Spurensuche Hitlers Bombe – Atomforschung in Nazi-Deutschland – Video-Dokumentation

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Video über die Nazi-Atomforschung. Carl Friedrich von Weizsäcker (Foto: Screenshot des Videos)

Über die Entdeckung der Kernspaltung und den Stand der Atomforschung in Nazi-Deutschland berichtet eine Video-Dokumentation aus dem Jahr 1992. Darin kommen die damals noch lebenden Wissenschaftler Carl-Friedrich von Weizsäcker und Erich Bagge zu Wort, die zu den maßgeblichen Atomforschern in Nazi-Deutschland gehörten. Bagge war Mitglied der NSDAP und gründete gemeinsam mit Kurt Diebner später die Atomforschungsanlage GKSS in Geesthacht bei Hamburg.

Das Video ist hier bei Youtube zu sehen (siehe auch unten).

Über Weizsäcker berichtet die Welt vor kurzem: „Carl Friedrich von Weizsäcker hat wohl gelogen. Neue Briefe des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg zeigen, wie sehr der Physiker seinem Schüler und dessen Arbeit im NS-Atombombenprogramm misstraute.“ Weizsäcker hatte – wie auch andere Beteiligte – immer wieder versucht, das Streben nach einer Atombombe für Hitler zu relativieren und phasenweise sogar eine Darstellung betrieben, als hätten Wissenschaftler wie Heisenberg und er die Atombombe für Hitler hintertrieben zu haben. In dem Artikel heißt es u.a. anderem: „Hier findet man seinen Schüler Carl Friedrich von Weizsäcker, von dem inzwischen bekannt ist, wie dreist er die Nachwelt belogen hat. Weizsäcker hat uns vorgeschwindelt, in Deutschland habe man sich in den Kriegsjahren nur mit „wärmeliefernden Maschinen“ beschäftigt, während man inzwischen weiß, dass er mehrere Patente auf Plutoniumbomben erworben hat.“

Die Doku versucht mit dem Stand Anfang der 90er Jahre detailliert die bis dahin bekannten Atom(waffen)-Forschung in Nazi-Deutschland aufzuarbeiten, bezieht sich dabei unter anderem auf die Berichte über die Internierung zehn führender deutscher Forscher in Farm Hall (Großbritannien). Dort wurden die Forscher vom britischen Geheimdienst für rund zehn Monate interniert und ausgiebig über deren Forschungsarbeiten befragt. Während der gesamten Zeit wurden die deutschen Atomforscher abgehört.

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Heisenberg und Bohr nach dem Krieg. Foto: Internet

Ebenso geht der Bericht auf die Treffen von Werner Heisenberg mit dem im besetzten Dänemark lebenden Niels Bohr im Jahr 1941 ein. Weizsäcker begleitete Heisenberg und war an einigen dieser Gespräche beteiligt. Der ältere Bohr, unter dem Heisenberg lange Zeit gearbeitet hatte, war eine Art Mentor. Über den Inhalt und die Absichten dieses Treffens zwischen Bohr und Heisenberg gibt es zahlreiche Interpretationen und Deutungen. In Spektrum (Juli 1995) ist diese festgehalten:

„Er blieb eine Woche in Kopenhagen und hielt sich mehrfach in Bohrs Institut auf. Bei einem dieser Besuche führten er und Bohr ein privates Gespräch, bei dem es offensichtlich zu Missverständnissen kam. Weil Bohr ein schlechter Zuhörer war, könnten die beiden durchaus aneinander vorbeigeredet haben; keiner von beiden scheint sich Notizen gemacht zu haben, so daß niemand genau weiß, was sie wirklich besprachen.

Jedenfalls war Bohr nach dieser Unterhaltung fest davon überzeugt, daß Heisenberg an Kernwaffen arbeitete. Wie Aage Bohr sich später erinnerte, „kam Heisenberg auf die Frage nach den militärischen Anwendungsmöglichkeiten der Atomenergie zu sprechen. Mein Vater war sehr zurückhaltend und zeigte sich skeptisch wegen der großen technischen Schwierigkeiten, die gemeistert werden müßten, doch hatte er den Eindruck, Heisenberg sei der Ansicht, die neuen Möglichkeiten könnten den Ausgang des Krieges entscheidend beeinflussen, falls er sich länger hinziehen sollte“.“

Es lohnt sich, den Bericht in „Spektrum“ selbst zu lesen, um nachzuvollziehen, wie überaus schwierig die Spurensuche über die Atomforschung in Nazi-Deutschland war und ist. Es geht dort um die auch in der Video-Dokumentation enthaltene Skizze, die Bohr nach seiner Flucht aus dem besetzten Dänemark in die USA, den dortigen Atomwaffenforschern übergeben hat. Die Skizze soll das Grundprinzip eines Uran-Reaktors enthalten haben, die Bohr offenbar angesichts fehlender Kenntnisse für eine Bombe gehalten habe. Erst Ende 1943 in den USA erklärten ihm dortige Fachleute, dass es sich um einen Reaktor handeln würde. Doch ob es diese Skizze wirklich gab, ob sie tatsächlich von Heisenberg 1941 an Bohr in Kopenhagen übergeben wurde oder ob Bohr sie später auf Basis der Gespräche mit Heisenberg angefertigt hatte, konnte bis in die 90er Jahre nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden (ob das inzwischen gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis).

Der Autor Jeremy Bernstein stellt beeindruckend dar, wie kompliziert die Rekonstruktion dieser historischen Bausteine ist, selbst wenn es damals noch die Möglichkeit gab, mit einzelnen direkt beteiligten Personen persönlich zu sprechen.

Auch Mark Walker kommt in der Video-Dokumentation vielfach zu Wort. Vor allem Walker hat mit seinen Untersuchungen zum Stand der Atomforschung in Nazi-Deutschland wichtige Beiträge geliefert.

Walker hatte sich auch mit dem von Rainer Karlsch 2005 veröffentlichten Werk „Hitlers Bombe“ konstruktiv auseinander gesetzt. Darin hatte Karlsch damals Hinweise dafür geliefert, dass die Atomwaffenforschung in Nazi-Deutschland möglicherweise weiter war, als bis dahin angenommen worden war. Karlsch hatte sein Augenmerk nicht so sehr auf die Forscher-Elite um Heisenberg und Weizsäcker gerichtet, sondern ist vor allem den Tätigkeiten von Kurt Diebner (und auch Erich Bagge) nachgegangen. Diebner, Mitglied der NSDAP, war Anfang der 40er Jahre Chefkoordinator und maßgebliche Kraft im Waffenheeresamt für die Atomforschung. Unter seiner Regie entstand der Uranverein, in dem die Forschungen der beteiligten Atom-Experten abgestimmt bzw. diskutiert wurden.

