Statt mit allen Mitteln die Folgen der Klimakrise zu bekämpfen: Bundesregierung steckt Milliarden in die Atomfusionsforschung

Obwohl die Anforderungen in Sachen Klimaschutz immer größer werden, pumpt die Bundesregierung Milliarden-Summen in die Forschung der Kernfusion. Auch wenn die interessierten Unternehmen in diesem Feld mächtig auf die Tonne hauen. Dass es in den nächsten Jahrzehnten ernsthaft zu Ergebnissen kommt, die irgendwas mit Stromerzeugung zu tun haben könnten, ist höchst unwahrscheinlich. Darüber hatten Physiker zuletzt auf einer Veranstaltung der Grünen in Bayern noch mal sehr deutlich hingewiesen. Jetzt hat die Bundesregierung einen milliardenschweren Aktionsplan beschlossen, mit dem bis 2029 insgesamt über zwei Milliarden Euro in den weltweit ersten Kernfusionsreaktor fließen sollen – gebaut „vorrangig“ durch deutsche Unternehmen und begleitet von einem neuen Ausbildungs- und Innovationsökosystem. Diese Finanzmittel kommen noch On-Top für das desaströse Projekt in Frankreich, wo ein Verbund weltweiter Unternehmen an dem Fusions-Reaktor ITER schraubt. Jahrzehnte hinter dem ehemaligen Zeitplan und mit immer neuen Kostenexplosionen. Zuletzt wurde die Inbetriebnahme vom 2025 auf 2034 verschoben. Nachdem die 20 Milliarden-Euro-Grenze schon überschritten war, wurde in 2024 weitere Kostensteigerung um fünf Milliarden Euro auf dann also schon 25 Milliarden Euro prognostiziert. Vermutlich ist auch das noch nicht das letzte Wort.

Berichte über den Beschluss der Bundesregierung zur deutschen Fusionsoffensive:

1. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fusionskraftwerk-bundesregierung-will-den-bau-mit-acht-massnahmen-foerdern/100159483.html
2. https://energynewsmagazine.at/2025/10/01/berlin-billigt-aktionsplan-fuer-ersten-kernfusionsreaktor/
3. https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2025/10/011025-aktionsplan-fusion.html
4. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fusionskraftwerk-deutschland-2386532
5. https://www.jungewelt.de/artikel/509566.bundesregierung-will-fusionskraftwerk.html
6. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundeskabinett-modernisierungsplan-100.html
7. https://table.media/research/analyse/aktionsplan-kernfusion-warum-die-bundesregierung-staerker-auf-die-industrie-setzt/
8. https://www.n-tv.de/ticker/Bundeskabinett-billigt-Aktionsplan-fuer-Bau-eines-Kernfusionsreaktors-in-Deutschland-article26068168.html
9. https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/10/011025-Aktionsplan-Fusion.html
10. https://science.lu/de/verschmelzung-von-atomkernen-regierung-will-weg-fuer-deutsches-fusionskraftwerk-ebnen

Zum weiteren Hintergrund auch dieses hier:

Jetzt der EU Nein sagen! Atomfusion und Iter: „Fusionsprojekt steckt in großen Schwierigkeiten“

In dem Artikel ist auch dieser Hinweis mit weiteren Quellen genannt:

Vor ein paar Jahren, als Sylvia Kotting-Uhl noch Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen war, hatte sie über ihre Arbeit berichtet und immer wieder auch Arbeiten und Aktivitäten ihrer Fraktion veröffentlicht. Die Homepage hat Sylvia leider nach ihrer „Amtszeit“ aufgegeben. Die Studien zu diesem Thema sind irgendwo in der Schweiz und bei der Wayback Machine findbar. Und natürlich auf umweltFAIRaendern.de: Michael Dittmar war seinerzeit Gutachter im Auftrag der B90/Grünen, ich hoffe, ich verstoße nicht gegen Urheberrechte, wenn ich das jetzt hier aufliste und veröffentlicht halte:

Atomausstieg in Taiwan bleibt!

Bereits im Mai 2025 hat Taiwan sein letztes Atomkraftwerk abgeschaltet. Dennoch gab es Bemühungen, den Ausstiegsbeschluss zu revidieren. Ein Referendum um August aber bestätigte durch die Mehrheit der Bevölkerung das Ende der Atomenergie in Taiwan. Ein Grund sicherlich auch, dass das AKW in einem überaus gefährlichen Erdbebengebiet liegt. Über diesen Mehrheitsentscheidung berichten unter anderem die Zeit hier und die FAZ hier.

