Fonds zur Finanzierung der Kosten der Atommülllagerung mit hohen Verlusten

Große finanzielle Verluste beim staatlichen Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, Kenfo. Das meldet die Tagesschau. Mehr als drei Milliarden Euro Wertverlust soll der Fonds bei seinen Anlagen eingefahren haben. Besonders alarmierend ist dieser Bericht, weil zuletzt in allen Bereichen der Atommülllagerung deutlich verlängerte Projektzeiten bekannt wurden und außerdem deutlich höhere Anfordungen an die Sicherheit der Atommülllagerung entstehen. Auf der Tagung des Atommüllreports in der letzten Woche in Hannover hatte der Ökonom von der Ruhr-West-Universität, Prof. Dr. Wolfgang Irrek auf die Risiken und Probleme von KENFO verwiesen, und kritisiert, dass der Bundestag das Verursacherprinzip bei der Atommülllagerung abgeschafft hatte.  In den staatlichen Fonds hatten 2017 die Atomkraft-Betreiber rund 24 Mrd. Euro eingezahlt, um im Gegenzug von jeder weiteren Haftung bei steigenden Kosten für die Atommüll-Lagerung befreit zu werden. Reicht der Fonds nicht aus, müssen nicht mehr die Konzerne für die Kosten grade stehen, sondern die Steuerzahler:innen. So hatten es CDU und SPD mit den Stimmen der Grünen damals im Bundestag gegen die Stimmen der Linken verabschiedet.

In dem Bericht der Tagesschau werden Einzelheiten aus dem Geschäftsbericht von KENFO vorab veröffentlicht: „Der deutsche Staatsfonds musste im vergangenen Jahr einen Wertverlust von rund 3,1 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 12,2 Prozent. Die bislang noch unveröffentlichte Jahresbilanz des Kenfo liegt Report Mainz vor. Demnach schrumpfte das Gesamtvermögen des Fonds zum Stichtag 31. Dezember 2022 auf 21,7 Milliarden Euro.“

Zu lesen ist dort weiter: „Im vergangenen Jahr hat der Kenfo 648 Millionen Euro an das Bundesumweltministerium ausgezahlt, das unter anderem für die nukleare Entsorgungssicherheit zuständig ist. 2021 waren es noch mehr als eine Milliarde Euro gewesen. Insgesamt hat der Staatsfonds seit Bestehen gut drei Milliarden Euro an das Ministerium überwiesen. Laut Bilanz veräußerte der Kenfo 2022 erstmals in seiner Geschichte Anteile aus seinem Fondsvermögen. Genauso führte „die negative Entwicklung an den Finanzmärkten“ dazu, dass die stillen Reserven deutlich abschmolzen, von rund 3,4 Milliarden Euro (Ende 2021) auf nur noch 51 Millionen Euro (Ende 2022).“

Zuvor  berichtete die Tagesschau diese Fakten: „Portfolio mit mehr als 9000 Einzelwerte – Seit seiner Gründung hat der Kenfo das Geld der Kraftwerksbetreiber in einem breit gestreuten Portfolio angelegt, in dem vor allem Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien sowie geldmarktnahe Anlagen stecken. Laut eigener Darstellung besteht das Vermögen inzwischen aus mehr als 9000 Einzelwerten, der Kenfo investiert in mehr als 90 Länder weltweit. Laut Jahresbilanz 2022 hat der Fonds bei Staatsanleihen von Industrienationen 16,5 Prozent an Wert verloren, bei Aktien und sogenannten REITs (also börsennotierten Immobilien-Investmentgesellschaften) liegt das Minus bei 15,7 Prozent. Zum Vergleich: Im DAX sanken die Kurse im vergangenen Jahr um 12,3 Prozent, der breiter gefasste MSCI World verlor 12,8 Prozent an Wert. Zumindest bei seinen Aktien-Investments hat der deutsche Staat damit etwas schlechter abgeschnitten.“

