Atommüllprobleme: verharmlost und ungelöst – Über 4000 Einwendungen ans BMU übergeben

Der Umgang mit allen Arten von Atommüll ist und bleibt ein weitgehend ungelöst Problem. Von einer vermeintlich dauerhaft sicheren Endlagerung sind wir weit entfernt. In Jülich sollen deshalb über 150 Atommülltransporte mit hochaktivem Strahlen-Brennstoff per LKP von einer Zwischenlösung zur nächsten transportiert werden. Mit dabei Risiken und Nebenwirkungen und verbunden jeweils mit einem Großaufgebot von Polizei. Nuklearer Irrsinn. Gleichzeitig legt das Bundesumweltministerium einen Bericht zum Stand und weiteren Umgang mit allen Arten von Atommüll vor, der die Probleme überwiegend verharmlost. Gegen dieses sogenannte „Nationale Entsorgungsprogramm“ gibt es Proteste. Über 4000 Einwendungen von Initiativen und Umweltschützer:innen wurden dem BMU jüngst übergeben. Die Entwürfe für den Bericht zum sogenannten NaPro stammen noch aus dem grünen BMU der letzten Regierung. (Foto: .ausgestraht)

Dokumentation einer PM (hier von der Seite des BUND):

Atommüll-Probleme bleiben ungelöst

31. Juli 2025 | Atomkraft

.ausgestrahlt, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übergeben über 4.000 Stellungnahmen an Bundesumweltministerium

    • Bündnis an Organisationen stuft Atommüll-Entsorgungsprogramm der Bundesregierung als mangelhaft ein
    • Zwischenlager zu unsicher – langfristiger Gesamtplan ist nötig
    • Mit der Suche nach einem Endlager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle muss jetzt begonnen werden

Die Organisationen .ausgestrahlt, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben heute über 4.000 Stellungnahmen an Jochen Flasbarth (SPD), Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) übergeben. Die Stellungnahmen bestätigen: Das Atommüll-Entsorgungsprogramm ist mangelhaft und greift wichtige Punkte nicht auf. So werden die tatsächlichen Zeitstränge der Endlagersuche und die sich daraus ergebenden Probleme auch bei der Zwischenlagerung nicht benannt. Ebenso verschweigt die Bundesregierung bereits bekannte Sicherheitsprobleme der Zwischenlager, rostende Fässer und fehlende Genehmigungen. Anlass für die Übergabe der Stellungnahmen ist das sogenannte Nationale Entsorgungsprogramm (NaPro). Darin informiert die Bundesregierung die Europäische Union (EU) darüber, wie sie mit dem deutschen Atommüll umgehen will.

Helge Bauer, .ausgestrahlt: „Mit dem Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro) hat die Bundesregierung einen Flickenteppich als Atommüllprogramm vorgelegt. Kein Wort dazu, wie die jetzt schon ständig auftretenden rostenden Fässer in den Zwischenlagern in Zukunft verhindert werden sollen. Kein Wort zu den vielen geplanten, gefährlichen und vor allem unsinnigen Castortransporten, die noch quer durch die Republik gehen sollen. Auch zum Atommüll, der auf Hausmülldeponien landet, gibt es keine Aussagen. Dazu kommt, dass das NaPro bei der Endlagersuche für schwach-, mittel- und hochradioaktiven Atommüll auf falsche Wege setzt. Die Bundesregierung kann und darf sich aber kein weiteres gescheitertes Endlagerprojekt mehr leisten. Das Vertrauen in ihre Lösungskompetenz ist bereits zu stark beschädigt.“

Bundesregierung muss realistischen Plan für Atommüll vorlegen

Seit acht Jahren läuft die Suche nach einem unterirdischen Lager für die hochradioaktiven Abfälle. Es wird noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis es ein Endlager gibt. So lange liegt der deutsche Atommüll in Zwischenlagern, deren Sicherheit schon jetzt mehr als fraglich ist.

