Gruß an Atommülllager Morsleben – Nationales Begleitgremium tagt in Magdeburg

Das Nationale Begleitgremium (NBG), das die Suche nach einem Atommülllager nach dem Standortauswahlgesetz überwachen soll, tagt am 10. November bereits zum elften Mal: Diesmal in Magdeburg, unweit des Atommülllagers in Morsleben (ERAM). Dort kommt das Verfahren zur Stilllegung nicht vom Fleck, weil Sicherheitsnachweise bis heute nicht erbracht werden können. Außerdem gibt es Überlegungen, das bisherige Verfahren auf Null zu stellen und noch einmal neu anzufangen. Dabei könnte es sogar passieren, dass der bisherige Antragsteller zur neuen Genehmigungsbehörde wird (siehe dazu Endlagerdialog). (Foto: Die Vorsitzenden des NBG: Prof. Dr. Klaus Töpfer und Prof. Dr. Miranda Schreurs.)

Das NBG hat sich dazu für den Top1 ERAM-Experten eingeladen: Matthias Ranft, Leiter Projekt Morsleben, Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Klaus Rehda, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, den Vorstand der Initiative gegen das Atommüllendlager Morsleben e.V. und den Vorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.. Anwesend sein werden wegen des Top3 aber auch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) und das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Die vollständige Tagesordnung der Sitzung des NBG ist hier online.

Die Kosten des Atommülls: Siemens und AREVA wollen in den Atomfonds – URENCO kennt keinen Atommüll

Nachdem Grüne, CDU/CSU und SPD Ende 2016 im Bundestag gegen die Stimmen der Linken die AKW-Konzerne gegen eine Einmalzahlung von der künftigen Haftung bei den Kosten für die Atommülllagerung befreit haben, will nun auch der Siemens-Konzern seinen Atommüll verstaatlichen und die Verantwortung abgeben. Das Unternehmen hat deshalb einen Brief an die Grünen geschickt, dass doch bitte in einem Koalitionsvertrag zu notieren. Auch der zur AREVA gehörende Brennelemente-Hersteller in Lingen will in den Fonds. Der Betreiber der Urananreicherungsanlage in Gronau, die URENCO, zeigt sich weniger interessiert. Dort kennt man keinen Atommüll, sondern nur Wertstoffe. Darüber berichtet Bizzenergy hier und hier.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel hatte im September die Bundesregierung per Kleiner Anfrage zu den Plänen, weitere Unternehmen an dem Atommüllfonds zu beteiligen und sie im Gegenzug von der weiteren Kostenverantwortung zu befreien, befragt. Dabei hatte die Bundesregierung eingeräumt, dass sie derartige Absichten habe und mit den Siemens-Vorständen darüber auch bereits gesprochen hat. Eine Regelung werde für spätestens 2018 angestrebt, heißt es.

Siemens hatte u.a. Brennelemente für den AKW-Einsatz in Hanau hergestellt. Insgesamt 10.170 Kubikmeter Atommüll sind dabei angefallen. Für den Rückbau der Atomanlagen und die Atommülllagerung hat Siemens sogenannte „Entsorgungs-Rückstellungen“ in Höhe von 1.551 Millionen Euro gebildet.

Bizzenergy berichtet mit Blick auf URENCO Gronau und AREVA Lingen: „Nun möchte auch der Siemens-Konzern in den Fonds einzahlen, damit der Bund die Endlagerung von rund 10.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Stoffe aus der früheren Siemens-Brennelementefabrik Hanau und aus dem benachbarten Standort Karlstein übernimmt. In mindestens zwei hochrangig besetzten Treffen hat der Konzern darüber bereits mit dem Bundeswirtschaftsministerium verhandelt.

Der französische Staatskonzern Areva hat ebenfalls Interesse. Seine deutsche Tochtergesellschaft, die Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) im emsländischen Lingen, ist nach eigener Darstellung bereit zu Gesprächen über eine Aufnahme in den Fonds, sofern der Gesetzgeber diesen für weitere Unternehmen öffnet.

URENCO hat nach dem Bericht kein Interesse an einer Beteiligung, weil das Unternehmen nach eigener Auffassung gar keinen Atommüll erzeugt, sondern nur Wertstoffe besitzt: Abgereichertes Uran.

Bizzenergy schreibt: „Tausende Tonnen abgereichertes Uran lagern auf dem Firmengelände bei Gronau. Das Unternehmen betrachtet den Stoff, der beim Anreichern von Uran für die Brennelemente-Produktion anfällt, aber nicht als Abfall, sondern als Wertstoff. Nach Aussage des Urenco-Sprechers soll das Material noch einmal in die Herstellung von Kernbrennstoffen einfließen. Dennoch bildet die deutsche Tochter des britischen Urenco-Konzerns nach Vorgaben der Bundesregierung Rückstellungen für den Fall, dass die Bestände endgelagert werden müssen. Atomkraftgegner bezweifeln, dass das Material wirklich noch einmal verwertet wird und stufen es als Atommüll ein. Seit Jahren kommt es zu Protestaktionen. Immer wieder blockieren Demonstranten Bahntransporte mit Urenco-Fracht.“

Während URENCO von Wertstoffen spricht, hat die Bundesregierung rund 100.000 Kubikmeter abgereicherte Uranabfälle – vorsorglich, wie es heißt – für die Suche nach einem Atommülllager eingeplant. Denn: Diese Reststoffe aus Gronau dürften laut bestehender Genehmigung nicht im geplanten Schacht Konrad eingelagert werden.

UN-Atomwaffen-Verbot: Zdebel unterstützt ICAN-Initiative für deutsche Unterschrift!

„Mit einer Unterschriften-Aktion will Nobelpreisträger ICAN Druck machen, damit die neue Bundesregierung den UN-Atomwaffenverbots-Vertrag unterschreibt. Atomwaffen gehören in der Tat verboten und die deutsche Unterschrift unter den Vertrag. Wir müssen vielfältig Druck machen, damit das passiert. Deshalb habe ich die Petition von ICAN unterschrieben“, sagt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE).

„122 Staaten haben im Juli einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beschlossen. Bislang fehlt Deutschland bei diesem historischen Abkommen. Wir fordern: Die künftige Bundesregierung muss das Verbot unterzeichnen und die US-Atomwaffen aus Deutschland abziehen!“, heißt es in der Petition der internationalen Abrüstungsinitiative.

„Es ist höchste Zeit, dass wir unter Atomausstieg nicht nur das Abschalten von Atommeilern verstehen, sondern auch den Abzug der US-Atombomben aus Büchel und die weltweite Ächtung von Atomwaffen“, stellt Zdebel fest.

  • Menschenkette von der nordkoreanischen Botschaft zur Botschaft der USA – Samstag, 18. November 2017 in Berlin, Treffpunkt Brandenburger Tor, 11 Uhr. Bitte unterstützt die Aktion. Anmelden unter:

„Dies gilt umso mehr, weil die auch in Deutschland ansässige URENCO künftig Uran an US-Reaktoren liefern soll, in denen das für die Atomwaffen dringend erforderliche Tritium erzeugt wird. Die URENCO unterliegt der staatlichen Kontrolle von Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. Mit einem Veto im dem Kontrollgremium über URENCO hätte die Bundesregierung diese Beihilfe zum US-Atomwaffenprogramm stoppen müssen.“

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