Die Süddeutsche berichtet 2010 über eine Veranstaltung mit Karlsch und Walker: „“Es gab keine deutsche Atombombe“, sagte Mark Walker, ein New Yorker Wissenschaftshistoriker, der mit „Die Uranmaschine“ ein Standardwerk über das Kernwaffenprogramm der Nazis geschrieben hatte und deshalb mit auf dem Podium saß. Zumindest keine Atombombe, die mit dem, was die Amerikaner später auf Nagasaki abwarfen, vergleichbar gewesen wäre. Das aber würde Karlsch in dem Buch auch nicht behaupten. Alles, was er beschreibe, seien Versuche, eine Art von Kernwaffe zu bauen. Er habe, sagt Walker, Rainer Karlsch davor gewarnt, die Ergebnisse jener Versuche als Atombomben zu bezeichnen. Die Verwirrung, die dies in den Medien ausgelöst habe, sei vorherzusehen gewesen.“

Was Karlsch in seinem Buch herausarbeitet und mit vielen Hinweisen zu untermauern versucht, ist in der Tat im klassischen Sinn keine Atombombe, sondern der Versuch, über Hohlladungs-Sprengungen eine nukleare Reaktion auszulösen. Diese Art von „Atomwaffe“ würde heute mit dem Stichwort „Mini-Nukes“ bezeichnet werden.

Weiter schreibt die Süddeutsche: „Walker bemühte sich, die eigentlichen Rechercheleistungen des Buches hervorzuheben. Karlsch hatte in Moskauer Archiven beispielsweise eine Rede Heisenbergs entdeckt, nach der er, Walker, vergeblich gesucht hatte. Er hatte außerdem zeigen können, dass es neben Heisenberg eine Gruppe bislang unterschätzter deutscher Wissenschaftler gegeben hatte, die im Auftrag der SS arbeitete und offenbar weniger Skrupel hatte, eine solche Waffe zu entwickeln, als Heisenberg und Kollegen.“ (Und direkt im Anschluss schreibt der SZ-Autor: „Sie scheiterten letztlich daran, dass sie für die Bombe nicht ausreichend spaltbares Material hatten. Der Reaktor, in dem sie versuchten Uran anzureichern, lief, wenn überhaupt, nur wenige Tage.“)

Uran-Verein: Bohr-Briefe an Heisenberg im Internet veröffentlicht (Februar 2002)

Uran-Verein: Bohr-Briefe an Heisenberg im Internet veröffentlicht
Diskussion um Rolle deutscher Physiker bei der Entwicklung der Atombombe für die Nazis neu entfacht

B.O.A.-NACHRICHTEN last update: boa München, Fr. 08.02.2002 – 14:00

Nach Darstellung des dänischen Atomphysikers Niels Bohr glaubte der deutsche
Physiker Heisenberg an den Sieg der Natioalsozialisten mit Atomwaffen.
Der deutsche Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker widerspricht.
Heisenberg und Weizsäcker hatten für das NS-Regime am deutschen
Atom-Projekt „Uran-Verein“ mitgewirkt.
Das Uran-Projekt
Farm Hall
Dr. Heisenberg – oder wie er vielleicht doch lernte, die Bombe zu lieben
Zwei Genies und die Bombe.
Bücher über Werner Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis.

 

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Bohr-Briefe an Heisenberg veröffentlicht

Bericht über Treffen beider Physiker zu Atomwaffenplänen der Nationalsozialisten

Fr. 08.02.02 – Der Streit um die Rolle der deutschen Physiker Werner Heisenberg (1901-1976) und Carl Friedrich von Weizsäcker während der NS-Zeit ist neu entbrannt. Auslöser sind bislang unveröffentlichte Dokumente des dänischen Atomphysikers Niels Bohr. Die beiden Deutschen sollen 1941 bei einem Treffen im damals besetzten Kopenhagen versucht haben, Bohr von der Unausweichlichkeit eines deutschen Sieges durch noch zu entwickelnde Atombomben im Zweiten Weltkrieg zu überzeugen.

Insgesamt elf Brief- und Textentwürfe des 1962 gestorbenen Bohr wurden am Mittwoch im Internet veröffentlicht. In einem 1957 oder 1958 abgefassten, aber nie abgeschickten Brief an Heisenberg schrieb Bohr: „Es hat großen Eindruck auf mich (…) gemacht, dass du und Weizsäcker eure sehr entschiedene Überzeugung zum Ausdruck gebracht habt, dass Deutschland siegen würde und es deshalb dumm von uns anderen sei, weiter auf einen anderen Ausgang zu hoffen.“

Zu den für Bohr vorher völlig unbekannten Anstrengungen Deutschlands zum Bau einer Atombombe hieß es in dem Briefentwurf: „Du sprachst in vagen Wendungen, die mir den klaren Eindruck vermitteln mussten, dass man in Deutschland unter deiner Leitung alles tat, um eine Atombombe zu entwickeln. Und dass wir nicht über Detailssprechen bräuchten, weil du so stark daran beteiligt gewesen seist und dich in den vergangen zwei Jahren mit nichts anderem beschäftigt hättest.“

Der 89-Jährige von Weizsäcker widersprach der Darstellung Bohrs. Der am Starnberger See lebende Bruder des Ex-Bundespräsidenten sagte: „Bohr ist in seiner Erinnerung einem tiefen Irrtum erlegen.“ Im September 1941 hätten Heisenberg, er selbst und andere ihre Arbeit an einer deutschen Atombombe schon ergebnislos eingestellt. „Wir waren darüber froh, denn vorher hatten wir Angst, dass wir sie für ein Scheusal wie Hitler bauen würden“, sagte er.

In Wirklichkeit soll Heisenberg den damals weltberühmten Bohr dazu bewegen haben wollen, auch die USA und Großbritannien zu einem Verzicht auf die Entwicklung vonAtomwaffen zu bewegen. „Davon wollte Bohr nichts wissen, und er hat das Gespräch sehr brüsk beendet“, erklärte von Weizsäcker. Auch Heisenberg hatte den von Bohr behaupteten Gesprächsverlauf nach Kriegsende stets bestritten und erklärt, er habe seinen Ex-Lehrer und väterlichen Freund vor allem warnen wollen.

Bohr hat den Brief geschrieben, nachdem er die dänische Übersetzung des deutschen Buchs „Heller als 1000 Sonnen“ von Robert Jungk mit der von seiner Erinnerung abweichenden Darstellung des Treffens durch Heisenberg gelesen hatte. Jungk hatte in seinem 1956 erschienenen Bestseller berichtet, Heisenberg habe Bohr zum inneren Widerstand gegen den Bau der Atombombe bewegen wollen – eine Version der Ereignisse, die noch dem Buch „Heisenberg’s War“ (1993) von Thomas Powers zu Grunde liegt. Und dieses wiederum lieferte den Stoff für das Theaterstück „Kopenhagen“ (1998) von Michael Frayn, einen Welterfolg, in dem die Geister von Niels Bohr, seiner Frau Margarethe und Werner Heisenberg darüber diskutieren, was an jenem Tag tatsächlich geschehen ist.

