Vorbereitungen für Castor-Transporte aus Sellafield ins Atommüll-Zwischenlager Biblis

Noch im Frühjahr soll hochradioaktiver Atommüll aus der britischen Plutoniumfabrik Sellafield in das Zwischenlager Biblis rollen. Die entsprechende Einlagerungsgenehmigung für diesen besonderen, in Glas eingeschmolzenen Atommüll ist vom zuständigen Bundesamt inzwischen erteilt und veröffentlicht. Genehmigt ist die „Aufbewahrung von Kernbrennstoffen in Form von verfestigten hochradioaktiven Abfällen (HAW-Glaskokillen) aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken bei der Sellafield Ltd. in bis zu sieben Transport- und Lager-behältern der Bauart CASTOR®HAW28M“. Laut Mitteilung der GNS (siehe unten) werden aber nur sechs Behälter transportiert. Bereits im letzten September hatten die Verantwortlichen einen Testlauf für den Transport der Castor-Behälter durchgeführt. Außerdem wurde im September per Bahn und den Hafen Nordenham der letzte Behälter zur Beladung nach Sellafield transportiert. Die erforderliche Genehmigung für den Transport nach Biblis ist beantragt, aber offenbar noch nicht erteilt. Anti-Atom-Initiativen haben für den 2. Februar einen Aktions-Protesttag angekündigt.

Zur Kalterprobung wurde das Hantieren mit einem Leerbehälter in Biblis erprobt. Nach der Verstaatlichung der Atommüll-Entsorgung ist die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) für das Zwischenlager in Biblis zuständig. Über die „Kalterprobung“ berichtet das Unternehmen hier.

Im September ging außerdem über den niedersächsischen Hafen von Nordenham der letzte der erforderlichen Castor-Behälter mit dem Spezialschiff Pacific Grebe Richtung Sellafield. Dazu wurde mit einem mobilen Kran im Hafen der Behälter vom Bahnwaggon auf das Schiff umgeladen, teilte ein Sprecher der GNS mit. Inzwischen sind alle Behälter beladen, heißt es.

Der BUND Hessen, die Atommüllkonferenz der Anti-Atom-Initiaven und auch Hubertus Zdebel hatten an die Einlagerung von Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in die Zwischenlager an den AKW Standorten Bedingungen geknüpft.

Geplant ist, Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England in die Zwischenlager Biblis, Isar, Brokdorf und Philippsburg einzulagern. Biblis ist sozusagen das Pilotprojekt für diese Rücktransporte. Ehemals war vorgesehen, diesen Atommüll in das Zwischenlager nach Gorleben zu bringen. Bislang sind in Biblis und den anderen Standort-Lagern hochradioaktive Brennelemente aus dem jeweiligen AKW aufbewahrt. Mit den WAA-Abfällen kommt nun neuartiger, in Glas verpackter Atommüll hinzu. Sowohl der eingesetzte Castorbehälter als auch mangelhafte Reparaturmöglichkeiten im Falle von Undichtigkeiten der Behälter stehen in der Kritik. Außerdem gibt es Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Mängel gegen Terroranschläge, nachdem die Genehmigung für das baugleiche Zwischenlager am Standort Brunsbüttel vom Oberverwaltungsgericht Schleswig und einem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts wegen zahlreicher Mängel aufgehoben worden ist. Aus Gründen der Terrorabwehr muss in Lubmin bei Greifswald sogar ein neues Zwischenlager gebaut werden, bei dem z.B. erhebliche dickere Beton-Mauern zum Schutz der hochradioaktiven Abfälle eingeplant werden.