Dokumentation aus der Pressemappe der Atommüllreport Veranstaltung (PDF)

Fachtagung „Zwischen. Sicher? Ende?“, 23.06.2023, atommuellreport.de, Hannover # Kosten der Langzeit-Zwischenlagerung und verlängerten Standortsuche # Kurzzusammenfassung Prof. Dr. Wolfgang lrrek, Universität Ruhr West:

„Zur Finanzierung der zukünftigen Aufgaben der Zwischenlagerung von Atommüll hatten die Atomkraftwerksbetreiber bis 2017 entsprechende Verpflichtungen in ihren Bilanzen als Rückstellungen ausgewiesen. Diesen lagen Kostenschätzungen der Betreiber unter Verwendung von GNS-Angaben zugrunde.

Nach Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton im Jahr 2015 wurden Zwischenlagerausgaben bis zu einem geschätzten Ende der Zwischenlagerung im Jahr 2098 in Höhe von insgesamt 5,8 Mrd. Euro (Preisstand 2014) bzw. 26,7 Mrd. Euro (inkl. Preissteigerungen) erwartet.

Auf dieser Basis haben die Betreiber im Juli 2017 etwa 6,2 Mrd. Euro in den staatlichen Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung {KENFO) eingezahlt, um das Bundesumweltministerium in die Lage zu versetzen, die zukünftigen Zwischenlagerausgaben zu bezahlen. Alle diesbezüglichen Verpflichtungen hat der Staat von den Betreibern übernommen. Angenommen wurde, dass sich die vom KENFO angelegten Gelder, bis sie
benötigt werden, verzinsen.

Je nach Annahmen über die zu tätigenden Zwischenlagerausgaben (in den Jahren 2019 bis 2026 gemäß BMU-Haushalt im Mittel rund 450 Mio. Euro pro Jahr) und den durch die Anlage der Fondsgelder erzielbaren Zinsen (im Jahr 20211,1% auf das durchschnittlich verfügbare Fondsvermögen; Zielrendite 4,3%), wird der Anteil des KENFO für Zwecke der Zwischenlagerung zwischen 2031 und 2048 aufgebraucht sein.

Hierbei sind mögliche Ausgaben für heiße Zellen oder etwaige investive Maßnahmen in die Zwischenlagergebäude, beispielsweise für einen verbesserten Terrorschutz, noch nicht eingeschlossen. Auch Ausgaben für das nun verlängerte Standortsuchverfahren, in den Jahren 2019 bis 2026 in einer durchschnittlichen Höhe von knapp 50 Mio. Euro pro Jahr, sind hier noch nicht berücksichtigt. Für diese Ausgaben wurde nicht finanziell vorgesorgt.

Insgesamt bedeutet dies zweierlei. Auf der einen Seite handelt es sich um einen Verstoß gegen das im deutschen Umweltrecht verankerte Verursacherprinzip. Spätestens ab dem Jahr 2048 bleibt der Staat auf den zu tätigenden Ausgaben sitzen. Auf der anderen Seite führt dies zu einem Kostendruck auf die Zwischenlagerung und die Standortsuche, bei dem es schwer wird, angemessene Anforderungen an die Sicherheit der Zwischenlagerung und den zukünftigen Endlagerstandort für hoch radioaktive Abfälle durchzusetzen.“

Fachtagung hochradioaktive Atommülllagerung: Längere Lagerung, Terrorgefahren und Krieg – Es braucht neue Sicherheitskonzepte – BMU kündigt Öffentlichkeitsbeteiligung an

