Atommüllkonferenz diskutiert Atomwaffentechnik und zivil-militärische Verbindungen

Nicht nur die unmittelbaren Risiken und Nebenwirkungen bei der Lagerung aller Arten radioaktiver Abfälle beschäftigt die Atommüllkonferenz (AMK) der Anti-Atom-Initiativen seit Jahren. Angesichts wachsender Terrorrisiken (Drohnen, Waffen, Flugzeugabsturz) und dem Krieg rund um Atomkraftwerke in der Ukraine (Saporischschja, Tschernobyl und andere) und Russland (Kursk) hat die AMK auch die militärischen Risiken der Atomenergie verstärkt in den Blick genommen. Zuletzt hat die Atomexpertin Sophie Kretzschmar auf der Konferenz im Oktober über „Atomwaffentechnik und zivil-militärische Verbindungen“ referiert und nicht nur den Atommüll als Quelle militärischer Interessen in den Blick genommen, sondern auch die Grauzone der Nuklearanlagen in Deutschland ausgeleuchtet. (Foto: Atomforschungsreaktor Garching, betrieben mit waffenfähig angereichertem Uran)

Als Themenstellung wird der Vortrag von Kretzschmar in der Einladung zur AMK so beworben: „Wie ist eine Atombombe aufgebaut? Was braucht es dafür? Könnte Deutschland morgen eine Atomwaffe bauen? Welche Infrastruktur bräuchte es? Welche Rolle könnten Gronau und Garching spielen? Wie verheerend wäre der Einsatz taktischer Atomwaffen? Physikerin Dr. Sophie Kretzschmar hat sich an der RWTH Aachen mit der Überprüfung nuklearer Rüstungskontrollverträge und Abrüstung befasst und informiert über die technischen Hintergründe und beantwortet die brennendsten Fragen – Referentin: Dr. Sophie Kretzschmar.“

Vor allem in hoch radioaktiven Abfällen wie bestrahlten Brennelementen befinden sich immer noch Kernbrennstoffe. Darunter auch Plutonium. Dieses könnte bei militärischen Ambitionen in sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen chemisch abgetrennt werden und anschließend in heißen Zellen weiter verarbeitet werden. Die Wiederaufarbeitung im Ausland ist in Deutschland verboten. Die bestrahlten Brennstoffe sollen ohne weitere Behandlung „direkt endgelagert“ werden. Dazu werden die Brennstoffe in Castor-Behälter verpackt, zwischengelagert und sollen dann in ein geeignetes Endlager, wenn denn endlich eins gefunden ist.

Für atomwaffenfähiges Uran braucht es die sogenannte Urananreicherung mit Zentrifugen. Eine solche Technik ist in Gronau für die zivile Nutzung bei der URENCO unbefristet in Betrieb. Die Anlage der URENCO darf Uran nur bis rund 5 Prozent anreichern. Anreicherungen für militärische Zwecke bis zu mehr als 90% sind aufgrund internationaler Verträge völkerrechtlich untersagt. Auch der Atomwaffensperrvertrag untersagt der Bundesregierung entsprechende Handlungen. Internationale Entwicklungen zielen darauf ab, dass für neue Atomreaktoren auch neue Brennstoffe entwickelt werden, die allesamt von Urananreicherungen bis zu knapp 20 Prozent Uran235 abzielen. Auch diese Anreicherungen bringen erhebliche nukleare Risiken hinsichtlich der Kritikalität mit sich. Und schließlich setzt Deutschland im Forschungsreaktor München Garching Uran-Brennelemente mit über 90 Prozent angereichertem Uran ein. Der Brennstoff kommt aus Russland und wird in Frankreich zu den Brennelementen verarbeitet, die in Garching zum Einsatz kommen.

