30 Jahre AG Schacht Konrad: „Das letzte Arbeiter und Bauern-Bündnis der Republik“

Mit einem „Festakt im Jubiläumsjahr“ hat die AG Schacht Konrad in Salzgitter ihren 30. Geburtstag gefeiert. Im Schacht soll irgendwann ein Teil des leicht- und mittelradioaktiven Atommülls „endgelagert“ werden. Es gab zahlreiche Gratulanten von BUND über LINKE-Abgeordnete, .ausgestrahlt, die BI Lüchow-Dannenberg und viele viele andere bis hin gar zur Chefin der neuen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Selbstverständlich ist der Berichterstatter Mitglied der AG und hat gratuliert. Als das „letzte Arbeiter und Bauern-Bündnis der Republik“ würdigte auch die IG Metall Salzgitter-Peine mit ihren vielen Tausend Mitgliedern die AG, in der sie selbst vertreten ist. Toll! Dabei gibt es viel zu tun: Antrittsbesuch der BGE in Salzgitter mit einem neuen, vierten Geschäftsführer (Bezahl-Link) oder wie hier die AG selbst berichtet. (Foto: Nachahmenswert!)

Auf der Homepage der IG Metall ist zu lesen: „Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad feierte am 26. August ihr 30-jähriges Jubiläum. Mit der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft sollte der einzeln stattfindende Widerstand in der Region gegen Atommüll in Schacht Konrad gebündelt werden. Und das ist seit 1987 trefflich gelungen! Über den langen Zeitraum hinweg war die AG Schacht Konrad immer wieder Motor der Widerstandsbewegung. In ihr fügen sich Widerstand, Engagement und fachliche Kompetenz zusammen.“ Und sie bietet hier eine Bildergalerie.

In gewohnter Bescheidenheit berichtet die AG Schacht Konrad auf ihrer in die Jahre gekommenen Homepage und zeigt dort auch einige Fotos. Hochmodern gibt es Fotos von der Party auch hier bei Flickr. (Das Foto dieser Seite habe ich mir einfach mal für diesen Artikel geborgt, hoffe das ist ok?!)

Der NDR nahm den Geburtstag zum Anlass für ein Interview mit Ursula Schönberger und titelt: 30 Jahre Protest: „Schacht Konrad ist ein Fehler“. Eher nüchtern im Titel heißt es bei der Salzgitter Zeitung: „Jubiläum der AG Schacht Konrad„. (Bezahl-Link)

 

Klimaproteste mit Linken: 6000 gegen Braunkohle und Umweltzerstörung

Die „Ende Gelände“-Aktionstage und die „Rote Linie“ Aktionen haben in der vergangenen Woche mehr als 6000 Menschen auf die Straßen bzw Wiesen, Wege und Felder gebracht, um mit verschiedenen Aktionen gegen die Umweltzerstörung durch Braunkohle zu protestieren. Auch ich war als parlamentarischer Beobachter gemeinsam mit meinen FraktionskollegInnen Katja Kipping, Andrej Hunko, Inge Höger, Alexander Neu sowie dem sächsischen Landtagsabgeordneten Marco Böhme vor Ort.

Wir brauchen den Ausstieg aus der Braunkohle, wenn es gelingen soll, die Klimaziele zu erreichen. National und auch International steht es trotz zahlreicher Bekundungen der Bundesregierung oder mit Blick auf das Pariser Abkommen nicht gut um den Klimaschutz. In Deutschland ist vor allem die Braunkohle Klimakiller Nr. 1. Doch nicht nur die hohen CO2-Emissionen mit ihren weltweiten Klimaschäden, auch die Umweltzerstörung durch den Tagebau ist unverantwortlich. Vom 18. – 29. August fanden daher im Rheinland rund um die Braunkohlebergbaue und – Kraftwerke von RWE zahlreiche Aktionen statt, mit denen der Druck für den sofort beginnenden Ausstieg aus dieser katastrophalen Energieerzeugung erhöht werden soll.

Die Proteste haben deutlich gezeigt, dass es großen Unmut über die anhaltende Zerstörung der Natur durch den Braunkohleabbau gibt. Von Aktionen, die Schienen blockiert haben um die Ausfuhr von Braunkohle aus den Abbaugebieten zu stoppen, über den Versuch in eine Grube zu kommen bis zur roten Linie-Aktion, welche eine Menschenkette um das Braunkohlerevier am Hambacher Forst zog, fanden vielfältige Aktionen statt.

