Nie wieder. Ulla Meinecke. Kopfhörer*in
Nie wieder. Ulla Meinecke. Kopfhörer*in
Eigentlich gehört das hier nicht hin. Aber irgendwie doch. Und diese Zeit „zwischen den Jahren“ ist einfach ideal. Weil: Beiträge zur Geschichte der alternativen und sozialen Bewegungen gehen bestimmt weg wie warme Semmeln. In jedem Fall! Die Jahre um und bei 1980. Neue deutsche Welle. Allemal, wenn es um den Kreis Pinneberg geht. Autokennzeichen PI. Die taz war grad mal erfunden.
Aber es gab viele Versuche, unsere Sicht der Welt zu erzählen, – weil wir die herrschenden Medien nicht „so ideal“ fanden. Da fragen sich doch sofort alle: was geht?
„Der Anfang“ war eine „Alternative Zeitung für den Kreis Pinneberg“, die selbstverwaltet erstellt wurde und weil das alles damals noch kompliziert und teuer war, außerdem noch in schwarz-weiß. Wir hatten Schreibmaschinen, ey!
Ach ja: Die Zeitung drehte irgendwie immer um etwas, was mit Jugendzentrumsbewegung zu tun hatte. Ok. Kennt heute niemand mehr. Doch da ging es auch schon um Politik, die bis heute wirkt. Hier ein paar Ausgaben, die ich beim Aufräumen gefunden habe und zu PDFen gemacht habe:
Theo Christiansen ist tot. Eine der für mich intellektuell, politisch und moralisch wichtigsten Personen ist kurz vor seinem 68. Geburtstag gestorben. Viel zu früh und viel zu überraschend. Immer für Gerechtigkeit und Anteilnahme. Immer für das Wohl aller, Gemeinwohl. Mit so viel Vorsicht und Brüchen. Es sind so viele Spuren, die sein Leben in meinem hat. Und von so vielen von uns. Da bin ich sicher. Dafür bin ich dankbar. Und traurig. Theo Christiansen!
Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen, Freudinnen und Freunden.
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# Das Komitee für Grundrechte und Demokratie, für das Theo lange Jahre im Vorstand und Geschäftsführung aktiv war, hat diesen Nachruf veröffentlicht.#
Von Brokdorf und Anti-AKW, von Antimilitarismus und Raketen, von Plutonium und Hanau, von Apartheid und Südafrika (Kein Geld für Apartheid, ein Alternativer Geschäftsbericht zur Hauptversammlung der Dresdner Bank in Hamburg, siehe auch hier ein weiterer Text in der Taz.), von Atomausstieg, HEW/Vattenfall, E.on und die Rekommunalisierung Hamburger Energienetze (Unser Hamburg Unser Netz) und noch so viel mehr, davor, dazwischen, für immer! Seine Beiträge zu G20 in Hamburg. Sein Blog mit Uli Hentschel gemeinsam. Linksabbieger. Was sonst. Da war immer und immer die Kirche. Die Opposition.

Da war mehr, dass er mit sich trug: Die Beerdigung von Georg von Rauch, erschossen in Berlin. Beerdigt in Kiel. Von seinem Vater Theodor. „Grabrede für Georg von Rauch: Anstößige Predigt – Ist Pastor Christiansens Laufbahn gefährdet?“ Die Zeit spricht 1972 von „Anstössiger Predigt“. Als Schulpastor mit dem Dienstherrn Schleswig-Holstein erhielt er als Reaktion ein Berufsverbot. Ein Skandal. Georg von Rauch Haus – der Mariannenplatz war blau – ein paar Millimeter zu Rio Reiser und Ton Steine Scherben. Das war lange, bevor ich Theo kennenlernen durfte, in Pinneberg bzw. Eimsbüttel. Aber das dürften Erlebnisse und Erfahrungen gewesen sein, die in maßgeblich geprägt haben. Immer war er einer, der politischen Druck mit klarer Analyse entgegentrat, aufrecht und immer mit Rückgrat.
Da war Dorothee Sölle, für die er arbeitete, der Student der Theologie. Kirche von unten. Die Befreiungstheologie. Dorothee Sölle im Gespräch – Herausgegeben von Theo Christiansen und Johannes Thiele. (PDF) und auch hier.
