Die Vorbereitungen für den Transport von hoch radioaktivem Atommüll aus der britischen Plutoniumfabrik in Sellafield laufen. In Glasblöcke eingeschmolzen und in Castor-Behälter verpackt soll der bei der Plutonium-Abtrennung in England angefallene Atommüll per Schiff nach Deutschland und dann entweder per Bahn und LKW oder auch nur per LKW in das Zwischenlager nach Brokdorf gebracht werden. Die zuständige Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) hat nun eine Informationsveranstaltung angekündigt. Der Transport selbst wird von der GNS im Auftrag von Preussen Elektra durchgeführt. Anti-Atom-Initiativen warnen vor den enormen Risiken beim Transport dieses brisanten Atommülls, der noch für Jahrzehnte in Brokdorf bleiben wird, weil sich die Suche nach einem Atommüll-Endlager erneut verschiebt.
Über die konkrete Reiseroute schweigen die verantwortlichen Stellen, also GNS, PreussenElektra, BASE, BGZ oder Atomaufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein. Bislang erfolgte der Antransport aus Sellafield über den niedersächsischen Hafen in Nordenham. Wäre das auch im Fall des Transports nach Brokdorf so, würden die insgesamt sieben Castor-Behälter auf ihren Spezial-Waggons von dort über Bremen, Niedersachsen und Hamburg auf der Schiene nach Schleswig-Holstein transportiert. Da das Zwischenlager in Brokdorf über keinen Gleisanschluss verfügt, müsste dann eine weitere Umladung der hochgefährlichen Atomfracht auf Tieflader erfolgen. Auch ein direkter Transport in den Hafen von Brunsbüttel und vor dort direkt per Tieflader nach Brokdorf könnte eine Option sein, die einen kompletten Umladevorgang, bei dem die hoch radioaktive Fracht am Kran hängt, vermeiden würde.
Die BGZ hat nun zu einer Veranstaltung am 3. Juni nach Brokdorf eingeladen, wo sie die Öffentlichkeit über die Gründe und die Sicherheitsmaßnahmen informieren will. Die Transportroute soll aber geheim bleiben, um Terroristen keine Anhaltspunkte zu liefern. Anti-Atom-Gruppen rufen dennoch zu Aktionen auf.
umweltFAIRaendern hatte wiederholt über diese Serie von Atomtransporte berichtet. Es gehe dabei um von Betreiberseite als „Rücktransporte“ bezeichneten Atommüll aus der Verarbeitung ehemals aus Deutschland nach Frankreich und England gelieferter abgebrannter Brennelemente. Nachdem dieser Atommüll über viele Jahre nur nach Gorleben rollte, wurde im Rahmen der Vereinbarungen zu einem neuen Verfahren der Endlagersuche ein Kompromiss zwischen Bund und Ländern erzielt, wonach die letzten Rücktransporte nach Biblis, Isar/Ohu, Philippsburg und nun noch nach Brokdorf sollen. Spätestens Ende 2026 sollen die Transporte abgeschlossen sein.
Dokumentation der PM der BGZ in Brokdorf.
Rücknahme deutscher Abfälle aus England: Bürgerdialog am 3. Juni in Brokdorf
BROKDORF – Im Verlauf des Jahres 2026 plant die GNS Gesellschaft für Nuklear-Service den Rücktransport von radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im englischen Sellafield in das Zwischenlager Brokdorf, das die bundeseigene BGZ betreibt. Informationen zu Transport und Lagerung geben die beteiligten Akteure im Rahmen einer Dialogveranstaltung am 3. Juni um 18:30 Uhr im Hotel Sell in Brokdorf.
Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Betreiber der Kernkraftwerke ihre noch im Ausland lagernden Abfälle nach Deutschland zurückführen. Zur Rücknahme hat sich die Bundesrepublik Deutschland auch völkerrechtlich verpflichtet.
Die drei Transporte an die Standorte Biblis (Hessen), Philippsburg (Baden-Württemberg) und Isar (Bayern) wurden bereits in den Jahren 2020, 2024 und 2025 störungsfrei durchgeführt. Mit dem Transport aus Frankreich nach Philippsburg sind alle Wiederaufarbeitungsabfälle aus Frankreich zurückgeholt. Das Konzept der Bundesregierung sieht vor, dass die letzten noch in England befindlichen Abfälle in das BGZ-Zwischenlager am Standort Brokdorf transportiert werden sollen. Geplant ist, dass der Transport und die Einlagerung in das Zwischenlager Brokdorf im Verlauf des Jahres 2026 durchgeführt werden.
Im Vorfeld möchten die beteiligten Unternehmen und Behörden die Öffentlichkeit nochmals über das Vorhaben informieren und mit der regionalen Bevölkerung ins Gespräch kommen. Beim Bürgerdialog stehen auch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) als Genehmigungsbehörde, Vertreter des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN) als Aufsichtsbehörde, der Polizeidirektion Itzehoe sowie des Kraftwerksbetreibers PreussenElektra für Fragen zur Verfügung. Eine Anmeldung für die Teilnahme an der Infoveranstaltung ist nicht erforderlich.
Thema: Rücknahme deutscher Abfälle aus England
Termin: Mittwoch, 3. Juni 2026, 18:30 Uhr
Ort: Hotel Sell, Dorfstraße 65, 25576 Brokdorf
Informationen zur Rücknahme der Wiederaufarbeitungsabfälle nach Deutschland stellen die beteiligten Akteure auch im Internet zur Verfügung:
- Die Kernkraftwerksbetreiber und ihr zentraler Dienstleister tun dies auf der Website rueckfuehrung.gns.de
- Das entsprechende Angebot der BGZ ist zu finden auf rueckfuehrung.bgz.de
- Informationen des BASE finden Sie unter base.bund.de
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