Die Zeit fassst zusammen: „In Taiwan ist ein Volksentscheid zur Inbetriebnahme des stillgelegten Atomkraftwerks Ma’anshan und damit zu einem Wiedereinstieg in die Nuklearenergie gescheitert. Das Referendum in der ostasiatischen Inselrepublik erreichte nicht die nötige Zustimmung, wie aus offiziellen Daten der zentralen Wahlkommission hervorging.“

Atomausstieg in Belgien: AKW Tihange Block 1 wird abgeschaltet – Block 2 vom AKW Doel folgt im Dezember

Obwohl viele Medien und Lobbyisten von einer Renaissance der Atomenergie schwärmen: In Belgien wird in der Nacht zum 1. Oktober der Block 1 des AKW Tihange abgeschaltet und Anfang Dezember folgt dann der Block 2 des AKW Doel. Darüber berichten aktuell zahlreiche Medien und auch .ausgestrahlt. Von den ehemals sieben Atomkraftwerks-Blöcken bleiben dann zunächst nur zwei Reaktoren weiterhin am Netz.

Auch das Grenzecho schreibt: „Mit der Stilllegung wird Tihange 1 zum vierten Reaktor, der in Belgien außer Dienst gestellt wird – nach Doel 3, Tihange 2 und Doel 1. Ende November folgt auch Doel 2. Danach bleiben nur noch zwei Anlagen am Netz: Doel 4 und Tihange 3, deren Laufzeit bis 2035 verlängert wurde.“

Während der Betreiber die dauerhafte Stilllegung und den Rückbau der beiden Reaktoren anstrebt, will die derzeitige Regierung gegen den Willen der Betreiber weiterhin eine Reaktivierung erzwingen. Dazu das Grenzecho: „Die Regierung möchte diese Arbeiten verzögern. Energieminister Mathieu Bihet bat Betreiber Engie, keine unumkehrbaren Schritte einzuleiten, solange Gespräche über eine mögliche Laufzeitverlängerung laufen. Ob diese realistisch ist, bleibt offen: Engie hat wiederholt erklärt, nicht mehr als die beiden Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 weiterzuführen. Zudem wären hohe Investitionen und eine umfassende Sicherheitsprüfung nötig.“

Stopp Castor: Aktionen und Protest gegen hochgefährliche Atommülltransporte aus München-Garching (und Jülich) nach Ahaus

Die Proteste gegen die anstehenden Atommülltransporte mit hoch radioaktivem Atommüll aus dem Atomforschungsreaktor München-Garching und Jülich in das Zwischenlager in Ahaus nehmen zu. Am 4. Oktober ist eine Demonstration in Ahaus geplant. Nun rufen Initiativen und Umweltverbände auch für den 9. Oktober zum Protest nach München-Garching auf. Auch der BUND Naturschutz in Bayern unterstützt die Aktion. Die Stadt Ahaus hatte bereits Widerspruch gegen die Atomtransporte aus Bayern eingelegt. Damit ist – bis zu einem Bescheid der zuständigen Genehmigungsbehörde BASE – ein Transport aus Garching nicht möglich. Ein weiterer Widerspruch gegen die Genehmigung ist zusätzlich auf dem Weg.

Da der Betreiber, die TU München bzw. der beauftragte Transportunternehmer Orano.NCS bislang keinen Antrag auf Sofort-Vollzug gestellt haben, ist durch den Widerspruch der Transport aus München nicht möglich. Sollte der Widerspruch von BASE abgelehnt werden, könnte dann eine Klage erfolgen. Solange der Sofort-Vollzug nicht beantragt und von BASE erteilt worden ist, hätte eine Klage dann aufschiebende Wirkung.

Hier von der Seite der BAAK (Bayern Allianz)

Donnerstag, 9. Oktober um 10:45 Uhr am Forschungsreaktor Garching bei München, James-Franck-Straße 1 ( Zeit und Ort aktualisiert am 27.09.2025)

Warum? Der Atommüll aus dem Forschungsreaktor enthält auch nach dem Einsatz hoch angereichertes Uran (HEU), das für Atombomben missbraucht werden könnte.
Die im August genehmigten Transporte nach Ahaus (NRW) sind ein Sicherheitsrisiko und keine Lösung.
Gemeinsam fordern wir:

•    Keine Transporte mit waffenfähigem Uran nach Ahaus
•    Einsatz von waffenfähigem Uran im Reaktor stoppen: kein Weiterbetrieb ohne Abrüstung
•    Entwicklung und Bau einer Anlage zur Verdünnung des Urans in Garching – so wird das Uran abgereichert und entschärft.
•    Neubau eines möglichst sicheren Zwischenlagers in Garching

An der Aktion sind (bisher) beteiligt: Umweltinstitut, .ausgestrahlt, Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz. Weitere Organisationen sind angefragt / in Abstimmung.
Mach gerne mit:
-Verbreite den Aktionsaufruf
-Kommt zur Aktion (uns ist bewusst, dass unter der Woche manche nicht können)
-Als Organisation: Zeichnet das Forderungspapier (siehe unten)/ Factsheet, dass wir veröffentlichen und an die Presse geben wollen
(Koordination hd@umweltinstitut.org)
Wichtig: Hier das Forderungspapier der bayerischen Gruppen zur Aktion in Garching: (klicken zum PDF-Download) (Stand 16.09.2025) Siehe auch direkt hier.

