Salzstöcke „problematisch“: Hochradioaktives Atommülllager in Granit östlich von Bayreuth „idealer Platz“?

Nach und nach kommt Bewegung in das anlaufende Suchverfahren für ein dauerhaftes unterirdisches Atommülllager für hochradioaktiven Atommüll. Jetzt meldet sich der aus Jena stammende Mineraloge Prof. Dr. Klaus Heide im Rahmen einer Veranstaltung des Freundeskreises der Ev. Akademie Tutzing zu Wort. Salzstöcke wie in Gorleben hält er mit Blick auf die ASSE für problematisch und ungeeignet. Stattdessen sieht er Granit als die „am besten geeignete Umgebung“ und nennt die Kösseine im Fichtelgebirge, östlich von Bayreuth zwischen Weiden in der Oberpfalz und Wunsiedel, einen „idealen Platz“, den man aber noch genauer untersuchen müsse. Bundesweit werden derzeit von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geologische Daten über den Untergrund in Deutschland ermittelt, um für die dauerhafte Lagerung hochradioaktiver Atomabfälle geeignete Formationen in Salz, Ton und Granit zu identifizieren. Eine Auswahl von Regionen, die in drei vier Jahren festgelegt sein sollen, soll dann zunächst oberirdisch weiter auf eine mögliche Eignung untersucht werden. (Foto: Havariertes „Endlager“ ASSE II)

  • Über die Kritik von Klaus Heide berichtete der Endlagerdialog bereits im Jahr 2014 in Verbindung mit der „Endlager-Kommission“, siehe dazu diesen Artikel und die Links. Die BI Lüchow Dannenberg berichtet in 2015 über eine Studie aus den USA, in der Salz als Wirtsgestein für hochradioaktiven Atommüll als äußerst schlecht geeignet bezeichnet wird. Auf Schattenblick ist ein Beitrag von Klaus Heide aus dem Jahr 2007/8 zu finden, in dem er verglaste Gesteine für die „Endlagerung“ betrachtet.

UPDATE 5/10/17: Die Frankenpost reagiert auch auf die Veranstaltung mit Klaus Heide. „Mineraloge schlägt Kösseine als Atommüll-Endlager vor“ heißt es und der „emeritierte Professor Klaus Heide empfiehlt eine Entsorgung im Granit. Brigitte Artmann von den Grünen hält davon gar nichts.“ Dort heißt es zusätzlich zu dem hier im Text bereits geschriebenen Beitrag : „Dies brachte Heide schließlich zu seiner Kösseine-Schlussfolgerung, wobei er einräumte: Die erforderlichen hohen Schmelztemperaturen und die fehlende Akzeptanz der Bewohner seien große Hindernisse. Zu den Glas-Granit-Ideen des Professors stellte Artmann klar: „Verglasung wurde von den Experten in den Workshops der Endlagerkommission, an denen wir Wunsiedler teilnahmen, explizit ausgeschlossen.““

Laut dem O-Netz (Oberpfalz) ist für Klaus Heide klar: „“Salzstöcke halte ich für problematisch.“ In Gorleben sei auch „bis heute noch kein Kastorbehälter in 650-Meter-Tiefe“. In Asse würden täglich 120 000 Liter Wasser in das Bergwerk eindringen. „Salz fängt an zu fließen“, sagte der Mineraloge. Deutschland sei eines der letzten Länder, das an Salz als mögliche Endlagerstätte festhalte. Weltweit gebe es überall noch keine Lösung. Diskutiert werde die „Subduktionslösung“: die Versenkung von Atommüll ins Erdinnere an den Stellen, wo Kontinente zusammenstoßen, sowie auch die Versenkung in große Meerestiefen. „Wer soll das verantworten?“, fragte Heide.“

Und hat eine Antwort: „“Ich halte Granit für die am besten geeignete Umgebung, die Kösseine (Fichtelgebirge) wäre ein idealer Platz.“ Allerdings müsste auch dies noch genauer erforscht werden. Die erforderlichen hohen Schmelztemperaturen und die Akzeptanz der Bewohner seien große Hindernisse. Auf jeden Fall müsste eine Kontamination nach außen ausgeschlossen sein.“

Laut Wikipedia ist die Kösseine „ein Bergmassiv im Fichtelgebirge und liegt im Nordosten Bayerns südlich von Wunsiedel. Die höchste Erhebung des aus Granit bestehenden Bergstocks ist der gleichnamige Gipfel auf einer Höhe von 939 m ü. NHN.“

