nur wenn man sie endlich stilllegt!““

Hinweis: der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel wird an der Mahnwache in Gronau vor der URENCO-Anlage (Röntgenstraße) teilnehmen. Beginn ist am kommenden Sonntag, den 3. August um 13:30 Uhr, direkt vor der UUA in der Röntgenstraße in Gronau.

Atomtransporte sind überall – Eine atomare Medienreise mit der strahlenden Fracht durch Deutschland

Geheime Atomtransporte quer durch Deutschland - AtomkraftgegnerInnen und Medien sind ihnen auf der Spur
Geheime Atomtransporte quer durch Deutschland – AtomkraftgegnerInnen und Medien sind ihnen auf der Spur

Atomtransporte überall. Viele Medien berichten über die zahlreichen Transporte zum Betrieb von Atomkraftwerken, die über Straßen, Schiene und Wasserwege quer durch Deutschland unterwegs sind. Vom Norden der Republik quer durch Deutschland bis ins Saarland haben zahlreiche Medien sich auf die strahlende Spur von Atomtransporten gemacht und berichten über eine Vielzahl von Auffälligkeiten dieser Transporte, die normalerweise tagtäglich im Geheimen unterwegs sind.

Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein

Beginnen wir im Norden, wo die Kieler Nachrichten sich dem Thema Atomtransporte durch den Nord-Ostsee-Kanal widmen. „Die aktuellen Transporte nahm der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer (Piraten) zum Anlass für eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. „Ich wollte wissen, wie es um die Sicherheit bestellt ist“, sagt der Abgeordnete. Das Ergebnis hat ihn schockiert. Weder die Feuerwehren noch die Landesregierung werden im Vorwege über anstehende Transporte unterrichtet. Da radioaktive Güter der IMO-Klasse 7 als normale Gefahrgüter geführt werden, erhält nur die Wasserschutzpolizei Kenntnis.“

Die Kleine Anfrage steht hier zum download als PDF bereit.

Konkrete Angaben über die Zahl der Transporte und die radioaktiven Frachten gab es keine. Die werden – wie schon das Flensburger Tageblatt vor kurzem berichtete – in Schleswig-Holstein schlicht nicht „gespeichert“.

„Konkrete Transportmengen werden nicht gespeichert. „Wir erfassen keine einzelnen Gefahrgutarten“, sagt Helmut Külsen von der Generaldirektion Schifffahrt. Die Kontrolle übernimmt die Wasserschutzpolizei. Dabei wurden bereits mehrfach Mängel festgestellt, besonders bei Schiffen aus Russland. So mussten jetzt von den 20 Containern an Bord der „Sheksna“ vier in Hamburg verbleiben, da es für sie keine erforderlichen Papiere gab. Im März beanstandeten die Beamten bei einem Schiff im Kanal die Abstände der Container. Die für den Atomtransport wichtige Kritikalitätssicherheitskennzahl war unterschritten worden. Die Aufsichtsbehörde erlaubte dennoch die Weiterfahrt in den nächsten Hafen. „Das ist blanker Hohn. Wenn sogar Kritikalitätssicherheitsabstände verletzt werden, zeigt das nur eins: Die Atomtransporte müssen sofort aufhören“, sagt Thorge Ott von der Bürgerinitiative Kiel gegen Atomanlagen.“

Die Kieler Nachrichten schreiben auch über diesen Vorfall: „Auf dem Nord-Ostsee-Kanal havarierte zuletzt im März 2001 der russische Frachter „Bugulma“. Das Schiff hatte 26 Brennelemente in Containern an Deck stehen, als es im Nebel bei Königsförde mit einem anderen Schiff zusammenstieß und abgeschleppt werden musste.“

Dass radioaktive Frachten auf z.T. fragwürdigen Schiffen unterwegs sind, gilt als ein besonderes Risiko: „„Wir sind gegen jede Form von Atomtransporten. Wenn sie aber schon gemacht werden, sollten sie zumindest mit dafür geeigneten Schiffen erfolgen“, sagt Irene Thesing von der Bürgerinitiative Kiel gegen Atomanlagen. Durch das Feuer auf dem Frachter „Atlantic Cartier“ in Hamburg erhalte die Initiative wieder Zulauf.“

Am 9. August startet ein Anti-Atom-Camp in Kiel, um gegen die Atomtransporte und für den Ausstieg zu protestieren.