Kretzschmar erwähnt in ihrem Vortrag auch ein Gespräch, das eine polnische Nachrichtenquelle mit Rafael Grossi, dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geführt und dabei neben vielen anderen Fragen auch die nuklearen Möglichkeiten der Bundesrepublik Deutschland angesprochen hatte. Die Frage: „Wenn Deutschland eine solche Entscheidung getroffen hätte, wie lange würde es dauern, eine Atombombe zu bauen?“ Grossi antwortet darauf: „Sehr wenig. Vielleicht wäre es eine Frage von Monaten. Deutschland hat das Kernmaterial, das es braucht, es weiß, wie es geht. Sie haben die ganze Technologie. Aber das sind rein hypothetische Annahmen. Die europäischen Länder sind sich darüber im Klaren, dass sie die Bestimmungen der TNP verteidigen werden. In den internationalen Beziehungen wird kein Staat, insbesondere mächtig, vom Altruismus geleitet. Er tut es für sein eigenes Geschäft. Die europäischen Länder sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Welt, in der jeder Atomwaffen haben kann, zu einer Katastrophe führen würde.“ Siehe hier die polnische Quelle hier, Text wurde automatisch per Firefox übersetzt.

Rot-Grünes Hamburg unterstützt Atomfusions-Forschung # Kein Beitrag zum Klimaschutz

Nicht nur im CSU-Söderland oder Hessen wird für die Atomfusions-Forschung Geld in die Hand genommen. Zuletzt hatte auch die Bundesregierung ein Milliarden-Euro-Programm aufgelegt. Für die dringend notwendige Energiewende gegen die Klimakatastrophe wird das absolut nichts helfen. Grundlage der neuen Initiative ist der Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU, in dem es heißt: „Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung: Wir bringen neuartige Klimatechnologien voran. Wir bauen die Forschung im Bereich Photovoltaik, Windenergie, Geothermie, Wasserstoff sowie Speichertechnologien wie zum Beispiel Batterien aus. Wir wollen die Fusionsforschung stärker fördern. Unser Ziel ist: Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in Deutschland stehen.“ Auch das rot-grün geführte Bundesland Hamburg hat sich nun einer „Fusionsallianz“ angeschlossen, an der außerdem Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein beteiligt sind. In der PM der grünen Hamburger Wissenschaftssenatorin wird von einem „Meilenstein“ gesprochen.  (Foto: © Axel König/StMWK) Greenpeace und ander Umweltverbände und Initativen kritisieren die Atomfusion, weil auch sie mit Atomgefahren einhergeht.

Schon in der alten Bundesregierung hatte sich gezeigt, dass Teile der Grünen an der Fusionsforschung nicht mehr grundsätzliche Kritik an der Atomfusionsforschung üben. Vor allem im Wirtschaftsministerium gab man sich – wie gern von konservativen und liberalen gefordert – technologieoffen. Im Rahmen einer Anhörung hatte es zwischen Forschungs-Grünen und Umwelt-Grünen Spannungen gegeben. Dabei ist klar, dass die Fusionsforschung auf Jahrzehnte nicht in der Lage ist, einen Beitrag zur Energieversorgung zu leisten und damit kein Beitrag im Kampf gegen die Klimakatastrophe sein kann. Investitionen in diesem Bereich bringen für eine beschleunigte Energiewende also eigentlich nichts.

DPA, NDR und viele andere Medien erwähnen in ihren Berichten über die Fusions-Allianz: „Kritik an dem Vorhaben kam hingegen von Umweltschutzverbänden: „Die Kernfusion ist eine äußerst ineffiziente, aufwendige und teure Art der Energiefreisetzung, die mit vielen ungelösten technischen und sicherheitstechnischen Fragen einhergeht“, sagte die Klimaschutzexpertin von Greenpeace Bayern, Saskia Reinbeck. Sie werde in den kommenden 50 Jahren keine Rolle bei der Energiegewinnung spielen.“ Auch der BUND und andere lehnen die Atomfusions-Forschung ab. Siehe hier auch Kernfusion-Nein-Danke.

„Hamburg an neuer Allianz zur Fusionsforschung beteiligt“, meldet der NDR am 1. November. „Atome zu spalten bringt Energie – darauf beruhen Kernkraftwerke. Aber auch die Fusion von Atomen soll künftig als Energiequelle genutzt werden“, heißt es in dem Beitrag, vor allem auf Basis von dpa. Am Gründungsakt in München war auch „Hamburgs Staatsrätin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Eva Gümbel (Grüne)“ beteiligt, die den Vertrag unterschrieb.