Die Veranstaltung mit Klaus Heide fand am 25. September organisiert vom „Freundeskreis Weiden“ statt. Auf dieser Homepage heißt es dazu: „End/ Zwischenlagerung radioaktiver und toxischer Abfälle, um 20:00 Uhr im Martin Schalling Haus, Weiden, Hans- Sachs- Str. 14
Referent: Univ. Prof.i.R.  Dr. Klaus Heide, Emerit. am Institut für Geowissenschaften u. allgemein angewandter Mineralogie der Friedrich Schiller Universität Jena. Der am Institut für Geowissenschaften in Jena emeritierte Professor i.R. Dr. Heide wird sich als anerkannter Experte für angewandte Mineralogie mit den Problemen, die eine Zwischen, bzw. Endlagerung dieser Stoffe mit sich bringt befassen. Als Wirtsgestein kommen in Deutschland wohl nur Salz, Kristalline (Granit) bzw. Ton in Frage. Alle haben bestimmte Eigenschaften mit Vor – aber auch bedeutenden Nachteilen für eine Endlagerung, die ja über Jahrtausende Bestand und auch Sicherheit für zukünftige Generationen haben sollte.“ (Die Infos finden sich auch hier).

Ausbau Uranfabriken URENCO: Neue Atomanlage in UK geht 2018 in Betrieb – Neues Zwischenlager in Gronau 2019

Mit einigen Jahren Bauverzögerungen soll eine Uran-Konversionsanlage am britischen URENCO-Standort in Capenhurst im Laufe des Jahres 2018 in Betrieb gehen. Ein Zwischenlager für dieses konvertierte Uran soll dann in Gronau voraussichtlich 2019 starten. URENCO ist ein dreistaatliches Unternehmen, an dem die deutschen Atomkonzerne E.on/RWE sowie die niederländische und britische Regierung zu je einem Drittel beteiligt sind. Das Unternehmen betreibt Urananreicherungsanlagen in Gronau, Almelo, Capenhurst und in den USA (New Mexico) für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz im Atomreaktoren (darunter auch Tihange und Doel in Belgien). Die neue „Tails Management Facility“ (TMF) wandelt das chemisch brisante Uranhexafluorid (UF6) in die langfristig stabiler zu lagernde Form Uranoxid (U3O8) um. Bislang erfolgen solche Umwandlungsarbeiten z.B. für den URENCO-Standort Gronau im französischen Pierrelatte. Diese Umwandlung von UF6 zu U3O8 ist in der 2005 von der damaligen rot-grünen Landesregierung in NRW erteilten Ausbaugenehmigung für die URENCO in Gronau als Auflage festgeschrieben und wird von der NRW-Atomaufsicht überwacht. URENCO Gronau ist bislang vom Atomausstieg in Deutschland komplett ausgenommen und soll verkauft werden.

Die Inbetriebnahme dieser TMF in Capenhurst sollte eigentlich bereits in 2015 erfolgen, danach hieß es 2017. Nun wird erneut verschoben und 2018 angekündigt. Das Online-Portal WNN teilt außerdem mit: „Die Urenco-Gruppe investierte im ersten Halbjahr 2017 151,2 Millionen Euro (179,5 Millionen US-Dollar), davon 71% im Zusammenhang mit der TMF.“

Um Uran für den Einsatz in Leichtwasserreaktoren vorzubereiten, muss der spaltbare Anteil von etwa 0,7 auf ca. fünf Prozent erhöht werden. Das erfolgt in Zentrifugen, in die das Uran in der chemischen Form des Hexafluorids gasförmig eingespeist wird. Über zahlreiche Kaskaden entsteht dann als „Produkt“ das angereicherte Uran. Auf der anderen Seite fällt etwa im Verhältnis eins zu fünf abgereichertes Uran an. In beiden Fällen zunächst weiterhin Uranhexafluorid, auch UF6, genannt.

In Gronau lagern derzeit etwa rund 20.000 Tonnen von diesem abgereicherten UF6 unter freiem Himmel. Teilweise wird dieses abgereicherte Uran mehrmals durch die Zentrifugen geleitet und daher als UF6 weiterhin für die Produktion benötigt. Unterhalb bestimmter Grenzen, die stark von den Weltmarktpreisen beim Uran abhängig sind, aber auch z.B. vom Strompreis, wird aus dem abgereicherten Uran weiteres Uran angereichert. Eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE) hatte gezeigt, dass abgereichertes Uran auch zwischen den URENCO-Anlagen hin und her transportiert wird, z.B. weil in Almelo offenbar ein Kaskadenzug mit Zentrifugen eingerichtet ist, in dem auch weit abgereichertes Uran erneut angereichert werden kann.

Zwar gelingt es URENCO so, die Uranmengen von abgereichertem Uran besser auszunutzen. Mit Wiederverwertung hat das aber im Grundsatz nichts zu tun. Am Ende bleiben so oder so große Mengen abgereichertes Uran, das irgendwann „endgelagert“ werden muss.