Verknüpft wurden die Ende-Gelände Aktionen mit dem Klimacamp, welches seit einigen Jahren stattfindet und Raum bietet für Diskussionen über verschiedene ökologische Themen sowie den Wandel unserer Wirtschaftsordnung.

Das Klimacamp wie auch die Ende-Gelände-Aktionen sind dabei in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen. Zum einen zeigt das, welche Relevanz der Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel hat, zum anderen verdeutlicht es die gute Arbeit der OrganisatorInnen. Diesen ist es gelungen, neue Gruppen einzubinden, und so nahmen erstmals ein queerfeministischer und ein Landwirtschaftsfinger an den Ende-Gelände-Aktionen teil.

LINKE präsent bei Aktionen

Auch in der LINKEN gewinnt die Frage des Klima- und Umweltschutzes und der Kampf für einen grundlegenden sozial-ökologischen Wandel unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Dies wird nicht nur an der gestiegenen Anwesenheit von Abgeordneten sowie der Teilnahme unserer Parteivorsitzenden Katja Kipping deutlich, sondern auch durch die Organisation eines eigenen Barrios am Campinggelände durch den Jugendverband und eine große Präsenz von Aktiven der Partei bei den Protesten. Die rote Linie-Aktion erstrahlt dabei an verschiedenen Stellen auch in den roten Bannern der LINKEN, die mit Flyern der LINKEN. NRW auf unserer Positionen zum Kohleausstieg aufmerksam machten und gleichzeitig ihre Solidarität zeigten.

Klar ist, dass die Klima- und Umweltkrise die Notwendigkeit für einen grundlegenden sozial-ökologischen Wandel unserer Gesellschaft verlangt. Bisher versagt die Politik angesichts dieser Zukunftsfrage für die Menschheit. Die Bundesregierung bremst den Kohleausstieg und zugleich das Wachstum der erneuerbaren Energien. Ihre Energiepolitik orientiert sich maßgeblich an den Profitinteressen der fossilen Energiekonzerne und der Autoindustrie. Weil die Bundesregierung sich nicht ernsthaft mit den Unternehmen anlegen will, vermeidet sie wirksame gesetzliche Vorgaben zum Umsteuern. Deutschland wird so seine Klima-Ziele verfehlen.

Eine sozial-ökologische Wende hier in Deutschland ist auch eine Frage der globalen Gerechtigkeit. Deshalb muss Deutschland seinen Beitrag dazu leisten, die weltweite Erderwärmung deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Wir wollen, dass die Bundesrepublik den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 verringert, bis 2030 um 60 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent. Diese Ziele müssen in einem Klimaschutzgesetz festgeschrieben werden.

Wegen der Klimakrise organisieren sich Menschen weltweit, auch beim UN-Klimagipfel im November diesen Jahres in Bonn wird es Proteste geben, um Druck für schnelles Handeln zu machen. DIE LINKE unterstützt diese Proteste.

Hochradioaktiver Atommüll: Wie lange hält der Castor dicht? USA haben nachgesehen

Die Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle wird deutlich länger als die bislang genehmigten 40 Jahre dauern. Für diesen Zeitraum haben staatliche Stellen und Gutachter den zur Zwischenlagerung eingesetzten Castor-Behältern Sicherheit attestiert. Das meint: Die Behälter bleiben dicht, die Einbauten und die Brennelementehüllen stabil. Doch was tatsächlich mit und in solchen Castorbehältern passiert, ist kaum bekannt. Bislang gibt es nur sehr wenige reale Untersuchungen, die Auskunft darüber geben können, ob Annahmen und Rechenmodelle mit der Realität übereinstimmen – oder nicht. Nachgesehen wurde bislang kaum. Ein mit abgebrannten Brennelementen beladener Castor ist 2000/2001 nach einer Lagerzeit von 15 Jahren in den USA geöffnet und untersucht worden. In Deutschland werden nicht nur abgebrannte Brennelemente, sondern auch hochradioaktive Glaskokillen zwischengelagert. (Foto: Castor im Zwischenlager Brunsbüttel, Vattenfall)

In Deutschland wird die Zwischenlagerung erst seit Mitte der 2000er Jahre als Standardmodell betrieben. Vorher wurden die bestrahlten Brennelemente aus den Reaktoren zur Wiederaufarbeitung transportiert. Zurück kam hochradioaktiver Müll, der in Glaskokillen eingeschmolzen wurde und vor allem in Gorleben zwischengelagert wird. In den letzten Jahren ist klar geworden, dass die Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle weit über die bislang genehmigten 40 Jahre hinaus dauern wird. Einige Fachleute sprechen sogar von möglichen 100 Jahren, die die hochradioaktiven Brennelemente bzw. Glaskokillen oberirdisch in ihren Castoren verbleiben und erst dann – vermutlich in andere Behälter verpackt – in einem Untertage-Lager versenkt werden können.