Juliane Dickel, BUND-Expertin für Atompolitik: „Statt ein solides Gesamtkonzept zu erarbeiten, setzt die Bundesregierung in ihrem Atommüll-Entsorgungsprogramm auf ein Weiter-So. Dabei gehen aktuelle Zeitabschätzungen davon aus, dass der Müll noch sehr lange oberirdisch zwischengelagert werden muss. Die Probleme durch alte Lagergebäude, Behälter und die darin gelagerten Brennelemente wachsen, geopolitische Bedrohungen verändern sich. Klar ist, es braucht dringend einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gefährlichen Atommüll. Doch das alles bildet das Programm nicht ab. Damit Mensch und Umwelt bestmöglich geschützt sind, muss die Bundesregierung jetzt alle Fragen für ein bundesweites tragfähiges Atommüll-Gesamtkonzept auf den Tisch legen und sie gemeinsam mit den Betroffenen diskutieren. Der Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität erhalten.“

Ungeeignetes Endlagerprojekt Schacht Konrad beenden

Während für den hochradioaktiven Abfall aktuell ein Endlager gesucht wird, legt der Gesetzgeber mit Blick auf schwach- und mittelradioaktive Abfälle sehr viel geringere Maßstäbe an. Ein Teil dieser Abfälle soll in das ehemalige Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter eingelagert werden. Dies erfüllt jedoch keine der heutigen Anforderungen an ein Endlager, wie einen sicheren Einschluss der Abfälle. Auch wird voraussichtlich deutlich mehr Radioaktivität im Grundwasser landen.

Marianne Neugebauer, Geschäftsführender Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD: „Im NaPro wird komplett ausgeblendet, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ganz entscheidend ist zum Beispiel der fehlende einschlusswirksame Gebirgsbereich, der den Atommüll allseitig wirksam und sicher einschließen soll. Auch wird nicht thematisiert, dass die wasserrechtliche Zulassung der Abfälle für Schacht KONRAD fehlt. Dabei bedeutet das, dass es aktuell kein einziges Fass gibt, das eingelagert werden darf. Im NaPro wird fortgesetzt, was wir bei Schacht KONRAD seit Jahrzehnten erleben: Die vorhandenen Probleme werden nicht benannt und die entsprechenden Konsequenzen nicht gezogen. Anstatt weiter Geld im ungeeigneten Schacht zu versenken, muss das veraltete Projekt endlich aufgegeben werden und jetzt mit der Suche für ein Endlager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle begonnen werden.“

Hintergrund:

Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, ein Nationales Entsorgungsprogramm vorzulegen und alle zehn Jahre zu aktualisieren. Darin legen sie dar, wie sie mit Atommüll umgehen und wie sie ihn entsorgen wollen. In diesem Jahr steht die erste Aktualisierung an. Im Rahmen einer Strategischen Umweltprüfung konnte die Öffentlichkeit Stellung nehmen. Neben fachlichen und Einzelstellungnahmen haben verschiedene Organisationen im Rahmen der bundesweiten Atommüllkonferenz eine gemeinsame Stellungahme erarbeitet, darunter .ausgestrahlt, die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD, die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der BUND und die Wolfenbüttler AtomAusstiegsGruppe.

Mehr Informationen:

Die verhinderte Atombombe – Vom Widerstand französischer Wissenschaftlerinnen gegen die Atombombe der Nazis

Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg nach der Entdeckung der Kernspaltung mit der Forschung der Atomenergie begonnen. Die Möglichkeiten, aus Uran oder gar Plutonium, auch Atomwaffen herstellen zu können, waren schnell klar. Intensiv forschte ein Uranverein unter Kurt Diebner vom Heereswaffenamt und Werner Heisenberg an der Kernspaltung. Die Angst, Deutschland könnte die Bombe bauen, war in der Welt. In den USA entwickelt sich das Manhattan Project. In Europa versuchten Staaten und Wissenschaftler, die deutsche Atomforschung zu bremsen und behindern. Welche Auswirkungen hatte der deutsche Faschismus im besetzten Paris auf die Wissenschaft? Darüber schreibt Astrid Viciano in ihrem Buch: Die Formel des Widerstands – Wie Kernphysiker mithalten, die Atombombe der Nazis zu verhindern. Das Buch zeigt auch, wie sich der Faschismus schon vor der Besetzung von Paris in den Universitäten auswirkte, Menschen ausgrenzte, verjagte, vertrieb und verfolgte. (Foto: Buchtitel Screenshot)

Anders als später die USA setzte die deutsche Atomforschung vor allem auf das überaus seltene Schwere Wasser als erforderlichen Moderator. So startet Viciano mit den Bemühungen Frankreichs und dortiger Wissenschaftler:innen, der deutschen Atomforschung den Zugang zu den einzigen Vorräten von Schwerem Wasser in Norwegen abzuschneiden. In den Mittelpunkt stellt die Autorin den deutschen Physiker Wolfgang Gentner und den französischen Nobelpreisträger Frédéric Joliot-Curie, Schwiegersohn von Marie Curie. Mit Joliot-Curie war Genter schon seit 1933 bekannt, als der Deutsche zwei Jahre im Labor von Marie Curie arbeitete.

