Wachsende Probleme: Hochradioaktiven Atommüll sicher lagern? Wie geht das denn? Fachtagung in Würzburg

Castoren-Fertigung bei GNS - Wie sehen die künftigen Anforderungen an die Zwischenlagerung aus? Foto: GNS
Castoren-Fertigung bei GNS – Wie sehen die künftigen Anforderungen an die Zwischenlagerung aus? Foto: GNS

(UPDATE) Nur mit großen Mühen und auf den letzten Drücker ist es gelungen, einen staatlichen Atommüll-Aufseher zur Debatte um die Probleme mit der Sicherheit bei der Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle zu gewinnen. Über die Probleme, die es in den 38 Zwischenlagern mit hochradioaktiven Abfälle gibt, soll – veranstaltet vom “Atommüllreport” – auf einer Fachtagung am 25. November in Würzburg mit sachkundigen Experten informiert und diskutiert werden. Eine Debatte, die mehr als dringend notwendig ist! Wichtig für die Atommüll-Verwaltung auch: Künftig werden die Atomkonzerne bei der Atommüll-Lager-Debatte nicht mehr im Boot sein. Geplant ist eine komplette Verstaatlichung der Lagerung aller radioaktiven Abfälle.

Zum Hintergrund heißt es auf der Homepage des “Atommüllreports“: “In 38 Lagerstätten (Nass- und Trockenlager) in Deutschland lagern hoch radioaktive Abfallstoffe. Am 19.6.2013 entzog das OVG Schleswig dem Standort-Zwischenlager Brunsbüttel die Genehmigung. Anstatt Konsequenzen zu ziehen kamen Bund und Länder überein, dass es keine Sicherheitsdefizite gäbe. Das Land Schleswig-Holstein ordnete nicht nur die weitere Lagerung der bisher im SZL Brunsbüttel befindlichen neun Castoren an sondern will sogar die Einlagerung weiterer Castoren erlauben. Viele Zwischenlager für hoch radioaktive Abfälle in Deutschland weisen noch geringere Sicherheitsstandards als das SZL Brunsbüttel auf.

Die Genehmigung für die Trockenlager laufen alle weit vor einer möglichen Inbetriebnahme eines tiefengeologischen Lagers aus. Offen ist die Frage, was dann mit den ca. 1.900 Castoren passieren soll.”

Das ist, wenn man so will, die überaus knappste Darstellung, mit der aufgezeigt werden könnte: Berlin, wir haben ein Problem! Die Liste ließe sich beliebig verlängern: In Jülich lagern 152 Castor-Behälter mit Atommüll ohne ausreichende Sicherheit. Wohin? Ungeklärt. In Lubmin schaffen es die Betreiber des dortigen Zwischenlagers nicht, die geforderten Terror-Schutz-Nachrüstungen einzubauen. Folge? Möglicherweise ein kompletter Neubau? Wie können eigentlich defekte Castoren repariert werden, wenn die dafür bislang vorgesehenen Reaktorgebäude abgebaut sind? Braucht es dann nicht überall Heiße Zellen dafür?

Und im Veranstaltungsflyer für die Tagung wird der Blick auf die ganz lange Sicht gewagt: “Selbst in der zuversichtlichsten Annahme der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle dauert die Einlagerung hoch radioaktiver Abfälle in eine tiefengeologische Lagerstätte bis 2070. 23-36 Jahre nachdem die Betriebsgenehmigungen für die Zwischenlager erloschen sind. Was passiert mit den Castoren in der Zwischenzeit? Und wie sicher sind die Zwischenlager?” Die pessimistischere Sicht auf dieses Problem? Die Einlagerung kann vielleicht erst 2080 beginnen und dauert dann noch mindestens 20-30 Jahre.

Gründe genug, sich angesichts der Gefährlichkeit dieser Atomabfälle und angesichts neuer Anforderungen sowohl hinsichtlich der Sicherheit im hier und heute als auch für einen Zeitraum von deutlich mehr als den bislang geplanten 40 Jahren ernsthaft einen Kopf zu machen.

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