Atomalarm in der Luft: Gorleben nicht betroffen – Umweltministerium Hannover fordert bessere Information der Öffentlichkeit

In Reaktion auf einen abgebrochenen Funkkontakt zu einem Passagierflugzeug letzten Freitag wurden entweder an allen oder vielen Atomkraftwerken Teilevakuierungen des Personals vorgenommen. Eine Maßnahme, mit der im Krisenfall die Zahl möglicher Innentäter in den Atomanlagen reduziert werden soll. Kampfflugzeuge der Luftwaffe waren im Alarm-Modus gestartet, um in der Luft Kontakt zu der betreffenden Maschine herzustellen. Inzwischen liegen Informationen der BI Lüchow-Dannenberg vor, dass das Castor-Zwischenlager in Gorleben offenbar nicht von derartigen Maßnahmen betroffen war. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel sagte mit Blick auf die Atomkraftwerke Grohnde, Lingen und Unterweser/Esensham in einer Presseerklärung: Gelingt es den Piloten der Kampfjets nicht, Kontakt herzustellen, “ können Anlagen auch vorsorglich abgeschaltet werden.“ Das aber erfolgte letzten Freitag nicht. Außerdem forderte er, dass die Unterrichtung der Öffentlichkeit über derartige Vorfälle verbessert werden müsse.

In der Meldung der BI LüDan heißt es zu dem Atomalarm vom Freitag: „Unklar blieb zunächst, ob z.B. auch die Zwischenlager in Gorleben oder Ahaus oder die Uranfabriken in Lingen und Gronau von derartigen Maßnahmen betroffen waren. “Wir wissen inzwischen mehr, weil der Radiosender FFN nachgehakt hat, auf jeden Fall war das Castorlager in Gorleben mit 113 Behältern von dem Voralarm ausgenommen, wir halten das für ein Unding“, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Seit Nine Eleven, dem Anschlag auf die Twin Towers in New York, also seit 16 Jahren würde über mehr Sicherheit nur geredet. Ehmke: „Gezielte Flugzeugabstürze gehören nicht mehr zum Restrisiko, aber nicht einmal eine Einhausung der Halle, von der immer die Rede war, hat die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) bisher auf die Reihe bekommen.“ Gefragt sei aber auch die Atomaufsicht in Hannover, warum ein Zwischenlager mit hochradioaktiven Abfallstoffen von dem Alarm ausgenommen wurde.“

Dokumentation PM Niedersächsisches Umweltministerium: Sicherung von Kernkraftwerken bei fehlenden Funkkontakten im Flugverkehr

Das Niedersächsische Umweltministerium hat gestern (Freitag) darüber informiert, dass an diesem Tag um 10:27 Uhr ein so genannter RENEGADE-Voralarm ausgelöst wurde. Dies führte planmäßig zur Räumung der niedersächsischen Kernkraftwerke – mit Ausnahme des für die sichere Steuerung der Anlage notwendigen Personals. Auslöser war, dass der Funkkontakt zu einem Verkehrsflugzeug im Luftraum der Bundesrepublik mit Kurs London abgerissen war. Um 10:49 Uhr war der Funkkontakt wieder hergestellt. Die vorgesehenen Maßnahmen haben plangemäß funktioniert. In Niedersachsen wurden vorsorglich Maßnahmen in den AKW Grohnde, Emsland und im stillgelegten AKW Unterweser veranlasst.

Zum Sachverhalt: Pläne für derartige Fälle wurden nach den Anschlägen auf das World Trade Center entwickelt. Wenn die Flugsicherung keine Verbindung herstellen kann, wird das Lagezentrum der Innenministerien informiert. Im Zweifelsfall wird mit Hilfe von Abfangjägern der Bundeswehr Sichtkontakt mit den Piloten hergestellt. Wenn das nicht gelingt, können Anlagen auch vorsorglich abgeschaltet werden.

Dazu erklärt der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel: “ Der aktuelle Vorgang zeigt einmal mehr, dass weiterhin sehr hohe Aufmerksamkeit erforderlich ist, solange noch nukleare Anlagen in Betrieb sind. Die für die Bundes- und Landesbehörden geltenden Vorschriften und Abläufe müssen überprüft werden. Insbesondere im Hinblick auf die Unterrichtung der Öffentlichkeit, sowohl über die Medien als auch direkt für die Bürgerinnen und Bürger, ergeben sich aus den neuen Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation auch neue Erfordernisse für die schnelle und zuverlässige Information.“

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