 

Produktion von Uran-Brennelementen in der EU stark rückläufig (Bilanz der Jahre 2013 – 2023)

Für den Betrieb von Atomkraftwerken braucht es Uran-Brennelemente. In der EU werden solche nuklearen Kernbrennstoffe mit angereichertem Uran in Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien und Rumänien* hergestellt. Trotz allem Gerede vom weltweiten und europäischen Atom-Hype: In den Jahren von 2013 bis 2023 ist die Produktion von Uran-Brennelementen in der Europäische-Union stark rückläufig: Laut Angaben der EU ist in diesem Zeitraum insgesamt ein Rückgang von 22,0 % zu verzeichnen war. Besonders in Schweden bei Westinghouse in Västeras ist der Rückgang mit 34 Prozent sehr stark, gefolgt von einem weiteren Einbruch um 29 Prozent in Deutschland bei der ANF in Lingen. (Foto: Uran-Brennelemente in einem Lagergestell bei der ANF Lingen, ca 1990)

(*Rumänien betreibt sogenannte Candu-Reaktoren, die ohne angereichertes Uran für den Betrieb auskommen. Die Brennelemente werden im Land selbst hergestellt, mit Uran aus Rumänien. In sogenannten Leichtwasserreaktoren könnte dieser Brennstoff nicht eingesetzt werden. (Siehe hier))

  • Was die Daten nicht zeigen, ist die Herkunft des Urans und wo die Anreicherung und Vorbereitung für die Verarbeitung zu Brennelementen erfolgt. Uranbergbau gibt es in der EU nicht in relevanter Form. Neben Kasachstan, Canada, Niger und Namibia als Uranlieferanten ist bei der Anreicherung neben der URENCO mit Anlagen in Gronau (BRD) und Almelo (NL) in der EU auch und vor allem Russland zu nennen. Auch Frankreich reichert Uran an.

Auf der Euro-Stat-Seite der EU ist eine Übersicht unter dem Titel „Nuclear energy statistics“ online. Die Daten sind derzeit von 2013 bist 2023, sodass z.B. bei der EU-Stromerzeugung aus Atommeiler auch noch Deutschland mit angeführt wird. Die letzten AKWs wurden dann Mitte April 2023 stillgelegt worden, sodass der Atomstromanteil in der EU vermutlich weiter gesunken sein muss. Auch Daten zur Urananreicherung sind auf der genannten Seite zu finden. Deutschland ist mit der URENCO-Anlage in Gronau an der Urananreicherung beteiligt. In der Statistik befinden sich außerdem Daten zur Herstellung von Plutonum-Mischoxid-Brennelementen, MOX. Demnach stellt seit 2015 nur noch Frankreich innerhalb der EU solche Plutonium-Brennelemente für den Einsatz in Atomkraftwerken her.

In Sachen Brennelemente-Fertigung in der EU ist bei Euro-Stat zu lesen:

Production of fresh fuel assemblies

The fuel assembly constitutes the base element of the nuclear reactor core. The material used is the low enriched uranium (3% to 4% U235) produced by the enrichment plants. The standard pressured water reactor core contains about 157 fuel assemblies (depending on the reactor type). The uranium oxide (black powder) is pressed into pellets (small cylinders), then placed inside rods (tubes of about 1 cm diameter, 4 m length ) which are inserted into the basic element of nuclear fuel, the „assembly“. The term „fresh fuel“ indicates that it is the first use of uranium extracted from mines as opposed to the „MOX fuel“ which is mainly made of recycled material. MOX (mixed oxide) assemblies are not included in this section but are covered in section „Production of MOX fuel elements“.

Production of fresh fuel elements are measured in tonnes of heavy metal (tHM).

Only 5 EU countries produced fresh fuel elements in 2023: Germany, Spain, France, Romania and Sweden (see Table 4 and Figure 2), with an overall decrease from 2013 to 2023 of 22.0%. Sweden recorded the largest decrease in production of fresh fuel elements over the past decade (-34.0%), followed by Germany (-29.0%), Spain (-19.5%) and France (-18.2%). Romania recorded an increase of +1.7%.

Production of fresh fuel assemblies, 2013 – 2023 (tonnes of heavy metal (tHM))

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