„Die so gut wie gar nicht strahlen“ – Erdaushub aus dem AKW Krümmel darf auf Deponie

(Update, Überarbeitet) Vattenfall-AKW Krümmel: „Es geht um 1.500 Kubikmeter Erdaushub und Kies. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um Abfälle, die so gut wie gar nicht strahlen. Die Abfälle sollen auf der Sondermüll-Deponie in Wiershop gelagert werden“ (NDR). Die Abfälle, für die jetzt die Deponie Wiershop grünes Licht gibt, stammen aus dem Erdaushub, der für die laufenden Terror-Schutzmaßnahmen am dortigen Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle anfällt. Die Bergedorfer Zeitung ergänzt: 500 bis 1000 Tonnen Schutt und Aushub sollen in den kommenden Monaten auf dem Recycling-Gelände der Firma Buhck eingelagert und verarbeitet werden. Das entspricht beim Ladevolumen eines Muldenkippers von 24 Kubikmetern rund 40 Lkw-Ladungen. Bei dem Material handelt es sich um Abfall aus dem Überwachungsbereich des Kraftwerkes. Dieser ist im Vergleich zum Kontrollbereich beim Betrieb nur minimalen Strahlenbelastungen ausgesetzt. Im Überwachungsbereich lässt Kraftwerksbetreiber Vattenfall aktuell Leitungen verlegen, das Dach der heißen Werkstatt austauschen und eine neue Wache bauen. Diese entsteht am Zwischenlager mit den Castoren, die hochradioaktive Brennstäbe enthalten.“ Material bzw. Abfälle aus dem Kontrollbereich sind nicht von dieser Maßnahme betroffen!

  • Dieser Text wurde nach Erstveröffentlichung noch mal wesentlich bearbeitet. Danke für die eingegangenen Hinweise, die zu der Überarbeitung führten.

Der NDR erklärt auf seiner Homepage: „Die Nachbargemeinde Wiershop (Kreis Herzogtum Lauenburg) hat nun den Entschluss gefasst, dafür ihre Deponie bereitzustellen. Der für die Atomaufsicht zuständige Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die Entscheidung der Gemeinde als „mutigen Entschluss“. Es ist das erste Mal, dass eine Gemeinde sich freiwillig bereit erklärt, Abfälle zu übernehmen, die aus dem Umfeld eines Atomreaktors stammen.“

Bei dem Erdaushub, der hier zur Rede steht, dürfte es sich vor allem um Material handeln, dass nichts mit dem Abfall aus dem Rückbau der Atomanlage zu tun hat und insofern direkt mit der Freigabe-Problematik gar nichts zu tun hat. Der Erdaushub im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Errichtung z.B. einer Schutzmauer am Zwischenlagergebäude, die gegen panzerbrechende Waffen helfen soll, ist vermutlich nicht einmal gering radioaktiv, sondern möglicherweise „nur“ chemisch belastet, weil das AKW Krümmel auf dem ehemaligen Gelände der Dynamit-Nobel errichtet wurde, die hier jahrzehntelang Sprengstoff produzierte. Deswegen spricht Habeck nach dem obigen Zitat auch nur vom „Umfeld eines Atomreaktors“, nicht aber direkt von Abrissmaterial des Reaktors! Abfälle, die am AKW Krümmel auch aus der Sanierung von Gebäuden der eigentlich Atomanlage angefallen sind, sind zwar offenbar Gegenstand der Gespräche, die in der Region geführt werden, aber noch nicht zur Deponierung in Wiershop freigegeben.

