Hamburg: Statt Erneuerbare Energien Moorburg Kohle-Wärme? Technisch möglich – politisch nicht gewollt

Hamburg muss nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ die Fernwärme von Vattenfall übernehmen und von Kohle auf erneuerbare Energien umstellen. Die dafür von der Hamburger Umweltbehörde heute vorgestellten Pläne stoßen bei Klima-Initiativen aber auf Kritik, weil nicht ausgeschlossen ist, dass künftig auch das Kohlekraftwerk Moorburg Zugang in das Fernwärmenetz bekommt. Möglich würde dies durch den geplanten Neubau einer Fernwärmetrasse vom Süden unter der Elbe hindurch nach Bahrenfeld. Gegenüber dem DLF (Audio-Link) bestätigt heute ein Behördensprecher: Technisch wäre mit dieser neuen Leitung ein Anschluss von Moorburg möglich, politisch aber nicht gewollt. (Der NDR berichtet hier) Die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und FDP hatten aber genau das mehrfach vorgeschlagen. Neue politische Mehrheiten könnten diese technischen Möglichkeiten also künftig nutzen, um Vattenfall und Moorburg mit Wärme durch klimaschädliche Kohleverbrennung einzubeziehen. Vor einer solchen Möglichkeit warnen BUND und andere Klimaschutz-Initiativen. Aus ihrer Sicht wäre eine erneuerbare Wärmeversorgung auch ohne eine solche neue Fernwärmetrasse möglich. In einer Pressemeldung fordert der BUND Hamburg eine verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird. (siehe PM unten, Foto: Jens Kerstan (links))

Nach den Plänen der Umweltbehörde sollen die mit Kohle befeuerten Kraftwerke in Wedel bis 2022 abgeschaltet und Tiefstack bis 2024 auf Gas umgestellt werden sowie vor allem südlich der Elbe erneuerbare Energie-Anlagen errichtet werden. Die zu Vattenfall gehörende Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) soll künftig ebenfalls für die Versorgung des Hamburger Westens mit Wärme eingesetzt werden. Um all das zu ermöglichen, ist die neue Fernwärmetrasse aus Sicht der Umweltbehörde erforderlich. Die Einbeziehung der MVR in diese Planungen bringt Vattenfall schon einen ersten Vorteil für das Kohlekraftwerk Moorburg: Dadurch, dass die Wärme von der MVR nun in den Hamburger Westen geleitet werden soll, übernimmt Moorburg die bisher von der MVR gelieferte Wärme für die Ölfirma Schindler. Damit bekommt Moorburg dann staatliche Fördermittel, weil die Anlage dann in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird. Damit verbunden sind erhöhte CO2-Emissionen in Moorburg.

Technisch wird so also der Anschluss für Moorburg auch an die Fernwärme möglich. Ein solcher Anschluss ist derzeit zwar politisch nicht gewollt, wird aber unter einer anderen Mehrheit möglich: Die nächste Bürgerschaftswahl in Hamburg ist 2020, bei der der derzeit amtierende rot-grüne Senat seine Mehrheit verlieren könnte und mit CDU und FDP eine Vattenfall-freundlichere Regierung an die Macht kommen könnte.

  • Heute stellt der grüne Umweltsenator Jens Kerstan die Pläne im Energienetzbeirat vor. Die Sitzung ist öffentlich und findet in der Umweltbehörde in Wilhelmsburg ab 17 Uhr statt.

Der BUND Hamburg nimmt per PM folgendermaßen Stellung: „BUND fordert verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird“ und schreibt: „Zur Ankündigung von Umweltsenator Jens Kerstan, bei der Hamburger Fernwärmeversorgung in den nächsten acht Jahren aus der Kohlenutzung auszusteigen, erklärt BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch:

„Ein Ausstieg aus der Kohlewärme bis 2025 in Hamburg ist ganz klar ein richtiger Schritt, den der BUND unterstützt. Die Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack, die derzeit in das Hamburger Fernwärmenetz einspeisen, müssen schnell vom Netz.

In dem heute vorgestellten Konzept für die zukünftige Fernwärmeversorgung müssen wir uns allerdings die Details anschauen. Neben dem skizzierten Zeitplan spielt es eine entscheidende Rolle, wie der zukünftig technisch mögliche Anschluss des umstrittenen Vattenfall-Kohlekraftwerks Moorburg an das Fernwärmenetz dauerhaft verhindert werden kann. Ohne eine verbindliche Zusicherung, dass keine Moorburg-Wärme in das Wärmenetz eingespeist wird, könnte sich der Kerstan-Plan als Dolchstoß für den Klimaschutz erweisen.““

Außerdem:

DPA meldet dazu laut HH.de: „Das Hamburger Fernwärmenetz soll bis 2025 vollständig ohne den Energieträger Kohle auskommen und überwiegend aus Erneuerbaren Energien gespeist werden. Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) präsentierte am Donnerstag ein Bündel verschiedener Maßnahmen, mit denen das überalterte Kraftwerk Wedel ersetzt werden soll. Es soll nunmehr in fünf Jahren vom Netz gehen. Um das Fernwärmenetz weiterhin mit Energie zu versorgen, will die Stadt unter anderem industrielle Abwärme aus großen Industriebetrieben südlich der Elbe nutzen sowie Energie aus Abfall und Abwasser. Zudem ist ein großer unterirdischer Energiespeicher geplant.

Die notwendigen Investitionen bezifferte Kerstan auf ungefähr 600 Millionen Euro, wobei noch Einzelheiten zu klären seien. Für die rechnerisch rund 500 000 Haushalte im Hamburger Fernwärmenetz seien durch die Umstellung keine außerordentlichen Preissteigerungen zu erwarten. Das zweite große Kraftwerk Tiefstack, das den Hamburger Osten weitgehend mit Fernwärme versorgt, soll 2024 von Kohle auf Erdgas umgestellt werden. Am Ende würden so rund 600 000 Tonnen CO2 eingespart, das wären fast zwei Drittel des heutigen Ausstoßes.

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