(Nachtrag Januar 2026) Da war auch diese Geschichte, die sich die offizielle Kirche und der Verfassungsschutz „erlaubten“. Als sich Spitzel unter gläubige Friedensfreunde mischten: „Unter den im Geheimdienstbericht erwähnten kirchlichen Aktivisten ist der damals 24-jährige Theo Christiansen.“ Was für ein Elend der Demokratie.
Der Theo Christiansen, der später die Ökumenische Arbeitsstelle für Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Ahrensburg (oder so) übernahm, die vorher Uli Hentschel innehatte. Hentschel war vorher Pastor in Rellingen und wegen seiner Kritik an Militarisierung und Nachrüstung für die herrschende Kirche „unangenehm“ aufgefallen war. Der Pastor bleibt im Dorf, hieß es gegen die Kirchenoberen. Damals, immer wieder. Kein Wunder, dass Theo an seiner Seite war und blieb.
Im Ev.-Luth. Kirchen Kreis Hamburg-Ost leitete er lange Jahre den Arbeitsbereich Diakonie & Bildung und war für die diakonischen Einrichtungen dieses Kirchenkreises. Da war Theo auch später – nach seiner Postion als Vertrauensperson für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze und in Verbindung mit dem Atomausstieg in Deutschland. Und da auch und besonders: Das Komitee für Grundrechte und Demokratie. Was auch sonst? Na klar. Da war er lange im Vorstand. Es war immer sein Thema, die Sache mit den Grundrechten und der Demokratie. Seine online lesbaren Beiträge dort.
Davor war auch ein Hamburger Arbeitskreis gegen Atomanlagen. „Die große Verlade – Atommüll auf Geisterfahrt“. Nach der BUU Pinneberg und der Inbetriebnahme von Brokdorf, nach der Katastrophe von Tschernobyl. Hier ist die Geschichte dazu: Keine Atomtransporte durch Hamburg – 1989/90
Theo Christiansen auf umweltFAIRaendern.de

Theo Christiansen bei einer Aktion auf dem Rathausmarkt Markt für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze im September 2013. Fotos: Dirk Seifert

Friedenskonzert 2025 in der Christians Kirche in Ottensen, Altona, Hamburg. Am Kloppstockplatz. Mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester. Ein Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen«. Aber auch ein Statement: „Wir wollen Krieg nicht können“, sagt der ehemalige Pastor Uli Hentschel unter großem Applaus in der gut besuchten offenen Kirche. Töne von Marschmusik des Streichorchesters brechen gleich wieder zusammen, wechseln in Differenz, in Demokratie und Vielfalt. Und auch sonst ist die Veranstaltung ein Ort, bei dem Mitmenschlichkeit und Widerspruch zusammengehören. Es bräuchte sehr viel mehr Reden, wie die von Uli Hentschel. Und Taten. umweltFAIRaendern dokumentiert.
Das Erste Improvisierende Streichorchester ist – nicht nur bezogen auf die Ohren – ein Erlebnis. Töne und Personen und Farben sind schon sowas wie ein politisches und musikalisches Statement. Und Improvisieren ist vielleicht manchmal auch nur ein anderes Wort dafür, die Demokratie immer wieder lebendig zu erstreiten. Es ist Vielfalt und Demokratie im Raum und in der Zeit – mit Kontroversen und Harmonien, mit Obacht und Respekt. Ein sehr besonderes Streich- und vielleicht auch im besten Sinn pluralistisches Streitorchesters.
Vom Konzert in der Christians Kirche 2025 gibt es hier zwei Audio-Mitschnitte als MP3.
und
Also Dokumentation die Ansprache von
Uli Hentschel beim Friedenskonzert von EIS am 4. Advent 2025 in der Christianskirche (Es gilt das gesprochene Wort).
„Eure Musik – Eure Choreographie – „drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus“, wie ihr schreibt. Eure Improvisationen rufen aber auch Bilder von Leid, Krieg und Schmerzen wach. Ohne diese Bilder, diese Informationen zu verdrängen, soll die Sehnsucht gestärkt werden.