Mit der Laufzeitverlängerung für die Zwischenlagerung stellt sich insgesamt eine Vielzahl von Sicherheitsfragen (siehe unten), denn Behälter und Einbauten müssen deutlich länger die harte radioaktive Strahlung und den Neutronenbeschuss aushalten. Auch die Hüllrohre der Brennelemente müssen längeren Belastungen standhalten, damit das in ihnen enthaltene Uran-Plutonium-Gemisch nicht zu Boden fällt und im schlimmsten Fall zur kritischen Masse wird. Rekritikalität könnte dann sogar zu Explosionen im Behälter führen.

Doch schon bei den genehmigten 40 Jahren Zwischenlagerung ist festzustellen, dass die Sicherheitsnachweise vor allem auf Erfahrungen und Rechenmodellen basieren. Ob diese tatsächlich mit der Wirklichkeit im Einklang stehen, ist weitgehend unbekannt, denn nur in sehr wenigen Fällen wurde auch real nachgeschaut. Bislang halten die Castoren weitgehend dicht. In Deutschland hat es reale Untersuchungen bis heute nicht gegeben. Um real zu prüfen, wie sich der Behälter und sein Inhalt über die Jahre verändern, wären sogenannte Heiße Zellen erforderlich. Die aber gibt es nicht an den AKW-Standorten oder den anderen Zwischenlagern.

In der wissenschaftlichen Literatur wird vielfach auf einen der wenigen Fälle Bezug genommen, bei denen ein Castor-Behälter in den USA zu Prüfzwecken geöffnet wurde. In einem Diskussionspapier der Entsorgungskommission (PDF, siehe auch direkt hier) aus dem Oktober 2015 wird mitgeteilt, dass „in den USA ein beladener CASTOR®-V/21-Behälter nach 15 Jahren geöffnet, inspiziert und dies als Nachweis des einwandfreien Zustands der Brennelemente (Abbrand bis zu 45 GWd/tSM) und des Behälters akzeptiert wurde, um eine bestehende 20-jährige Lagergenehmigung zu verlängern [18].“ (Seite 9) Bezug genommen wird dabei auf die 2001 veröffentlichte Studie „Dry Cask Storage Characterization Project-Phase 1: CASTOR V/21 Cask Opening and Examination“ (PDF, auch hier online). Die Untersuchungen fanden statt im Idaho National Environmental and Engineering Laboratory (INEEL), USA.

Der Physiker Wolfgang Neumann von der INTAC Hannover nahm 2014 in einer Studie für Greenpeace (PDF) Bezug auf die Untersuchungen in den USA und stellte dazu fest: „In den USA wurde die Zwischenlagerung in Transport- und Lagerbehältern mit einem Forschungsprogramm begleitet. In diesem Rahmen wurde ein Behälter nach 15 Jahren Zwischenlagerung geöffnet. An Primärdeckeldichtung, Nickelbeschichtung des Behälterinnenraumes und am Tragkorb wurden Defekte gefunden. Am Tragkorb gab es auch Risse [INE 2001]. Die Defekte wurden zwar als nicht direkt sicherheitsgefährdend bezeichnet, sie zeigen aber, dass diese Einbauten nicht mehr im Zustand vor der Beladung waren. Die jeweiligen Ursachen für die Defekte wurden vermutet, konnten aber nicht belastbar ermittelt werden. Bei den Brennelementen fanden sich Längenveränderungen von Brennstäben, Durchbiegungen von Brennelementen und nicht erwartete Oxidschichtbelege auf ihren Oberflächen [INE 2001]. Die Untersuchung der Integrität einiger Brennstäbe ergab keine auffälligen Befunde [CONLEY 2003].“