Viele Beanstandungen und Mängel: Laxer Umgang in Hamburg

Über die „Sheksna“ und ihre aus Kasachstan stammende radioaktive Fracht – Uranerzkonzentrat – ist hier schon berichtet worden. Nicht zuletzt weil bei dem Transport mit insgesamt 21 Containern vier marode Behälter im Hamburger Hafen ihre Reise wegen Sicherheitsmängeln vorrübergehend unterbrechen mussten. Die Linksfraktion in der Bürgerschaft hatte zu den Problemen bei dem Transport den Senat befragt. Heute kommentiert deren Sprecherin Dora Hayenn die Antwort: „Laxer Umgang mit Mängeln bei Atomtransporten im Hafen„. Nach der Auflistung zahlreicher festgestellter Mängel stellt sie fest: „„Wenn das Zeug schon über Hamburg transportiert wird, dann müssen die Sicherheitsvorkehrungen auch strengstens eingehalten werden. Schiffe, die kontinuierlich eine hohe Anzahl an Beanstandungen haben, müssten abgemahnt werden. Schließlich ist nach acht Punkten in Flensburg der Führerschein auch weg.“ Damit meint Hayenn: Von „2012 bis 2014 (ist) fast die Hälfte der kontrollierten Transporte auf der Sheksna beanstandet (worden), nämlich elf von 24. Das betraf mehr als ein Fünftel der kontrollierten Beförderungseinheiten: 71 von 341. „Das ist doch erheblich und ein weiteres Argument für eine Teilentwidmung des Hamburger Hafens für Atomtransporte, wie DIE LINKE es in der Bürgerschaft gefordert hat“, so die Umweltpolitikerin.

Auch der NDR widmet sich dem Schiff: „Atomtransporte: Frachter „Sheksna“ im Visier„, heißt es dort. „Nach den jüngsten Pannen bei einem radioaktiven Transport im Hamburger Hafen räumt der Senat weitere Mängel ein. Der Frachter, bei dem die Wasserschutzpolizei kürzlich mehrere Container mit Uranerz gestoppt hat, ist schon mehrfach aufgefallen, wie NDR 90,3 berichtete.“ Unter der Überschrift „Verbeulte Behälter“ wird dort auch über die Details berichtet, die der Senat in der Antwort auf die Linken-Anfrage mitteilt.

In Münster (NRW) wird die Stadt nicht informiert

Unter der Geheimhaltung, unter der die Atomtransporte erfolgen, leidet auch die Stadt Münster in NRW. Die Westfälischen Nachrichten schreiben: „Die Stadt Münster erhält auch weiterhin keine Informationen über Atomtransporte, die über münsterisches Stadtgebiet führen. Das teilte am Freitag der städtische Dezernent Wolfgang Heuer mit, der unter anderem auch für den Brandschutz zuständig ist.“ Z.B. ging das Uranerzkonzentrat, das mit der Sheksna in Hamburg vom Schiff auf die Schiene umgeschlagen wurde, mitten durch Münster. Auch die zahlreichen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau durchqueren die Stadt.

„In einem Brief an das Aktionsbündnis „Sofortiger Atomausstieg“ verwies Heuer auf die Position der Düsseldorfer Landesregierung, die bereits mehrfach erklärt habe, „dass sie eine Information der zivilen Behörden, einschließlich der Organisationen der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr, im Vorfeld von Atomtransporten nicht für erforderlich hält“.“

Update 02/080/2014: Und der Rest von NRW

Vergessen hatte ich den WDR, der unter dieser Überschrift berichtet: „Uran-Transporte durch NRW Strahlende Fracht auf geheimer Reise? Unbekannte Reiserouten und unklare Zuständigkeiten bei Urantransporten in Rheinland-Pfalz, NRW und dem Saarland„.

Bei den vielen Atomtransporten ist die Zuständigkeit nicht immer so ganz klar, teilt der WDR (Sabine Tenta und Dominik Reinle) mit: „Der Versuch, die Frage zu klären, wer überhaupt zuständig ist für diese Urantransporte, führte über mehrere Behörden und Ministerien: Das NRW-Innenministerium verwies auf das NRW-Wirtschaftsministerium, das wiederum sagte, das Innenministerium sei zuständig. Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministeriums erklärte daraufhin, dass sein Ministerium nur bei Transporten mit radioaktiven Stoffen auf der Straße informiert werde. Transporte auf der Schiene, wie sie jetzt von Anti-Atomaktivisten beobachtet wurden, würden dem Innenministerium nicht gemeldet. Diese Transporte müsste das Eisenbahnbundesamt genehmigen. Für die Sicherung derartiger Transporte sei die Bundespolizei zuständig. Eine Sprecherin der Bundespolizei erklärte WDR.de, dass „aus einsatztaktischen Gesichtspunkten keine Angaben zu Sicherungsmaßnahmen“ gemacht werden können. Weitere Informationen zu Transportwegen und Verfahrensabläufen könne das Bundesamt für Strahlenschutz beantworten. Ein Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz sagte jedoch, seine Behörde sei nicht zuständig, da es sich nicht um Kernbrennstoffe, sondern um „sonstige radioaktive Stoffe“ handele. Zweifelsfrei zuständig ist das Eisenbahnbundesamt. Deren Sprecherin Heike Schmidt bat WDR.de um Verständnis, dass ihr Amt „zu Transportrouten aus Sicherungsgründen keine Auskünfte erteilen darf.“ Fakt ist also, dass keine Informationen zu der Route der Uran-Transporte und ihrer Sicherung von den zuständigen Behörden zu erhalten sind. “