Den Anlass zur Veröffentlichung der elf Dokumente hatte das Drama von Michael Frayn und die darauf folgende wissenschaftshistorische Debatte gegeben. Sieht Michael Frayn sich jetzt widerlegt? „Für Bohr wie für Heisenberg muss dieses Treffen wie ein Albtraum gewesen sein, mit dem sie sich immer wieder beschäftigt haben, sagt er der Süddeutschen Zeitung. „Es ist nicht verwunderlich, dass dabei am Ende zwei Varianten entstehen.“ Niels Bohr floh 1943 über England in die Vereinigten Staaten. Für deren Atomprogramm ist er kaum noch nützlich gewesen.

Die Dokumente sind in Dänisch, in einem Fall in Deutsch, sowie generell in englischer Übersetzung im Internet abrufbar unter: http://www.nbi.dk/NBA/papers/docs/cover.html
Hinweise auf die Spekulation, dass Heisenberg seinen früheren Lehrer Bohr zu einer Mitarbeit am deutschen Atombombenprojekt „Uran-Verein“ überreden wollte, geben die Dokumente allerdings nicht.

„…Wie du aus unseren Unterhaltungen in den ersten Jahren nach dem Krieg weißt, haben wir hier einen ziemlich anderen Eindruck von dem, was während dieses Besuchs geschah, als du es in Jungks Buch beschrieben hast…

…Es musste mich sehr stark beeindrucken, dass du gleich am Anfang behauptetest, du seist sicher, der Krieg werde mit Atomwaffen entschieden, wenn er nur lange genug dauere. Ich wusste zu dieser zeit überhaupt nichts von den Vorbereitungen, die in England und Amerika liefen. Als ich vielleicht ein bisschen zweifelnd schaute, fügtest du hinzu, ich müsse einsehen, dass du dich in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich mit dieser Frage beschäftigt hättest und nicht daran zweifeltest, dass sie (die Atombombe, Anm. d.Red.) gebaut werden könne. Deshalb ist es ziemlich unverständlich für mich, dass du denken könntest, du hättest mir einen Hinweis darauf gegeben, dass die deutschen Physiker alles tun würden, um so eine Anwendung der Atomforschung zu verhindern.“

Auszüge aus einem der jetzt veröffentlichten Briefe
von Bohr an Heisenberg (vom 26.März 1962)

 

„…Wir wussten also, dass man grundsätzlich Atombomben machen kann, haben aber den dazu nötigen technischen Aufwand eher für noch größer gehalten, als er dann tatsächlich war. Diese Situation schien uns eine besonders günstige Voraussetzung dafür, dass Physiker Einfluss auf das weitere Geschehen nehmen konnten. Denn wäre die Herstellung von Atombomben unmöglich gewesen, so wäre das Problem gar nicht entstanden; wäre sie aber leicht möglich gewesen, so hätten Physiker sicher die produktion nicht verhindern können … In dieser Lage glaubten wir, dass dieses Gespräch mit Bohr nützlich sein könne…“

Auszüge aus dem Brief von Heisenberg
an den Journalisten Robert Jungk (1958 publiziert)

 

„Er sagte mir hinterher, dass er mit falschen Vorstellungen dorthin gefahren sei. Er rechnete nicht damit, dass Bohr angesichts der deutschen Bedrohung Angst um sein Leben haben könnte und mißtrauisch gegenüber jedem Gast aus Deutschland war. Heisenberg hatte in dem Gespräch angedeutet, „wir bauen einen Reaktor“, und er signalisierte dabei nur – denn aussprechen konnte er das ja wegen der Gefahr des Geheimnisverrates nicht -, dass man nicht plante, eine Bombe zu bauen. Als Borh darauf einwand, die Kettenreaktion funktioniere doch gar nicht, und Heissenberg entgegnete, er sei überzeugt, dass es doch funktioniere, war klar wie unterschiedlich die Auffassungen der beiden über die Machbarkeit der Bombe waren. Bohr war total außer sich.“

(Hans-Peter Dürr gegenüber der FAZ, 12.02.02. Der Physiker Dürr ist Träger des alternativen Nobelpreises und einer der profiliertesten Kritiker der Atomindustrie. Dürr kam 1958 an das Göttinger Max-Planck-Institut für Physik zu Heisenberg, wo er bis zu dessen Tod im Jahre 1976 als einer der engsten Vertrauten Heisenbergs tätig war.)

 

„…Man erfährt zum ersten Mal explizit Bohrs Einschätzung über das Gespräch. Dass es damals den Anschein hatte, als ob Heisenberg und sein Reisebegleiter Carl Friedrich von Weizsäcker fest von einem Sieg Nazideutschlands überzeugt seien und dass Bohr nicht den Eindruck hatte, die deutschen Wissenschaftler wollten den Bau der Atombombe verhindern, wusste man bisher nur aus den Berichten von Bohrs Institutsmitarbeitern und seinem Sohn Aage. Direkt aus Bohrs Feder bekommt die Aussage nun größere Autorität. Gleichzeitig belegen die Schriftstücke, wie intensiv sich Bohr bis fast zu seinem Tod mit dem Gespräch und damit auch mit seiner Beziehung zu Heisenberg auseinander gesetzt hat…

…Er (Heisenberg, Anm. d.Red.) war kein Nazi. Aber er war der Chef eines der größten Forschungsvorhaben im Dritten Reich, nämlich des Uran-Projekts. Insofern galt er im Ausland als Repräsentant des Regimes auf dem Gebiet der Physik. Und als solcher wurde er auch in Dänemark wahrgenommen…

…(Bohrs Briefe) bestätigen zumindest, dass Heisenberg kein strahlender Widerstandskämpfer und keine moralische Instanz im Dritten Reich war. Er hat vielmehr seine Kompromisse mit den damaligen Machthabern geschlossen und vielfach opportunistisch gehandelt…

…Physiker verhalten sich, gutwillig ausgedrückt, in politische Dingen oft sehr naiv. Und sie sind meist so eng mit ihrer Wissenschaftswelt verhaftet, dass sie die politische Dimension ihres Tuns nicht wahrnehmen wollen. Das ist im Übrigen kein alleiniges Problem der Physik, sondern ein allgemeines Problem von geistigen und technokratischen Eliten, und zwar bis heute.“

Auszüge aus dem Interview mit dem Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann in der Wochenzeitung „Die Woche“(15.02.02). .

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Das Uran-Projekt

Das Uran-Projekt des „Dritten Reiches“ stand unter Aufsicht des Heereswaffenamtes, das einigen Dutzend Wissenschaftlern die Aufgabe übertrug, das wirtschaftliche und militärische Potential der Kernspaltung zu untersuchen, die Ende 1938 von Otto Hahn und Fritz Straßmann entdeckt worden, und danach durch ihre frühere Kollegin Lise Meitner theoretisch erläutert worden war.

