Atommüll überall – BUND-Studie zum „Freimessen“ schwach radioaktiver Stoffe

radioaktivMit dem Betrieb der Atomkraftwerke und -Anlagen entstehen nicht nur leicht-, mittel- und hochradioaktive Abfälle, deren langfristig sichere Lagerung bis heute nicht geklärt ist. Es entstehen außerdem kontaminierte Materialien, Stoffe, an denen Radioaktivität anhaftet. Dazu gehören unter anderem Stahlteile oder Beton. Diese können zwar in bestimmten Grenzen dekontaminiert werden, aber ein Rest von Strahlenbelastung haftet ihnen selbst dann noch an. Denn: Nur bis zu einem bestimmten Grenzwert werden sie dekontaminiert. Unterschreiten sie diesen Grenzwert, können sie im Grundsatz als Wertstoffe weiter eingesetzt oder auf Deponien eingelagert werden. Vor allem mit dem kommenden Abriss der Atomkraftwerke werden derartige Stoffe in großen Mengen anfallen. Die Sorge: Werden diese sehr schwach aktiven Stoffe großflächig verbreitet, steigt flächendeckend auch die Belastung der Bevölkerung. Der BUND hat diese Problematik jetzt in einer Studie untersuchen lassen und Vorschläge zum weiteren Umgang mit dieser Form von Atommüll gemacht (Download-Link unten).

Auf seiner Homepage schreibt der BUND: „Die im Auftrag des BUND erstellte „Stellungnahme zu Defiziten der Regelung von Freigaben radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland“ von Wolfgang Neumann beleuchtet das verdrängte Problem beim Rückbau von Atomkraftwerken.

In Deutschland existiert die Möglichkeit, schwach radioaktive Reststoffe und Abfälle aus dem Zuständigkeitsbereich von Atomgesetz und Strahlenschutzverordnung in den konventionellen Bereich zu entlassen („Freigabe“). Dies bedeutet, dass Materialien aus einem Atomkraftwerk, das rückgebaut wird, nach so einer „Freimessung“ auf einer normalen Hausmülldeponie landen können oder als Wertstoff wiederverwendet werden. Bei einer Stilllegung von Atomkraftwerken fällt eine besonders große Menge solcher Materialien an. Wegen der derzeit anstehenden gleichzeitigen Stilllegung von acht Reaktoren können die freigegebenen Mengen so groß sein, dass die Einhaltung des Strahlenschutzzieles für die Bevölkerung durch Freigaben gefährdet ist.

Radioaktivität wird unterschätzt – mehr Kontrolle nötig

Durch die großen jährlichen Freigabemassen und die unterstellte Verteilung auf viele Deponien wird die auf einer Deponie abgelagerte Radioaktivität unterschätzt. Daraus folgt, dass die Freigabewerte zur Deponierung im Sinne eines vorbeugenden Strahlenschutzes zu hoch sind.

Deshalb muss die Entlassung von Reststoffen und Abfällen in den konventionellen Bereich auf jeden Fall stärker überwacht und reglementiert werden. Ein weitergehender Schutz der Bevölkerung wäre durch die Aufgabe der Freigaberegelung und die Verfolgung des französischen Konzepts mit einem gesonderten Entsorgungsweg für schwächer radioaktive Stoffe möglich.

Es muss dringend geprüft werden, ob eine Konzentration dieser Stoffe in einem die notwendigen Rückhalteanforderungen erfüllenden oberflächennahen Endlager sinnvoller ist als die Verteilung der Radioaktivität in verschiedenen Hausmülldeponien und Gegenständen für den menschlichen Umgang.

Der BUND lehnt grundsätzlich jegliche Freigaberegelungen in der Strahlenschutzverordnung ab. Dies hat zuletzt 2010 die Bundesdelegiertenversammlung des BUND betätigt.“

Die Studie ist hier zum download als PDF.

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9 Gedanken zu „Atommüll überall – BUND-Studie zum „Freimessen“ schwach radioaktiver Stoffe

  1. Beiträge wie dieser suggerieren den Menschen ein, Niedrigstrahlung sei gefährlich. Die Strahlenbiologie der letzten 20 Jahre weiß es besser. Es gibt keinerlei Hinweise auf Schadwirkungen unterhalb einer akuten effektiven Dosis von 100 mSv.
    Alles andere ist Panikmache, redet den Menschen unbegründete Ängste ein und führt zu erheblichen psychischen Problemen, wie wir sie in Tschernobyl und Fukushima feststellen müssen.
    Wann endlich werden Organisationen wie Greenpeace, BUND usw. die Verantwortung für dieses Leid übernehmen?

    1. Nuklearia e.V. – Mitglieder und Freunde des kernkraftfreundlichen Vereins Nuklearia e.V.. Reden wir mal über Tschernobyl? Majak? Fukushima und noch so ein paar andere Baustellen? Total modern natürlich! Am besten wäre doch irgendwie, mal ganz entschlossen vor der eigenen Haustür zu kehren oder? Vielleicht mal ein wenig in der ASSE aufräumen helfen, bevor man hier so absurde Bekenntnisse der eigenen Verharmlosung daher redet? Modern geht anders – gott sei dank! Und in welchem Unternehmen oder Forschungszweig sind sie so unterwegs? Gruß, Dirk Seifert

      1. Klar, gerne! Fangen wir mit dem jüngsten Vorfall an: Fukushima. Womit haben wir es da zu tun? Mit über 40 Jahre alten Reaktorsystemen. Mit schweren Auslegungsfehlern. Mit dem Ignorieren einer bekannten Gefahr. Mit einem Land, das sich aus die internationalen Sicherheitsregeln der IAEA ausgeklinkt hatte. Mit gleich drei Kernschmelzen auf einmal.