Fachtagung des unabhängigen Atommüllreports: Die gesamte Atommülllagerung in Deutschland läuft aus dem Ruder, alle bisherigen Terminplanungen sind gescheitert und alle Projekte verschieben sich teilweise um Jahrzehnte in die Zukunft. Das hat gravierende Folgen für die Sicherheit bzw. den Schutz vor Freisetzung von radiokativer Strahlung. Verlängerte Laufzeiten der oberirdischen Atommülllagerung stellen nicht nur hohe technische Anforderungen und müssen erforscht werden. Neue Sicherheitskonzepte müssen auch her, weil die Bedrohungen durch Terrorangriffe seit Jahren zunehmen und neue Abwehrkonzepte erfordern. Der Ukraine-Krieg rückt nun eine weitere bislang wenig beachtete Bedrohung ins Blickfeld. Kiegerische Handlungen gegen Atomanlagen müssen neue Sicherheitskonzepte zur Folge haben:

„Derzeit können auch modernere Waffen mit höherer Zerstörungskraft in die Hände von Terrorist*innen gelangen. Für die nächsten 80 Jahre könne man kriegerische Auseinandersetzungen nicht länger aus den Bedrohungsszenarien für die Zwischenlagerung in Deutschland ausschließen“, so wird beim Atommüllreport aus dem Vortrag der Gutachterin Oda Becker berichtet. Becker hat jüngst für den BUND eine Studie zu den Sicherheitsmängeln vorgelegt. Auf einer Fachtagung in Hannover haben Umwelt- und Anti-Atomgruppen unter dem Dach des Atommüllreports sowohl die Mängel der Atommülllagerung (Oda Becker, Marcus Buser) als auch die Risken von anstehenden hochaktiven Atomtransporten in das Zwischenlager Ahaus (NRW) diskutiert (Hauke Doerk, UI München). Höhere Sicherheitsanforderungen und längere Lagerzeiten: Die Atommülllagerung wird immer teurer. Die Atomkonzerne sind aus dem Schneider. Die Zeche für langfristige nukleare Sicherheit zahlen die Bürger:innen, nicht die ehemaligen Atomkonzerne, die gut am Atomstrom verdient haben. Darüber referierte Wolfgang Irrek von der Hochschule Ruhr-West. Mit dabei auch der oberste Atomaufseher aus dem Bundesumweltministerium, Gerrit Neuhaus.

Neben vielen Vertreter:innen von Initiativen aus den AtomMüllStandorten wie Ahaus, Gorleben, Grafenrheinfeld, Grohnde und anderswo, waren auch Vertreter:innen der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), des Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN, Lubmin), des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) oder vom Umweltamt Schweinfurt, dem Nationalen Begleitgremium (NBG) bei der Endlagersuche sowie des Planungsteams Forum Endlagersuche bei der Fachtagung in Hannover dabei. Mit Gerrit Neuhaus stellte sich auch das Bundesumweltministerium der notwendigen Diskussion über Konzepte für den weiteren Umgang mit radioaktiven Abfällen. Tageschau24 berichtete live von der Fachkonferenz und mit einem Einspieler zu den Atommüll-Risiken.

In ihrem Vortrag stellte die Physikerin Oda Becker neben vielen wichtigen Kritikpunkten auch die „neuen“ Gefahren durch Terrorangriffe und insbesondere von Atomanlangen im Zusammenhang mit Krieg in den Blickpunkt. Der Krieg Russlands in der Ukraine ist verbunden mit Aktionen gegen die Atomanlagen in Tschernobyl und vor allem in Saporischschja. Die extremen Risiken sind nicht nur mit Blick auf direkte Angriffe mit Waffen zu beachten. Auch indirekte Folgen wie das Versagen der Kühlung durch Stromausfall im Netz oder von Notstrommotoren könnte zu katastrophalen Ereignissen mit der Freisetzung von Radioaktivität führen. Oda Becker sprach in ihrem Vortrag auch von Waffen mit „thermobarischen Gefechtsköpfen“, von denen eine besondere Gefahr ausgeht, weil sie nicht nur extreme Druckwellen, sondern auch hohe Temperaturen erzeugen.

