Standortsuche Atommüll-Endlager in Schleswig-Holstein: Sterup – „besser geeignet als Gorleben“

Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll, dessen dauerhaft sichere Lagerung bis heute ungeklärt ist? Das neue Standortauswahlverfahren ist gerade angelaufen und zunächst sollen alle möglichen Regionen in fast ganz Deutschland entlang von Ausschluss- und Mindestkriterien untersucht werden. In vielen Regionen, die nach alten Karten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe möglicherweise in Frage kommen, werden Behörden und BürgerInnen aufmerksam. In Schleswig-Holstein z.B. bringt eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion (PDF) das Örtchen Sterup ins Spiel. Im Umweltausschuss verlangte die SPD einen „Bericht der Landesregierung zum aktuellen Stand der Atommüll-Endlagersuche in Schleswig-Holstein“ (PDF). Und die Kieler Nachrichten wissen: „Neun Gemeinden aus SH als Endlager denkbar„. Eine erste Veranstaltung der Naturfreunde SH fand jetzt mit dem Co-Vorsitzenden der ehemaligen Endlager-Kommission, Michael Müller, in Sterup statt. Und dann war da ja noch Oldenswort. (Siehe auch hier).

In einer Pressemitteilung (PDF) zur Veranstaltung in Sterup (19.9.) teilen die Naturfreunde SH mit: „Anlass sind jüngste Medienberichte, wonach in Schleswig-Holstein Standorte für ein Atommüllendlager im Gespräch sind – so im Raum um Rendsburg, in Schleswig-Flensburg bei Sterup, in der Nähe von Itzehoe bei Krempe und im südlichen Schleswig-Holstein bei Siek. Bereits jetzt gelten Veränderungssperren. So dürfen Tiefbohrungen nur nach ausdrücklicher Erlaubnis vorgenommen werden. Dass hat zu Aufregung und Sorgen in den betroffenen Gemeinden geführt, zumal noch wenig bekannt ist und daher Sorge besteht, dass den „Dörflern“ etwas untergejubelt werden solle.“

In den Kieler Nachrichten heißt es mit Blick auf die möglichen Regionen in SH: „Dazu gehören neben den Salzstöcken bei Sterup im Kreis Schleswig/Flensburg auch Hamdorf und Eisendorf-Gnutz südlich von Rendsburg, das nordfriesische Oldenswort, Hennstedt in Dithmarschen, Krempe im Kreis Steinburg sowie Siek im Lauenburgischen. Besondere Sorge macht man sich in Sterup, weil dieser Standort vom Tüv Hannover vor Jahren als besser geeignet als Gorleben bewertet worden war. Ob die Salzstöcke tatsächlich in die nähere Auswahl kommen, ist offen. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) hat gerade ein Forschungsprojekt ausgeschrieben, in dem geklärt werden soll, ob Salzstöcke überhaupt die Bedingungen für ein Endlager erfüllen.“

Weitere Berichte über Sterup im Zusammenhang mit der Endlagersuche gibt es bei der SHZ „Atommüll-Endlager-Suche: Die Verunsicherung in Angeln wächst“ und hier „Die Endlagersuche geht los – auch in SH“ und bei Sat1-Regional.

Über eine weitere Region berichtet die SHZ: „Zwei riesige Salzstöcke in der Hohner Harde und im Nortorfer Land wurden bereits 1995 geprüft / Umwelt-Landesamt beschwichtigt“. Bereits 1995 seien diese schon in einem Untersuchtungsbericht der BGR genannt worden. „Das wurde damals nicht an die große Glocke gehängt, Markus Mehrens wurde zumindest nichts darüber mitgeteilt. Der 66-Jährige ist seit 1993 Bürgermeister in Gnutz.“

Der NDR berichtet im Zusammenhang mit der Veranstaltung in Sterup und hat mit dem zweiten Referenten gesprochen. „Endlagersuche: „Alte Gutachten sind obsolet“, schreibt der Sender über das Gespräch mit dem Geowissenschaftler Andreas Dahmke von der Universität Kiel. „Heutzutage Untersuchungen wie jene von 1995 oder älter als Kriterium heranzuziehen, sei „obsolet“, erklärte Dahmke im Vorfeld der Infoveranstaltung: „Das ist, als wenn Richter heute ein Urteil sprechen und sich dabei auf eine uralte Rechtsprechung beziehen.“ Der Wissenschaftler ist kein Experte für radioaktive Abfälle, kennt Schleswig-Holsteins Untergrund nach eigenen Angaben aber „ziemlich gut“. Das Land sei von sogenannten Salzmauern durchschlagen – Ablagerungen von großen Meeren, die Schleswig-Holstein vor knapp 300 Millionen Jahren überzogen. Eine dieser Salzmauern habe beispielsweise den berühmten Kalkberg in Bad Segeberg entstehen lassen. Insgesamt seien die Salzstöcke jedoch zu wenig erkundet, um ihre Endlager-Eignung zu beurteilen, so Dahmke.“

Außerdem berichtet der NDR: „In Sterup formiert sich Widerstand“ und schreibt dazu: „Sterup im Kreis Schleswig-Flensburg gehört zu den Gemeinden, die Mitte der 1990er-Jahre als mögliches Endlager in Betracht gezogen wurden. Eine Bürgerinitiative setzte sich dort zuletzt erfolgreich gegen Ölförder-Bohrungen ein. Der Bürgermeister rechnet bereits mit massivem Widerstand, falls der Bund Sterup tatsächlich für ein Atommüll-Endlager in Betracht ziehen sollte. Das Standortauswahlgesetz sieht vor, dass bis 2031 schrittweise ein Standort gefunden wird. „In ganz Deutschland gilt das Prinzip der weißen Landkarte“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck NDR 1 Welle Nord. Kein Ort müsse mehr Sorgen haben als ein anderer, so der Grünen-Politiker: „Das gilt von Bayern bis Flensburg.“ Habeck hatte zuletzt für Solidarität geworben.

Der Darstellung von Habeck widerspricht Dahmke: „Die Landkarte sei „eben nicht weiß in Deutschland“. Ballungszentren wie etwa in Nordrhein-Westfalen fielen beispielsweise als Endlager-Standorte aus. Dort gebe es zudem wenig Salze und Tone – Gesteinsarten, die unter anderem für die Aufbewahrung von Atommüll als geeignet betrachtet werden und in Schleswig-Holstein zum Beispiel vorhanden sind. Anders herum hält Dahmke es auch für falsch, Naturschutzgebiete von vornherein als mögliche Standorte auszuschließen. „Wenn das Endlager für eine Million Jahre sicher sein soll, was sowieso Käse ist, dann ist es egal, ob dort heute ein Naturschutzgebiet ist oder nicht“, sagte der Wissenschaftler.“

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