Geheimnisvoll strahlend auch durch Rheinland-Pfalz und das Saarland

Der Atomtransport mit dem Uranerzkonzentrat durchquerte auch Rheinland-Pfalz. Dort hatte vor einigen Tagen der Trierische Volksfreund über die zahlreichen geheimen Atomtransporte auch durch dieses Bundesland berichtet. Jetzt informiert der Volksfreund seine LeserInnen: „Land kann Atomtransporte durch die Region nicht verbieten: Die regelmäßigen Urantransporte durch die Region können durch das Land nicht verboten werden. Das teilte eine Sprecherin des zuständigen Energieministeriums auf Anfrage unserer Zeitung mit.“

Die Zeitung weist auch auf erhebliche Probleme bei den Zuständigkeiten und der Überwachung der Atomtransporte hin, erwähnt Defizite auch in NRW und im Saarland. „Nach unseren Recherchen gehen pro Monat bis zu fünf Züge mit Containern mit Uranerz von Hamburg durch die Region über das saarländische Perl oder über Saarbrücken zur Aufbereitung nach Südfrankreich.

In den von den Transporten betroffenen Bundesländern, wie etwa in Nordrhein-Westfalen oder im Saarland, sorgte die Berichterstattung für Wirbel. So haben Recherchen des WDR ergeben, dass unklar ist, wer in Nordrhein-Westfalen überhaupt zuständig ist für die Urantransporte. Im Saarland teilte das Umweltministerium mit, dass es nicht über die Transporte informiert werde und dass es keine Meldepflicht dafür gebe. Die Piraten im saarländischen Landtag und der Bund für Umwelt- und Naturschutz Saarland fordern trotzdem „lückenlose Aufklärung“ seitens der Landesregierung.

Auch in Rheinland-Pfalz ist es schwierig, Zuständigkeiten für die Transporte herauszufinden. „Soweit es sich um Transporte von Kernbrennstoffen handelt, ist hierfür das Bundesamt für Strahlenschutz zuständig“, sagte eine Sprecherin des Energieministeriums.“

Und dann war da noch: Atomtransporte durch Rostock stoppen

Atom-Deals: Deutsches und schwedisches Plutonium wird britisch

MOX-Fertigung in Sellafield, FOTO PA - Sellafield
Heiße Zellen in der britischen Plutoniumfabrik in Sellafield. Hinter dem Glas wurde Plutionium verarbeitet. Foto: Betreiber

Rund 140 Kilogramm Plutonium einer „deutschen Forschungsorganisation“ gehen in den Besitz von Großbritannien über. Das auch für Atomwaffen taugliche Plutonium dürfte aus Wiederaufarbeitungsverträgen deutscher Forschungszentren mit entsprechenden britischen Anlagen in Sellafield oder Dounreay stammen. Näherer andere dazu macht der Bericht des „nuklearforum.ch“ dazu leider nicht. Ebenso wechseln weitere 800 Kilogramm eines „nicht näher benannten schwedischen Stromerversorgers“ den Besitzer. In Frage kommen dabei u.a. die Atomkonzerne Vattenfall oder E.on, die eine Großteiler der schwedischen Atomkraftwerke betreiben.

Das „nuklearforum.ch“ teilt dazu insgesamt mit: „Die britische Nuclear Decommissioning Authority (NDA) darf zwei weitere Plutoniumtauschgeschäfte mit ausländischen Wiederaufarbeitungskunden tätigen. Dies hat die Regierung Grossbritanniens Anfang Juli 2014 genehmigt.

Im Auftrag des Department of Energy and Climate Change (DECC) übernimmt die NDA in Tauschgeschäften rund 800 kg Plutonium eines nicht näher benannten schwedischen Stromversorgers und rund 140 kg Plutonium einer deutschen Forschungsorganisation.