In ihrem Vortrag erläuterte Oda Becker zum Punkt: „Unzureichender Schutz gegen Terrorangriffe und kriegerische Einwirkungen (3)“ und führte aus:

  • Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind Szenarien eingetreten, die bisher als kaum realistisch galten. Eine neue Risikobewertung muss derartige Szenarien einbeziehen.
  • Für einen längeren Zeitraum ist es schwieriger, kriegerische Auseinandersetzungen bei den möglichen Bedrohungsszenarien auszuschließen.
  • Auch wenn die kriegerische Auseinandersetzung nicht auf dem jetzigen deutschen Staatsgebiet stattfindet, müssen die zusätzlichen Gefahren Berücksichtigung finden,
    u.a.:
    –  Absturz einer mit Waffen geladenen Militärmaschine betrachtetet werden.
    –  Auch modernere Waffen mit höherer Zerstörungskraft als bisher von der Behörde unterstellt wurde, könnten in die Hände von Terroristen gelangen und eingesetzt werden.
    • Einsatz von fernsteuerbaren Drohnen, die mit Sprengstoff beladen sind, Teil von Kriegsrealität.
    • Große Gefahr geht von thermobarischen Gefechtsköpfen aus.

Auf Nachfragen von umwelFAIRaendern, kündigte Gerrit Niehaus vom BMU an, dass im nächsten Jahr eine Überarbeitung des Nationalen Entsorgungsprogramms ansteht. Darin muss die Bundesregierung gegenüber der EU erklären, wie sie mit den nukleare Abfällen aus der Atomenergie künftig umgehen will. Diese Überarbeitung, so Niehaus werde mit einer „Strategischen Umweltprüfung“ (SUP) verbunden sein, gab der oberste Atomchef im BMU bekannt. Er deutete dabei an, dass angesichts der vielfältigen Probleme nicht nur eine verbesserte Transparenz, sondern möglicherweise eine intensivere Öffentlichkeits als bislang erfolgen könnte. In der Abschlussdiskussion sprach er direkt die Sachverständige Oda Becker an, an einem solchen Prozeß teilzunehmen.

Immer wieder hatten nicht nur Anti-Atom-Organsationen gefordert, nicht nur bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle eine breit aufgestellte Beteiligung der Öffentlichkeit entlang eines wissenschaftlich dominierten Vorgehens der Behörden und Unternehmen zu betreiben, sondern dies auch auf die Zwischenlagerung dieser Abfälle sowie auf die Probleme mit den leicht- und mittelaktiven Abfällen auszudehnen. Auch relevante Teile der Endlagerkommission des Deutschen Bundestages und Bundesrats hatten der Bundesregierung und den Parlamenten nahegelegt, zumindest eine deutlich verbesserte Beteiligung der Öffentlichtkeit in diesen Feldern zu ermöglichen. Nicht nur Grüne und Linke, auch die SPD und sogar CDU-Stimmen hatten auf Fachebene hierzu Bereitschaft signalisiert. Mit der Ampel-Koalition ist aber bislang diese Bereitschaft verloren gegangen. Insbesondere die Grünen hatten bislang auf alle Impulse in diese Richtung verzichtet, trotz sich weiter verschärfender Probleme.

Es wird nun darauf ankommen, dass die Ankündigung von Niehaus zu einer verbesserten Öffentlichkeitsbeteilung bei allen Arten von Atommüll im Rahmen einer SUP.

Strahlender Atommülltourismus von Würgassen nach Grafenrheinfeld

Erneut sind Atommülltransporte mit leicht- und mittelradioaktivem Strahlenabfall aus dem  ehemaligen AKW Würgassen an der Weser per LKW in das entsprechende Zwischenlager am AKW in Grafenrheinfeld am Main transportiert worden. Weil sich die Inbetriebnahme des für diese Abfälle vorgesehenen Endlagers im Schacht Konrad in Salzgitter immer weiter verschiebt, bekommen die AKW-Betreiber beim Rückbau der Meiler immer größere Probleme mit den anfallenden radioaktiven Stoffen. Am Mittwoch abend hatten sich etwa 20 Anti-Atom-Aktive aus der Umgebung an einer Kreuzung vor dem AKW Grafenrheinfeld zum Protest versammelt und den Mülltourismus kritisiert.