Neumann verweist in der Studie auch darauf, dass sich die in den USA festgestellten Ergebnisse nicht direkt auf die Situation in Deutschland übertragen lassen. „Die Ergebnisse aus den USA lassen keine direkten Schlüsse für die Zwischenlagerung in der Bundesrepublik zu, da sich Brennelemente und Lagerbedingungen unterscheiden und das näher untersuchte Brennelement einen relativ geringen Abbrand hat. Die hier zwischengelagerten Brennelemente sind aufgrund des höheren Abbrands und weil es sich teilweise um Mischoxid-Brennelemente handelt, als problematischer anzusehen. Insofern müsste aus den Untersuchungen in den USA eher eine Empfehlung zur Kontrolle auch in der Bundesrepublik abgeleitet werden.“

Als Fazit stellt Neumann fest: „Die bisher bekannten Untersuchungen zu den Effekten im Behälterinnenraum sind unzureichend. Vor allem sind die teilweise durchgeführten theoretischen Berechnungen nicht durch praktische Untersuchungen verifiziert und schon gar nicht validiert.“ (Seite 17)

In der genannten Studie gibt Wolfgang Neumann in einem Kapitel einen Überblick, welche Anforderungen hinsichtlich des Langzeitverhaltens von Behälter und Inventar von Bedeutung sind. Deshalb dokumentiert umweltFAIRaendern dieses Kapitel im Anschluss:

Dokumentation: Auszug Wolfgang Neumann, Intac: Heiße Zellen für Zwischenlager (Seite 13-17, Studie 2014 im Auftrag von Greenpeace)

„5.2 Langzeitverhalten von Behälter und Inventar

Mit zunehmender Zwischenlagerdauer ist von einer Veränderung der Materialien bzw. des Zustandes von Behältereinbauten und Brennelementen bzw. Kokillen auszugehen. Dies kann Auswirkungen auf die Sicherheit der Zwischenlagerung, des späteren Transports und bei der Entladung oder sonstigen Vorbereitung von Brennelementen und Kokillen für die Endlagerung haben. Betriebserfahrungen im Sinne einer praktischen Überprüfung gibt es diesbezüglich für die trockene Zwischenlagerung in der Bundesrepublik Deutschland nicht. Im verschlossenen Behälterinnenraum bestehen Inventar und Behältereinbauten aus vielen unterschiedlichen Materialien. Zusammen mit den vorhandenen Gasen und den nach der Behälterbeladung verbliebenen Rückständen kann eine Vielzahl chemischer Reaktionen auftreten. Bei den Rückständen kann es sich zum Beispiel um Borsäure, Verunreinigungen wie Kupferspuren, Halogenradikale oder Halogenide, Chlor und Fluor, Spaltprodukte aus defekten Hüllrohren handeln, deren Wirkung im Zusammenwirken mit den hohen Temperaturen verstärkt werden kann [UIM 2001]. Die chemischen Reaktionen können zu Materialschwächung in den betroffenen Bereichen von Einbauten und Strukturen führen.

Darüber hinaus sind Einbauten und Inventar während der Zwischenlagerung ionisierender Strahlung, darunter Neutronenstrahlung, ausgesetzt. Dies verursacht Versprödung und damit Schwächung von Materialien und steht in Wechselwirkung mit den chemischen Reaktionen.

Sicherheitstechnisch relevant sind Material- und Zustandsänderungen vor allem an Primärdeckeldichtung, Tragkorb zur Aufnahme von Brennelementen oder Kokillen, Behälterinnenwand, Neutronenabsorber sowie Inventar (Brennelement oder Kokille).
Primärdeckeldichtung

Die Primärdeckeldichtung ist vielfachen Belastungen und Einflüssen ausgesetzt. Es sind dies

  • Mechanische Belastungen durch Zusammenpressung und Ermüdung des Dichtungswerkstoffes, durch Verdrallen oder Verschieben der Dichtungen beim Verschließen des Deckels, durch Ablagerungen oder Verunreinigungen auf der Dichtfläche vor dem Verschließen sowie durch Erschütterungen bei Handhabung und Transport der Behälter.
  • Thermische Belastungen durch die von den Brennelementen bzw. Kokillen abgegebene Wärme.
  • Versprödung der Dichtungswerkstoffe durch die aus den Brennelementen bzw. Kokillen abgegebene Neutronen- und Gammastrahlung.
  • Korrosion des Dichtungsmaterials durch Restfeuchte im Behälter bzw. aus den Brennelementen und vorhandenen gas- oder aerosolförmigen Stoffen.