Laut DECC werden diese Transaktionen kein neues Plutonium nach Grossbritannien bringen und die Plutoniumbesitzstände des Landes nicht vergrössern, denn es geht im Wesentlichen um einen Eigentümertausch ziviler Plutoniumvorräte, die bereits in Grossbritannien eingelagert sind. Somit sei eine physische Verschiebung des Materials nicht notwendig und Grossbritannien erhalte bessere Kontrolle über diese Bestände im eigenen Land. Die finanziellen Vorteile der Übernahme seien ausreichend, um die geschätzten langfristigen Kosten für die Handhabung des Plutoniums in Grossbritannien auszugleichen.“

Hochradioaktiver Atommüll aus Jülich spaltet auch in den USA: Gouverneurin gegen Atomtransporte

Hier im AVR in Jülich ist der Atommüll erzeugt worden, dessen Lagerung heute nicht gesichert ist. Foto: Betreiber
Hier im AVR in Jülich ist der Atommüll erzeugt worden, dessen Lagerung heute nicht gesichert ist. Foto: Betreiber

Nicht nur in Deutschland gibt es Streit über einen möglichen Export von hochradioaktivem Atommüll aus Jülich in die USA. Die Gouverneurin des betroffenen Bundesstaats South Carolina lehnt die Einfuhr von deutschem Atommüll ab. Das teilt der Deutschlandfunk heute mit. Und der WDR meldete vor wenigen Tagen, dass es auch von AnwohnerInnen an der us-amerikanischen Anlage, der Savannah River Site, Ärger gibt (siehe unten). In Jülich lagern 152 hochradioaktive Castor-Behälter unter sicherheitstechnisch fragwürdigen Bedingungen. Daher hatte Anfang Juli das zuständige Wirtschaftsministerium als Atomaufsicht angeordnet, dass die Jülich-Betreiber ein Konzept zur Räumung des Lagers vorlegen sollen. Doch wohin mit der hochradioaktiven Hinterlassenschaft?

Eine der möglichen Alternativen soll der Export in die USA sein. Bereits seit rund zwei Jahren wird zwischen Bundesregierung, der Landesregierung in NRW einerseits und den zuständigen Stellen in den USA darüber verhandelt, die hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln aus dem Reaktor AVR zur Wiederaufarbeitung in die Atomschmiede Savannah River Site zu verschiffen.

Der Deutschlandfunk berichtet über die Auseinandersetzungen in den USA heute auf seiner Homepage folgendermaßen: „Die Wiederaufbereitung von deutschem Atommüll in den USA ist weiter umstritten. US-Energieminister Moniz bekräftigte beim Besuch einer Anlage im US-Bundesstaat South Carolina das Angebot, mehr als 150 Castor-Behälter aus dem nordrhein-westfälischen Forschungsreaktor Jülich aufzunehmen. Eine abschließende Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die Gouverneurin des Bundesstaates, Haley, betonte dagegen, man wolle keinen deutschen Atommüll, solange es kein Endlager für die eigenen Nuklear-Abfälle gebe. Die nordrhein-westfälische Atomaufsicht hatte Anfang des Monats verfügt, dass die Castor-Behälter wegen nicht nachgewiesener Erdbeben-Sicherheit aus Jülich entfernt werden müssen. Die Brennelemente stammen ursprünglich aus den USA.“

Und letzte Woche berichtete der WDR, dass auch die AnwohnerInnen rund um die Savannah River Site den Atommüll aus Deutschland nicht sonderlich schätzen: „Der Atommüll in Jülich sorgt weiter für Ärger. Nachdem das NRW- Wirtschaftsministerium angeordnet hat, das Zwischenlager zu räumen, wird jetzt mit dem US-Energieministerium über den Rücktransport der Brennelementkugeln nach South-Carolina verhandelt. Aber dort gibt es Widerstand. Die Anwohner der nationalen Forschungsanlage Savannah River Site werfen Deutschland vor, mit dem Verschieben des Atommülls in die USA gegen Gesetze zu verstoßen. Und sie nennen weitere Gründe, warum der Müll besser in Deutschland bleiben sollte: Der lange Transportweg über das Meer sei nicht sicher genug, das Forschungslabor in South-Carolina sei für diese Art Atommüll nicht geeignet und zudem sei der Standort erdbebengefährdet. Bis September muss nun das Jülicher Forschungszentrum ein Konzept erarbeiten, was mit dem Atommüll passieren soll.“

Da passt es doch ganz gut, dass auch hiesige AtomkraftgegnerInnen bereits angekündigt haben, dass sie sich querstellen werden, sollte es zu Atomtransporten aus Jülich Richtung USA oder in ein anderes Zwischenlager geben.

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