Während teile der Bundesregierung und andere Interessierte massiv von neuen Wunderdingen der Atomenergie fabulieren, kosten Rückbau und Lagerung der strahlenden Hinterlassenschaften weiterhin Milliarden-Euro-Summen und immer neue Probleme führen zu weiteren Kostensteigerungen. Eine weitere hohe finanzielle Belastung kommt nun auf die Steuerzahler*innen im Falle der nuklearen Ruine des Atomreaktors THTR 300 in Hamm-Uentrop (NRW) zu. Gegen jede Vernunft war der Reaktor 1986 in Betrieb gegangen und nach nur drei Jahren und zahlreichen Pannen 1989 endgültig abgeschaltet worden. Die Betreiber unter Führung von RWE haben jetzt den Konkurs erklärt. Für den notwendigen Rückbau der Atomruine dürften Kosten von vermutlich mindestens eine Milliarde Euro anfallen. Wer zahlt nun die Zeche?
Die Bundesregierung verweist auf das Land NRW, was die Kostenübernahme angeht. Fragen der Bundestagsfraktion DIE LINKE werden von der Bundesregierung ausweichend beantwortet. Bürgerinitiativen informieren am 11. Juni auf einer Veranstaltung in Hamm (siehe unten!)
- Unverantwortliche Atomenergie: AKW-Betreiber Hamm meldet Insolvenz – Wer zahlt die Milliarden-Euro-Zeche?
- AKW Rückbau Hamm Uentrop – RWE, E.on und Co müssen zahlen
- Protokoll Landtag NRW. Ausschuss. Wirtschaftsministerin – Zeche zahlt deutscher Kohlestandort – Ein nuklearer Hoffnungsträger THTR Hamm auf dem Atommüll-Schrotthaufen
- Sie auch die Seite Reaktorpleite über den THTR mit einer ausführlichen Hintergrundberichterstattung.
Die schriftlichen Fragen der zuständigen Abgeordneten der Linksfraktion und Antworten der Bundesregierung sind hier online: https://dserver.bundestag.de/btd/21/060/2106098.pdf – Es sind die Fragen 94, 95 und 96 auf Seite 56 der Drucksache, die gemeinsam beantwortet wurden. Hier folgen die Fragen und Antworten als Dokumentation im Wortlaut: Schriftliche Fragen Mai 2026, Arbeitsnummern 05/0196 bis 05/0198 – Ihre o. g. Schriftlichen Fragen vom 15. Mai 2026 (Eingang im Bundeskanzleramt) beantworte ich wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam wie folgt:
Frage 05/0196 – „Welche Schritte hat die Bundesregierung unternommen bzw. wird sie in Zukunft unternehmen, dass insbesondere die Gesellschafter der sich im vorläufigen Insolvenzverfahren befindlichen HKG GmbH, Betreiberfirma des THTR-300 in Hamm-Uentrop, für die Entsorgung der Brennelemente, den Rückbau des Reaktors und den Betrieb des sicheren Einschlusses mit in Haftung genommen werden und sich an den Kosten beteiligen (vgl. Protokoll der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtags von NRW vom 1. Oktober 2025; www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA18-1000.pdf)“
Frage 05/0197: „Plant die Bundesregierung gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen im HKG Insolvenzverfahren einen sogenannten insolvenzrechtlichen Massekostenzuschuss zur Verfügung zu stellen, und wenn nein, warum nicht (vgl. Protokoll der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtags von NRW vom 25. März 2026; www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Doku
ment/MMA18-1183.pdf) Welche Schritte hat die Bundesregierung unternommen bzw. wird sie in Zukunft unternehmen?
Frage 05/0198: „Wird die Bundesregierung dem Land Nordrhein-Westfalen, das die zusätzlichen Kosten für Ersatzmaßnahmen für den THTR-300 in Hamm-Uentrop als Zweckausgaben im Rahmen des grundgesetzlichen Verhältnisses der Bundesauftragsverwaltung an den Bund weiterreichen will, diese Ausgaben erstatten, und wenn nein, warum nicht (vgl. Protokoll der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtags von NRW vom 25. März 2026; www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA18- 1183.pdf)? Welche Schritte hat die Bundesregierung unternommen bzw. wird sie in Zukunft unternehmen?
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin:
Die Betreibergesellschaft HKG mbH des Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor (THTR 300) in Hamm-Uentrop hat am 22. September 2025 einen Insolvenzeröffnungsantrag gestellt. Es gibt seitdem Bemühungen, um die (endgültige) Eröffnung des Insolvenzverfahrens abzuwenden und eine tatsächliche und finanzielle Lösung für den weiteren sicheren Einschluss und einen anschließenden Abbau der Anlage zu finden. Der Bund ist hierzu in intensiven Gesprächen mit dem Land Nordrhein-Westfalen (NRW). Das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW, das im Rahmen der Bundesauftragsverwaltung als Landesatomaufsichtsbehörde zuständig ist, gewährleistet fortlaufend die Aufrechterhaltung der nuklearen Sicherheit der Anlage.
Ein weiterer Gegenstand der Gespräche mit dem Land ist die Frage der Kostenübernahme unter Beteiligung der Gesellschafter der Betreibergesellschaft. ##
Veranstaltung: #THTR #Hamm -Uentrop: Wie geht es nach dem Konkurs der Betreiberfirma weiter?
Mit Horst Blume (BI Umweltschutz) und
Hubertus Zdebel (Experte und Anti-Atomaktivist aus Münster)
Do., 11. Juni 2026, 19.00 Uhr
FUgE, Oststraße 12, Hamm
Der Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR-300) in Hamm-Uentrop ist
eine der größten Investitionsruinen der deutschen Atomwirtschaft. Nach
Milliardenkosten, die maßgeblich von den Steuerzahlern finanziert wurden
und unzähligen technischen Pannen wurde er 1989 abgeschaltet. Seit 36
Jahren befindet sich der THTR im Stilllegungsbetrieb. Ab etwa 2030 soll
der Rückbau starten, der sich bis zum Jahr 2044 hinziehen und über eine
Milliarde Euro kosten würde. Am 28. September 2025 hat die
Betreibergesellschaft HKG GmbH beim Amtsgericht Dortmund Insolvenz
angemeldet.
Folgende Fragen behandeln die Referenten: Wer übernimmt die Kosten für
den Rückbau? Wie können die verantwortlichen Energiekonzerne RWE
und E.ON dazu gebracht werden, diese Kosten zu übernehmen? Oder
müssen dies die Steuerzahler tun? Ist der Rückbau notwendig? Wie können
die Bürger der Stadt Hamm Einfluss auf die Weiterentwicklung nehmen?
Zu den Referenten: Horst Blume ist Mitbegründer der Bürgerinitiative
Umweltschutz und Hubertus Zdebel war bis 2021 MdB und ist
atompolitischer Sprecher der Partei Die Linke.
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