„Zugemüllt“: Oliver Schlaudt im Bundesamt … für nukleare Entsorgung – Eine Besinnung? Und ein Buch.

Viel zu viel ist in diesem Blog von Müll die Rede. Atommüll, Strahlenmüll. UmweltFAIRaendern.de. Ein Titel, der eigentlich viel zu groß ist, für so eine doch begrenzte Thematik. Etwas mit Atomenergie und dann noch Krieg, Terror und Atommüll. Ok. Klingt wie Hiroshima. Harrisburg. Tschernobyl. Fukushima … . Dafür gibt es ja sogar schon Bundesämter und Ministerien. Wieso will das mit dem Müll so blöd universell sein? Nicht erst, wenn es strahlt. „Zugemüllt“, ein Buch von Oliver Schlaudt, auf das – ausgerechnet – das „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ (BASE) aufmerksam macht, zeigt, dass das Thema noch viel gewaltiger ist.

Und mahnt den Veranstalter selbst, immer noch mal viel, viel genauer zu prüfen. Was genau ist Politik und wie kann sie das demokratisch gestalten, wenn was so unermesslich, ewig und gefährlich ist? Atomenergie ist niemals „offen“. Wer sie einsetzt, schafft tödlichen Müll beinah für die Ewigkeit. Zugemüllt: Wie geht umweltFAIRaendern in einer unverantwortlichen zugemüllten Gegenwart und nahezu ewiger Zukunft? Oliver Schlaudt ist am 15. Dezember in Berlin beim BASE.

Zugemüllt ist eine – irgendwie gestolperte und zusammengebaute – spannende und interessante Reise. Durch ober- und unterirdische und verbrannte Müllwelten – unglaubliche Dimensionen hat diese Reise, sie entdeckt so viel, was nicht erst mit der Industrialisierung und der Entstehung bürgerlicher, kapitalistischer Staaten bzw. Nationen entsteht und damit erkennbar wird. Bitterfeld. Gorleben. Ruhrgebiet. So viel Salz. Grundsätzlich und geologisch. Zeithistorisch und philosophisch. Irgendwie zwischen Reisebericht und Wissenschaft und Literatur. Naturlandschaft – Kulturlandschaft – Mülldeponie?

Kein Wunder, wenn das Cover vom Buch Swaantje Günzel in einem Foto von Henriette Pogoda zeigt: Zwischen Plastik-Müll auf einer Bank in der möglicherweise Kunsthalle Hamburg sitzend, vor einem deutschen Romantiker namens Caspar David Friedrich.

Die FAZ hat sich dem Buch gewidmet: „Philosophie und Müll : Im Abfall spiegelt sich die Welt“ mit der Unterzeile: „Der Philosoph und Ökonom Oliver Schlaudt macht sich Gedanken über den Müll und sucht ihn dort auf, wo er sich befindet. Seine Exkursionen führen ihn durch Deutschland und die europäische Kultur- und Technikgeschichte.“ (Von Uwe Justus Wenzel,

Oliver Schlaudt – Zugemüllt. Eine müllphilosophische Reise durch Deutschland – Eine etwas andere Deutschlandreise: nicht zu den Schönheiten des Landes, sondern zu seinen Mülldeponien, mit all ihrem Gestank und all ihrem sehr nachhaltigen Gift. Eine erhellende philosophische Betrachtung über die zunehmende Vermüllung unserer Welt, die wir nur zu gern verdrängen.“

Als Audio und eine Art von Lesung hat sich der Bayerische Rundfunk dem Thema und Buch von Schlaudt angenommen. Natürlich hier bei Perlentaucher.

Was hier aber eine besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der Besuch des Autors bei der BI Lüchow Dannenberg und deren Antworten auf seinen Fragen, wie das denn ist, wenn einem in Gorleben der Atommüll quasi „auf den Füssen steht“? (das ist so ein Fotoshot aus dem Buch, Seite 152. Mit Mail vom 10.12.2025 16:19 Uhr teilt der Beck-Verlag in Person von S.B.  mit, dass die beiden folgenden Bilder auf umweltFAIRaendern mit Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Vielen Dank.)

Es bleibt alles im Widerspruch – und da muss es auch bleiben. Wie denn sonst, bei etwas von dieser Größenordnung Einstein und das Universum, aber in Klein. Es geht nur um die Kernspaltung. Fusion kommt dann noch.