Ursache und Auswirkungen der Belastungen sind ausführlich beschrieben in [UB 2002]. Zu einem Teil der oben genannten Effekte werden bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Untersuchungen durchgeführt [WOLF 2014]. Da-bei wird aber von postulierten Umgebungsbedingungen ausgegangen, die nicht den realen entsprechen müssen.

Tragkorb
Der Tragkorb hat die Aufgabe, die Brennelemente bzw. Kokillen im Behälter zu fixieren. Damit soll deren Unversehrtheit bei Handhabung und Transport des Behälters sowie die geordnete Endladung für die Endlagerung gewährleistet werden. Bei den Brennelementen hat der Tragkorb zusätzlich Aufgaben zur Verhinderung von Kritikalität. Daraus folgt, dass Materialschwächungen oder -schäden besonders negative Auswirkungen haben können.

Schäden können am Tragkorb vor allem durch Korrosion und mechanische Belastungen (z.B. bei Beladung oder durchgeführtem Transport) auftreten. Beides kann auch Risse an Schweißnähten verursachen, die durch Erschütterungen bei Handhabung und Transport der beladenen Behälter initiiert oder verstärkt werden können.

Behälterinnenwand
Zur Vermeidung von Korrosion der Behälterwand ist diese bei Behältern für bestrahlte Brennelemente im Innenraum mit einer Nickellegierung beschichtet. Bei der Beladung der Behälter mit den Brennelementen kann es zu Beschädigungen kommen. Kommt es an diesen Stellen zu Korrosion bestimmter Art, kann das langfristig bis zur teilweisen Ablösung der Schicht führen. Es ist dann nicht vollständig auszuschließen, dass es zu einer Wegsamkeit bis in den Dichtungsbereich kommt.

Neutronenmoderator
Das Neutronenmoderatormaterial befindet sich zwar nicht gemeinsam mit dem Inventar im Behälterinnenraum, sondern beim CASTOR in eigenen Bohrungen in der Behälterwand, ist dort aber auch Strahlung und Wärme ausgesetzt. Dies kann zu Versprödung, radiolytischer Zersetzung und Volumenveränderung führen. Über lange Zeiträume kann dies einen signifikanten Abschirmverlust verursachen.

Bestrahlte Brennelemente
Nach der Entladung der Brennelemente aus dem Reaktorkern erfolgt eine Erhöhung des Innendrucks, wogegen die Umgebung, anders als im Reaktor, praktisch ohne zusätzlichen Druck ist. Dies ist eine Umkehr der Druckverhältnisse, die zu Spannun-gen in den Brennstabhüllrohren führen. Diese Schwächungen können bei längerer Zwischenlagerung, auch durch weitere Veränderungen der Druck- und Temperatur-verhältnisse, zu Freisetzungspfaden für flüchtige Radionuklide aus den Brennstäben in den Behälterinnenraum führen.

Das Material der Brennstabhüllrohre, aber auch die Brennelementstrukturteile, sind vor allem durch die starke Neutronenstrahlung versprödet. Dies kann bereits bei der Beladung der Behälter, aber vor allem bei späteren Erschütterungen durch Handhabung, Transport oder anderen Einwirkungen von außen zu Freisetzungspfaden führen.

An den Oberflächen der Brennstabhüllrohre kann es durch chemische Reaktionen zur Oxidschichtbildung kommen, die ebenfalls zu Freisetzungspfaden führen können. Korrosion kann auch an Brennelementstrukturteilen auftreten und die Halterung der Hüllrohre beeinträchtigen.

Alle vorstehenden Effekte können zu Einschränkungen der Handhabbarkeit (insbesondere Behälterentladung) der Brennelemente führen. Dies muss für die Vorbereitung zur Endlagerung soweit wie möglich verhindert werden.

Das durch Versprödung, Korrosion oder Spannungsänderungen verursachte größer flächige Versagen von Hüllrohren muss auf jeden Fall verhindert werden. Andernfalls können Kernbrennstoffpellets herausfallen und sich am Behälterboden sammeln. Würde das an mehreren Hüllrohren passieren, kann es zu Kritikalitätsproblemen kommen.

Kokillen
Die verglasten radioaktiven Abfälle befinden sich in Stahlkokillen. Die Kokillen sind mit einer Schweißnaht verschlossen, an die keine weitergehenden Qualifizierungs-anforderungen gestellt werden.

