Geschichten … Der Blinde Michel und der Bauer aus Kalkar … die Sache mit dem Plutonium und der Kernspaltung

Der blinde Michel. Schon wieder? Hier zum Mitsingen und Spielen. https://schmidt-mechau.de/Anti-Atom-Lieder/noten/BlinderMichel.pdf. Diese Person hat den „Blinden Michel“ von Manfred Jaspers mit Noten und Text und als PDF dort online gestellt. Seine Homepage beginnt hier: Friedemann Schmidt-Mechau. Der Song von Manfred Jaspers ist entstanden im Zusammenhang der Anti-Atom-Bewegung und dem noch größeren nuklearen Wahnsinn: Den Uranreaktoren sollten nun unmittelbar Plutoniumreaktoren folgen, deren Gefahrenpotential um ein vielfaches größer, weil technisch extrem anspruchsvoller waren. Das musste ein Ende haben. Und es hatte ein Ende. Der Schnelle Brutreaktor in Kalkar ging nie ans Netz. Die extrem gefährliche Plutonium-Wirtschaft wurde noch vor dem Atomausstieg (fast) vollständig beendet. Warum schreibe ich euch darüber?

  • Hier ist das aus dem Songbuch vom Album – glaube ich. Michel. Um Quellen zu erhalten, dubliziere ich sie hin und wieder – aus keinen kommerziellen, aber aus Gründen des Bewahrens von zeitgenössischer, kultureller und in jeder sozialen und politischen Perspektive auf die bislang mächtige Zerstörungskraft, die die Menschheit erschaffen hat. Vielleicht ist die Klimakatastrophe auf Augenhöhe. Hier also Cover von FSM nun auf umweltFAIRaendern.de. Geschichte muss man schreiben. Blinder Michel – die Plutonium-Atomenergie (und die Gewerkschaften …) Manfred Jaspers hat das geschrieben.
  • Aus dem aktuellen Album von Manfred Jaspers hier vielleicht Das neue Bürgerlied (Yotube, direkt)
  • Klar. Der Song von Manfred Japsers steht nicht allein, sondern gehört zu einem Konzert gegen den Bau des Plutonium-Reaktors in Kalkar, NRW. Über das Album, das aus dem Konzert, aus den Demonstrationen folgte, ist hier mehr zu finden. Über die dort genannten „Schmetterlinge“ hat umweltFAIRaendern vor Jahren das gesamte Album „Herbstreise“ wieder online gebracht. Mit gebastelten Videos und den gesamten Tracks und mit der Zustimmung der Band und dem Komposer. Herbstreise auf umweltFAIRaendern. Herz in die Hand: umweltFAIRaendern auf „Herbstreise – Lieder zur Lage“: Die Schmetterlinge – Hände über Hönnepel
  • Ist es ein Hoffnungsschimmer, wenn die FDP heute auf ihrem Parteitag einen Antrag (knapp) mehrheitlich abgelehnt hat, der die absurde Vorstellung einer Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten drei AKWs forderte und dabei eine Vielzahl völlig falscher „Faktenbehauptungen“ zur Begründung brachte, die selbst ein Blinder Michel hätte erkennen können. Diese Fake-orientierten Begründungen zeigen die ideologischen Wunschvorstellungen. Für ein bisschen Strom … Gut, dass der Antrag gescheitert ist und Rechtsstaat, Technik, Wissenschaft noch irgendwie, auch bei der FDP, am Ende knapp vorne liegt.

 

BreitbandSchlüsselKopf – Für die Ohren! Demokratie, denn Faschismus in ein Verbrechen. Willy