Und wo genau in diesem Umfeld kann sich Politik dann überhaupt noch bewegen? Hilflos, verzweifelt? Ignorant und durch? Es braucht nicht unbedingt die Erkenntnisse von Freud und Verdrängung. Es braucht. Ein Ende der Atomenergie, aber der radioaktive Müll bleibt! (Fotoshot, Seite 153)

„Kreist um die Neubestimmung … als Skandal, falsche Entscheidungen beenden…“ Sehr gute Idee! Philosophie über eine vermüllte Demokratie. Na, irgendwo ein Fehler im Satzbau.

Hier als Dokumentation:

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Anfang 15.12.2025 16:00 Uhr Ende 15.12.2025 18:00 Uhr Veranstaltungsort Berlin

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Müll will niemand haben – stinkend, unbrauchbar oder wie im Fall von Atommüll sogar hochgefährlich. Und doch waren genau diese Abfälle der Anlass für Oliver Schlaudt quer durch Deutschland zu reisen und Deponien, Verwertungsanlagen und Abwasserkanäle zu besichtigen.

Müll: Ungewolltes und nicht ausschlagbares Erbe

Auch das Thema Atommüll betrachtet Schlaudt intensiv – in Frankreich hat er die Bemühungen beobachtet, am Standort Bure ein Endlager einzurichten. Am 15. Dezember berichtet er im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung von seiner ungewöhnlichen Tour.

Oliver Schlaudt ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Sein Buch „Zugemüllt. Eine müllphilosophische Deutschlandreise“ ist im C.H.Beck-Verlag erschienen.

Das Fazit seiner Reise gilt für alle Abfallarten gleichermaßen, ob hochradioaktiver Atommüll aus den Atomkraftwerken oder Plastikverpackung nach dem Supermarkteinkauf: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Jetzt zur Lesung anmelden:

Über dieses Erbe möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir laden Sie herzlich zu dieser philosophischen Lesung und Diskussion ins BASE ein.

Am Montag, den 15. Dezember von 16 – 17 Uhr
Ausklang bei Snacks und Getränken bis 18 Uhr

  • Dokumentation: Beck-Verlag zum Buch, Link siehe oben:

Schlaudt, Oliver

Zugemüllt

Eine müllphilosophische Deutschlandreise.

Die weltweit größte Untertagedeponie für gefährliche Abfälle im hessischen Heringen, ein gigantischer Abwasserkanal bei Essen, eine Tierkadaververwertungsanlage im schönen Moseltal: Oliver Schlaudt hat sich auf eine eigentümliche Deutschlandreise begeben, um verborgene, aber spektakuläre Wahrzeichen unserer Müllkultur aufzusuchen. Sein genauso verblüffender wie wunderbar erzählter Reisebericht liest sich allerdings nicht nur wie ein Fremdenführer durch deutsche Abfalllandschaften. Inmitten ihrer besonderen Müllgeschichten entwickelt Schlaudt zugleich eine Philosophie, die sich die Hände buchstäblich schmutzig macht.

Menschheitsgeschichtlich haben wir den Punkt erreicht, an dem unser Müll überall ist und wir uns allmählich mit ihm selbst vergiften. Zugleich geben wir uns sehr viel Mühe, seine beunruhigende Allgegenwart aus unserem Gesichtsfeld zu verbannen. Es wird daher Zeit, der drastischen Wirklichkeit unserer zumüllenden Lebensform ins Auge zu blicken – und mit Oliver Schlaudt eine müllphilosophische Deutschlandreise zu unternehmen. Wir besuchen unter anderem die unscheinbare, aber rettungslos zerstörte Mülllandschaft von Bitterfeld (wo Marx’ Einsicht sinnfällig wird, dass der Müll der «unheilbare Riss» im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur ist), die BASF-Sondermülldeponie auf einer künstlichen Rheininsel (wo wir erkennen, dass wir in Sachen Müll «Cartesianer» geblieben sind, Bewohner zweier getrennter Welten) und die charmante Wurmkiste im eigenen Zuhause. Es wird klar: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Eine Stimme für Demokratie und Gerechtigkeit und Klima – FÜR ALLE: DIE LINKE Rede von Heidi Reichinnek zur Situation in Deutschland am 11.02.25

Was viele vielleicht nicht bedenken oder nicht wissen. Im Bundestag reden – vor allem – die kleinen Fraktionen und Parteien – wenn sie nicht in der Regierung sind – immer gegen die Uhr! Die Redezeiten im Bundestag und in Landtagen sind maximal reguliert! Jede Sekunde ist Macht – und Politik und vielleicht auch Medienpräsenz.“Großstadtjournalisten“ kennen das, außerhalb von Berlin ist das weniger bekannt. Ist aber brutal, dieses Reden gegen die Zeit. Umso viel viel mehr beeindruckender, diese Rede von Heidi Reichinnek für DIE LINKE im Deutschen Bundestag.

