Unter dem Stichwort „Spurensuche“ geht umweltFAIRaendern in vielen Artikeln den Verquickungen der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie nach. Dazu gehören Rückblicke auf die Entstehung einer Atomforschung und deren Anwendungen. Zuerst war die Atombombe, dann Atomreaktoren. Immer wieder werden hinter der vermeintlich friedlichen Atomenergie militärische Motive verborgen. Deutschland hatte bereits im Faschismus an der Bombe gearbeitet. Die militärischen Motive spielten auch in der frühen Bundesrepublik eine entscheidende Rolle. Jetzt legt Ullrich Kleemann ein umfangreiches und detailliertes Werk vor, in dem er die Chemie-Industrie als bedeutsamen Treiber identifiziert und faktenreich deren Aktivitäten nachzeichnet. Als Schlüsselfigur widmet sich Kleemnann dabei einer Person, die als (un)heimlicher Atomminister angesehen werden musste und bereits im deutschen Faschismus und im Zweiten Weltkrieg eine treibende Kraft für Kriegsverbrechen aller Art war: Karl Winnacker, Nationalsozialist, der trotz seiner Vorgeschichte absurderweise noch heute Anerkennung genießt. Sein irres Atomerbe müssen wir noch heute teuer bezahlen. Warum das so ist, erklärt Kleemann in seinem Buch.
umweltFAIRaendern informiert auf dieser Seite zunächst „nur“ über das Buch von Ulrich Kleemann mit dem Titel: „Der (un)heimliche Atomminister und die Gier nach Plutonium – Atompolitische Irrwege der Bundesrepublik unter dem Einfluss industrieller Lobbyinteressen“. Es ist Mitte Juli 2026 erschienen und ist mit den folgenden Schlagworten – vielleicht auch Hashtags – versehen: „Atompolitik, Kernenergie, Wiederaufarbeitung, Chemieindustrie, Atombombe“.
Das Buch von Kleemann liefert viele Hintergründe nicht nur der Entwicklung der Atomenergie, sondern darüber, wie wirtschaftliche Interessen in die Politik eindringen, beeinflussen und überlagern.
Mit Blick auf die Chemie-Industrie und die Rolle der IG Farben nimmt Kleemann damit einen wichtigen Akteur ins Blickfeld, der neben staatlicher Atom-Politik und der Energiewirtschaft meist wenig beleuchtet ist. Kleemann zeigt auch die Kontinuitäten der Chemie-Industrie seit dem Ersten Weltkrieg auf, wo bereits führende Wissenschaftler und Konzerne an den Verbrechen der Giftgasentwicklung und den Einsätzen beteiligt waren. (Siehe auch dazu auf umweltFAIRaendern.de: Otto Hahn – Vor der Kernspaltung das Giftgas). Und er geht auf die internationalen Kooperationen und Allianzen der Chemie-Industrie ein, auch in Sachen Atombomben-Knowhow.
In jedem Fall: Wer die heutigen massiven Einwirkungen von interessierten Investoren und Wirtschaftsinteressen für neue Atomprojekte und neue Gefahren bis hin zu wachsenden Atomwaffenrisiken verstehen will, dem bzw. der dürfte Kleemann viele wichtige Hintergründe und Informationen liefern, um zu verstehen, welche katastrophalen Folgen das hat. UmweltFAIRaendern wird die Diskussionen zu dem Buch weiter verfolgen und berichten.
umweltFAIRaendern und die Spurensuche:
Dokumentation: Ulrich Kleemann: Der (un)heimliche Atomminister und die Gier nach Plutonium
Klappentext des Buches: „Nicht die Politik, sondern industrielle Lobbyinteressen haben die Atompolitik der frühen Bundesrepublik in folgenschwere Fehlentscheidungen zu Lasten des Staatshaushaltes gelenkt. Dabei war nicht die Gewinnung kostengünstiger Energie treibendes Motiv, sondern die friedliche Nutzung lediglich ein Deckmantel für andere Interessen. Dies lässt aktuelle Diskussionen um den Wiedereinstieg in die Kernenergie in neuem Licht erscheinen und macht die Geschichte der Kernenergie hochaktuell. Zentraler Akteur bei der Plutonium-über-alles-Politik, für die es keine friedlichen Nutzungsoptionen gab, war der langjährige Hoechst-Vorstandsvorsitzende und Präsident des Atomforums, Karl Winnacker. Von Zeitgenossen wurde er als heimlicher Atomminister bezeichnet, da er die Richtlinien der Atompolitik maßgeblich lenken konnte.
Der IG FARBEN-Kronprinz bediente sich bei seiner Politikbeeinflussung derselben Methoden, die die IG FARBEN in den beiden Weltkriegen zur Perfektion gebracht hatten. Geradezu meisterhaft verstand er es, ein enges Netzwerk von Gefolgsleuten an zentralen Schaltstellen zu platzieren.
Alle wichtigen Organisationen auf europäischer und nationaler Ebene waren bis Mitte der 1970er Jahre mit ehemaligen IG-FARBEN- und / oder HOECHST-Mitarbeitern besetzt.
Aufgrund alter Kartellverbindungen flossen über den amerikanischen Konzern DU PONT zudem Erfahrungen aus dem Manhattan Project und damit dem Bau der amerikanischen Wasserstoffbombe in die bundesdeutschen Atompläne ein. Virtuos verstand der Atomlobbyist auch die Vermeidung finanzieller Risiken für sein Unternehmen.
Wie ein roter Faden zog sich der Streit zwischen Staat und Industrie um die Finanzierung, wobei Winnacker zwar überall bestimmen, aber möglichst wenig bis gar nichts zahlen wollte. Hervorragendes Beispiel für diese Praxis zum Schaden des Staates war unter anderem die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, deren Rückbau noch bis mindestens 2063 andauern wird und Kosten in Höhe von geschätzt 7, 5 Mrd. Euro erfordern wird – ohne Beteiligung der Chemieindustrie, versteht sich.
Der Atomlobbyist Winnacker hatte die Bundesrepublik auf einen teuren Irrweg geführt und großen gesellschaftlichen Schaden angerichtet, ohne selbst finanzielle Risiken zu tragen. Der heimliche Atomminister war tatsächlich ein unheimlicher Atomminister.“
- Siehe auch auf umweltFAIRaendern: Geologisch ungeeignet, politisch verbrannt: BUND fordert, Gorleben aus der Endlagersuche auszuschließen
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