Nachgefragt: Urankonzern URENCO, Uran-Müll-Exporte und Besuch aus dem Bundeswirtschaftsministerium

Einzelheiten über den Besuch des Wirtschaftsstaatssekretärs Andreas Feicht (CDU) beim Urananreicherungsunternehmen URENCO in Gronau will der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) mit zwei Fragen an die Bundesregierung in Erfahrung bringen. Feicht hatte laut einem Medienbericht zum Jahreswechsel das Atomunternehmen besucht, das weltweit selbst altersschwache Atommeiler mit Uranbrennstoff versorgt, vom Atomausstieg ausgenommen ist und technisch sogar atomwaffenfähiges Uran herstellen könnte. URENCO ist aktuell massiv in der Kritik, weil es mit einer Billig-Entsorgung Uranmüll in großen Mengen nach Russland exportiert.  In den USA will URENCO künftig sogar fast atomwaffenfähiges Uran mit einer Anreicherung von 19,75 Prozent herstellen. Außerdem entwickelt das Unternehmen einen eigenen Mini-Atomreaktor, ohne dass die Bundesregierung über vorhandene Kontroll- und Vetorechte einschreitet. (Foto: Im Gespräch: Rashid Alimow von Greenpeace-Russland und der MdB Hubertus Zdebel (2019))

Die beiden Fragen des MdB Hubertus Zdebel an die Bundesregierung im Wortlaut:

  1. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung beim Besuch von Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht bei der URENCO in Gronau im Beisein auch der Enrichment Technology Company (ETC), bei dem sich der Staatssekretär „verbunden mit der Firma“ zeigte und „für die offene und transparente Informationspolitik der Bundesregierung gegenüber“ dankte, konkret auch über die URENCO-Lieferungen von Uran für US-Reaktoren zur Herstellung von Tritium für US-Atomwaffen und die URENCO-Entwicklung eines Mini-Atomreaktors (Uran-Batterie) gesprochen worden und wenn ja, mit welchem Ergebnis (https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/4084767-Informationsaustausch-vor-Ort-Staatssekretaer-besucht-Urenco)?
  1. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung beim Besuch von Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht bei der URENCO in Gronau im Beisein auch der Enrichment Technology Company (ETC), bei dem sich der Staatssekretär „verbunden mit der Firma“ zeigte und „für die offene und transparente Informationspolitik der Bundesregierung gegenüber“ dankte, konkret auch über die Herstellung von höher angereichertem HALEU durch URENCO-USA (Bundestagsdrucksache 19/15023) sowie über die laufenden Uran-Exporte nach Russland (Plenarprotokoll 19/117, Frage 24) gesprochen worden und wenn ja, mit welchem Ergebnis (https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/4084767-Informationsaustausch-vor-Ort-Staatssekretaer-besucht-Urenco)?

Jod-Tabletten gegen nukleare Strahlung? Abschalten!

Bei der Berufsfeuerwehr in Münster lagern Jodtabletten, die als vorbeugende Maßnahme gegen einen möglichen Unfall im Atomkraftwerk Emsland in Lingen an die Bevölkerung ausgegeben werden sollen.

Für den Münsteraner Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel von den LINKEN, atompolitischer Sprecher seiner Fraktion, hat die Sache mehr als nur einen Haken:

„Die Tabletten müssen vor oder innerhalb von zwei Stunden nach der möglichen Aufnahme radioaktiven Jods eingenommen werden, um überhaupt eine Wirkung entfalten zu können. Wie die in Münster gelagerten Tabletten die Bevölkerung rechtzeitig erreichen sollen, bleibt mir ein Rätsel. Höchstens einen halben Tag bräuchte eine radioaktive Wolke für die 70-km-Strecke von Lingen nach Münster – viel zu kurz, um eine Verteilung, womöglich bei Nacht und einer durch den Alarm in Angst versetzte Bevölkerung, durchzuführen.

Vor nuklearer Strahlung schützen auch die besten Tabletten selbstverständlich nicht hundertprozentig. Es gibt nur einen wirksamen Schutz: Die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke, auch das in Lingen!

Weltweit weniger Atomstrom – Erneuerbare gegen die Klimakrise!