Inne halten. Besinnen! Zuhören. Augen zu. Erst noch mal klicken: https://yt.artemislena.eu/watch?v=Ht5WOxfRrgM – Das ist eine Plattform von https://invidious.io/ – die irgendwie wohl datenfreundlich auf Youtube zugreift. Keine Ahnung, aber auch mit Download-Möglichkeit – und werbefrei oder? Und wenn ihr auf der Plattform seid und die Links hier nicht funktionieren… Willy – Konstantin Wecker! Stoppt die AfD und andere, die Faschisten und Rechtsradikale sein könnten. Stoppt die, die meinen: Faschismus ist eine Meinung. In der Demokratie ist Faschismus ein Verbrechen! Daher liebe ARD und ZDF und verantwortungsvolle Medien: Schaut in die Welt – und schaut bei euch im Hause, wo die rote Linie ist, die nicht überschritten werden darf! Gerechtigkeit und Gemeinsamkeit statt Spaltung und Hass! Geht nur mit Demokratie. Ach ja, eigentlich wollte ich nur das hier zu „Gesicht“ oder besser „Gehör“ bringen: Reinhard Mey. Hannes Wader und nochmal dieser Konstantin Wecker und ein Update von Willy – 2018 – https://yt.artemislena.eu/watch?v=_kW_47-yZTM&listen=false

Der die Links nicht öffnen kann, weil der digitale Widerstand doch immer neue Wege braucht. Das Empire bietet Weckers Willy hier: https://www.youtube.com/watch?v=Ht5WOxfRrgM

 

Grenzen verschwimmen: Atomwaffen-Komponenten aus zivilen Atomkraftwerken – Frankreich folgt Beispiel der USA

Wer „gute“ Atomwaffen haben will, braucht nicht nur hochangereichertes Uran235 oder Plutonium239,  sondern besser auch Tritium als Sprengkraftverstärker. Nachdem die USA schon vor Anfang der 2000er Jahre einen zivilen Atommeiler zur Stromerzeugung in das militärische Atomwaffenprogramm zur Herstellung von Tritium umfunktionierten und künftig möglicherweise noch ein weiteres AKW einbeziehen wird, will nun auch Frankreich im kommenden Jahr die militärische Aufrüstung für alte und neue Atomwaffen mit der friedlichen Atomstromerzeugung weiter verknüpfen. Frankreichs Präsident Macron hatte schon vor Jahren erklärt: „Ohne zivile Atomkraft keine militärische Atomkraft, ohne militärische Atomkraft keine zivile Atomkraft“. Damit senkt nun auch der Westen immer mehr die Standards für zivil-militärische Atomenergie-Nutzung. Angesichts der Entwicklung im Nahen Osten (Israel, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien …) und anderswo vielleicht keine gute Idee.

Tritium hat eine Halbwertzeit von etwas über 12 Jahren und muss daher in den Atomsprengköpfen regelmäßig erneuert und ausgetauscht werden. In den USA und wohl auch in Frankreich werden dazu spezielle Brennstab-Absorber eingesetzt, in denen Lithium im Reaktor bestrahlt wird. Für die USA ist das AKW Watts Bar dafür im Einsatz. In Frankreich soll das künftig im AKW Civaux erfolgen. Klar ist: Die Trennung zwischen der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie, die im Atomwaffensperrvertrag geregelt ist, wird massiv infrage gestellt. In einer Zeit, in der immer mehr Staaten den Griff zur Atomwaffe mehr oder weniger deutlich formulieren, ein Spiel mit dem Feuer.

  • Eine ganz andere Form der zivil-militärischen Zusammenarbeit im Bereich der Atomwaffen-Energie ist dies: VW und MAN bauen Motoren für den Einsatz auf den Atom-U-Booten Frankreichs – Eine andere Form nuklearer Teilhabe: französische Atom-U-Boote – Powered by Volkswagen und MAN
  • Neben dem Atomwaffensperrvertrag gibt es seit einigen Jahren außerdem den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen. Über 60 Staaten haben den inzwischen unterschrieben. Nicht aber Deutschland oder die Atomwaffenstaaten. Eine „International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN)“ (Link zu ICAN Deutschland) hatte viel beigetragen, diesen Vertrag real werden zu lassen und ist dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Im Jahr 2022 ist auch der BUND dieser Kampagne beigetreten, die ein weltweites Atomwaffenverbot und den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland fordert, also das Ende der „nukleare Teilhabe“ im Militär-Bereich. Siehe dazu auch einen Bericht im BUND-Magazin, hier als Auszug und als PDF zum download, aus der Ausgabe 1-2024.