Da das nicht in der Form des chemisch hochaggressiven UF6 erfolgen kann, wird es bereits für die längerfristige Zwischenlagerung in die chemisch stabilere Form von U3O8 umgewandelt. Bisher erfolgte das für die Anlage in Gronau z.B. in der zu AREVA gehörenden Konversionsanlage in Pierrelatte. Die neue TMF in Capenhurst wird ab 2018 dann diese Umwandlung für den URENCO-Konzern betreiben.

Abgereichertes Uran wird auch als Tails oder DU (Depleted Uranium) bezeichnet, das angereicherte Uran als Produkt und das natürliche Uran wird als Feed bezeichnet.

Zu dieser Maßnahme ist URENCO in Gronau durch die 2005 von der damaligen rot-grünen Landesregierung per Genehmigung angehalten: Im Kapitel I.3.6: Auflagen zum Strahlenschutz heißt es: „105. Mit dem erforderlichen zeitlichen Vorlauf ist vertraglich sicherzustellen, dass das durch den Betrieb der UAG anfallende Tails in eine geeignete externe Dekonversionsanlage zur antragsgemäßen Dekonversion in Uranoxid (Schreiben der Ureneo Deutschland GmbH GN/5166(04/Kb/KSr vom 12. Februar 2004) abtransportiert wird, sobald eine anlagenbedingte Maximal-Dosis von 0,7 mSv/a (Summe aus y-Ortsdosis und Neutronen-Ortsdosis am Außenzaun) trendbedingt – auch über das Kalenderjahr hinaus – erwartet werden kann. Der Abschluss entsprechender vertraglicher Vereinbarungen ist der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde unmittelbar nach Vertragsabschluss anzuzeigen.“

Außerdem heißt es auf Seite 54 im Punkt 171: „Spätestens bei einer Tails-Lagerauslastung von 50 % ist mit der Errichtung des Uranoxidlagers und weiteren Vorbereitungen zur Tailsentsorgung (Dekonversion) zu beginnen. Die Planungsfortschritte der Antragstellerinnen für die Dekonversion von Uranhexafluorid (UF6) aus der UAG in U308 und für die Zwischenlagerung von U3O8 sind der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde jährlich, im Hinblick auf den Nachweis der Endlagerfähigkeit des Uranoxids in einem Abstand von zwei Jahren nachzuweisen. Weiterhin ist jährlich ein Verbleibsnachweis von Tails in Deutschland über die folgenden sechs Kalenderjahre zu führen und jeweils der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde zu Beginn eines Kalenderjahres vorzulegen. Diese Auflage ersetzt die Auflage Nr. 19 des Bescheides Nr. 7/Ä2 UAG und die Auflage Nr. 11 aus Bescheid 7/Ä3 UAG.“

Auf Seite 111 der Genehmigung ist außerdem zu lesen: „Die Lagerungskonzeption: Die Antragstellerinnen sehen für die längerfristige Zwischenlagerung von Tails im Wesentlichen folgende Lagerungskonzeption vor: Das beim Betrieb anfallende Tails wird zu einer externen Anlage zur chemischen Umwandlung (Dekonversion zu U3O8) verbracht. Das U3O8 ist chemisch für eine längere Zwischenlagerung geeignet.

Das U3O8 wird in Stahlblechbehältern, die korrosionsgeschützt sind, zurück zur Anlage transportiert. Die mit LKW oder Eisenbahn ankommenden U3O8-Behälter werrden mittels Gabelstapler abgeladen, in den Verladebereich gefahren und dort abgestellt bzw. eingelagert. Der Transport der U308-Behälter innerhalb des Lagergebäudes erfolgt mit dem Kran. Dazu wird der Behälter im Verladebereich mittels einer Traverse aufgenommen und durch die Öffnung in der Trennwand zur vorgesehenen und markierten Lagerposition verfahren und abgestellt. Es sind 24 Reihen in Querrichtung und 69 Reihen in Längsrichtung vorgesehen. Die Behälter können bis vier Lagen übereinander gestapelt werden. Das Lagergebäude dient zum Schutz der Behälter gegen naturbedingte Einwirkungen wie Regen, Wind und auch Erdbeben sowie zum Schutz vor den Belastungen aus Druckwellen.“

Weitere Einzelheiten sind in der Genehmigung unter dem oben angegeben Link nachzulesen.

60 Jahre Atomkatastrophe Majak – Mahnung für Atomausstieg in Hannover

Tschernobyl, Fukushima, Harrisburg und vielleicht noch Windscale sind neben den Atombombeneinsätzen über Japan als Atomkatastrophen in Erinnerung. Bis heute immer noch wenig bekannt ist die Katastrophe, die vor genau 60 Jahren tief hinter dem „Eisernen Vorhang“ mitten im Atomwettrüsten und im aufkommenden Kalten Krieg zwischen den USA und der NATO und Russland und dem Warschauer Pakt, am 29. September 1957 in Majak passierte. Eine Explosion führte zur Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe. Mit einer Gedenkdemonstration und der Forderung nach Stilllegung aller Atomanlagen erinnern wenige Tage vor den Landtagswahlen im rot-grünen Hannover (Niedersachsen) an die „vergessene“ Atomkatastrophe.