Während es hierzulande gerade modern wird, eine neuen atomaren Hype herbeizureden, sorgt ausgerechnet die Internationale Atomenergie Agentur (IAEA) für gute Nachrichten. Aus deren Daten hat das IWR eine Auswertung mit dem Ergebnis vorgenommen: Die Stromerzeugung aus Atomkraftwerken hat 2019 abgenommen! Demnach wurden weltweit über 5.983 MW an nuklearer Stromerzeugung stillgelegt. Neue Atomkraftwerke sind jedoch nur mit einer Leistung von insgesamt 5.178 MW ans Netz gegangen. Damit ist der weltweite Anteil der nukleare Stromerzeugung insgesamt leicht zurückgegangen.

Während die IAEA als Förderorganisation für die Atomenergie massiv wirbt und sie als Alternative auch im Kampf gegen die Klimakrise preist, warnen unabhängige Experten davor, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen. Mycle Schneider, Mitherausgeber des jährlich erscheinenden unabhängigen Welt-Reports zur Atomenergie warnte jüngst eindringlich in der Zeit: „Atomenergie verschlimmert die Klimakrise„. Die Atomenergie wäre zu teuer und käme auch viel zu spät hatte Schneider bereits vor einigen Woche zur Veröffentlichung des Welt-Reports erläutert (siehe Link unten).

Für den MdB Hubertus Zdebel ist klar, dass die Energiewende ohne Atom und Kohle stattfinden muss und der massive und zügige Ausbau der kostengünstigen Erneuerbaren Energie die Basis für eine zukunftsfähige und nachhaltige Energieversorgung darstellen wird. Die Blockadepolitik der Bundesregierung gegen den Ausbau der Erneuerbaren müsse endlich beendet werden, so Zdebel.

Auch die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt hatte vor einiger Zeit berichtet, dass die Atomenergie trotz aller Bemühungen entsprechend interessierter Kreise ihren Zenit offenbar überschritten hat.

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Kein Klima für Atomenergie: Gefährlich, zu teuer und nicht zukunftsfähig

„Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer braucht offenbar Nachhilfe in Sachen Ökonomie. Selbst wenn man die Risiken der Atomenergie vom Super-GAU bis zur immer noch ungelösten dauerhaften Atommülllagerung mal für einen Moment außer acht lässt: Die Atomenergie ist im Vergleich zu den Kosten der Erneuerbaren Energie auch auf lange Sicht viel zu teuer und kommt daher auch in Zukunft als Alternative im Kampf gegen die Klimakrise nicht in Frage. Immer neue Studien belegen das. Statt immer neuer atomaren Geisterbeschwörungen sollten Kretschmer und die CDU endlich den Weg für den massiven Ausbau der Erneuerbaren freischalten, damit Atom- und Klimagefahren Geschichte werden – in der Bundesrepublik und anderswo!“ Mit diesen Worten nimmt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) Stellung zu den Äußerungen von Ketschmer über einen eventuellen Wiedereinsteig in die Atomenergienutzung in den nächsten zehn bis 15 Jahren.

Zdebel erinnerte auch daran, dass bis heute die Endlagerung des bei der unverantwortlichen Atomenergienutzung angefallen gefährlichen Atommülls bis heute weltweit ungeklärt ist und selbst nach der Abschaltung der AKWs noch enormen Risiken für die nachfolgenden Generationen bleiben.

Mit Blick auf das erst vor kurzem neugestartete Suchverfahren für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll sagte Zdebel mit Blick auf die Äußerungen von Kretschmer:

„Sachsens Ministerpräsident belastet mit seinen Äußerungen auch massiv die gerade angelaufene Suche nach einem Atom-Endlager für die hochradioaktiven Abfälle. Der Atomausstieg ist für das jetzt anlaufende Such-Verfahren eine politische Grundbedingung, um durch die Begrenzung des Atommülls überhaupt eine Chance zu haben, einen Standort in Deutschland zu finden. Hier zündelt Kretschmer, wenn er den Atomausstieg jetzt in Frage stellt.“

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