Laut Medienberichten und FissileMaterials.org stellte Frankreichs Minister der Streitkräfte Anfang März 2023 einen Plan vor, das von EDF betriebene AKW Civaux mit seinen beiden Reaktoren zur Herstellung von Tritium für das französische Atomwaffenprogramm zu nutzen. Civaux ist ein ziviles Kraftwerk, das der Electricité de France gehört und von dem staatlichen Stromkonzern betrieben wird. Der Blog bezieht sich auf diesen Bericht: Le ministre des Armées annonce la contribution future de la centrale de Civaux à la dissuasion nucléaire. Die Atomaufsichtsbehörde/L’Autorité de Séreté Nucléaire strebt demnach an, im September 2024 eine Genehmigung für diesen zivil-militärischen Einsatz zu erteilen. In der vielleicht unzureichenden Übersetzung aus dem Französischen zum Englischen ins Deutsche heißt es dort auch: „Die ersten Testbaugruppen werden während einer geplanten Betankung im Jahr 2025 in den Reaktor geladen.“

FissileMaterials verweisst in seinem Bericht auf einen interessanten Aspekt: „Es sollte darauf hingewiesen werden, dass nach der US-Politik Reaktoren, die Tritium produzieren, kein Uran verwenden können, das in zivilen Einrichtungen angereichert wurde. Uran für die Reaktoren, die an der Tritiumproduktion beteiligt sind, wird durch die Abblendung überschüssiger Militär-HEU gewonnen.“ (It should be noted that according to the US policy, reactors that produce tritium cannot use uranium enriched at civilian facilities. Uranium for the reactors involved in tritium production is obtained by down-blending excess military HEU.)

Dies ist ein wichtiger Hinweis, der die Frage aufwirft, wo Frankreich derzeit überhaupt hochangereichertes Uran für militärische Belange herstellt. Urananreicherungsanlagen in Pierrelatte, die auf dem Prinzip der Ultra-Gaszentrifugen basieren, einer Technik, die aus dem Hause der teilwiese deutschen Firma URENCO im bundesdeutschen Gronau bzw. in Almelo (NL), Capenhurst (GB) oder Eunice (USA, New Mexico) stammt. URENCO ist aber im Rahmen des Atomwaffensperrvertrages und als Anlage im Bereich der zivilen Atomenergie für die Nutzung der friedlichen Atomenergie ausgerichtet. Damit wäre gemeint, dass im Brennstoff maximal eine Urananreicherung von 3-5 Prozent des Isotops 235 erfolgt.

Allerdings gilt der gesamte Bereich bis zu etwa einer Anreicherung von 19.75 Prozent als Low Enriched Uranium – LEU. Aus technischen Gründen ist bis hierhin ein sehr hoher technischer Aufwand erforderlich, um mit physikalischen Mitteln eine Anreicherung stufenweise herbeizuführen. Dafür braucht es viele hintereinander geschaltete Kaskaden von Zentrifugen, die unter enorm hohen fast reibungsfreien Umdrehungen die Isotope 235 und 238 aufgrund ihres Gewichts voneinander trennen. Ab 20 Prozent Uran235 wird es immer leichter und schneller, in den Zentrifugen das mit einer Anreicherung über 80 Prozent erforderliche atomwaffen-taugliche Uran235 herzustellen. Daher gilt die Grenze für die Atomwaffenfähigkeit von Uran bei 20 Prozent und nennt sich HIGH Enriched Uranium – HEU.

In den letzten Jahren zeichnet sich aus immer neuen Gründen und Bestrebungen ab, dass Anwendungen für ihre Funktion auf einen Bereich bis zur oberen Grenze von LEU gefordert werden. Dafür ist das „Unwort“ High-Assay Low-Enriched-Uranium“ entwickelt worden: HALEU. Vor allem die sogenannten Small Modular Reactors (SMR), U-Boot-Atomreaktoren, aber auch andere Konzepte, wie die Uran-Batterie oder natrium-gekühlte Reaktoren kommen mit diesen erhöhten Uran-Brennstoffen besser klar. Der Grund auch: Bei deutlich erhöhten Anreicherungen von Uran235 könnten die Reaktoren für mehrere Jahre ohne Brennstoffwechsel auskommen. Vor allem das Militär, aber auch Rohstoffkonzerne und ähnliche Wirtschaftsbereiche hätten Bedarf.