Babs Günther vom Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB), Edo Günther vom BUND Schweinfurt und der Grüne Landtagsabgeordnete Paul Knoblach informierten über die Atommüll-Situation vor Ort und bundesweit. Dabei verwiesen sie darauf, dass sich die Inbetriebnahme des geplanten Endlagers im Schacht Konrad nach Mitteilungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) erneut um Jahre verzögern wird. Sie kündigten weitere Aktionen an. Absurd: In Würgasssen wird derzeit von den zuständigen Bundesbehörden und – Unternehmen daran gearbeitet, ein weiteres Atommülllager zu bauen, um alle bundesdeutschen Abfälle dort zu sammeln und zu „optimieren“, bevor sie dann weiter ins über 100 Kilometer entferne Endlager in Salzgitter zu bringen. Neben dieser neue Atomanlage steht das alte AKW und eine Lagerhalle von Preussen Elektra, die nun Atommüll von dort nach Grafenrheinfeld geht udn später dann wieder über Würgassen in den Schacht Konrad soll.

Außerdem verwiesen BUND und SWAB darauf, dass der hochradiaktive Atommüll, der in Castorbehältern in einer weiteren Lagerhalle in Grafenrheinfeld steht und zur Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) gehört, deutlich länger vor Ort bleiben wird, als bislang gedacht. Eigentlich sollte der hochaktive Abfall in ein zu findendes Endlager, das etwa 2050 in Betrieb gehen sollte, abtransportiert werden. Auch die Suche nach einen solchen Lager wird sich aber verschieben. Das hatten die zuständigen Stellen erst vor einigen Monaten eingestehen müssen. Bis der Standort gefunden und ein Endlager gebaut ist, dürfte es nach neue Berechnungen noch mal 40 bis 60 Jahre dauern.

PreussenElektra hat für seine AKW-Standorte bzw. die dort errichteten Zwischenlager für leicht- und mittelradioaktive Abfälle, die Genehmigung, dass bis zu 20 Prozent des Strahlenmülls nicht von vor Ort, sondern von anderen AKWs eingelagert werden dürfen.

In „MUH – Bayerische Aspekte“ gegen Atomenergie

Die aktuelle Ausgabe der vierteljährlichen Zeitschrift „MUH – Bayerische Aspekte“ berichtet in einem „Atomkraft special“ anlässlich des Endes der Atomstromerzeugung ausführlich über die Geschichte der Atomenergie in Bayern. Beleuchtet wird außerdem die Rolle der bayerischen Ministerpräsidenten von Wilhelm Hoegner (SPD) bis zum unvermeidlichen Markus Söder, vom Bau des Forschungsreaktors München in Garching („Atomei“) bis zum Aus für das AtomkraftwerkOhu 2/Isar2 . https://www.muh.by – MUH Ausgabe 49. Texte und Fotos stammen überwiegend von dem gebürtigen Niederbayern Karl Amannsberger, lange Zeit im Präsidialbereich des Bundesamts für Strahlenschutz tätig. Davor war er u.a. als Journalist für taz und REUTERS und Berater für Energiepolitik tätig.