  • Auch der letzte Bundestag hatte sich mit der Kernfusion mehrfach befasst und Grundlagen für die Förderung diskutiert. Alles zu Fusion und Bundestag auf umweltFAIRaendern.de
  • In Hamburg und Schleswig-Holstein ist das zum DESY-Forschungskomplex gehörende XFEL beteiligt. Das Institut hat sich mit dieser PM zur Fusions-Allianz geäußert. Siehe gleich unten als Dokumentation.

Damit unterstützt laut NDR nun auch das rot-grüne Hamburg das „gemeinsame Ziel: Das erste kommerzielle Fusionskraftwerk der Welt soll in Deutschland entstehen. Dazu sollen Wissenschaft, Industrie und Politik besser miteinander vernetzt werden. Geplant sind etwa gemeinsame Programme zur Ausbildung von Nachwuchskräften in Wissenschaft, Ingenieurswesen und Technik, die gemeinsame Nutzung bestehender Forschungsinfrastrukturen sowie Kooperationen etwa mit der Zulieferindustrie, wie es in einem Eckpunktepapier hieß.“

Hamburgs Wissenschaftssenatorin und ehemalige Grüne Parteivorsitzende zitiert der NDR auf Basis einer Presseerklärung der Behörde: „Wissenschaft ist immer Teamarbeit – ganz besonders dann, wenn es um große technologische Durchbrüche für uns alle geht“, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). „Mit der neuen Allianz zur Fusionsforschung setzen wir ein wichtiges Signal für die Kooperation über Ländergrenzen hinweg.“ Für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Hamburg bedeute die Fusionsallianz eine „herausragende Chance, die jahrelangen Bemühungen in diesem Zukunftsfeld auf das nächste Level zu heben“, teilte die Wissenschaftsbehörde mit.“

Mit der geplanten Erweiterung der fusionsrelevanten Forschungsinfrastrukturen am weltgrößten Röntgenlaser „European XFEL“ in Schenefeld (Landkreis Pinneberg) entstehe in enger Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein eine international sichtbare Plattform für die Erforschung von Materie unter extremen Bedingungen, so die Behörde.

Die zuständige Wissenschaftsbehörde, deren Senatorin die Grüne Maryam Blumenthal ist, hat sich in einer Presseerklärung zu der Beteiligung an der Atomfusions-Forschung geäußert und spricht sogar von einem „Meilenstein“.

Dokumentation der PM der Wissenschaftsbehörde Hamburg.

„Meilenstein in der Fusionsforschung

Hamburg gründet gemeinsam mit Schleswig-Holstein, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen Fusionsallianz

31. Oktober 2025 Pressemitteilung

Mit der heute in München unterzeichneten Vereinbarung über die Allianz zur Fusionsforschung gehen die sechs Länder einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum ersten Fusionskraftwerk in Deutschland und Europa.

Im Schulterschluss wollen sie diese Technologieentwicklung schnell, effektiv und strategisch abgestimmt voranbringen. Das Ziel: Erforschung, Entwicklung, Bau und Betrieb von kommerziell genutzten Fusionsreaktoren – unter Kooperation von Industrie und Forschung. So soll Deutschland eine weltweit führende Rolle in dieser Zukunftstechnologie einnehmen und eine weitere Energiequelle für die Zukunft erschließen.

Für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Hamburg bedeutet die Fusionsallianz eine herausragende Chance, die jahrelangen Bemühungen in diesem Zukunftsfeld auf das nächste Level zu heben. Mit der geplanten Erweiterung der fusionsrelevanten Forschungsinfrastrukturen am European XFEL entsteht in enger Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein eine international sichtbare Plattform für die Erforschung von Materie unter extremen Bedingungen.

Der weltweit führende Röntgenlaser European XFEL bietet mit seiner einzigartigen Kombination aus Hochenergielasern und ultrakurzen Röntgenpulsen ideale Voraussetzungen, um die Laserfusion entscheidend voranzubringen. Eingebettet in die Science City Hamburg und den Campus Schenefeld verbindet der Standort Spitzenforschung, Hightech-Infrastruktur und unternehmerische Dynamik – ein bedeutender Impuls für die Energieforschung und die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region.