        Was sind die Folgen, neben den wirtschaftlichen? Einerseits: Kein einziges Opfer durch die Kernschmelzen oder durch die Strahlung. Auch in Zukunft sind keine physischen Folgen wie Krebserkrankungen zu erwarten. Andererseits: Über 1.600 Tote durch die Evakuierungsmaßnahmen. Zehntausende aus dem Sperrgebiet Evakuierte. Erhebliche psychische Beeinträchtigungen (Ängste, Depressionen, Alkoholismus, Suizide usw.) in der Bevölkerung. Fettleibigkeit durch Bewegungsarmut bei Kindern.

        Diese negativen Folgen resultieren nicht aus der Strahlung, sondern aus der Angst davor bzw. aus dem Bemühen, Strahlung möglichst zu vermeiden.

        Es gilt, neu zu evaluieren, inwieweit diese Ängste und die Maßnahmen gerechtfertigt sind. Wodurch entsteht der größere Schaden? Durch den eigentlichen Notfall oder durch die Notfallmaßnahmen?

        Wenn durch die Notfallmaßnahmen über 1.600 Menschen ums Leben kommen, durch den Notfall selbst aber niemand, herrscht hier offenkundig eine erhebliche Diskrepanz. Die gilt es aufzulösen oder wenigstens zu diskutieren, und zwar sachlich, wissenschaftlich und unideologisch. Ich freue mich, daß die US-Umweltbehörde EPA hier mit gutem Beispiel vorangeht!

        Schöne Grüße
        Rainer Klute

        1. Es ist eine SCHANDE, dass sogenannte Umweltschutzorginisationen dafür sorgen, dass Menschen lieber aus ANGST vor dem bösen Atom alle mögliche realen Gefahren auf sich nehmen und sogar lieber sterben, als ein bisschen objektiv unschädlicher Radioaktivität ausgesetzt zu sein. BUND und andere sollten sich dringend mit den Tatsachen über die Gefährlichkeit radioaktiver Strahlung auseinandersetzen.

    2. Bravo, Herr Klute!
      Genau so wie Sie schreiben, ist es.
      Abgesehen davon, das die Provokateure außer substanzlosen Schlagworten wie „Fukushima“ im Ton der Entrüstung (wie bei Dirk Seifer) nichts beinhalten außer unaufgeklärter Panikmache, sollten sich diese Personen mal fragen, wie Sie die Millionen an toten Tieren, Pflanzen und Bäumen für Windkraft rechtfertigen. Von dauerhaften Gesundheitsrisiken für alle und den Menschen die für „wind, Sonne & co.“ sterben mussten und müssen, will ich hier gar nicht erst sprechen. Nur soviel, Dirk Seifert: Auch Ihre Bio-Banane strahlt schwach und Ihre „Alternativen“ Energiequellen haben, gemessen am Realertrag, mehr tote auf dem Gewissen als es die Kernenergie je schaffen würde.

      Die freie Wahl Ihrer Religion in allen Ehren, aber das Ausblenden der EEG-Gefahren und das erfinden von Kernenergie-Lügen sollte in Ihren Kreisen bleiben – sonst ist das einfach Demagogie.

  2. Für das vergängliche Vergnügen eines Urlaubfluges nimmt der konkrete Einzelne um dessen „Schutz“ hier gekämpft werden soll, eine Strahlenbelastung lächelnd in Kauf. Und er mutet dem Piloten und dem Kabinenpersonal die selbe Strahlenbelastung zu und denkt nicht im Traum daran sich dafür zu rechtfertigen.

  3. Seit wir immer mehr erneuerbare Energien einsetzen, werden immer mehr Kohlekraftwerke ans Netz gebracht. Der BUND hat doch mal eine Studie machen lassen wobei eindeutig bewiesen wurde, dass Kohlekraftwerke mehr Strahlung absondern als Kernkraftwerke. Wollt ihr davon heute nichts mehr wissen. Dem BUND scheint es aber ziemlich egal zu sein die Umwelt mit Windrädern zu verschandeln, auch gegen den Protest von Bürgern. Die Asse wurde hier angesprochen, es liegen in der Asse auch Hinterlassenschaften von medizinischen Nuklearmüll, einen Castoren habe ich dort noch nicht liegen sehen. Nuklearmüll kann ja auch entschärft werden wie die Russen das mit dem BN-800 bereits vollziehen. Auch die Transmutation macht bedeutende Fortschritte.Es ist also fraglich ob man ein solch umfassendes Endlager überhaupt benötigt. Hier kam das Beispiel mit der Bio Banane, ja bei zwei Bananen und zehn Paranusskerne und zwei Liter Mineralwasser und eine Tafel Schokolade strahlt man wohl schon nicht schlecht, da braucht man nicht mal zu fliegen.

  4. Auch ASSE muss irgendwann mal rational betrachtet werden.
    – nur 4% der Menge ist aus Kernkraftwerken
    – Der allergrößte Teil der Fässer ist soweit abgeklungen, daß sie nicht mehr radioaktive Stoffe im Sinne des Gesetzes sind. Es kann nicht sein, daß gefordert wird diese mit Steuermitteln herauszuholen und in ein anderes Lager für radioaktive Stoffe zu bringen.
    – In ASSE ist eine Behörde gleichzeitig Gutachter, Aufsicht und Betreiber. Wo bleibt die Gewaltenteilung?
    – Sickerwasser wird nicht so behandelt, daß das jeweils angemessene Verfahren zur Anwendung kommt und die Kosten für den Steuerzahler gering gehalten werden.
    Und so weiter. Aufzeigen von Mißständen, schön und gut – aber bitte für Alle.

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