Der BBU schreibt in einer Pressemitteilung: Die radioaktiven Emissionen des Atomunfalls in Majak „verteilten sich auf eine Fläche von über 20.000 Quadratkilometer. Erst nach etwa einer Woche wurde ein Teil der betroffenen Bevölkerung evakuiert. Acht Monate später wurden weitere Personen umgesiedelt. Anders als bei der Tschernobyl-Katastrophe (1986) waren die Folgen der radioaktiven Niederschläge der Majak-Katastrophe nicht so global zu spüren. So konnte die Katastrophe auch bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend vertuscht werden. Hinweis: http://www.atomunfall.de/1957-Majak-Kyschtym-Sowjetunion.shtml“. Zu der Gedenkdemonstration „60 Jahre Atomunfall Majak – Atomausstieg weltweit jetzt“ am 30.09.2017 rufen der BUND Region Hannover (siehe dazu diesen Bericht über den Unfall in Maja (PDF)), Ecodefence Russland, die AG Schacht Konrad, die BI Lüchow-Dannenberg und Anti-Atom-Gruppen rund um das AKW Grohnde auf.

Die Aktion findet wenige Tage vor den Landtagswahlen im rot-grünen Niedersachsen statt, wo mit Grohnde und Lingen (Emsland) noch zwei Atomkraftwerke in Betrieb sind und ebenfalls in Lingen ohne jede Befristung Brennelemente für den weltweiten AKW-Einsatz hergestellt werden.

  • Gedenkdemonstration „60 Jahre Atomunfall Majak – Atomausstieg weltweit jetzt“, 30.09.2017, Samstag, 12:00 Uhr, Opernplatz, Hannover

Dokumentation (siehe oben den Link zur PDF): BUND Region Hannover zur „Gedenkdemonstration „60 Jahre Atomunfall Majak – Atomausstieg weltweit jetzt“. 30.09.2017 Samstag 12:00 Uhr Opernplatz Hannover

Es hat nicht 2 sondern 3 große Nuklearunfälle gegeben: Tschernobyl, Fukushima und davor:

Majak:

Am 29.09.1957 fand in Majak in Russland bei Magnitogorsk der 1. große im Prinzip bis heute geheimgehaltene Atomunfall statt, ein Unfall der Stärke INES 6-7. Tschernobyl hatte INES 7. Dabei ex- plodierte ein Becken mit radioaktivem Müll. 200 – 1.000 Menschen starben, 437.000 Menschen wurden verstrahlt. Es wurde hier etwa doppelt soviel Radioaktivität freigesetzt als durch den Tschernobyl- Unfall. Es entstand eine 380 km lange Zone, das längste radioaktive Sperrgebiet der Erde, die Osturalspur, die bis heute radioaktiv verstrahlt ist. Heute gibt es dort noch ein radioaktives Sperrgebiet von 150 km². Der Feuerschein wurde noch 100e km weit entfernt gesehen und damals in sowjetischen Zeitungen als „Wetterleuchten“ oder „Polarlicht“ „erklärt“. Damals wurden auch Tierversuche mit Radioaktivität unternommen z. B. mit Kühen, die nach 2 Wochen starben.(1)

Erst 1976 wurde der Unfall durch den von der Sowjetunion ausgebürgerten Biochemiker und Dissidenten Schores Medwedjew und dessen Zwillingsbruder Roy bekannt. Schores schrieb einen Aufsatz im „New Scientist“, der in London veröffentlicht wurde. Medwedjew hatte nur aufgrund von Vermutungen angefangen zu recherchieren. Niemand glaubte ihm, man hielt es für ein Ablenkungsmanöver vom KGB. 1979 veröffentlichte er sein Buch „Nuclear Disaster in the Urals“ zu dem Unfall. 1989 musste Jelzin den Unfall dann vor der internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA zugeben. Nur der US-amerikanische CIA hatte bis dahin davon gewusst.

Von 1948 – 1951 „entsorgte“ man den Atommüll in den Fluss Tetscha. Nachdem es Krebserkrankungen und massive Gesundheitsprobleme der Anwohner und Umsiedlungen gab, „entsorgte“ man den Müll von 1951 bis 1953 in den Karatschai-See südlich von Majak.

1968 trocknete der See aus und es gab einen radioaktiven Staubsturm, der wiederum 500.000 Menschen kontaminierte. Der Karatschai-See ist der zerstörteste und radioaktivste Ort der Erde. Da er nicht „funktionierte“, legte man einfach noch 7 weitere künstliche große offene Seen an, die man mit radioaktivem Müll füllte, die „Tetscha-Kaskade“. Nach den Schneeschmelzen laufen diese Seen oft über und verteilen ihr radioaktives Wasser bis in das Nordpolarmeer. Die Seen sieht man sofort auf der Satellitenaufnahme oben rechts auf der Majak-Seite bei wikipedia.