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal: „Wissenschaft ist immer Teamarbeit – ganz besonders dann, wenn es um große technologische Durchbrüche für uns alle geht. Mit der neuen Allianz zur Fusionsforschung setzen wir ein wichtiges Signal für die Kooperation über Ländergrenzen hinweg. Der Ausbau der fusionsrelevanten Forschungsinfrastrukturen am European XFEL stärkt Hamburg und Schleswig-Holstein als führende Standorte der Energieforschung. Gemeinsam gehen wir mit dieser Länderallianz einen entscheidenden Schritt weiter, um in Deutschland eine neue Energiequelle für die Zukunft zu erschließen.“

Mit der Fusionsallianz werden die Kräfte arbeitsteilig gebündelt, vernetzt und nochmals erheblich ausgeweitet. Dazu wurden eine enge Abstimmung der Partner untereinander und gegenseitige Unterstützung vereinbart, auch mit Blick auf die Hightech Agenda Deutschland und den Aktionsplan Kernfusion des Bundes.

Die Allianz konzentriert sich auf die beiden aussichtsreichsten Ansätze zur Fusion, die laserinduzierte Trägheitsfusion und die Fusion unter Magneteinschluss. Die parallele Erforschung beider Technologieansätze verteilt dabei technologische Risiken und erhöht die Chance, die wirtschaftlichsten Lösungen für eine zuverlässige Energieversorgung bei unterschiedlichen Einsatzanforderungen zu finden. Die daraus resultierenden Aufgabenpakete für die einzelnen Länder wurden in den gemeinsam unterzeichneten Eckpunkten festgelegt.

Das Eckpunktepapier sowie Fotos von der Unterzeichnung können hier eingesehen bzw. heruntergeladen werden: Pressematerial zum Download

Hier das Material unter dem angegebenen Link:

Bayern. Pressematerial zum Download

Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume

Neue Allianz für Fusionsforschung: Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein gründen Fusionsallianz (© Axel König/StMWK)

Pressekonferenz zur Fusionsallianz am 31.10.2025: Eckpunktepapier der Länder Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig Holstein

Dokumentation der PM XFEL 

Tailwind for fusion research

Germany’s federal states Hamburg and Schleswig-Holstein want to strengthen European XFEL in fusion-related research.
Thomas Feurer giving an outlook on how the world’s largest X-ray laser can significantly support research in the field of fusion energy. (Photo: European XFEL)

The Free and Hanseatic City of Hamburg and the state of Schleswig-Holstein today announced their joint support for fusion-related research at European XFEL. The commitment is part of a cornerstone paper by the Fusion Research Alliance of several federal states. The world’s largest X-ray research laser, which stretches from Hamburg to Schenefeld in Schleswig-Holstein, is ideal for observing the processes involved in nuclear fusion in detail.

“Our X-ray laser flashes allow us to make ultra-fast processes visible,” says Sakura Pascarelli, Scientific Director of European XFEL. “This enables us to observe exactly how matter behaves as it approaches fusion conditions – a key to answering unresolved questions in fusion research.” Extreme states of matter, which otherwise only occur inside stars or during fusion reactions, can be generated at European XFEL using the extremely powerful lasers of HED-HiBEF[1], one of seven experimental stations at European XFEL.

In particular, European XFEL could help to investigate critical early stages of the fusion reaction. This is done using the facility’s extremely short and intense X-ray laser pulses, which make it possible to study the reactions step by step. This would provide extremely detailed images from inside fusion experiments, which can reach down to the atomic level.

“The European XFEL was built to be future-proof,” says Prof. Thomas Feurer, Chairman of the Management Board of European XFEL. „That’s why, in addition to our already excellent experimental facilities, we have space in our experimental hall and our photon tunnels to set up a new experimental station specializing in fusion-related research. We are delighted that the Free and Hanseatic City of Hamburg and the state of Schleswig-Holstein intend to provide significant support for this planned expansion.“ At the new experimental station, the main focus of research will be on “inertial confinement fusion,” laser-based inertial fusion. In this process, spherical fuel capsules are compressed and heated to extremely high temperatures using lasers, causing a fusion reaction to occur.

Overall, research at European XFEL promises answers to a wide range of fusion-related questions. Internationally recognized researchers believe that the results expected from European XFEL in the coming years will significantly advance fusion research.

Position paper of the federal states (PDF, 345 kB, in German)

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