Bundesregierung bestätigt: Teilweise deutscher Urankonzern URENCO liefert fürs britische Militär

Das britische Militär benötigt – vermutlich für seine Atom-U-Boote neuen Uranbrennstoff für den Reaktorantrieb. Denn soll nun das zivile Urananreicherungsunternehmen URENCO liefern, an den auch die deutschen Konzerne RWE und E.on beteiligt sind. 2024 hatte die britische Regierung die beiden beteiligten Staaten Deutschland und Niederlande entsprechend angefragt, ob es Bedenken gäbe, wenn ein ziviles Unternehmen für nukleare Verteidigungszwecke liefert. Was genau geplant ist, halten die drei Staaten geheim. Daher ist nicht auszuschließen, dass URENCO künftig Atombrennstoff auch für andere Verteidigungszwecke bereitstellt. Auf eine „Schriftliche Frage“ einer Linken Bundestagsabgeordneten hatte die Bundesumweltministerium maximal ausweichend geantwortet (siehe unten). Eine weitere Anfrage ist bereits auf dem Weg.

Großbritannien ist dabei, seine Urananreicherung zu modernisieren und auszuweiten. Dabei werden auch dreistelligen Euro-Summen in neue Investitionen für die Herstellung von sogenanntem HALEU-Uranbrennstoff gepumpt. Dieser Uranbrennstoff kann nicht nur für militärische Anwendungen genutzt werden (UK ist Atomwaffenstaat). Der HALEU-Brennstoff soll bis zu einer Anreicherung von Uran235 mit bis zu 19,75 Prozent hergestellt werden. Für herkömmliche Reaktoren wären ca. 3 – 5 Prozent erforderlich. Diese erhöhten Anreicherungen sollen auch für neue Atomreaktor-Konzepte zum Einsatz kommen, die derzeit jedoch noch in der Entwicklung sind und bei denen unklar ist, wie es mit der Sicherheit aussieht und ob sie wirtschaftlich sein könnten.

Der jetzt bekannt gewordene Vorfall bezieht sich unmittelbar auf den militärischen Bedarf für die britische Verteidigung. Anders als Atom-U-Boote der USA, die wohl grundsätzlich mit atomwaffenfähigem Uran angetrieben werden, können einige der atomgetriebenen Boote von Frankreich und Großbritannien auch mit Uran235 unterhalb von 10 Prozent betrieben werden.

UmweltFAIRaendern hatte zu dem Thema ausführlich berichtet. Hier nun auch noch die Antworten der Bundesregierung im Wortlaut, auf die Frage der MdB Mareike Hermeier. Die Fragen und Antworten sind in der Drucksache 21/4226 in der Parlamentsdatenbank des Bundestags online.

124. Abgeordnete
Mareike Hermeier
(Die Linke)

Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Anfrage der britischen Regierung, dass das Urananreicherungsunternehmen URENCO, an dem die
deutschen Energieunternehmen PreussenElektra (E.on) und RWE mit zusammen einem Drittel der Anteile beteiligt sind und in dessen Kontrollgremium Deutschland über den Vertrag von Almelo vertreten ist, höher angereicherten Brennstoff für militärische Zwecke offenbar zum Einsatz in atomgetriebenen britischen U-Booten herstellen soll, die über eine Mitteilung des niederländischen Außenministers Tom Berendsen an die Tweede Kamer des niederländischen Parlaments (siehe: www.tweedekamer.nl/kamerstukken/brieven_regering/detail?id=2026D33424&did=2026D33 424) bekanntgeworden ist, und wenn ja, wie
positioniert sie sich zu dieser Anfrage, und welche genauen Sachverhalte werden mit dem Anliegen, ermöglicht, insbesondere welche Anrei-
cherungsgrade von Uran235 sind dabei vorgesehen?

Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita
Schwarzelühr-Sutter
vom 14. Juli 2026

Die Bundesregierung hat Kenntnis, dass die Regierung des Vereinigten Königreichs die Herstellung eines Kernbrennstoffkreislaufes für Reaktorbrennstoff für Verteidigungszwecke beabsichtigt. Dies steht in Einklang mit den völkerrechtlichen Vorgaben, insbesondere mit dem Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag und dem Vertrag von Almelo.

Darüber hinaus äußert sich die Bundesregierung nicht zu nationalen verteidigungspolitischen Erwägungen des Vereinigten Königreichs.

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