Vattenfall AKW Krümmel: Verunreinigte Brennelemente sollen in die USA

Vattenfall will zwölf Brennelemente aus dem abgeschalteten AKW Krümmel in die USA transportieren. Die Brennelemente waren zwar nicht im Reaktoreinsatz, sind aber mit Kobalt 60 belastet. Vattenfall hatte geplant, diese Brennelemente einzusetzen und hatte sie dafür bereits in das Nasslager eingestellt, welches oberhalb des Reaktordruckbehälters liegt. Die im Reaktor befindlichen hochradioaktiven Brennelemente haben somit durch das umfließende Wasser für die Kontaminierung gesorgt. Ende 2018, so die Bergedorfer Zeitung, soll der Transport in die Brennelementefabrik von Richland im Nordwesten der USA (Bundesstaat Washington) erfolgen.

Rechtlich dürfte die Frage eines Exports in die USA nicht ganz einfach sein, denn auch zur Wiederverwertung darf Kernbrennstoff und Atommüll nach dem Atomgesetz nicht einfach ins Ausland gebracht werden. Die Frage ist, wie diese kontaminierten Brennelemente und ihre Bearbeitung im Ausland rechtlich zu bewerten sind. Dieses angereicherte und kontaminierte Uran (Kernbrennstoff) kann vermutlich auch nicht einfach wie z.B. schwachtaktiver Atommüll (kein Kernbrennstoff) zur Konditionierung ins Ausland gebracht werden. Es dürfte interessant sein, wie das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung als zuständige Behörde diese geplanten Atomtransporte bewerten wird.

Für den Umgang mit derartig belasteten Uran-Brennelementen gibt es in Deutschland laut Vattenfall keine Möglichkeit. Die Brennelementefabrik der AREVA in Lingen darf nur mit frischem angereichertem Uran hantieren. Ob auch Anlagen in Frankreich oder Belgien geprüft wurden, ist unklar. Mit dem Transport in die USA will Vattenfall erreichen, dass nach einer Reinigung der Brennelemente das darin enthaltene Uran verkauft und erneut zu Brennelementen verarbeitet werden kann. Aufgrund der besonderen Spezifikationen des AKW Krümmel können für diese Anlage gefertigte Brennelemente nicht in anderen Reaktoren eingesetzt werden. Lediglich in Gundremmingen werden derzeit noch vom Krümmel-Typ zwei Siedewasserreaktoren betrieben. Andere unbenutzte Brennelemente, die in einem separaten Trockenlager aufbewahrt wurden, werden – wie auch bei anderen abgeschalteten AKWs – z.B. nach Lingen transportiert und das Uran dort für andere Reaktoren neu verarbeitet.

Laut Bergedorfer Zeitung erklärte eine Vattenfall-Sprecherin, dass die Brennelemente vor dem Transport in die USA gereinigt würden. Allerdings sei es anschließend jedoch wegen der Eigenstrahlung des Brennstoffs nicht möglich, nachzumessen, ob sich kein Kobalt 60 mehr auf der Oberfläche befindet.

„Herkömmlich“ abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktorbetrieb von Krümmel sind inzwischen in das benachbarte Standort-Zwischenlager transportiert. Dort befinden sich nun 41 Castor-Behälter mit 1093 abgebrannten Brennelementen.

Allerdings ist damit der Reaktor bzw. das Nasslager immer noch nicht frei von Kernbrennstoffen, wie die Bergedorfer Zeitung schreibt: „Laut Vattenfall befinden sich im Brennelementelagerbecken noch 78 Sonderbrennstäbe sowie ein Brennelement, das wiederum in 76 dieser Sonderbrennstäbe zerlegt werden müsse. Um diese Brennstäbe in Castoren unterzubringen, würden sogenannte Köcher benötigt, für die es noch keine Zulassung gebe. Deshalb rechnet der Kraftwerksbetreiber nicht vor 2019 damit, das Lagerbecken endgültig geleert zu haben.“ Auch in anderen bundesdeutschen Reaktoren gibt es mit diesen Sonderstäben bislang Probleme.

Bettina Boll von den Grünen in Geesthacht kritisiert das geplante Vorgehen von Vattenfall: Die Grünen „hätten immer deutlich gemacht, dass es kurze Wege bei Atomtransporten geben müsse“, heißt es hier bei der BZ.

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