Das ist keine leichte Sache, sondern eine schwierige Herausforderung. Dissonanzen, Debatten und Kontroversen sind Elemente dieser Sehnsucht. Gestärkt wird sie, wenn es, wie in eurem Orchester, eine Verständigung über einige Grundregeln wie Respekt, Bereitschaft zum Zuhören, Mut zum Experiment, Veränderung des Vorgegebenen gibt.
Zu eurer Musik lässt sich nicht marschieren. Sie hat eine Richtung, verweigert sich aber dem Gleichschritt. Sie soll uns heute nach diesem kriegerischen Jahr wieder ermutigen zu einigen wenigen Überlegungen, die – wie soll es in der Kürze auch anders gehen, ganz persönlich von mir verantwortet werden:
1. Unsere Kräfte lassen nach. Wir sind erschöpft vom langen Kampf, von unseren Protesten, die, so sieht es derzeit aus, nicht erfolgreich waren. Wir sollten uns diese Erschöpfung, auch manche Ratlosigkeit nicht verbieten. Ich sage es auch mir selbst: Wir dürfen auch zur Ruhe kommen.
2. Ich vermute, dass wir hier in der Kirche unterschiedliche Auffassungen haben zum deutschen und europäischen Aufrüsten gegen das russische Großmachtstreben und den russischen Krieg gegen die Ukraine. Uns allen aber ist bewusst, dass die Aufrüstung zur Kriegstüchtigkeit mit massiven Kürzungen im sozialen Bereich, in der Ökologie und der Unterstützung armer Länder bezahlt wird.
3. Gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft
Boris Pistorius, nach eigenem Verständnis nicht mehr nur Verteidigungsminister, sondern Kriegsminister, hat gefordert: „Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein. Und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“ Der letzte Satz wurde zu wenig beachtet: wie die Bundeswehr will Pistorius auch die Gesellschaft für diese Kriegstüchtigkeit „aufstellen“. Das ist nicht mehr Demokratie, sondern Militarisierung unsere Gesellschaft. Das wollen wir nicht.
Ebenso wenig wollen wir die atomare Aufrüstung Europas, wie sie von immer mehr Politikerinnen gefordert wird.
4. Viel zu wenig Proteste gibt es gegen die unredliche und unmenschliche und unmoralische Abweisung von Flüchtigen vor allem aus Afghanistan und dem Iran durch die deutsche, unsere Regierung. Und wo bleibt die Unterstützung für die Menschen, die sich dem Krieg verweigern. Das Recht auf Asyl muss auch für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer gelten. Das Recht auf Asyl muss auch gelten für die Frauen, insbesondere aus dem Iran und Afghanistan.
5. Wir sehen, wie stark die Akzeptanz und auch Toleranz für faschistoide Gruppen und Strömungen (wie der AFD) wird. Ihr Verharmlosen und Relativieren der deutschen Verantwortung für den Holocaust und zwei Weltkriege braucht Widerspruch und nicht Verständnis.
Widerspruch braucht auch die Entscheidung von Senat und Bürgerschaft in unserer Stadt, mit einer 300-Millionen-Spende von Klaus-Michal Kühne einen neuen Kulturtempel zu bauen. Denn der Ursprungskern seines Vermögens ist eine NS-Erbschaft, die u.a. mit dem Transport des Eigentums von vertriebenen und ermordeten jüdischen Familien aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich durch Kühnes Vater geschaffen wurde.
6. Mich sorgt vor allem der zunehmende Antisemitismus in Wort und Tat. Der Terrorangriff auf eine Chanukka-Feier in Australien ist der aktuellste Ausdruck einer Bedrohung für jüdische Menschen in aller Welt, auch hier in unserem Land und unserer Stadt. Da ist kein Frieden. Auch in meinen Milieus, dem linken und dem kirchlichen, kommen immer wieder antisemitische Einstellungen zum Vorschein.
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Woraus kann uns angesichts dieser Entwicklungen Klarheit und Kraft kommen? Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest und hier in dieser Kirche will ich ganz fromm von Jesus sprechen. Man muss sich nicht auf ihn beziehen, aber für eine sich auch christlich verstehende Kultur kommt man an ihm nicht vorbei:
* Jesus war ein jüdischer Rabbi. Er war kein Christ, er war kein blonder Arier, er war ein Jude. Das muss immer wieder erinnert werden. Ausgrenzung von Juden, mit welchen Begriffen auch immer, ist unvereinbar mit meinem christlichen und meinem politischen Verständnis.