Ab 1978 begann man den Karatschai-See mit Betonhohlquadern zu füllen. Das kostete pro Jahr 2,4 Milliarden €. Später soll es darauf „einen Golfclub“ geben, bemerkte ein russischer Pressesprecher „ironisch“.

Die LKW-Fahrer durften wegen der hohen radioaktiven Strahlung nur 3 Minuten lang am See ihre Fracht abladen. Ihre mit 5 Tonnen Blei ummantelten LKW’s haben 10 cm dicke Bleiglasscheiben. Steht man 1 Stunde an diesem See, ist man wegen der hohen Strahlung tot. Unter dem See hat sich in 100 Metern Tiefe eine radioaktive Linse gebildet, die sich mit 80 Metern pro Jahr ausbreitet und die angrenzenden Flüsse und das Nordpolarmeer erreichen kann. Der Unfall ist später in Kyschtym-Unfall umbenannt worden.

Heute sterben zur Zeit südlich von Majak an der radioaktiv verseuchten Tetscha 20.000 Menschen. Manche bekamen weißes Blut. Stellenweise beträgt die Strahlung dort 4.000 Röntgen (Z. B. an der M 5). Das ist soviel wie auf dem Dach von Tschernobyl direkt nach der Katastrophe, wo die Liquidatoren nur 40 Sekunden arbeiten konnten. Dort stehen keine Warnschilder. Musljumowo an der Tetscha hat mittlerweile 6 Friedhöfe, die Lebenserwartung liegt dort nur bei etwas über 40 Jahren.

Majak gehört zu den 47 geheimen, geschlossenen Städten in Russland (guckt dazu unbedingt die Liste „Geschlossene Stadt“ bei wikipedia an), in denen versteckt 1,2 Millionen Russen leben und die auch heute noch teilweise auf keiner Landkarte zu sehen sind. Die Städte hatten Namen von Stadtteilen anderer Städte oder Namen anderer existierender Städte. Wenn man eine dieser Städte suchte, fand man nur den Stadtteil oder den Namen anderer existierender Städte aber nie die geheime Stadt. Die An- wohner dürfen nicht über ihre Stadt reden. Oft wurden diese Städte auch noch umbenannt.Man findet sie oft nur mit der Koordinatensuche „oben rechts“ beim wikipedia-Eintrag einer Stadt.

10 dieser 47 Städte waren die Atomstädte, wo das Material für die Reaktoren und Atombomben hergestellt wurde. Majak (1967-89) ist eine davon und hieß zuerst Kombinat 817 (1946-67), die dazugehörige Stadt Tscheljabinsk-40 (09/1945-?, erst ab 1945 Basis Nr. 10), dann Tscheljabinsk-65 (?-1993), und heute Osjorsk (ab 2001). Die öffentlichen Uhren dort zeigen, ähnlich wie in Murmansk, freundlicherweise auch die Gamma-Strahlung an. (3) Der jetzige Direktor von Majak meint, das man das Problem mit der Tetscha erst 2100 „in den Griff“ bekäme. Angeblich könnte man die Verklappung erst in 8 Jahren stoppen. (4) Kontrollieren kann diese wagen Versprechen niemand: Majak ist militärisches Sperrgebiet, in welches selbst die IAEA kaum Zutritt bekommt.

Der Biologe und ehemalige Berater Jelzins Alexey Jablokov, Gründer von Greenpeace Russland und den Grünen in Russland, sagte schon 1993, das 75 % der Flüsse Russlands bereits radiaoktiv verseucht seien. Experten meinen, das 1/5 von Russland mittlerweile radioaktiv und unbewohnbar sei.(1). Mit 17 Millionen qkm ist Russland das größte Land der Erde. 1/5 davon wären etwa 3,4 Millionen qkm.

Tomsk-7 und andere Orte in Russland:

In Tomsk fand am 6.04.1993 ein weiterer ähnlicher Unfall mit einer Explosion statt, INES 2-4, bei dem ein bis heute radioaktives Sperrgebiet von 120 km² entstand: „Das wahre Ausmaß der ganz alltäglichen Verstrahlung in Tomsk-7 beschreibt ein FOCUS vorliegender Bericht des Ingenieurs Nikolai Gurjew, der von 1959 bis 1988 in Tomsk-7 gearbeitet hat: „So wurden zwischen 1964 + 1990 über Bohrlöcher 33 Millionen Kubikmeter flüssige, radioaktive Abfälle in wasserführende Schichten verpresst.“ Z.115(1) Auch hier gibt es einen toten, kontaminierten See, den „schwarzen See“ und offene Lagerbecken für Atommüll, die manchmal überlaufen in den Fluss Romaska. Der Fluss Tom ist ebenfalls verseucht. Der Tom mündet in den Ob, dieser in das Nordmeer.