Irgendwas mit gegen Atomwaffen: CAMP FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT UND NUKLEARE ABRÜSTUNG 2024 – NÖRVENICH BEI KÖLN

Atomwaffen werden in der Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine und den kommenden Wahlen in den USA nicht nur in Europa immer beliebter. Noch nie war die Zahl der einsatzbereiten und modernisierten Atomsprengköpfe so groß wie heute. Noch nie waren allein in Europa so viele Atomanlagen als nukleare Angriffsziele vorhanden. Deutschland ist im Rahmen der NATO und der sogenannten nuklearen Teilhabe zuständig, am Standort in Büchel dort stationierte us-amerikanische Atomwaffen im Krisenfall per Kampfjet ins Ziel zu fliegen. Dafür werden gerade neue Jets von den USA gekauft und die Militärbasis sowie die Waffen umfangreich modernisiert und aufgerüstet. Nach dem Atomwaffensperrvertrag haben die Vereinten Nationen zuletzt einen Atomwaffenverbots-Vertrag ins Leben gerufen. An der International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN) beteiligten sich inzwischen neben Friedensorganisationen und den internationalen Ärzt:innen zur Verhütung eines Atomkrieges IPPNW auch der BUND und die Naturfreunde Deutschland. Im Juli plant ICAN ein Camp für Klimagerechtigkeit und gegen nukleare Aufrüstung in Nörvenich, wo die aus Büchel während der Bauarbeiten umgelagerten Atomwaffen derzeit verwahrt werden.

In den beiden westeuropäischen Staaten Frankreich und Großbritannien wird umfangreich an der Erneuerung der Atomwaffen gearbeitet. Die USA sind dabei, eine Militärbasis in Großbritannien erstmals wieder mit Atomwaffen auszustatten, während GB selbst seine nuklearen Aktivitäten zwischen ziviler und militärischer Nutzung intensiviert und z.B. über Rolls Royce auf an neuen nuklearen Antriebsreaktoren für U-Boote aber auch als Reaktoren für Strom und Wärme zu entwickeln. In Frankreich hatte Präsident Macron darauf verwiesen, dass die zivile und militärische Atomenergie untrennbar miteinander verbunden sind. Das unterstreicht Frankreich auch, in dem es zivile Atomkraftwerke in Civaux für die Herstellung von Tritium einsetzt. Damit folgt Frankreich dem Vorbild der USA und trägt damit global dazu bei, dass die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Atomenergie immer diffuser werden.

CAMP FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT UND NUKLEARE ABRÜSTUNG – 3.–7. JULI 2024 – NÖRVENICH BEI KÖLN

Veranstalter: IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative und ICAN Deutschland

Ihr seid eingeladen zu unserem Klimacamp gegen Atomwaffen nahe der Airbase Nörvenich. Hier verbinden sich unser Engagement für das Klima und nukleare Abrüstung. Zusammen stellen wir uns der Zerstörung unseres Planeten in den Weg!

Am Fliegerhorst Nörvenich übt die Bundeswehr im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Atombomben. Nicht weit davon im Hambacher Forst protestieren Klimaaktivist*innen seit Langem gegen ein lebensfeindliches fossiles System. Hier wollen wir Anfang Juli einen gemeinsamen Ort für Protest, Vernetzung und Bildung schaffen und uns gegenseitig inspirieren.

Die Klimakrise und die weltweite nukleare Aufrüstung gefährden das Leben auf unserem Planeten. Weltweit geben die Industriestaaten Milliarden für Atomwaffen aus. Das Geld fehlt zur Bekämpfung des Hungers, der sozialen Ungleichheit und des Klimawandels, dessen Auswirkungen am stärksten den Globalen Süden betreffen.

Auf den untergehenden Pazifik-Inseln leiden viele Menschen bis heute an den Folgen der Atomtests, die überwiegend in ehemaligen Kolonien und auf den Gebieten ethnischer Minderheiten
durchgeführt wurden.