Siehe auch:

Neue Risiken – höhere Sicherheitsanforderungen – Neue BUND-Studie zur verlängerten Lagerung hochradioaktiver Atomabfälle

Die oberirdische Lagerung hochradioktiver Strahlenabfälle wird aufgrund massiver Verzögerungen bei der Suche nach einem unterirdischen Endlager um viele Jahrzehnte länger dauern, als bislang geplant. Wachsende Terrorgefahren und auch die durch den Krieg in der Ukraine neu sichtbar gewordenen Risiken, dass Atomanlagen Ziele in kriegerischen Auseinandersetzungen werden können, verschärfen die Anforderungen an eine langfristige Lagerung. Schon jetzt bestehen erhebliche Mängel bei den 16 Atommülllagern mit hochradiaoktivem Atommüll. Das sind zentrale Inhalte einer aktualisierten Studie des BUND, die der Umweltverband Anfang der Woche veröffentlicht hat. Damit bekräftigt der BUND seine Kritik an einem „weiter so“ von staatlichen Stellen und Unternehmen. Neue Sicherheitskonzepte brauchen auch eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit.

Auf einer Veranstaltung des Atommüllreports wird die Autorin der Studie, Oda Becker, die Ergebnisse der Studie in einem Fachgespräch referieren. Außerdem werden Beiträge zum bevorstehenden hochradioaktiven Atomtransporten und den Kosten für die langfristige Lagerung aller Arten von Atommüll in Hannover auf der Tagesordnung stehen. Auch das zuständige Bundesumweltministerium wird mit dem Leiter der Atomabteilung dabei sein und zu den Kritikpunkten Stellung nehmen.

Dokumentation von der Homepage des BUND

BUND-Studie: Hochradioaktiver Atommüll in Zwischenlager unzureichend sicher und gesichert

20. Juni 2023 | Atomkraft

Umweltverband fordert von Behörden und Politik ein solides Sicherheitskonzept.

    • Situation aller 16 Zwischenlager in Deutschland problematisch
    • Überprüfung und Nachbesserungen der konzeptionslosen Zwischenlagerung erforderlich
    • BGZ muss sichere Langzeitlager schaffen bis Endlager kommt

Alle deutschen Atomkraftwerke (AKW) sind abgeschaltet, doch der Atommüll bleibt als radioaktives Erbe über Jahrmillionen erhalten und gefährdet weiter Mensch und Natur. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt, dass die Situation der 16 Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle immer noch teils hochproblematisch ist.

Planung und Forschung der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) orientieren sich weiterhin an einem unrealistischen und veralteten Zeitplan beim Umgang mit Zwischenlagern. Es wird kein Endlager bis 2051 geben. Laut Entsorgungskommission (ESK) sind Zeiträume von bis zu 120 Jahren realistisch. Viele Zwischenlager müssen aus Sicht des BUND schnellstens nachgebessert werden. Es braucht ein solides, deutschlandweites Sicherheitskonzept. Das Bundesumweltministerium ist besonders gefordert, die Nachbesserungen zu veranlassen, es darf keinesfalls Genehmigungen auf der Grundlage alter Pläne einfach durchwinken.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Deutschland geht erschreckend unvorsichtig und konzeptionslos mit seinem Atommüll um. An allen 16 Standorten ist die Situation der Lagerung des strahlenden Mülls problematisch. Erst im nächsten Jahrhundert wird es ein Endlager für hochradioaktive Abfälle geben. Die Zwischenlager werden schleichend zu Langzeitlagern und sind dafür gar nicht ausgelegt. Deshalb dürfen die zuständige Bundesgesellschaft BGZ und die politisch Verantwortlichen die Hände nicht länger in den Schoß legen und diese dramatische Entwicklung nicht weiter ignorieren. Bundesministerin Steffi Lemke muss das Thema zur Chefinnensache erklären. Alle weiteren Genehmigungen müssen an die geänderte Faktenlage angepasst werden. Bei der Sicherheit braucht es Nachbesserungen. Ein neues Zwischenlagerkonzept muss transparent und in einem breiten öffentlichen Prozess mit umfassenden Beteiligungsmöglichkeiten der Bevölkerung erarbeitet werden. Gleichzeitig darf das Zwischenlagerproblem kein Argument für eine Beschleunigung der Atommüll-Endlagersuche sein. Denn dann wäre die Suche zum Scheitern verurteilt.“

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zeigt, welches Gefahren- und Drohpotenzial durch Atomkraftwerke und Atomanlagen entsteht. Sie sind Druckmittel und mögliche militärische Ziele. Solche Szenarien müssen Eingang in ein Sicherheitskonzept für die langfristige Lagerung finden.