Heute lagern 700.000 t unverarbeiteter radioaktiver Müll an mindestens 9 radioaktiven Orten in Russland + Estland: 13 versenkte Atom-U-Boot-Reaktoren vor Nowaja Semlja, mind. 3 versenkte Atom-U-Boote (K 278, K 159, K-27), mindestens 200 U-Boot-Reaktoren in Murmansk (74 davon wurden schon bearbeitet, 70 Jahre Abklingphase) an der Saida-Bucht (>>bei google eingeben + rechts auf map/satellit klicken, dann sieht man sie) in der Kola-Bucht + Atommüll im Umkreis von 50 km um die Stadt herum.

Mehrere 1000 Container mit abgereichertem Uranhexafluorid lagern ungeschützt in 4 radioaktiv ver- seuchten Gebieten von Tomsk-7, Angarsk, Nowouraralsk und Sewersk, was nie zurückgeschickt wurde, siehe Film „Albtraum Atommüll“.7 Millionen t Atommüll lagern 10 m neben der Ostsee in Sillamäe, jetzt Estland, Atommüll in Dimitrowgrad und in Krasnojarsk-26, der größten unterirdischen Wiederaufbereitungsanlage der Erde am radioaktiv verseuchten Jenissei. Dort liegt unverarbeiteter Atommüll mit der 56 fachen Strahlung, die bei der Tschernobyl-Katastrophe austrat.

Daher wird nur 10 % des Atommülls wiederverwendet, nicht wie Areva behauptet 96 %. Russland will sich den Atommüll aller Länder holen, um viel Geld zu verdienen mit ihrer Art des ungeschützten, billigen „Verpressens“. Kosten in Russland: 400 – 620 $, im Ausland: 1200 – 1500 $.

An 3 von den 9 Orten wird zur Zeit Atommüll direkt und ungeschützt in den Boden gepumpt: In Tomsk-7 (33 Mio. m³), Dimitrowgrad und Krasnojarsk-26 („Atomgrad“).

Weitere radioaktiv verseuchte Gebiete: Ebenfalls radioaktiv sehr verseucht ist das Gebiet von Krasnokamensk, der größten Uranmine Russlands, wo die Menschen deswegen mittlerweile umgesiedelt werden, wo auch Michail Chordokovsky inhaftiert war. —

Schaut bitte unbedingt 1. den Film „Albtraum Atommüll“ auf youtube: Von 27:15-46:47 sind die zur Zeit einzigen öffentlichen Aufnahmen vom Karatschai-See zu sehen. Ebenso wird über Hanford Site (USA), Tomsk-7 und La Hague berichtet. Lest bitte 2. den Eintrag zu Majak/Kyschtym-Unfall + 3. die Liste „Geschlossene Städte“ auf wikipedia und sagt alles 3 gerne weiter. Danke. – Lasst uns uns dafür einsetzen, das weltweit kein weiterer Atommüll nach Russland importiert wird. – Lasst uns Russland helfen durch Spenden, Petitionen + Unterstützung von Nadeschda Kutepova/(Planet of Hope,) Vladimir Slivyak/Ecodefense, der Bellona Foundation für Murmansk und Greenpeace Russland. —

Quellen:

(1) „Die wahre Katastrophe in Tomsk-7“, Focus Nr. 16, 1993
(2) 3. Teil „Umweltfolgen des kalten Krieges“, Die Welt, 1997
(3) http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php/?object_id=10092453
(4) http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Russland/majak.html

Weitere Filme:

  • 2. „Verseuchtes Land – Die Atomfabrik Majak“,
  • 3. „Yellow Cake: Die Lüge von der sauberen Energie“ zu den Uranminen mit dem Aborigine Jeffrey Lee,
  • 4. „Deadly Dust“ „Klassiker“ zur Uranmunition,
  • 5. „Die wahre Geschichte über Tschernobyl“,
  • 6. Somalia und die Giftmüllmafia“,
  • 7. „Versenkt und vergessen“, Atommüllverklappung mit „Plutonium-Raupe“ am Sellafieldstrand,
  • 8. „Atomfriedhof Arktis“ U-Boote,
  • 9. „Uranium – is it a country“ ?)

14.09.2017 V.i.S.d.P. BUND P. Höcker 30161 Hannover Goebenstr. 3a

Atommülllager Leese: „Die Bundesregierung kann derzeit nicht ausschließen, dass im Lager in Leese weitere Fässer mit Auffälligkeiten lagern“

Atommülllager in Leese bei Hannover. Seit Jahren ist klar, es gibt Handlungsbedarf. Über 12.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll lagern dort. Mehrfach sind Atommüllfässer mit „Auffälligkeiten“ festgestellt worden. „Die Bundesregierung kann derzeit nicht ausschließen, dass im Lager in Leese weitere Fässer mit Auffälligkeiten lagern“, teilt die Bundesregierung jetzt auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE) mit. Und der notwendige Neubau einer Lagerhalle nach Stand von Wissenschaft und Technik kommt nicht voran.