Während des Blitzkrieges von September 1939 bis zu den letzten Monaten des Jahres 1941 kamen die deutschen Wissenschaftler, die gemeinsam am Uran-Projekt arbeiteten, zu dem Schluß, das nukleare Sprengstoffe in Form von reinem 238Uran und Plutonium durch Isotopentrennung beziehungsweise einen Nuklearreaktor erzeugt werden könnten.

Sobald die Beteiligten am Uran-Projekt zu wichtigen Ergebnissen gelangt waren, teilten sie diese dem Heereswaffenamt mit und betonten zugleich die Relevanz der Ergebnisse im Hinblick auf die Herstellung atomarer Waffen. Werner Heisenberg hatte z. B. gegen Ende des Jahres 1939 dem Heereswaffenamt mitgeteilt, daß isotopisches 235Uran ein starker atomarer Sprengstoff wäre. Im Sommer 1940 meldete Carl Friedrich von Weizsäcker an die gleiche Stelle, daß ein spaltbares transuranisches Element (welches die Deutschen in der Folge als Plutonium erkannten) in einem Atomreaktor erzeugt werden könne. Zu einem späteren Zeitpunkt des gleichen Jahres bezog Otto Hahn sich auf die militärische Bedeutung der Arbeit von Weizsäckers, als er dem Heer deutlich machte, daß die Erforschung transuranischer Elemente in seinem Institut Unterstützung verdiente.

Im Januar 1942 fragte das Heereswaffenamt die Wissenschaftler des Projektes zum ersten und letzten Mal, ob Atomwaffen realisierbar seien und wann mit ihnen zu rechnen sei. Die Wissenschaftler stimmten zu, daß Atomwaffen erzeugt werden könnten, daß dies aber mindestens einige Jahre in Anspruch nehmen würde.

Der Leiter der Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes Erich Schumann kam zu dem berechtigten Schluß, daß die Nuklearforschung für den Krieg, den Deutschland führte, irrelevant war und gab das Uran-Projekt in zivile Hände.

Die Arbeit wurde im Labor von etwa fünfzig vollzeit- oder teilzeitbeschäftigten Forschern fortgeführt; man untersuchte alle Aspekte der angewandten Kernspaltung. Diese Wissenschaftler waren insbesondere bemüht, die beiden starken nuklearen Sprengstoffe 235Uran und Plutonium zu analysieren und zu erzeugen.

Obwohl die Deutschen weiterhin sehr hart an Atomreaktoren und der Isotopentrennung arbeiteten, konnten sie erst am Ende des Krieges die Ergebnisse vorweisen, zu denen Amerikaner und Briten bereits im Sommer 1942 gelangt waren. Die deutschen Wissenschaftler betonten gegenüber dem nationalsozialistischen Staat auch weiterhin den militärischen Aspekt ihrer Arbeit.

Paul Harteck versuchte 1942 das Heereswaffenamt zu überzeugen, daß die Erforschung der Isotopentrennung mehr Unterstützung verdiene, da sie die besten Aussichten auf die Erzeugung nuklearer Sprengstoffe böte. Im Februar desselben Jahres hielt Werner Heisenberg einen berühmten Vortrag über „Die theoretische Grundlage für die Energieerzeugung durch Uranspaltung“ vor einem Publikum führender Vertreter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, der Staatsbürokratie, der Streitkräfte und der deutschen Industrie. Einerseits teilte Heisenberg dem Publikum mit, daß 235Uran und Plutonium nukleare Sprengstoffe mit einer „vollkommen unvorstellbaren Wirkung“ seien, auf der anderen Seite betonte der Physiker jedoch, daß die Gewinnung dieser Sprengstoffe sehr schwierig sei und daß noch viel Arbeit vor ihnen liege.

Die Mitarbeiter des Uran-Projektes ließen die Arbeit an diesen Stoffen nie ruhen. Als sich jedoch mit fortschreitender Zeit die Lage der Deutschen im Krieg verschlechterte, wurde die militärische Nutzung der Kernspaltung nicht mehr in der Öffentlichkeit diskutiert.

Bei Kriegsende wurden die meisten dieser Wissenschaftler verhaftet und von der Alsos-Mission verhört, einer wissenschaftlichen Geheimdiensttruppe der amerikanischen Streitkräfte. Ironischerweise glaubten die Deutschen, daß ihre Errungenschaft – die vollständige Trennung kleinster Mengen von 235Uran und ein Atomreaktor bestehend aus natürlichem Uran und schwerem Wasser, welche fast kritisch wurde (d.h. er ermöglichte beinahe eine Atomspaltungskettenreaktion und hielt diese aufrecht) – die Alliierten überflügelt hätte.

Die deutschen Wissenschaftler änderten abrupt ihre Meinung, als die Nachricht des Angriffs auf Hiroshima enthüllte, daß die Amerikaner Atomwaffen gebaut und eingesetzt hatten. Zehn dieser Wissenschaftler waren in England interniert. Sie wollten die Nachricht zunächst nicht glauben. Sogar nachdem sie überzeugt waren, daß die Amerikaner eine Atombombe gebaut hatten, hielten die Deutschen in Farm Hall untereinander an ihrer Argumentation fest, daß einige Aspekte ihrer Arbeit der Arbeit der Amerikaner überlegen sein könnten.

Nach und nach, als immer mehr Informationen über das amerikanische Projekt zu ihnen durchdrangen, mußten sie zugeben, daß die Amerikaner sie übertroffen hatten. (Quelle: Mark Walker – Das Uran-Projekt http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-95/9521401m.htm ; in „Der Griff nach dem atomaren Feuer. Die Wissenschaft 50 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki“. Herausgegeben von U. Albrecht, U. Beisiegel, R. Braun und W. Buckel, Frankfurt a.M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1995. )

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Carl Friedrich von Weizsäcker
widerspricht Darstellung Bohrs

Fr. 08.02.02 – Carl Friedrich von Weizsäcker widerspricht vehement der Darstellung Bohrs in einem Interview der Süddeutschen Zeitung: Er sei mit Heisenberg in gleichsam diplomatischer Mission nach Kopenhagen gefahren. Man habe Bohr davon überzeugen wollen, dass die Deutschen in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein würden, sich mit Atombomben zu bewaffnen. Gemeinsam müsse man nun dafür sorgen, dass der Krieg mit konventionellen Waffen beendet werde. „Bohr hat nicht verstanden, was Heisenberg wollte“, sagt Weizsäcker.

Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel120515.php

„Neben Max Planck und Otto Hahn gehörte Werner Heisenberg zu den wenigen renommierten Physikern, die im Nazi-Deutschland blieben, obwohl er wiederholt Angebote hatte ins Ausland zu gehen – weil er sein Land nicht im Stich lassen wollte, wie er sagte. Doch statt sich zu verkriechen und Integrale zu lösen, wurde er bereitwillig Leiter des deutschen Uran-Projekts und bereiste auch als Repräsentant der „Deutschen Kultur“ die okkupierten Gebiete. Heisenberg war mit Sicherheit kein Nazi, aber er war auch nicht der Widerstandskämpfer, zu dem ihn Robert Jungk stilisiert hat – ohne dass Heisenberg dagegen protestiert hätte. Die antisemitische Propaganda der Nazis hat ihn verstört, aber seine Reaktion war nur „akademisch“, wie es der Berliner Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann nennt. In Farm Hall zeigte er sich über die Nachricht von Hiroshima schockiert, weniger wegen politischer Konsequenzen oder menschlicher Tragödien, sondern vielmehr weil ein anderes Team als sein eigenes es geschafft hatte, die Bombe zu bauen.“ Jeanne Rubner in der Süddeutschen Zeitung vom 11.02.02.

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„Vor 16 Stunden hat ein amerikanisches Flugzeug über Hiroschima, einer wichtigen japanischen Militärbasis, eine Bombe abgeworfen. Sie hatte eine Sprengkraft von mehr als 20.000 Tonnen TNT.“

Mit diesen Worten trug der Pressesprecher des Weißen Hauses am 6. August 1945 um 10.45 Uhr in Washington die offizielle Verlautbarung seines Präsidenten Harry S. Truman vor.

Die ersten Reporter stürzten schon zum Ausgang, als der Sprecher weiterlas: „Es handelt sich um eine Atombombe. Sie verkörpert die Nutzbarmachung der elementaren Kräfte des Universums.“ (…)

Am selben Tag auf Farm Hall, einem großen Landsitz in der Nähe von Cambridge in England: Der Berliner Chemiker Otto Hahn, Entdecker der Kernspaltung, war hier zusammen mit den führenden Atomforschern Deutschlands interniert. Es war um die Abendessenszeit, als der britische Major, der die Gruppe betreute, mit einer Flasche Gin in der Hand bei Hahn anklopfte und ihm vom Atombomben-Abwurf über Hiroschima berichtete.

„Ich wollte es nicht glauben“, schrieb Hahn in sein Tagebuch. Er war „unglaublich geschockt und niedergeschlagen“. Der Tod so vieler „unschuldiger Frauen und Kinder war kaum zu ertragen“.

Hahn stärkte sich mit einem Gin, bevor er zum Abendessen ging, wo der Major den anderen die Nachricht überbrachte. Im Mittelpunkt der folgenden erregten Diskussion stand der Nobelpreisträger Werner Heisenberg, Leiter der ruhmlosen deutschen Bemühungen, eine Atombombe zu bauen.

Hahn: „Wenn die Amerikaner eine Uranbombe haben, dann seid ihr alle zweitklassig. Armer alter Heisenberg!“

Heisenberg: „Haben sie das Wort Uran gebraucht?“

Hahn: „Nein.“

Heisenberg: „Dann hat es auch nichts mit Atomen zu tun . . .“

Stundenlang stritten die Wissenschaftler über Ethik und Machbarkeit der Atombombe, nannten sie „entsetzlich“ und „irrsinnig“. Sie kamen nicht darauf, wie die Amerikaner die technischen Probleme gelöst haben könnten, an denen sie gescheitert waren.

Hahn empfahl zum Abschluß der Debatte, darauf zu wetten, daß alles ein großer Bluff der Amerikaner sei. Er selbst schien davon nicht überzeugt. Er wirkte so verstört, daß Heisenberg und die anderen fürchteten, er könne sich das Leben nehmen.

Heisenberg äußerte später harsche Selbstkritik: „Eine Schande, daß wir, die Professoren, die daran gearbeitet haben, nicht einmal dahintergekommen sind, wie sie es gemacht haben.“ (Quelle:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,169627,00.html )

Operation Epsilon : The Farm Hall Transcripts:
http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/0520084993/theatomicarchive

Auszug des Farm Hall Transcripts:
http://www.atomicarchive.com/Docs/Farmhall.shtml

Deutsche Physiker haben während ihrer Internierung im englischen Landhaus Farm Hall behauptet, sie hätten die Entwicklung der Atombombe bewusst verzögert. Dazu der Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann: „Das ist reiner Mythos. Alle Fakten sprechen dagegen.“

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Dr. Heisenberg – oder wie er vielleicht doch lernte, die Bombe zu lieben

Zur Begegnung zwischen Niels Bohr und Werner Heisenberg gibt es bei „telepolis“ einen ausführlichen Beitrag von Goedart Palm.
Im Internet abrufbar unter:
http://www.heise.de//tp/deutsch/inhalt/lis/11574/1.html

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„Mehr Wahrheiten über Herrn H.“

Bücher über den deutschen Physiker Werner Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis

1. Jorge Volpi – „Das Klingsor-Paradox“

Deutschland, im Mai 1945: In der Universitätsstadt Heidelberg trifft der holländische Physiker Samuel I. Goudsmit auf den deutschen Physiker Werner Heisenberg. Dem amerikanischen Leutnant Francis Bacon erzählt Goudsmit hinterher, er habe Heisenberg das gleiche Angebot wie bei ihrer letzten Begegnung gemacht: Er habe ihn eingeladen, in den USA zu arbeiten. Heisenberg habe abgelehnt – wie damals. „Mit diesem typisch deutschen Ausdruck der Überlegenheit hat er nur gesagt: ,Nein, ich möchte nicht fortgehen. Deutschland braucht mich.‘ “

So schildert der mexikanische Schriftsteller Jorge Volpi in seinem Roman „Das Klingsor-Paradox“ die erste Begegnung der ehemaligen Kollegen Goudsmit und Heisenberg nach dem Krieg.

Samuel Goudsmit leitete damals die wissenschaftliche Abteilung der britisch-amerikanischen Alsos-Mission, die den Stand der deutschen Atomforschung in Erfahrung bringen sollte. In den letzten Wochen des Krieges bestand das oberste Ziel der Alsos-Mission darin, die zehn Wissenschaftler, die mit dem deutschen Atomprojekt in Verbindung standen, festzunehmen, bevor sie den Russen oder den Franzosen in die Hände fielen.

Mit der Verhaftung der deutschen Wissenschaftler, die im so genannten Uranverein während der Nazizeit über die wirtschaftliche Nutzung der Atomenergie forschten, wurde dieses Stück Wissenschaftsgeschichte zum Krimi. Die Engländer internierten die Deutschen in Farm Hall, einem Gebäude des britischen Geheimdienstes, das mit Wanzen gespickt war. Sechs Monate lang wurden die Gespräche der Wissenschaftler aufgezeichnet. Amerikaner und Briten wollten vor allem Klarheit darüber erlangen, ob die Deutschen noch irgendwo Forschungsmaterial versteckt hielten und ob die Wissenschaftler nach ihrer Freilassung vorhatten, für die Russen zu arbeiten. Bis Anfang der Neunziger hielten die Briten die aufschlussreichen Protokolle dieser Überwachungsaktion vor der Öffentlichkeit geheim.