HALEU ist auch das Eingangstor, mit dem die USA derzeit nach über 20 Jahren Unterbrechung wieder eine eigene Anreicherungs-Technik aufbaut. Bei Centrus werden erstmals in den USA seit dem 2. Weltkrieg eigene Entwicklungen von Zentrifugen entwickelt und in Betrieb genommen. Ein Programm, das unter Trump angelaufen ist und von Biden konsequent weiter entwickelt und ausgebaut wird.

In dem FissileMaterials-Blog wird darauf hingewiesen, dass Frankreich nicht zum ersten Mal vermeintlich zivile nukleare Infrastruktur für militärische Bedürfnisse im Atomwaffenprogramm einsetzt: „Frankreich nutzte seinen Phénix-Brutreaktor zur Herstellung von Plutonium für das Atomwaffenprogramm (siehe „Fast Breeder Reactor Programs: History and Status“, S. 25)“

Vor einigen Jahren hatte das Büro Hubertus Zdebel recherchiert, dass die teilweise deutsche URENCO angestrebt hatte, den Uranbrennstoff für die herkömmlichen Leichtwasserreaktoren zu liefern, um daraus Brennelemente für den Einsatz im AKW Watts Bar herzustellen. Das URENCO-Uran hätte dazu beigetragen, dass die in Watts Bar zur Tritium-Herstellung eingesetzten Absorber durch „friedliches Uran“ von zwei zur URENCO gehörenden Nicht-Atomwaffen-Staaten (Deutschland und Niederlande) beschossen worden wären, um den Sprengstoffverstärker für das US-Atomwaffenprogramm herzustellen. Damit bekäme der Begriff der „nuklearen Teilhabe“ eine ganz neue Dimension.

Die URENCO hatte damals keine Probleme mit solch einem Deal. Obwohl Watts Bar für die optimierte Tritium-Herstellung außerdem in einem gegenüber den normalen Stromerzeugungs-AKWs Wartungsintervall von 18 statt 12 Monaten gefahren wird, bezeichnete URENCO USA die Tritium-Erzeugung nur als „Nebenprodukt“ und damit nach den internationalen Kontrollregimen über die Nichtverbreitung von Atomwaffen-Material unproblematisch.

Alles über Tritium, URENCO, die USA auf umweltFAIRaendern.

Atomkatastrophe Tschernobyl: Dauert an – Atomanlagen im Krieg

Lange her und doch bis heute mit katastrophalen Folgen und nukleare Bedrohung: Am 26. April jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 38. Mal. Damals explodierte einer der Reaktoren im ukrainischen Atomkomplex der Sowjetunion. Bis heute sind große Regionen rund um die Anlagen nukleare Sperrbereiche. Weit entfernte Regionen in Weißrussland und anderswo sind bis heute von dem radioaktiven Fallout betroffen, der damals als Folge der hohen Temperaturen beim nuklearen Feuer, den vorherrschenden Windrichtungen und dem Regen für hohe Verstrahlungswerte und gesundheitliche Risiken sorgte.

Auch in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern wurden Lebensmittel und Böden kontaminiert. Viele Tausende Menschen mussten evakuiert werden, wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Vor allem für die vielen Rettungskräfte zum Löschen des atomaren Feuers und den Aufräumarbeiten bedeuteten die enormen Strahlenwerte Tod, Krebs und das Ende ihres bisherigen Lebens. Ausgerechnet jetzt ist die Ukraine im Krieg mit Russland, werden Atomanlagen zur Zielscheibe.

Auch Tschernobyl war gleich nach Kriegsbeginn Anfang 2022 ein Angriffsziel und zeitweise von russischen Truppen militärisch besetzt. In Saporischschja mit seinen sechs Reaktoren und den Atommülllagern droht angesichts der Kämpfe mit Raketen und Drohnen erneut eine neue nukleare Katastrophe. Die IAEO, eine internationale Agentur zur Förderung der zivilen Atomenergie, warnt immer wieder, dass die Kämpfe rund um den Atomkomplex zur nuklearen Katastrophe führen können.