Hubertus Zdebel: „Egal in welches Atommülllager man schaut – fast überall gibt es Probleme. Auch im Atommülllager Leese müssen umfangreiche Reparatur- und Konditionierungsarbeiten durchgeführt werden, weil es immer wieder „Auffälligkeiten“ gegeben hat. Bislang wurden an 14 Fässern solche Mängel festgestellt, darunter auch Atommüllfässer, die infolge von Gasbildung aufgebläht waren. Weil es derzeit nicht möglich ist, alle Fässer umfassend zu prüfen, kann die Bundesregierung nicht einmal ausschließen, dass weitere Fässer Schäden aufweisen. Auch was einen erforderlichen Neubau von Zwischenlagerhallen angeht, kommt in der Sache nichts voran. Weil der Grundstückseigentümer, auf dessen Flächen die Atommülllager stehen, den Pachtvertrag nicht verlängern will, stockt das bereits angelaufene Genehmigungsverfahren. Zur Frage, welche Alternativen jetzt geprüft werden, schweigt die Bundesregierung.“

Die Bundesregierung teilt mit, dass derzeit für 1.484 Atommüllfässer aus der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg, die jetzt in Leese gelagert werden, eine Nachkonditionierung und -Qualifizierung geplant ist. Insgesamt lagern über 12.000 Atommüllfässer in Leese. Ziel dieser Maßnahme, für die derzeit eine europaweite Ausschreibung vorbereitet wird, ist: „Eine derartige Nachkonditionierung hat auch zum Ziel, die Zwischenlagerfähigkeit der Abfallgebinde zu verbessern.“ Mit anderen Worten: Selbst die Behörden sehen hier derzeit ein relevantes Problem. Die Kosten für diese Maßnahme – deren Höhe bislang nicht feststeht – wird „voraussichtlich der Bund“, also die Steuerzahler*innen übernehmen müssen, heißt es in der Antwort.

Spätestens seit 2014 ist klar, dass es für das Atommüll-Zwischenlager in Leese Handlungsbedarf gibt. Darauf hatte sogar der Betreiber Eckert & Ziegler im August 2014 gegenüber dem Niedersächsischen Umweltminsterium hingewiesen. In einem entsprechenden Schreiben (PDF) heißt es: „Ein wesentliches Ergebnis der Analyse ist unter anderem, dass die für Sie gelagerten Gebinde die Anforderungen an eine sichere Zwischenlagerung in der jetzigen Form nicht (mehr) erfüllen.“ Als einen der Lösungswege hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Braunschweig Thule den Neubau einer Lagerhalle vorgeschlagen.

Doch bis heute kommen die Planungen und das Genehmigungsverfahren offenbar nicht voran. In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage des MdB Zdebel teilt die Bundesregierung mit: „Es trifft zu, dass im Jahr 2016 im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (NMU) Antragsunterlagen für den Neubau einer Lagerhalle am Standort Leese erstellt worden sind. Aufgrund der zeitlich befristeten Nutzungsmöglichkeit in Frage kommender Grundstücke wurden die Pläne zum Neubau einer Lagerhalle zurückgestellt. Daher wurde bisher auch kein Antrag bei den zuständigen Genehmigungsbehörden (NMU und Landkreis Nienburg/Weser) gestellt.“

Der Grundstückseigentümer, der die Flächen, auf denen die Atommülllager in Leese stehen, hat erklärt, einer Verlängerung der Verträge über das Jahr 2030 hinaus nicht zu verlängern.

Keine Angaben macht die Bundesregierung darüber, ob und wie die Niedersächsische Landesregierung jetzt weiter vorgehen will, ob beispielsweise alternative Standorte geprüft werden.

 

Castor-Atommüll-Transporte: Genehmigungsverfahren in Brokdorf, Isar, Philippsburg und Biblis beginnen

Atommüll aus der seit 2005 in Deutschland verbotenen Wiederaufarbeitung hochradioaktiver Abfälle in Frankreich (La Hague) und England (Sellafield) soll zwischen 2019 und 2021 zurück kommen. Nicht mehr das Zwischenlager Gorleben ist dann das Ziel dieser Castor-Transporte, sondern die Standorte Brokdorf, Biblis, Philippsburg und Isar (Ohu, Landshut). Insgesamt bis zu 28* Behälter werden aus Sellafield und La Hague erwartet. Damit das legal ist, braucht es noch die entsprechenden Genehmigungen für die hiesigen Zwischenlager. Noch in dieser Woche sollen die jeweiligen Zwischenlager-Betreiber Vattenfall, RWE, E.on/PreussenElektra und EnBW entsprechende Anträge stellen. Auch der Kieler Energieminister kündigte das mit Bezug auf ein Schreiben des Bundesumweltministeriums (BMUB) an, wie die SHZ berichtet.