* Jesus war Pazifist. Er kritisierte Gewalt, auch die seiner Freunde. Er provozierte mit seinen Aufrufen zur Feindesliebe.
* Jesus kommt aus einer Flüchtlingsfamilie.
* Jesus war kein Familienmensch. Zu seiner „Familie“ zählte er seine BegleiterInnen ebenso wie unbekannte Menschen, auch oder gerade, wenn sie gesellschaftlich ausgegrenzt waren.
Ach wie gut wäre es, wenn in diesen Weihnachtstagen nicht nur ein Jesuskind verkitscht und gefeiert wird. Zu erinnern und ja auch zu feiern ist vielmehr der erwachsene Jesus.
Jesus als Pazifist – das wäre Weihnachten zu feiern, mit allen Zweifeln gewiss, aber doch als kollektive Leitidee, Leitstern …
Vor zwei Jahren fragte die Chefin eines großen Rüstungs-Unternehmens: „Können wir überhaupt noch Krieg?“
Wir? Noch?
Ja, „wir“ Deutsche konnten schon mal Krieg. 60 Millionen tote Menschen blieben zurück.
Nein, das wollen wir nicht mehr. Wir wollen Krieg nicht können!
Und nein: Wir sind nicht blind und naiv. Wir sind realistisch. Denn wir wissen aus unserer deutschen Geschichte: Aufrüstung und Nationalismus treiben zum Krieg.
Und wir wissen, dass Aufrüstung asozial ist und lebensgefährlich, nicht nur für uns und unsere Kinder, sondern für viele Menschen in anderen Ländern. Manche der Geflüchteten haben das erlebt und können davon berichten. Auch sie brauchen unsere Solidarität!“
Alle Jahre wieder – Alle Jahre immer nötig, wichtig und auch wundervoll. Ihr Kinderlein, kommet herbei: Sonntag 21.12. 2025 -Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – in der Kirchengemeinde Ottensen. 12.00 Uhr Christianskirche am Klopstockplatz – Eintritt: Spende. Mit dabei ist auch Uli Hentschel, der ein paar Worte zur Einordnung und Weltlage beitragen wird.
Im Einladungsflyer zum Benefiz-Konzert (PDF) ist auch dieses zum Hintergrund über das Orchester zu lesen:
Sonntag 21.12. 2025
12.00 Uhr – Christianskirche am Klopstockplatz
Eintritt: Spende
Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – Deutschunterricht für Flüchtlinge in der
Kirchengemeinde Ottensen.
erstesimprovisierendesstreichorchester
Zum Hintergrund:
Friedenskonzert – Erstes Improvisierendes Streichorchester
Hat Frieden einen besonderen Klang?
Die Friedenskonzerte des Ersten Improvisierenden Streichorchesters schaffen einen Raum, in dem Musizierende und Hörende dieser Frage nachspüren können.
In der Improvisation gestalten die MusikerInnen gemeinsam immer wieder neue, unvorhergesehene Momente und laden ein, Hörgewohnheiten zu verändern, streben auseinander und finden wieder zusammen. Es entsteht ein Klangraum, in dem Harmonie, Zwischentöne und Disharmonie ihren Platz finden.
Seit dem 11. September 2001 spielt das Erste Improvisierende Streichorchester Friedenskonzerte. Es verwirklicht den Wunsch, den Kriegs- und Fluchtkatastrophen etwas entgegenzusetzen. Die
Konzerte drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus. Das Thema Frieden ist derzeit so aktuell wie nie zuvor – weltweit, aber auch in Europa.
Jedes Jahr sterben zigtausend Menschen in bewaffneten Konflikten. Als Folge befinden sich viele Millionen Menschen auf der Flucht. Dies wird von der Öffentlichkeit unterschiedlich WAHR-genommen. Die Friedenskonzerte sind deshalb auch ein Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen. Wir bitten um Ihre wohlmeinende Spende.