Die Bergedorfer Zeitung berichtet mit Darum 29. April: „Mit einer Gegenstimme hat die Gemeindevertretung Wiershop den Weg dafür frei gemacht, eine Vorlage verabschiedet: „Der Firma Buhck wird empfohlen, bis zum genehmigten Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel im Rahmen von Instandsetzungen und Bauveränderungen anfallende, auf Anordnung des Landes Schleswig-Holstein freigemessene Baustoffe und Abfälle anzunehmen und je nach Anforderung zu deponieren, sofern sie nicht aus dem Kontrollbereich stammen.“

Auf diesen Wortlaut hatte sich zuvor die regionale Arbeitsgruppe Geesthacht, Wiershop , Umland verständigt. Zu ihr gehören Vertreter aus den umliegenden Kommunen, von Politik, Verwaltung, Naturschutzverbänden und der Recycling-Firma. Nimmt die Firma Buhck solche Aufträge von Vattenfall an, muss sie laut Beschluss den inneren Zirkel der Arbeitsgruppe – die Lenkungsgruppe – informieren. Unbedingt nötig wäre dieses Vorgehen nicht. Die Firma könnte auch ohne diese Zustimmung den Abfall auf seinem Gelände lagern.“

Was mit den Abfällen, die gering kontaminiert sind und die in den nächsten Jahren beim Rückbau der Atommeiler in großen Mengen anfallen werden, ist also weiterhin noch unklar.

Die Deponiebetreiber haben in Schleswig-Holstein bislang allesamt die Annahme von Abfälle der Atomkraftwerke abgelehnt. Die Firma Buhck gehört dazu und hat immer wieder betont, dass es einen Konsens mit den BürgerInnen und der Gemeinde braucht. In der Bergedorfer Zeitung heißt es daher: „Wir sehen uns in einer Verantwortung für die gesamte Region und wollen diesen Prozess mit größtmöglicher Transparenz durchführen“, sagt Geschäftsführer Thomas Buhck im Gespräch mit unserer Zeitung. 2016 hatte es der Recycling-Chef so formuliert: „Wir werden kein Gramm Abfall aus Krümmel annehmen, solange nicht mit allen Beteiligten vor Ort darüber Einigkeit erzielt ist.“ Und diese Aussage stehe nach wie vor – auch bei dem Schutt, um den es jetzt geht. „Es handelt sich um gewöhnliche Bauabfälle“, betont Buhck, „nur dass sie die Adresse des Kernkraftwerks tragen.“

Zum Umgang mit den Abrissabfällen gibt es in nahezu allen Deponiestandorten in der Republik Proteste von BürgerInnen und Kommunen. Unstrittig ist, dass Abrissabfälle, die keinerlei radioaktive Kontamination aufweisen (was nachzuweisen ist), einfach in den Bereich der Abfallwirtschaft abgegeben werden. Strittig sind diejenigen Abfälle, die im Rahmen der sogenannten Freigabe einfach in den normalen Wertstoffkreislauf „freigegeben“ werden, obwohl ein Teil davon zwar gering, aber eindeutig vom AKW-Betrieb her radioaktiv ist. Und strittig sind die Abfälle – überwiegend Beton und Stahl – die deponiert werden müssen.

Mit Blick auf Schleswig-Holstein und die dortigen Proteste berichtet der NDR weiter: „Nun werden weitere Gemeinden in Schleswig-Holstein gesucht, die den Bauschutt auf ihren Mülldeponien lagern können und wollen. „Vielleicht kann man die Hoffnung haben, dass auch nächste Schritte gelingen, weil eine ruhige Diskussion den Menschen ermöglicht, ungewöhnliche Schritte zu gehen“, sagte Habeck dem Schleswig-Holstein Magazin. Allerdings gilt das erst einmal nur für Erdaushub, der außerhalb des Kernkraftwerks im Überwachungsbereich angefallen ist.“

Gerrit Pfennig von der Bergedorfer Zeitung ergänzt richtigerweise in seinem Artikel außerdem: „Die Mengen, um die es dann gehen wird, sind
wesentlich größer. Vattenfall schätzt den Schutt auf etwa 540 000 Tonnen – also bis zum Tausendfachen der aktuellen Menge. Wie diese dann gelagert wird, wird weiterhin diskutiert.“ Dabei verweist er auch darauf: „Eine Idee der grünen Vertreterin Bettina Boll sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Ihre Idee: Den Krümmel-Schutt in das benachbarte Pumpspeicherbecken kippen und dann diese „Deponie“ mit einer Betondecke versiegeln.“