Genehmigungsbehörde ist das Bundesamt für kerntechnische Sicherheit (BfE). Ob diese Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung stattfinden werden, ist noch offen. Das BMUB hatte vor rund zwei Jahren in der „Endlager-Kommission“ erklärt, dass es dafür keinen Grund sähe. Dem benachbarten und mit Brokdorf baugleichen Zwischenlager in Brunsbüttel hatten Urteile des OVG Schleswig und des Bundesverwaltungsgerichts wegen Mängeln bei den Sicherheitsnachweisen die Genehmigung entzogen. Ab 2019 sollen die Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle von den Atomkonzernen in staatliches Eigentum überführt werden. (Foto: AKWs Philippsburg. Block 2, vorn rechts, ist noch in Betrieb, daneben Block 2 abgeschaltet und die Schienen führen zum Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll im Zwischenlager)

Die SHZ berichtet: „Mit Anträgen der Energieversorger für Atommülltransporte aus dem englischen Sellafield nach Deutschland ist in Kürze zu rechnen. „Wenn das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit diese genehmigt, werden in einigen Jahren voraussichtlich sieben Castoren aus der Wiederaufbereitung in Brokdorf eingelagert“, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch am Randes des Umweltausschusses des Landtags in Kiel. Er berief sich dabei auf ein Schreiben des Bundesumweltministeriums und der Energieversorger, in dem zeitnahe Anträge angekündigt werden.“

  • * Aufgemerkt: Die SHZ berichtet auch über die Anzahl der insgesamt anstehenden Rücktransporte aus der Wiederaufarbeitung, nennt dabei aber unterschiedliche Zahlen. „Insgesamt muss Deutschland noch 21 Behälter mit hoch radioaktiven Glaskokillen aus Großbritannien sowie fünf Behälter mit mittelradioaktiven Abfällen aus Frankreich zurücknehmen“, schreibt das Blatt (also insgesamt 26). Die Anzahl ist bislang auch immer wieder öffentlich genannt worden. Allerdings schreibt die SHZ mit Blick auf das Zwischenlager Isar davon, dass „bis zu neun Behälter“ zurückzunehmen wären und listet weitere je sieben Behälter für Brokdorf und das Zwischenlager Biblis (Hessen) aus Sellafield auf. Aus der WAA in La Hague kommen außerdem weitere fünf Behälter für das Zwischenlager Philippsburg (Baden-Württemberg). Das wären dann in der Summe bis zu 28 Castor-Behälter mit verglasten Abfällen.

Derzeit lagern in den Standort-Zwischenlagern an den AKWs ausnahmslos Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus den jeweiligen Atommeilern vor Ort. Erstmals sollen mit den WAA-Rücktransporten nun in Glas verpackte radioaktive Abfälle in die vier Standort-Lager transportiert werden. Während derzeit defekte Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen notfalls noch in den vorhandenen Reaktoren umgeladen und repariert werden könnten, ist das mit dem in Glaskokillen verpackten Atommüll aus der Wiederaufarbeitung nicht möglich. Diese Abfälle dürfen nicht mit Wasser in Kontakt kommen, weil sie sonst reißen würden. Für abgebrannte Brennelemente wäre das kein Problem. Auch die eingesetzten Castor-Behälter für diese Abfälle sind andere, als bei den bestrahlten Brennelementen und erfordern einen anderen Umgang.

Schon aus diesen Gründen fordern Anti-Atom-Initiativen für die nun offenbar anlaufenden Genehmigungsverfahren eine atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung, weil es sich hier um eine „wesentliche Änderung“ handelt. Der Atomchef im Bundesumweltministerium, Wolfgang Cloosters, hatte jedoch vor rund zwei Jahren in einer Sitzung der „Endlager-Kommission“ erklärt, dass man dafür keinen Grund sähe. Ob die jetzt zuständige Genehmigungsbehörde, das neue Bundesamt für kerntechnische Entsorungssicherheit (BfE), sich dieser Auffassung anschließt oder aber die Öffentlichkeit beteiligt, ist noch unklar. Formal muss das Bundesamt entscheiden, nachdem die Anträge eingegangen sind und geprüft wurde, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist.

Die Regelung, dass diese WAA-Abfälle nicht mehr wie früher in das oberirdische Zwischenlager Gorleben rollen, wurde im Zuge der Verhandlungen zum Standortauswahlgesetz 2013 als Bedingung des Bundeslands Niedersachsen durchgesetzt. Im Gegenzug erklärte sich die rot-grüne Landesregierung bereit, dass Gorleben als Standort für ein untertägiges „Endlager“ im Verfahren bleibt.
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