Atommüll-Finanzierung: Der Deal mit den Atomkonzernen muss beendet werden!

„Ein ganz schlechter und extrem teurer Deal für die BürgerInnen, den die Bundesregierung mit den Atomkonzernen betreibt. Wenn die Konzerne die Klagen nicht allesamt zurücknehmen, ist das sogar noch verantwortungsloser, als bislang vorgesehen.“ So kommentiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE), dass Bundesregierung und Atomkonzerne sich offenbar über eine zusätzliche vertragliche Regelung in Sachen Atommüll-Finanzierung verständigt haben.

„Bedingung für den gesetzlichen Deal zur Neuordnung der Atommüllfinanzierung mit den Konzernen kurz vor Weihnachten letztes Jahr war, dass alle Klagen zurück genommen werden. Dafür hatten Grüne, CDU/CSU und SPD den Konzernen gegen eine Einmalzahlung von nur rund 24 Mrd. Euro alle Haftungsrisiken für die künftigen Kostensteigerungen bei der Atommülllagerung abgenommen und sie aus der Haftung entlassen.

Wenn die Konzerne jetzt ihre Klagen nicht vollständig zurück ziehen und diese am Ende erfolgreich verlaufen, könnten die Atomunternehmen in der Summe bis zu 11 Mrd. aus Steuermitteln zurückgezahlt.

Das Ende der Fahnenstange sollte nun endlich auch für Grüne, SPD und CDU/CSU erreicht sein: Der Deal muss abgelehnt werden, die Konzerne müssen ihre Atommüll-Rückstellungen in den Fonds einzahlen und künftig für die Kosten-Risiken haften. Wer nicht hören will, muss fühlen!“

Etwa 6 Mrd. Euro könnten die Konzerne zurückbekommen, wenn die Klagen gegen die Brennelementesteuer erfolgreich wären. Weitere 4,7 Mrd. Euro würde Vattenfall für die Stilllegung der AKWs Krümmel und Brunsbüttel nach der Katastrophe von Fukushima erhalten, wenn die Klage vor dem Internationalen Schiedsgericht in Washington Erfolg hätte. Das wären zusammen fast 11 Mrd. Euro.

Gering erhöhte Emissionen des radioaktiven Jod 131: Ursache Störfall in norwegischem Forschungsreaktor?

Vor einigen Wochen stellten zahlreiche Messinstitute eine geringe Erhöhung des radioaktiven Jod 131 fest. Ausgehend von Stationen in Skandinavien wurde diese Emission auch in Deutschland und Frankreich gemessen. Es handelte sich dabei um Werte im Bereich von Micro-Becquerel. Eine Ursache konnten die Behörden für diese Werte jedoch nicht angeben. Nun berichtet Detlef zum Winkel bei Telepolis über einen Störfall in einer Atomforschungsanlage in Norwegen, die möglicherweise als Verursacher in Frage kommen könnte.

Der Störfall habe bereits im Oktober 2016 stattgefunden, berichtet zum Winkel. Der Autor stützt sich in seinem Bericht auf Angaben einer norwegischen Umweltorganisation und schreibt: „Am 3. März veröffentlichte die norwegische NGO Bellona einen Bericht über einen Störfall im Forschungsreaktor Halden nahe der Grenze zu Schweden. Er ereignete sich bereits am 24. Oktober 2016, wurde von einer Handvoll englischsprachiger Medien gemeldet und alsbald wieder vergessen.“

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Atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung und die Post!

Am 21. März beginnt der Erörterungstermin zur Stilllegung der ehemaligen Atomforschungsanlage der GKSS bei Geesthacht. Diverse Einwendungen, die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren eingesandt worden sind, kamen verspätet an und bleiben damit außen vor. Der Grund: Die Deutsche Post brauchte teilweise drei oder vier Tage, um Einschreibe-Briefe bei der zuständigen Behörde in Kiel abzuliefern (Siehe nebenstehendes Foto).

In Geesthacht findet seit einigen Jahren ein konsensorientierter Dialog zwischen dem Betreiber HZG und einer Begleitgruppe statt. Anfang Februar 2017 endete nun das offizielle Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren. In diesem Verfahren existiert der Dialogprozess rechtlich gesehen nicht. Daher musste auch die Begleitgruppe ihre Einwendungen formulieren. Andere Betroffene taten dies auch, schickten ihre Einwendungen erst am Freitag ab, die Frist endete offiziell am folgenden Montag, den 6. Februar. Die Post brauchte dann aber offenbar für die Zustellung bei mehreren Einwendungen drei oder mehr Tage, so dass die Einwendungen amtlich zu spät eintrafen. Öffentlichkeitsbeteiligung kann viele Ursachen für ein Scheitern haben.

Atommüll-Endlager könnte „den Bevölkerungsrückgang im Fichtelgebirge verstärken“

Wo soll der hochradioaktive Atommüll dauerhaft gelagert werden? Heute hat der Bundestag zu einem Gesetzentwurf, der das klären soll, eine vierstündige Anhörung durchgeführt. In Bayern, genauer im Fichtelgebirge, macht man sich deshalb Sorgen: „Der Bischofsgrüner Bürgermeister Stephan Unglaub sagt, der Gemeinderat habe bereits in einer Stellungnahme im August 2011 ein mögliches Endlager im Fichtelgebirge abgelehnt. Daran habe sich zwischenzeitlich nichts geändert. Die Gesteinsformationen im Fichtelgebirge seien für die Endlagerung hoch radioaktiven Atommülls nicht geeignet, bekräftigt Unglaub. Zudem gebe es im angrenzenden Egerer Becken immer wieder Schwarmbeben. Und: Die Belastung durch natürliche Radioaktivität sei in der Region ohnehin relativ hoch. Die Gemeinde befürchtet, dass ein mögliches Endlager den Bevölkerungsrückgang im Fichtelgebirge verstärken könnte.“ So berichtet der Nordbayerische Kurier.

Weiter berichtet der Nordbayerische Kurier: „Für unsere Region wäre ein Endlager die Höchststrafe“, warnt auch der Warmensteinacher Bürgermeister Axel Herrmann. Allein schon die Diskussion darüber hätte negative Folgen für den Fremdenverkehr. Warmensteinach habe im vergangenen Jahr erstmals seit 2009 wieder die Grenze von 80 000 Übernachtungen überschritten. „Der Fremdenverkehr entwickelt sich positiv“, erläutert Herrmann. Derzeit werde das Fichtelgebirge von der Bayerischen Staatsregierung als strukturschwaches Gebiet besonders unterstützt, „wenn ein Endlager kommt, können sie sich das sparen.“

Update 9.3.17: Der N-Kurier berichtet auch heute noch mal über das Thema.

Der Deutsche Bundestag berichtet über das in der Debatte befindliche neue Gesetz zur Suche nach einem dauerhaften Atommülllager und die Anhörung im Umweltausschuss so: Überwiegend Lob für die geplante Endlagersuche.

Eine Übersicht, über weitere Bewertungen gibt es hier in diesem Artikel oder auch hier und in vielen weiteren Artikeln.

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