Das Thema der fehlenden Deponien für derartige kontaminierte Abfälle beschäftigt die Kieler Landesregierung und den Minister Habeck schon längere Zeit. In einer ersten Initiative hatte Habeck versucht, Entsorger, Umweltverbände und Gemeinden unter eine festgelegte Resolution zu einem Konsens zu bringen. Dieser Versuch scheiterte, weil Habeck sich nicht auf einen Alternativenvergleich zum Umgang mit diesen Abfällen einlassen wollte. Das soll nun in einem zweiten Anlauf versucht werden.

Allerdings tagt die dazu gebildete Arbeitsgruppe in einem handverlesenen Kreis von TeilnehmerInnen, bei der für die Anti-Atom-Gruppen lediglich der BUND und der Nabu und noch ein dritter Landesverein zugelassen sind. Die Initiativen, die an ihren Deponien eine Ablagerung ablehen, sind nicht mit am Tisch.

(Gemeindeinformation Mai 2017, PDF) Gemeinde Wiershop befasst sich mit der Entsorgung von Bauabfällen aus dem KKW Krümmel

Von der schleswig-holsteinischen Landesregierung und dem Betreiber Vattenfall angestoßen gibt es derzeit im Lande eine intensive Diskussion, wie und wo die Abfälle aus dem zukünftigen Rückbau kerntechnischer Anlagen entsorgt werden sollen. Diese Suche nach dem besten Vorgehen wird sicherlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen. In einer regionalen Arbeitsgruppe aus Vertretern der umliegenden Gemeinden, Ämter, dem Kreis, der örtlichen Umwelt- und Naturschutzverbände und lokaler Initiativen sowie Fa. Buhck als Betreiberin des Abfallwirtschaftszentrums in Wiershop wird die Entwicklung vor Ort diskutiert und konstruktiv begleitet.

In diesen Gesprächen hat die Fa. Buhck zugesagt, keine Abfälle aus dem KKW Krümmel ohne Abstimmung und ausdrückliche Einwilligung der regionalen Arbeitsgruppe und der Standortgemeinde anzunehmen. Die aufgeführten Gremien haben sich darauf verständigt, dass derzeit keinerlei Abfälle aus dem Reaktorbereich in das Abfallwirtschaftszentrum oder an andere Entsorgungsanlagen verbracht werden sollen, lediglich Umbauabfälle aus den umgebenden Bereichen des Kraftwerksgeländes können nach Überprüfung der Schadlosigkeit dort entsorgt werden. Mit der Entsorgung der Abfälle aus dem Reaktorrückbau, in welcher Form und an welcher Stelle auch immer, wird schwerpunktmäßig erst ab dem Jahre 2020 zu rechnen sein.

Die Gemeindevertretung Wiershop hat sich in ihrer Sitzung am 24.04.2017 konkret mit der Entsorgung von Umbauabfällen aus dem umgebenden Werksgelände des Kernkraftwerks Krümmel befasst. Es geht um Bauschutt, Straßenaufbruch und Boden aus Baumaßnahmen, die bei wichtigen baulichen Sicherungsmaßnahmen anfallen und abgefahren werden müssen, um die Baumaßnahmen fortsetzen zu können.

Rückbauabfälle und Stoffe aus dem Reaktorbereich sind nicht darunter. Vorsorglich führt das Landesumweltministerium eine behördliche Freigabe dieser Abfälle durch, bevor die Entsorgung stattfinden kann. Die Gemeinde Wiershop ist einverstanden mit einer Entsorgung der Bauabfälle, die

sämtlich nicht aus dem nuklearen Kontrollbereich stammen, im Abfallwirtschaftszentrum Wiershop. So wird die Entsorgungssicherheit für das Kraftwerk gewahrt und die sicherheitstechnisch wichtigen Baumaßnahmen auf dem Werksgelände können stattfinden.

Die Gemeinde

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