Oda Becker, Atomgutachterin und Studienautorin: „Zwei deutsche Zwischenlager besitzen seit Jahren aufgrund fehlender Sicherheitsnachweise keine gültigen Genehmigungen, sondern lagern die abgebrannten Brennelemente lediglich aufgrund aufsichtlicher Anordnungen. Es wäre fatal, aus diesen Fehlern nicht zu lernen und abzuwarten, bis eine derartige Situation an weiteren Standorten eintritt. Daher muss jetzt frühzeitig eine umfassende Überprüfung des gesamten Zwischenlagerkonzepts erfolgen.“

Situation in Niedersachsen belegt dringenden Handlungsbedarf

Susanne Gerstner, Landesvorsitzende BUND-Niedersachsen fügt mit Blick auf die Situation in Niedersachsen an: „Niedersachsen hat einen traurigen Spitzenplatz, was gescheiterte Konzepte für Atommülllager betrifft. Zwar wurde der von vornherein ungeeignete Standort Gorleben bei der Endlagersuche endlich aufgegeben. Bis heute gibt es jedoch keine Lösung für die Castor-Behälter, die in einer oberirdischen Zwischenlager-Halle neben dem Erkundungsbergwerk aufbewahrt werden. Hinzu kommt ein havariertes Atommülllager in der Asse, das weiter abzusaufen droht. Wir erwarten, dass Politik aus diesen Skandalen lernt! Nach wie vor steht jedoch der Planfeststellungsbeschluss für ein Lager in Schacht Konrad im Raum. Bereits zum Zeitpunkt der Genehmigung entsprach Schacht Konrad nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik. Der BUND fordert das Land auf, das Atommüllprojekt endlich aufzugeben und den Weg für eine transparente und wissenschaftlich basierte Standortsuche frei zu machen. Der Antrag auf Widerruf des Planfeststellungsbeschlusses muss endlich entschieden und die Baumaßnahmen gestoppt werden.“

Hintergrund

BUND-Studie zeigt problematische Situation aller 16 Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland. Terrorschutz unzureichend, Reparatur- und Inspektionsmöglichkeiten fehlen, zwei Lager sind wegen fehlender Sicherheitsnachweise seit 10 Jahren ohne Genehmigung. Das Sicherheitskonzept muss an die verlängerte Lagerdauer angepasst werden, laut Entsorgungskommission können das bis zu 120 Jahre sein. Der BUND fordert die zuständige Bundesgesellschaft BGZ und das Bundesumweltministerium zur Überprüfung und Nachbesserungen der konzeptionslosen Zwischenlagerung auf.

Die Genehmigungen der Zwischenlager laufen zwischen 2034 und 2047 aus. Sechs Jahre vor Ende der Aufbewahrungsgenehmigung muss die zuständige BGZ den Verbleib der eingelagerten Brennelemente nachweisen. Für das Zwischenlager Gorleben ist das im Jahr 2028.

Mehr Informationen:

    • Terminhinweis: Fachtagung zur Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle am Freitag, den 23. Juni 2023, 11-16:30 Uhr, im Pavillon Hannover. Um 13 Uhr ist ein Pressegespräch geplant, bei dem u.a. auch Studienautorin Oda Becker für Pressefragen zur Verfügung stehen wird. Alle Informationen: https://www.atommuellreport.de/projekte-termine/fachtagungen.html
    • BUND-Studie: Aktuelle Probleme und Gefahren bei deutschen Zwischenlagern für hoch-radioaktive Abfälle finden Sie hier.
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