Doch auch nach Veröffentlichung der Protokolle ist Heisenbergs Rolle in der Atomforschung im Dritten Reich immer noch unklar.

Jorge Volpi: „Das Klingsor-Paradox“. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, 510 Seiten

2. Michael Frayn – „Kopenhagen“

Viel ist darüber gemutmaßt worden, warum Heisenberg im September 1941 seinen väterlichen Freund Niels Bohr in dessen Kopenhagener Institut aufsuchte. Wollte er Bohr etwa für eine Zusammenarbeit mit den Deutschen gewinnen? Wollte er ihn aushorchen? Wollte er ihn warnen? Fest steht, dass es zwischen den beiden zum Streit kam und dass die Kränkung so tief saß, dass sie sich auch nach Kriegsende nicht mehr beseitigen ließ. Amerikanische, englische und deutsche Wissenschaftshistoriker haben unzählige Hypothesen über das Treffen entwickelt, die sich auch in Volpis Roman widerspiegeln. Der britische Dramatiker Michael Frayn hat aus dieser Begegnung ein Aufsehen erregendes Theaterstück gemacht, das zusammen mit zwölf Aufsätzen von Wissenschaftshistorikern in einem Buch herauskam.

Michael Frayn: „Kopenhagen“. Wallstein Verlag, Göttingen 2001, 270 Seiten

3. Paul Lawrence Rose – „Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis“:

Nach dem Krieg mussten Heisenberg und seine Kollegen sich nicht nur dafür rechtfertigen, dass sie während des Nationalsozialismus in Deutschland geblieben waren; sie mussten auch eine plausible Erklärung dafür finden, warum es ihnen, die als die besten Physiker der Welt galten, im Gegensatz zu den Amerikanern und Briten nicht gelungen war, die Bombe zu bauen. In den Farm-Hall-Protokollen findet sich, wenige Stunden nachdem die Internierten vom Atombombenabwurf auf Hiroschima erfahren haben, eine zynische Bemerkung von Otto Hahn: „Falls die Amerikaner eine Uranbombe haben, seid ihr alle zweitklassig.“ Vor diesem Hintergrund wird alles, was die Wissenschaftler nach dem Krieg über ihre Tätigkeit im Uranverein sagten und schrieben, zu einem vielfach interpretierbaren Text. So entstand auch die (von Heisenberg beförderte) von Robert Jungk in dem Buch „Heller als tausend Sonnen“ verbreitete Lesart, Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker hätten den Bau der Bombe mit falschen Berechnungen sabotiert.

Verklärte Jungk ihn zum heimlichen Widerstandskämpfer, so beschreibt ihn der Amerikaner Paul Lawrence Rose in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch „Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis“ als überheblichen „typisch deutschen“ Wissenschaftler und als Repräsentant der „tiefsinnigen deutschen Kultur“. Aus reiner Arroganz, so Rose, sei Heisenberg am Bau der Bombe gescheitert und habe daher im Nachhinein versucht, sich als von moralischen Überlegungen geleitet darzustellen.

Jungk hat seine Heisenberg-Legende später revidiert.

Paul Lawrence Rose: „Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis“. Aus dem Englischen von Angelika Beck. pendo Verlag, Zürich 2001, 500 Seiten, 58 Mark

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Zwei Genies und die Bombe

„Er hat es immer und immer wieder erklärt, und jedes Mal wurde es noch undurchschaubarer.“

Margarethe Bohr in Michael Frayns Theaterstück „Copenhagen“ über den deutschen Atomphysiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg.

Irgendwann zwischen Nachmittag und frühem Abend gehen in Kopenhagen zwei bedeutende Wissenschaftler miteinander spazieren. Sie durchwandern – vermutlich am 16. September 1941 – den zur Carlsberg-Brauerei gehörenden, von mächtigen Platanen, japanischen Gingkos und dichten ungarischen Silberlinden gesäumten weitläufigen Faelled-Park.

Das Gelände umschließt ein elegantes klassizistisches Schloss, ein so genanntes „Haus der Ehre“, das der allerorten gefeierte „Papst“ der Atom- und Elementarteilchen-Physik, der damals 55jährige Niels Bohr, bewohnt. Er hat Besuch von seinem ehedem besten Schüler, Werner Heisenberg, 39, aus Berlin…

Weiter unter:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,92601,00.html

 

Das Treffen von Heisenberg und Bohr in Kopenhagen 1941 ist der Aufhänger für die Frage nach dem Verhalten der intellektuellen Elite in einem Unrechtregime – und nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Moral- Die Süddeutsche Zeitung sammelt Beiträge zu dieser Debatte auf der Webseite http://www.sueddeutsche.de/kopenhagen

 

(Quellen: ap, mdr, sz, telepolis, taz, dw, boa-archiv)
 


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Geschichte des Niedergangs – Vattenfall zerfällt

tschuessvattenfallSeit drei, vier Jahren ist das Auseinanderbrechen von Vattenfall nicht mehr zu übersehen. Inzwischen ist der Rückzug ins Mutterland Schweden in vollem Gange. Warnungen gab es lange vorher. Vattenfall ist Ende der 90er / Anfang der 2000er als Deal der großen deutschen Konzerne in den hiesigen Markt gekommen. Ohne diesen Marktzutritt für Vattenfall hätte die Fusion aus verschiedenen Stromkonzernen zu EnBW, RWE und E.on nicht die Zustimmung der Kartellbehörden bekommen. UmweltFAIRaendern hat über diese Entwicklung und den Niedergang umfänglich berichtet. Nun schreibt auch das Hamburger Abendblatt den Abgesang: „Vattenfall – ein Unternehmen zerfällt“ heißt es im Titel und im Teaser: „Atomkraftwerke stillgelegt, Braunkohle steht zum Verkauf, das Stromnetz geht an die Stadt, und das Sponsoring der Cyclassics wird beendet – wohin steuert der Konzern? Eine Abendblatt-Analyse“.

Die tiefgreifenden Fehlplanungen und massiven Einbrüche aus der Wirtschafts- und Finanzentwicklung seit Mitte der 2000er Jahre werden allerdings nicht weiter dargestellt. Nicht die langwierigen Stillstände der AKWs Brunsbüttel und Krümmel stellten Vattenfall vor ein ernstes Problem. Obwohl die Atommeiler bis zu ihrer endgültigen Abschaltung nach Fukushima still standen, konnte Vattenfall den gesamten Stromhandel sogar noch ausbauen und damit auch noch gute Gewinne erzielen. Strukturell war Vattenfall von der Finanzkrise und den einbrechenden Wirtschaftsentwicklungen aber massiv getroffen.

