Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Geheimhaltung, wenn es darum geht, welche Rolle das teilweise deutsche Uranunternehmen URENCO für die militärische Verteidigungspolitik von Großbritannien spielt. Auf eine Schriftliche Frage im Bundestag antwortet sie auch nur zur Hälfte.
Mit der Schriftlichen Frage von Mareike Hermeier (Linke) wollte die Bundestagsabgeordnete von der Bundesregierung wissen, ob sie eine militärische Nutzung für URENCO-Uran vom deutschen Standort in Gronau für britische Verteidigungszwecke ausschließen kann, insbesondere auch mit Blick auf die in Deutschland ansässigen und zu URENCO gehörenden Unternehmen Urenco Technology and Development (UTD/UTC) sowie des Zentrifugenhersteller Enrichment Technology Company (ETC). (Die Frage 87 und Antwort sind in dieser Drucksache, PDF) Siehe Wortlaut direkt unten!
Während die Umwelt-Staatsekretärin Schwarzelühr-Sutter zu den weiteren beteiligten Unternehmen schlicht nicht antwortet, teilt sie zum ersten Teil der Frage mit: „Eine Verwendung von in Deutschland angereichertem Uran im Kernbrennstoffkreislauf für Reaktorbrennstoff für Verteidigungszwecke ist vom Vereinigten Königreich nicht vorgesehen.“
Das URENCO in Gronau kein Uran für Verteidigungszwecke von UK anreichern soll, wäre eigentlich auch nicht neu, denn es ist bekannt, dass die britische Regierung eine dafür erforderliche Anlage vermutlich in Capenhurst in UK errichten will. Genau genommen bleibt auch weiterhin unklar, was genau die britische Regierung mit URENCOs Unterstützung für die Verteidigung tun will. Ob es „nur“ um die Herstellung von Reaktor-Uran für Atom-U-Boote bis zu 19,75 Prozent Uran235 geht oder noch um andere Dinge, bleibt unbekannt.
Hintergrund:
Durch Informationen an das Parlament in den Niederlanden war bekannt geworden, dass Großbritannien die Absicht hat, das gemeinsam von Deutschland, Niederlande und UK betriebene und kontrollierte zivile Urananreicherungsunternehmen URENCO für militärische Zwecke einsetzen. Vermutlich geht es darum, dass URENCO mit seinen Uran-Zentrifugen helfen soll, Brennstoff für den Einsatz in den Atomreaktoren der mit Atomwaffen bestückten U-Boote herzustellen.Weil das Unterehmen URENCO der friedlichen Nutzung der Atomenergie verpflichtet ist und alle drei Staaten die Geschäfte des Unternehmens beaufsichtigen, müssen die beteiligten Staaten diesem Anliegen zustimmen. Sollte ein Staat Veto einlegen, dürfte UK URENCOs Technik nicht nutzen.
Mit erheblichen staatlichen Mitteln will die britische Regierung mit URENCOs Unterstützung eine Anlage zur Herstellung von sogenanntem HALEU aufbauen. Das hatte die Regierung schon 2024 angekündigt. Das Kürzel HALEU steht für angereichertes Uran, welches über die für den AKW-Einsatz üblichen fünf Prozent Uran235 hinaus auf bis zu 19,75 Prozent Uran235 gesteigert wird. Nach internationalen Regelwerken und Abkommen wäre eine Anreicherung ab 20 Prozent atomwaffenfähig. Dafür hat URENCO jedoch keine Genehmigung und es unterliegt den Regelungen des Atomwaffensperrvertrags und dem Vertrag von Almelo.
Auch wenn UK Atomwaffenstaat ist, ist die Nutzung eines zivilen Unternehmens wie URENCO eine mehr als heikle Sache. Der Iran ist mit seiner Urananreicherung international nicht nur umstritten, sondern immerhin auch Grund für den Krieg der USA und von Israel. Das der Iran derartige Entwicklungen wie jetzt mit Bezug auf URENCO und den Brennstoff für Atom-Reaktoren in U-Booten genau beobachtet, dürfte klar sein. Die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie verschwimmen immer mehr. Das zeigen auch die Bemühungen von Saudi-Arabien, über die USA zu einem Atomprogramm zu kommen, inklusive Urananreicherung. Mit dem neuen Militär-Bündnis mit Pakistan (und der Türkei) werden solche Bemühungen möglicherweise unterstrichen.
Dokumentation der Schriftlichen Frage und Antwort. Quelle siehe oben.
87. Abgeordnete Mareike Hermeier (Die Linke)
Kann die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer Antwort auf meine Schriftliche Frage mit der Arbeitsnr. 7/0060, wonach das Vereinigte Königreich die Herstellung eines Kernbrennstoffkreislaufs für Reaktorbrennstoff für Verteidigungszwecke beabsichtigt, ausschließen, dass Uran aus der Urananreicherungsanlage Gronau, sei es auch über Umwege, für dieses Vorhaben verwendet wird und die in Gronau ansässige
Urenco Technology and Development (UTD/UTC) sowie der Zentrifugenhersteller Enrichment Technology Company (ETC) in Jülich, an der Urenco zu 50 Prozent beteiligt ist, an diesem Vorhaben beteiligt sind, und wenn ja, wie, und wenn nein, welche Beteiligungen deutscher URENCO-Anlagen und der genannten Unternehmen sind der
Bundesregierung bekannt?
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
vom 29. Juli 2026
Eine Verwendung von in Deutschland angereichertem Uran im Kernbrennstoffkreislauf für Reaktorbrennstoff für Verteidigungszwecke ist
vom Vereinigten Königreich nicht vorgesehen. Die Urananreicherungsanlage in Gronau und dort angereichertes Material unterliegen der Kernmaterialüberwachung durch EURATOM und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).
Im Übrigen verweist die Bundesregierung auf ihre Antwort zur Schriftli-
chen Frage 7/0060.
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