 

Atomforschungsreaktor TU München: Bleibt wegen Defekten abgeschaltet, unterschreibt neue Uran-Verträge mit Framatome und steht im Juni vor Gericht

#Neuartige Brennelemente von Framatome für Atomforschungsreaktor in München – Einsatz frühestens 2028 # Betrieb rechtswidrig? Am 17. Juni wird vor Gericht in München Klage des BUND Bayern auf Widerruf der Genehmigung gegen FRM2 verhandelt. # Reparaturen komplexer als gedacht: Abschluss der Arbeiten erneut verschoben – frühestens 2025 erneute Inbetriebnahme.

Ausgerechnet die bayerische „MUH“ hatte schon vor Wochen (und also auch umweltFAIRaendern) in ihrer 52. Ausgabe berichtet, dass der Atomforschungsreaktor München 2 (FRM2) der „Technischen Universität München“ (TUM) entgegen bisheriger Planungen nicht mehr in diesem, sondern frühestens im Jahr 2025 wieder in Betrieb gehen kann. Nach einem Störfall mit Freisetzung von Radioaktivität waren weitere technische Schäden entdeckt worden, die zu einem weiteren Stillstand führten und überaus anspruchsvolle Reparaturen erforderlich machten.

Das ist jetzt auch der Süddeutschen zu entnehmen, die außerdem berichtet, dass die TUM mit dem französischen Atomkonzern Framatome dieser Tage einen neuen Vertrag zur Entwicklung neuer Brennelemente unterzeichnet hat, die nicht mehr atomwaffenfähig angereichert sein sollen. Allerdings frühestens in vier Jahren – oder später – könnten diese einsatzfähig sein. Folien mit auf 19,25 angereichertem Uran235 waren im letzten Jahr aus Frankreich nach Garching geliefert worden. Im weiteren Verlauf der Entwicklungsarbeiten werden diese Folien später in Belgien bestrahlt, um zu testen, ob sie den Anforderungen genügen, die die Atomforscher in München haben wollen.

Diese bis heute fehlenden nicht atomwaffenfähigen Brennelemente in Garching sind u.a. Anlaß für eine Klage, die nunmehr am 17. Juni in München vor Gericht verhandelt wird. BUND und andere sind der Auffassung, dass der nukleare Forschungsreaktor seit Jahren rechtswidrig betrieben werde. Die USA hatten es bei der Planung und beim Betrieb des Reaktors in München damals abgelehnt, dass dort hochangereichertes Atomwaffen-Materials als Brennstoff zum Einsatz kommen sollte. Doch Bundesregierung und Bayern hielten an den Plänen fest, selbst als die USA erklären, dass sie nicht liefern würden. Daher wurde das hochangereicherte Material in Russland beschafft und in Frankreich entsprechend zu Brennstoffplatten verarbeitet.

Auszugehen ist davon, dass die Aktivitäten der TUM rund um die Entwicklung neuer Brennelemente unterhalb der Schwelle zur Atomwaffenfähigkeit unter dem Druck der Klage des BUND erfolgt. Ob es allerdings ausreichend ist, dass jetzt erst mit vielen Jahren Verspätung diese neue Brennelemente entwickelt werden, deren Einsatz vor 2028 kaum möglich sein werden, ist zumindest fraglich und dürfte auch für das Gericht relevant sein.

Eine Option, die Urananreicherung in den Brennelementen für den FRM2 schnell zu reduzieren, wird von der FUM seit Jahren ausgeschlossen oder gar ignoriert: Würden die Ansprüche an die Forschungsbreite und Intensität reduziert, könnte ein schnellerer Umstieg auf nicht mehr atomwaffenfähige Brennstoffe möglich sein. Doch davon will man offenbar nicht nur an der TUM nichts wissen.

Aus Sicht von NRW könnten die Verzögerungen in München Garching einen Vorteil haben: Weil die Produktion von neuem Atommüll dort nun seit Jahren nicht mehr stattfindet, verzögert sich auch der geplante Abtransport des hochaktiven Atommülls in Richtung Ahaus. Das Lager in Garching ist fast voll. Würde der Reaktor im Betrieb sein, hätte der Atommüll von dort per LKW in das Zwischenlager nach Ahaus bei Münster erfolgen müssen. Die Stadt Ahaus und die dortigen Bürgerinitiativen lehnen aber die Einlagerung des Atommülls aus München in Ahaus ab. Nicht zuletzt, weil das Zwischenlager in Ahaus bereits Mitte der 2030er Jahre seine Betriebsgenehmigung verliert.