„Wie ein Krimi beginnt das im Oktober 2024 erschienene Buch“, schreibt der Standard in einem überaus informativen und hintergründigen Artikel, in außerdem über die historische Atomforschung in Österreich berichtet wird.  „Ausgerechnet an einem Wochenende machen sich ein Fabrikdirektor und ein Bankier auf den Weg, um einen geheimen Wettlauf gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen. Mitten in der eiskalten Nacht des 9. März 1940 fahren sie in getrennten Autos von Oslo aus in die entlegenen Berge am Rande des Vestfjord-Tals in Vemork, vorbei an finsteren Tannenwäldern und vereisten Berghängen“ (Seite 7).

Keine Sekunde darf man vergessen, was gewesen wäre, wenn der deutsche Faschismus die Atombombe entwickelt hätte. Der Standard schreibt: „Allein die weiteren acht Kapitel beschreiben, wie sich die Kernphysik plötzlich in eine geheime Forschung verwandelte und das deutsche Heereswaffenamt das Pariser Labor des damals führenden französischen Kernphysikers besetzte.“

Im Roman stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen und Verhältnisse im dann besetzen Paris im Focus, viele Dokumente hat die Autorin dafür „durchgewühlt“ und neben oder über die zeitgeschichtlichen Abläufe gestellt. So entsteht eine Geschichte, in der sich auch zeigt, wie der Faschismus die persönlichen Räume und Beziehungen zwischen den Menschen und Wissenschaftlerinnen massiv verändert. Da kommt man nicht umhin, mit Sorge heutige Entwicklungen autoritären Denkens in immer mehr Staaten der Welt zu bedenken.

Die Folgen des faschistischen Interesses für die Pariser Forscher:innen durch die deutschen Besatzer wird im Buch akribisch beschrieben. Das zeigt sich an den Überschriften der Kapitel.

Paris war für die Atomforschung der Nazi ein bedeutsamer Ort, wie Thomas Hofmann im Standard schreibt: „Joliot-Curie verfügte in Paris über alles, was dafür notwendig war: den damals größten Teilchenbeschleuniger, schweres Wasser (26 Kanister) und Uran. Siehe dazu auch Deutsches Museum hier.

Im Buch ist zu lesen: „An einer solchen Kettenreaktion hat Frédéric Joliot-Curie vor Ankunft der Besatzer gearbeitet, dafür interessieren sich Schumann (Physiker und Leiter der Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes) und seine Kollegen bei ihrem Besuch (in Paris)“ (Seite 75).  Und weiter berichtet Hofmann: Der schon genannten Gentner musste dolmetschen. „Er, der Joliot-Curie stets freundschaftlich verbunden war, saß plötzlich zwischen zwei Stühlen. „Die falsche Uniform. Die falsche Rolle. Der falsche Text“ (Seite 73). Viciano, schreibt, als wäre sie selbst damals vor Ort gewesen.““

Das Buch von Astrid Viciano zeigt, wie in Frankreich von Wissenschaftler:innen versucht wurde, die deutsche Atomwaffe zu verhindern. Ob Deutschland ohne dieses gefährliche Engagement eine deutsche Atomwaffe erreicht hätte, z.B. wenn das Schwere Wasser in ihre Hände gelangt wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Das Buch lohnt sich. Im 80. Jahr der Atombombenabwürfe über japanische Großstädte. Wäre der Krieg anders verlaufen, wären die Ziele nicht Hiroshima und Nagasaki gewesen, sondern Berlin und Hamburg oder München.

Wachsende Nuklear-Risiken. Russland droht – USA verlegen Atomwaffen-U-Boote … Atomenergieagentur meldet Kriegskämpfe nahe AKW Saporischschja

Russland und seine Atomwaffen. Die USA haben ihre mit Atomwaffen bestückten und mit Atomreaktoren betriebenen U-Boote näher an Russland verlegt (Tagesschau). Außerdem wird bekannt, dass die USA erstmals wieder Atomwaffen in Großbritannien stationieren. Das „Empire“ kauft dazu – ebenso wie die deutsche Armee – die für den Einsatz erforderlichen Kampfjets vom Typ F-35A-Jets in den USA. Die Aufrüstung für die neuen Kampfjets auf der Atomwaffen-Startbahn Büchel in Deutschland gerät derweil immer teuer – gefährlich ist das ohnehin. (Tagesschau) Dazwischen Atomkraftwerke im Krieg! In Russlands Krieg in der Ukraine gibt es wiederholt Kämpfe in direkter Nähe der sechs Atomreaktoren des größten europäischen Atomkomplexes – Saporischschja. Nukleare Risiken als alltäglicher Normal. Nicht durch technisches Versagen, sondern du Waffeneinsatz gegen Atomanlagen? In wenigen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Jahrestag der Atomwaffen-Abwürfe der USA auf Japan, – nicht auf Deutschland! Nie wieder Hiroshima. Erst vor wenigen Wochen wurden die Uranfabriken im Iran angegriffen. (Guardian) Und in Niedersachsen, bei der Uranfabrik in Linken droht die deutsche Entscheidung, dass russische und französische Atomkonzerne gemeinsam einen Deal machen. (Den letzten Satz müsst ihr recherchieren: alle Informationen auf umweltFAIRaendern.de)