Kokille und Schweißnaht sind während der Zwischenlagerung einer starken Strahlung und hoher Temperatur ausgesetzt. Dies führt zu Gefügeveränderungen und damit Schwächung des Materials. Zusätzlich sind Korrosion und andere chemische Reaktionen durch Rückstände im Behälter möglich, auch wenn der Behälter nicht unter Wasser beladen wurde. Die Kokille ist zwar relativ robust, die Annahme, dass es während der Zwischenlagerdauer nicht zu Schädigungen mit nicht vernachlässig-baren Freisetzungen kommt, sollte jedoch auch praktisch überprüft werden.

Am angeschweißten Kokillendeckel befindet sich auch der Greifpilz, an dem die Ko-killen in und aus dem Behälter geladen werden. Deshalb ist die Vermeidung von Rissen in der Schweißnaht besonders wichtig. Kann die Schweißnaht das Gewicht der Kokille nicht mehr tragen und reißt ab, kann die Kokille nur noch unter äußerst problematischen Umständen aus dem Behälter gehoben werden.

Fachliche Diskussion
Im Rahmen der Diskussion zu Periodischen Sicherheitsüberprüfungen (PSÜ) von Zwischenlagern wurde die Forderung nach Öffnung einzelner Behälter zur Kontrolle von Brennelementen, Primärdeckeldichtung und weiteren Behältereinbauten erhoben [ÖKO 2003]. Hierfür wäre eine Heiße Zelle erforderlich. In den Empfehlungen der Entsorgungskommission des Bundesumweltministers (ESK) zu Leitlinien für die trockene Zwischenlagerung [ESK 2013] und für die periodische Sicherheitsüberprüfung sind aber keine Vorgaben zur Prüfung der Brennelemente bzw. Kokillen sowie zur Prüfung von Korrosionserscheinungen an den Primärdeckeldichtungen und des Behälterinnenraumes bzw. der in ihm befindlichen Einbauten enthalten [ESK 2014].

Die IAEA deutet in einer neueren Publikation die mögliche Notwendigkeit einer Heißen Zelle in einer anderen Anlage zwar an, fordert sie aber nicht. Vielmehr wird darauf hingewiesen, dass eine Abschätzung ohne den Behälter zu öffnen ausreichend sein könnte [IAEA 2012].

In den USA wurde die Zwischenlagerung in Transport- und Lagerbehältern mit einem Forschungsprogramm begleitet. In diesem Rahmen wurde ein Behälter nach 15 Jahren Zwischenlagerung geöffnet. An Primärdeckeldichtung, Nickelbeschichtung des Behälterinnenraumes und am Tragkorb wurden Defekte gefunden. Am Tragkorb gab es auch Risse [INE 2001]. Die Defekte wurden zwar als nicht direkt sicherheitsgefährdend bezeichnet, sie zeigen aber, dass diese Einbauten nicht mehr im Zustand vor der Beladung waren. Die jeweiligen Ursachen für die Defekte wurden vermutet, konnten aber nicht belastbar ermittelt werden. Bei den Brennelementen fanden sich Längenveränderungen von Brennstäben, Durchbiegungen von Brennelementen und nicht erwartete Oxidschichtbelege auf ihren Oberflächen [INE 2001]. Die Untersuchung der Integrität einiger Brennstäbe ergab keine auffälligen Befunde [CONLEY 2003].

Die Ergebnisse aus den USA lassen keine direkten Schlüsse für die Zwischenlagerung in der Bundesrepublik zu, da sich Brennelemente und Lagerbedingungen unterscheiden und das näher untersuchte Brennelement einen relativ geringen Abbrand hat. Die hier zwischengelagerten Brennelemente sind aufgrund des höheren Ab-brands und weil es sich teilweise um Mischoxid-Brennelemente handelt, als problematischer anzusehen. Insofern müsste aus den Untersuchungen in den USA eher eine Empfehlung zur Kontrolle auch in der Bundesrepublik abgeleitet werden.

Die bisher bekannten Untersuchungen zu den Effekten im Behälterinnenraum sind unzureichend. Vor allem sind die teilweise durchgeführten theoretischen Berechnungen nicht durch praktische Untersuchungen verifiziert und schon gar nicht validiert. Dies kann nur durch Öffnen von Behältern in einer Heißen Zelle geschehen.“

AKWs alle abschalten: MdB Hubertus Zdebel mit Werner Zieger am 8.9. in Philippsburg

Risiko Super-Gau und noch mehr hochradioaktiver Atommüll. Noch bis Ende 2019 soll der Block 2 des AKW Philippsburg am Netz bleiben. Am 8. September ist der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) gemeinsam mit Werner Zieger (Direktkandidat, WK Bruchsal-Schwetzingen) zu einer Veranstaltung im Gästehaus Rotes Tor in Philippsburg.