TREFFEN WIR UNS! TRETEN WIR GEMEINSAM EIN FÜR:

  • konkrete Klimagerechtigkeit
  • eine atomwaffenfreie Welt und den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
  • den Beitritt Deutschlands zum
    Atomwaffenverbotsvertrag

AUF DEM PROGRAMM STEHT:

  • Workshops, Aktionstrainings, Skill-Shares
  • kreativer Protest & vielfältige gewaltfreie Aktionen
  • vegane Küche, Musik und Film
  • Geburtstagsfeier für das Atomwaffenverbot am 7. Juli
  • alles, was Ihr mitbringt

Info und Anmeldung: buechel.nuclearban.de

Tschernobyl@2023 – Zukunft nur ohne Atom

Atomenergie. Was nicht hätte sein dürfen. Tschernobyl. Bis heute nicht zu Ende. Fukushima. Heute erneut atomare Bedrohung. Atomenergie im Krieg. Saporischschja. Die Drohung mit Atom/waffen – zivil – militärisch. Wir hatten Hiroshima, Nagasaki. Leben am Abgrund. Bis heute leiden Menschen an den Folgen, in den Gebieten, in denen nach dem 2. Weltkrieg oberirdisch Atomwaffen zur Vernichtung der Menschheit in Ost und West „getestet“ wurden. Windscale, Harrisburg, Majak! ICAN hat viel dazu beigetragen, dass die Vereinten Nationen einen Atomwaffenverbotsvertrag beschlossen haben, den viele Atomwaffenstaaten nicht anerkennen wollen. Auch Deutschland will den Vertrag nicht unterzeichnen. Der BUND ist neuerdings Partner von ICAN! Tschernobyl@2023 – Zukunft nur ohne Atom. Warum?

 

Auf Wiedersehen!

Mit dem neu gewählten Bundestag endete gestern auch meine Zeit als Abgeordneter. Es war eine spannende, lehrreiche, aber auch (arbeits-)intensive Zeit. Ich möchte mich bei allen bedanken, die in den letzten acht Jahren in verschiedenen Konstellationen mit mir zusammengearbeitet haben. Ich mache jetzt erstmal eine Pause, bleibe aber politisch informiert und werde mich hier über meine Homepage, in den sozialen Medien oder direkt im Handgemenge immer mal wieder zu Wort melden. Diese Seite dient zudem der Dokumentation meiner Arbeit und der meines Teams.

Ich habe mich als atompolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag stets für einen konsequenten Atomausstieg eingesetzt, der auch die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen beinhaltet. Atomkraft ist eine permanente Bedrohung und keine Alternative beim Klimaschutz! Ebenso habe ich im Parlament wiederholt ein Frackingverbot ohne Ausnahmen gefordert. Als einen besonderen Erfolg sehe ich die durch mein Büro angestoßene Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und ihrer Vorgängerorganisationen, die bis vor kurzem unter den Teppich gekehrt wurde, nun aber durch ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt schrittweise ans Licht gebracht wird.

Leider war DIE LINKE im Wahlkampf und auch schon davor nicht ausreichend glaubwürdig darin, dass sie für einen konsequenten sozial-ökologischen Umbau einsteht, internationalistisch, antimilitaristisch und antirassistisch bleibt. So konnten wir die Lücken, die uns SPD und Grüne offengelassen haben – z.B.: Klimaschutz geht nur konsequent sozial und antikapitalistisch – nicht füllen. Das Wahlergebnis war eine logische Konsequenz, ist aber trotzdem deprimierend. Will DIE LINKE wieder stark werden, reichen dafür keine Formelkompromisse, sondern die internen Konflikte müssen offen angesprochen werden. Das sind wir den vielen Millionen prekär Beschäftigten, den diskriminierten Minderheiten, den Rentnerinnen und Rentnern und allen, die sich ein besseres, sozialeres und ökologischeres Leben wünschen, schuldig. Nur auf Grundlage einer gemeinsamen Vision einer besseren Welt jenseits der kapitalistischen Ausbeutung von Mensch und Natur können wir das Projekt einer parlamentarischen Linken, die in enger Tuchfühlung zu den außerparlamentarischen Bewegungen bleibt, in die Zukunft führen.

Ich bin und bleibe davon überzeugt: Es braucht den Druck von links und es braucht den Druck von der Straße, ansonsten bewegen sich im Parlament höchstens die Gardinen!

Hubertus Zdebel

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