IAEA – Internationale Atomenergie Agentur.

Update 307 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

76/2025 – Vienna, Austria

The IAEA team at Ukraine’s Zaporizhzhya Nuclear Power Plant (ZNPP) heard explosions and saw smoke coming from a nearby location where the plant said one of its auxiliary facilities was attacked today, Director General Rafael Mariano Grossi said.

The IAEA team was informed by the ZNPP that the facility was struck by shelling and drones from 9am, around the same time as the team could hear military activity.

The auxiliary facility is located 1,200 metres from the ZNPP’s site perimeter and the IAEA team could still see smoke from that direction in the afternoon.

It was the latest in a series of incidents in recent weeks and months further highlighting possible dangers to nuclear safety during the military conflict at the ZNPP.

“Any attack in the vicinity of a nuclear power plant – regardless of the intended target – poses potential risks also for nuclear safety and must be avoided. Once again, I call for maximum military restraint near nuclear facilities to prevent the continued risk of a nuclear accident,” Director General Grossi said.

Umweltorganisation BUND fordert 80 Jahre nach Hiroshima: Bundesregierung muss Atomwaffenverbotsvertrag der UN unterschreiben!

Seit Ende 2022 ist eine der größten bundesdeutschen Umweltorganisationen, der BUND, laut Beschluss der Bundesdelegiertenversammlung Partner der mit einem Nobelpreis ausgezeichneten Internationalen Campagne für den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen (ICAN). Zum 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe über die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki unterstreicht der Verband mit seinen über 500.000 Mitgliedern die Forderung an die Bundesregierung, diesen wichtigen Vertrag zu unterzeichnen. Weltweit wachsen die nuklearen Risiken. Schon lange vor dem Ukraine-Krieg hatte ein weltweites Aufrüstungsprogramm, auch eine Neuentwicklung von High-Tech-Atomwaffen-System begonnen. Die USA, Russland und China ebenso wie Frankreich und Großbritannien. Der Krieg in der Ukraine hat ein weiteres nukleares Risiko offenbart: Atomkraftwerke und Atommüllanlagen könnten sie nuklearen Angriffszielen werden. Auch in Hamburg hat der BUND seine Mitglieder auf den 80. Jahrestag auf eine Veranstaltung im Rahmen der ICAN-Partnerschaft mit der internationalen Ärzteorganisation IPPNW hingewiesen, die in den 1980er Jahren ebenfalls einen Nobelpreis erhalten hatte.

Dokumentation der PM des BUND:

80 Jahre nach Hiroshima: Atomwaffen werden weiter modernisiert
BUND fordert: Deutschland soll Atomwaffenverbotsvertrag beitreten

  • 80 Jahre nach Atombombenabwürfen modernisieren Staaten ihre Atomwaffen
  • BUND fordert Bundesregierung auf, Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten
  • Atommüll bleibt ungelöstes Problem
Berlin. Vor 80 Jahren bombardierten US-Streitkräfte die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Hundertausende starben, viele weitere litten an den Spätfolgen. Trotz Abrüstungsverpflichtungen dokumentiert das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI eine zunehmende Modernisierung der Atomwaffen weltweit. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnt diese Technologie ab und fordert sofortige Abrüstung zum Schutz von Mensch und Umwelt.