Investitionen in den Expansionskurs stellten sich als wenig profitabel heraus, die Kosten für die Finanzierung stiegen. Gipfelpunkt war sicherlich die völlig überteuerte Übernahme der niederländischen Nuon. Nicht nur die hohen Verlustabschreibungen, die Vattenfall später durchführen musste, trafen den Konzern im Mark. Diese Katastrophe besiegelte schließlich in Verbindung mit anderen Ausfällen die Entscheidung zum Rückzug auf den skandinavischen Markt.

Die einstige Strategie, die Nummer 1 rund um die Ostsee zu werden, war schon vor dem Ende des letzten Jahrzehnts Schritt für Schritt zusammen gebrochen. Immer wieder war aus Unternehmenskreisen die Klage zu hören, dass „die Schweden“ keine Geduld hätten, dass eine Umstrukturierung die nächste jagte und die Schuldenberge immer weiter anstiegen. Von massiven Problemen einer bundesdeutschen gegenüber der schwedischen Kultur war die Rede. Damit war auch gemeint, warum es Vattenfall zumindest in Hamburg und Berlin eigentlich zu keiner Zeit schaffte, ein positives Image aufzubauen.

Wie kein anderes Unternehmen zeigte Vattenfall jenseits der harten Wirtschaftsfakten eine unglaubliche Unfähigkeit, eine halbwegs vertrauenswürdige Kommunikationsstrategie aufzubauen. Höhepunkt dieses Desasters waren ohne Frage die Ereignisse rund um die Ausfälle der beiden AKWs Brunsbüttel und Krümmel im Sommer 2007. Vattenfall wurde offen dabei erwischt, nicht nur wie üblich verharmlost zu haben. Direkte Lügen wurden nachgewiesen, unglaubliche Auseinandersetzungen mit der Atomaufsicht und sogar der Staatsanwaltschaft folgten. Umfangreich strukturierte Vattenfall seine gesamte Führungsetage um – nur um einige Zeit später im Zusammenhang mit dem kläglichen Versuch, das AKW Krümmel wieder online zu bringen, erneut eine gravierende Dummheit nach der anderen zu verkünden.

Vattenfall hat über Jahre so ziemlich jeden Fehler gemacht, den man machen konnte. Mit Vorbildern wie E.on und RWE und in steter Kumpanei mit der großen Politik, ignorierte auch Vattenfall alle Anzeichen für die kommende Energiewende, die spätestens ab 2000 mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz auf die Tagesordnung gesetzt war. Absurde Investitionen in neue Kohlekraftwerke und die erhoffte Laufzeitverlängerung für die Atommeiler sollten Billigstrom in großen Mengen auf den Markt bringen, um die Erneuerbaren Energien unter Kontrolle zu halten.

  • In einem Artikel im Robin-Wood-Magazin hatte ich bereits 2008 auf die wachsenden fossilen Stromerzeugungskapazitäten hingewiesen, die Vattenfall noch zu dieser Zeit aufbaute. Hier der Text „Alles Kohle oder was?“ als PDF.

Was jenseits reiner Stromerzeugungszahlen mit der Energiewende weg von einer zentralen Großtechnologie hin zu einer dezentralen von BürgerInnen getragenen Energieversorgung geschah bzw. geschieht, hat Vattenfall vermutlich bis heute nicht begriffen. Zwar investiert der Konzern inzwischen massiv in Offshore-Wind. Aber dabei folgen sie weiter einer Zentral-Technik und tun sich immer noch schwer mit der Kleinteiligkeit und den vielen Beteiligten einer sich entwickelnden dezentralen Stromerzeugung an Land.

Wie wenig Vattenfall versteht, zeigen auch die anhaltenden Auseinandersetzungen um den Ersatz des alten Kohle-Heizkraftwerks in Wedel, mit dem ein großer Teil der Hamburger Fernwärmeversorgung erfolgt. Das Kraftwerk ist alt und vor allem wegen der Kohleverfeuerung eine echte Klimasünde. Statt jedoch mit den vielen Akteuren im Bereich regenerativer Wärmeerzeugung zusammen zu arbeiten und den Weg in die Erneuerbaren zu unterstützen, blockiert der Konzern (und der Senat) bislang diese große Chance.

Gelernt hat Vattenfall aus dem Desaster bis heute nichts. Der Konzern bricht auseinander, Geschäftsteile werden nach und nach verkauft und nicht mal bei einem so harmlosen Projekt, wie dem gerade verkündeten Ausstieg aus dem Sponsoring der Cyclassics (Radrennen) schafft es Vattenfall etwas halbwegs Glaubwürdiges von sich zu geben. (Die Vattenfall-Lesetage hatte das Unternehmen schon letztes Jahr aufgegeben.) Das Abendblatt berichtet auch darüber und zitiert: „Nach zwei Jahrzehnten ist es nun an der Zeit, etwas Neues zu fördern. Daran arbeiten wir für die Jahre ab 2016″, sagt Pieter Wasmuth, Vattenfall-Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland.“ Was für ein blödes Gerede?

Ein völlig überflüssiges neues Kohlekraftwerk in Moorburg. Es ist so typisch Vattenfall: Dessen Inbetriebnahme ist schon Jahre verspätet. Dann verkündete der Konzern vor wenigen Wochen voller Stolz die längst fällige Inbetriebnahme würde vor Weihnachten stattfinden. Dann sickerte durch, es könnte auch vor Sylvester werden. Dann das Kleinlaute: Möglicherweise erstes Quartal 2015 – für den ersten Block des mit zwei 800 MW Blöcken ausgestatteten Klimakillers.

Den Volksentscheid für die Rekommunalisierung der Energienetze „Unser Hamburg – Unser Netz“ hatte Vattenfall trotz massiver Werbekampagne und starker Verbündeter von der Handelskammer bis hin zur SPD bereits im September 2013 in den Sand gesetzt. Das Stromnetz gehört mit über 1000 MitarbeiterInnen inzwischen wieder der Stadt Hamburg und die Fernwärme wird wohl entsprechend dem Volksentscheid 2018 folgen. Folgen wird demnächst die Müllverbrennungsanlage, die die Hamburger Stadtreinigung von Vattenfall übernehmen wird.

Dann wird Vattenfall schon lange nicht mehr in der Lausitz Braunkohlegruben ausheben und wohl auch in Berlin nicht mehr Stromnetzbetreiber sein. In den kalten langen Winternächten in Schweden werden dann an mit Wasserstrom versorgten Nachtspeicher-Kaminen melancholische und gescheiterte ehemalige Vattenfall-Manager ihren Kindern und Enkeln davon erzählen, wie sie einst aufbrachen … und vom Scheitern werden sie schamvoll schweigen. Was bleibt? Jede Menge Atommüll und die Klimakatastrophe.

„Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars“ – Casey Kasem ist tot

Casey Kasem ist tot.
Casey Kasem ist tot.

Bremerhaven war damals – so irgendwann ab 1972/3  – der Nabel der Welt. Samstag Nachmittag eröffnete sich in unserer Kleinstadt an der Elbe diese Welt über Bremerhaven, wenn wir im Freundeskreis vor den Transistor- oder gar alten Röhrenradios hockten, den Cassettenrekorder in Bereitschaft, die Mittelwelle einschalteten. Das war am Nachmittag ein echtes Sound-Abenteuer und hatte im wahrsten Wortsinn etwas kosmisches. Nicht viel anders hat es geklungen, als wir noch wenig vorher die Live-Übertragungen der Mondlandungen mit völligen verschneiten schwarz-weiß Bildern verfolgt hatten. Nur noch schlechter. Die Peilung in unseren Radios fixierte AFN Bremerhaven. Während die hiesigen Sender bestenfalls „Musik für junge Leute“ vor und nach der Schule oder als Höhepunkt den „5 Uhr Club“ servierten, präsentierte American Forces Network die „Amercian Top 40“. Ein Countdown der „most sellings records in the USA“, die Billboard-Charts, aufgenommen in Hollywood, gesendet auf der ganzen Welt. Doch es war nicht nur diese Musik, die uns die große neue Welt nach hause brachte. Es war vor allem der DJ, an dessen Lippen wir klebten: Casey Kasem. Jeden Samstag, jahrelang und mit einer Botschaft, die unsere Jugend irgendwie prägte: „Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars“. Casey Kasem hat seinen letzten Countdown gemacht. Bereits im August 2014 ist der unnachahmliche Casey Kasem im Alter von 82 Jahre gestorben. Keep reaching for the stars! „„Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars“ – Casey Kasem ist tot“ weiterlesen

Hochradioaktiver Atommüll in Jülich: Castor-Verladekran ist Sanierungsfall – Instandsetzung ohne Genehmigung begonnen

Wohin mit dem Atomerbe aus dem AVR Jülich? Hauptsache schnell weg. Foto: Betreiber
Eine unendliche Geschichte von Pannen und Mauscheleien. Der Atomreaktor AVR im Forschungszentrum Jülich. Foto: Betreiber

Weil selbst der Verladekran im Atommülllager des Forschungszentrum Jülich ein Sanierungsfall ist, wird es vor Ende 2016 keine Atomtransporte mit hochradioaktiven Brennelementen geben. Weder nach Ahaus, noch in die USA. Das geht aus einem jetzt bekannt gewordenen Detailkonzept (PDF) hervor, das die Betreiber der Atomaufsicht im rot-grünen NRW Ende Oktober vorgelegt haben. Demnach haben die Betreiber mit der Sanierung der Krananlage bereits begonnen, obwohl eine Genehmigung für die erforderlichen Umbauten und Sanierungen noch gar nicht vorliegt. 152 mit hochradioaktivem Atommüll beladene Castor-Behälter lagern in der staatlichen Forschungsanlage in Jülich.

Weil der Betreiber für das bestehende Atommülllager den Nachweis ausreichender Erdbebensicherheit bis heute nicht erbringen konnte, soll nach einer Weisung der Atomaufsicht in NRW nun die Räumung erfolgen. Dafür sollte das Forschungszentrum ein Konzept vorlegen.

Wie schlampig es in Jülich seit vielen Jahren zugeht, zeigt sich nun auch daran: Die Brückenkrananlage für eine Verladung der Castorbehälter ist ein Sanierungsfall und muss repariert werden.

Bevor es auch nur irgendeinen Atomtransport in Jülich geben kann, muss die „50-Tonnen-Brückenkrananlage in der Verladehalle der Abfallzellen abgeschlossen sein“, berichten die Betreiber. Dazu müssen neue Sicherheitsanforderungen zum Beispiel der Entsorgungskommission eingebaut werden, die die Anlage bis heute nicht erfüllt. Zwei Varianten zur Nachrüstung und Sanierung haben die Betreiber prüfen lassen und sich für diejenige entschieden, die schneller durchführbar ist.

Im Detail-Konzept schreibt das FZJ: „Mit der Umsetzung der Ertüchtigung wird bereits vor der Erteilung der Genehmigung begonnen, obwohl die Genehmigungsbehörde ausdrücklich darauf hinweist, dass die Anforderungen an die Nachrüstung erst nach der Erteilung rechtssicher vorliegen /13/. Zeitersparnis: etwa 1 Jahr, bereits durch das Forschungszentrum veranlasst.“

Durch diese Maßnahme könnten die Reparaturarbeiten um ein Jahr verkürzt werden.  Dennoch: Erst „Ende 2016 (ist) mit dem Beginn der Räumung zu rechnen“ schreiben die Betreiber im Detail-Konzept. Als Fazit heißt es: „Damit kann die für die Abfertigung von Behältern erforderliche Nachrüstung der Krananlage innerhalb von ca. 26 Monaten (ab 01.10.2014) abgeschlossen werden. Der zeitliche Ablauf ist im Rahmenterminplan (Abbildung 1) dargestellt. Der erste Behälter könnte danach Ende 2016 abgefertigt werden“ (S. 7)

Für die Räumung des Lagers hat das FZJ drei Varianten untersucht. Der Neubau einer Lagerhalle am Standort/Jülich, der Abtransport in das Zwischenlager nach Ahaus und der – offenbar favorisierte – Export in die USA. Bei vielen Beobachtern aber ist der Eindruck, dass vor allem die US-Option favorisiert wird. Im Bundeshaushalt sind dafür bereits rund 65 Mio. Euro in 2015 eingeplant. Bis 2018 ist ein Betrag von rund insgesamt 250 Mio. Euro vorgesehen. Für die andere Variante sind entsprechende Haushaltsmittel bislang nicht berücksichtigt.

ZeitbedarfRaeumungJuelich
Detailbericht der Betreiber FZJ: Zeitplan für die Räumung des maroden Atommülllagers.

Über weitere Planungen, die im Detail-Konzept an das Ministerium gereicht wurden, berichtet die Aachener Zeitung: Forschungszentrum Jülich: Atommüll-Transport in die USA bleibt Favorit. Dort heißt es mit Blick auf die im Bericht dargestellten Optionen zum weiteren Umgang mit dem Atommüll in der Forschungsanlage Jülich zusammenfassend: „Knapp 200 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) und dem Zwischenlager in Ahaus. Bis zur Nuklear-Einrichtung „Savannah River Site“ (SRS) im US-Bundestaat South Carolina sind es 7100 Kilometer. Dennoch kann etwas von Jülich aus schneller in South Carolina als in Ahaus sein. Hoch radioaktiver Müll zum Beispiel.“

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