Zdebel: „Die Gefahren schwerster Atomunfälle bleiben auch in Deutschland auf der Tagesordnung, solange Atommeiler wie Philippsburg 2 noch in Betrieb sind. Kernschmelzunfälle, wie sie in Fukushima passiert sind, können auch in den deutschen AKWs nicht ausgeschlossen werden. Auch gegen die wachsende Terrorgefahren zum Beispiel durch Anschläge mit gezielten Flugzeugabstürzen sind sie nicht ausreichend gesichert. Deswegen fordern wir als LINKE auch diese AKWs sofort abzuschalten.“

  • Veranstaltung: „AKWs sofort abschalten“ mit MdB Hubertus Zdebel (DIE LINKE) und Werner Zieger (Direktkandidat, WK Bruchsal-Schwetzingen) am 8. September im Gästehaus Rotes Tor, Rote-Tor-Straße 52 76661 Philippsburg

Uranfabrik Gronau: Atommülllager nicht vor 2019 – Uran im Tauschhandel

Im großen Stil tauschen die zur URENCO gehörenden Uranfabriken in Gronau, Capenhurst (UK) und Almelo (NL) mit zahlreichen Atomtransporten Uran-Material untereinander aus. In Gronau verschiebt sich daher die Inbetriebnahme eines weitgehend fertiggestellten Zwischenlagers für insgesamt 60.000 Tonnen abgereichertem Uranoxids (U3O8). „Nicht vor dem Jahr 2019“ werde dieses Zwischenlager in Betrieb gehen, teilt die Bundesregierung jetzt auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) mit. Statt immer mehr Atommüll zu produzieren, fordert Zdebel die Stilllegung der Uranfabrik.

  • Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „URENCO – Umgang mit abgereichertem Uran“ (18/13287) ist hier als PDF online.

„Uranbrennstoff für marode belgische Atommeiler, zahlreiche riskante Atomtransporte und wachsende Atommüllberge mit abgereichertem Uran. Es gibt genug Gründe, warum die Uranfabrik in Gronau endlich stillgelegt und im Bundestag dazu das Atomgesetz entsprechend endlich geändert werden muss. Dabei muss auch die benachbarte Uranfabrik in Lingen einbezogen werden“, stellt Hubertus Zdebel fest.

Viele der Atomtransporte in Verbindung mit dem Betrieb der Urananreicherung in Gronau resultieren offenbar aus konzerninternen Uran-Deals mit den URENCO-Standorten in Almelo und Capenhurst. Das wird aus den Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von MdB Hubertus Zdebel deutlich.

URENCO Gronau liefert z.B. abgereichertes Uran zur Bearbeitung nach Frankreich. Das dort zwischengelagerte Material wird nun aber mit der URENCO-Anlage in Capenhurst gegen anderes Uran für die Anlage in Gronau ausgetauscht. Die Bundesregierung bestätigte auf Anfrage von Zdebel, dass URENCO Gronau 10.117 Tonnen des in Frankreich zwischengelagerten Urantrioxids (U308) mit der britischen URENCO in Capenhurst getauscht habe und dafür im Gegenzug 12.689 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid (UF6) erhält.

Außerdem wurden laut Bundesregierung im Jahr 2016 von Gronau rund 1.300 Tonnen abgereichertes UF6 erneut zur Bearbeitung nach Frankreich transportiert. Auch zur URENCO Anlage im niederländischen Almelo werden aus Gronau Urantransporte durchgeführt. Im Jahr 2016 wurden zur Wieder-Anreicherung fast 2.500 Tonnen zur Anlage in Almelo geliefert.

Auf Anfrage von Zdebel teilt die Bundesregierung außerdem mit, dass die Inbetriebnahme des weitgehend fertiggestellten neuen Uran-Zwischenlagers in Gronau nicht mehr vor dem Jahr 2019 geplant sei. Die Landesregierung in NRW teilte jüngst mit, dass in Gronau Ende März 2017 rund 21.000 Tonnen Uran im sogenannten Freilager ohne weitere Schutzmaßnahmen unter freiem Himmel lagerten.

 

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