Patrick Rohde, stellvertretender Geschäftsführer Politik beim BUND: „Die Opfer von Hiroshima und Nagasaki mahnen uns: Atomwaffen sind keine Sicherheitsgarantie, sondern ein permanentes Risiko für das Überleben der Menschheit und einer intakten Umwelt. In Zeiten weltweiter Spannungen zeigen sich einmal mehr die Gefahren der Logik der nuklearen Abschreckung. Der Humanismus verlangt von uns, dass wir Vertrauen über Angst stellen – und den Weg in eine atomwaffenfreie Zukunft entschlossen einschlagen. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten.“

Erinnerung bewahren, Atomwaffen ächten

Der Atomwaffenverbotsvertrag, ausgehandelt unter dem Dach der Vereinten Nationen, verpflichtet zur Abrüstung. 94 Staaten haben ihn unterschrieben, 73 ratifizierten ihn. Doch die Atomwaffenstaaten und Deutschland fehlen. Auf deutschem Boden lagern weiterhin US-Atomwaffen. Der BUND ist Mitglied der Internationalen Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen (ICAN), ebenso wie unsere japanische Partnerorganisation Friends of the Earth Japan.

Akiko Yoshida, Beauftragte für Klima und Energie bei Friends of the Earth Japan: „Im März 2024 habe ich gemeinsam mit Mitgliedern des BUND Naturschutz Hiroshima besucht. Wir besichtigten zusammen das Friedensmuseum, spazierten durch den Park und dachten an den Tag des Atombombenabwurfs sowie an die Zeit danach. Im selben Jahr wurde die Japanische Konföderation der Atombomben- und Wasserstoffbombenopfer-Organisationen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dennoch hat auch Japan den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen nicht ratifiziert und nimmt nicht einmal als Beobachter an den Vertragsstaatenkonferenzen teil. Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenabwürfe, werden jedes Jahr älter, und in diesem Jahr ist ihre Zahl erstmals unter 100.000 gefallen. Die Zeit, ihre Erinnerungen weiterzugeben, wird knapp.“

Nicht nur Atomwaffen, die gesamte nukleare Technik ist eine gefährliche Sackgasse. Reaktorkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima sowie die kriegsbedingten Gefahren am Kernkraftwerk Saporischschja zeigen das zerstörerische Ausmaß, das sie annehmen können. Obwohl Deutschland aus der Atomstromproduktion ausgestiegen ist, bleibt die sichere Lagerung radioaktiver Abfälle eine nationale Herausforderung. Sie müssen für Jahrmillionen sicher von der Erdoberfläche und den Menschen abgeschirmt werden. Das Atomproblem bleibt aktuell – auch wegen der unbefristet laufenden Uranfabriken in Lingen und Gronau. Der BUND fordert, auch diese Anlagen endlich abzuschalten.

Mehr Informationen:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.

Falsche Darstellung auf Bundestagsseite zu Atomtransporten NRW

Der Bundestag berichtet auf seiner Homepage über die Kleine Anfrage der Linksfraktion zum weiteren Umgang mit Atommüll aus Jülich und die Antworten der Bundesregierung. Dabei kommt die Redaktion zu einer am Ende falsche Aussage. Im November 2022 hatte der Haushaltsausschuss die weitere Zwischenlagerung samt Neubau von der sonst geltenden Kostenregelgung im Verhältnis von 70 Prozent durch den Bund 30 Prozent Land ausgenommen. Die weitere Zwischenlagerung in Jülich müsste das Land NRW allein bezahlen. Nur im Falle von Transporten nach Ahaus – die in der Summe kostengünstiger sein sollen – würde weiterhin 70 / 30 finanziert.

  • Hier ist der Sachverhalt beim Bundestag dargestellt. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1103362 – Dort auch die Hinweise zu der Kleinen Anfrage und den Antworten.
  • Die Aachener Zeitung hatte auf Basis einer Kleinen Anfrage und Antwort im Mai berichtet: „Jülich – Premium – Castor-Lager könnte in Jülich neu gebaut werden, wenn das Land bezahlt – Die Aussage der Bundesregierung war in dieser Form bisher so nicht bekannt. Dann wären auch die 152 Atomtransporte nach Ahaus vom Tisch. Angebote des Landes gibt es aber nicht. 0

Das Problem entsteht, weil die Antwort der Bundesregierung sehr verklausuliert ist und daher in der zur Verfügung stehenden Zeit eines solchen Textes auf HiB offenbar die vielen genannten Zurück-Hinweise und Drucksachen nicht kontrolliert werden konnten. Diese Verkürzung führt aber dazu, dass HiB behauptet, dass weiterhin alles Varianten im Zusammenhang mit dem AVR-Atommüll weiterhin 70/30 finanziert werden. Das ist nicht mehr korrekt.

umweltFAIRaendern hatte bereits 2022 über den Beschluss des Haushaltsausschusses berichtet:

Zu den aktuellen Dingen rund um den Atommüll in Jülich und eventueller Atomtransporte nach Ahaus siehe:

 

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