Zur Klage des BUND Bayern gegen den weiteren Betrieb siehe hier: Atomforschungsreaktor Garching illegal – BUND klagt auf Stilllegung – FRM2 TUM hat sich hier geäußert (siehe auch unten als Dokumentation): https://www.frm2.tum.de/frm2/ueber-uns/aktuelles-medien/newsartikel/article/gutachten-zur-rechtmaessigkeit-des-betriebs-des-frm-ii-mit-hochangereichertem-uran-heu/

Alles zum Thema Garching und Forschungsreaktor FRM 2 auf umwelfFAIRaendern.

Dokumentation: PM FRM2 der TUM:

Startschuss für Industrialisierung des niedrig angereicherten Brennstoffs

Umrüstung, Aktuell, Pressemitteilung |

Die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) und die französische Firma Framatome haben einen weiteren Vertrag über die Fertigung des hochdichten und niedrig angereicherten Brennstoffs für die Umrüstung des FRM II unterzeichnet. Das Projekt läuft über vier Jahre, soll die Produktionslinie weiter optimieren und einen industriellen Fertigungsprozess für den Uran-Molybdän (U-Mo)-Brennstoff vorbereiten.

Bereits seit 2019 kooperiert der FRM II an der Technischen Universität München mit Framatome, um einen Brennstoff für die Umrüstung der Forschungs-Neutronenquelle vorzubereiten. “Wir haben gemeinsam mit Framatome einen Fertigungsprozess auf Pilot-Level entwickelt und bei Framatome in Frankreich eine entsprechende Test-Produktionslinie installiert. Damit werden derzeit bereits erste Brennstoffplatten gefertigt”, Dr. Bruno Baumeister, Projektleiter der Umrüstung von hochangereichertem (HEU) auf niedrig angereichertes Uran (LEU) am FRM II.

Im neu unterzeichneten Vertrag investiert der FRM II einen zweistelligen Millionenbetrag in die weitere Optimierung und Vor-Industrialisierung des Fertigungsprozesses. Außerdem unterstützt Framatome den FRM II bei der Entwicklung des neuen Brennelements: Vom Design bis hin zu abschließenden Prüfungen.

“Unsere Teams haben sich der Herausforderung gestellt, einen einzigartigen Hightech-Brennstoff zu entwickeln, der den Anforderungen von Forschungsreaktoren entspricht und deren Nachhaltigkeit gewährleistet. Wir sind nun bereit, diesen innovativen Brennstoff herzustellen”, ergänzt François Gauché, Vize-Präsident von CERCA bei Framatome.

“Der FRM II und Framatome arbeiten seit 2019 am Aufbau einer europäischen Produktionslinie für monolithische U-Mo-Brennstoffe”, sagt der Wissenschaftliche Direktor des FRM II Prof. Dr. Christian Pfleiderer. “Die harte Arbeit unserer Teams hat sich ausgezahlt. Dieser neue Brennstoff ist die Garantie für eine zuverlässige und nachhaltige Versorgung mit Neutronen für Forschung und Innovation.”

Die hohe Uran-Dichte des innovativen monolithischen U-Mo-Brennstoffs ermöglicht es dem FRM II, sein hohes Leistungsniveau auch mit einer Anreicherung von maximal 19,75% Uran-235 (eng. low enriched uranium, LEU) aufrechtzuerhalten. Die ersten U-Mo-Folien aus LEU wurden im Jahr 2022 erfolgreich bei CERCA hergestellt. Die erstmalige Bestrahlung von monolithischen U-Mo-Brennstoffplatten aus dieser 100% europäischen Fertigung ist für Ende 2024 geplant.

Das 2019 eingeweihte Framatome CERCA’s Research & Innovation Laboratory mit Sitz in Romans-sur-Isère in Frankreich widmet sich der Entwicklung von Brennstoff auf Uranbasis für die internationale Forschung in den Bereichen Physik und Nuklearmedizin.


×