Atommüll-Gefahren und Zukunft: Atommüllreport bekommt für radioaktive Jugend-Bildung Unterstützung

Wie werden Menschen in der Zukunft mit dem Atommüll umgehen? Was werden sie von den Gefahren noch wissen, wenn Atomkraftwerke längst Geschichte geworden sind? Eines der Projekte, mit denen Teile der Anti-Atom-Bewegung einen „Know-How-Abriss“ verhindern wollen, ist der Atommüllreport. Mit einer Sommerakademie (2.–6. August 2017, Wolfenbüttel) wendet sich dieses Projekt jetzt zum Thema „Atomares Erbe – Die „Herausforderungen für die nächste Generation““ an junge Leute, vor allem an Studierende. In Zusammenarbeit mit der BUND-Jugend bekommt der Atommüllreport nun Unterstützung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Mit insgesamt 110.000 Euro sollen in den nächsten zwei Jahren Jugend-Projekte und Bildungsmaterial unterstützt werden: „Mit dem neuen Projekt wollen wir darüber hinaus dazu beitragen, das gesammelte kritische Wissen über den Atommüll aktiv an die nächste Generation weiterzugeben“, sagt Ursula Schönberger vom „Trägerkreis Atommüllreport“. (Fotos: © Deutsche Bundesstiftung Umwelt)

Die Atommüllproblematik ist nicht nur eine hochriskante, sondern auch sehr komplizierte. Dabei geht es nicht nur um das neue Suchverfahren für ein unterirdisches Dauerlager für hochradioaktiven Atommüll. Immer mehr wird die Zwischenlagerung dieser Abfälle zum Risiko und auch bei dem vermeintlich harmloseren leicht- und mittelradioaktiven Müll sind die Probleme enorm. Von Rostfässern bis hin zur immer wieder verzögerten Inbetriebnahme des Schachts Konrad für diese Abfälle. All das über Atommüll in der Anti-Atom-Bewegung vorhandene Knowhow soll aufgearbeitet und für junge Menschen zugänglich gemacht werden, heißt es in einer PM der DBU anlässlich eines Treffens mit den Projektträgern am Schacht Konrad in Salzgitter, an dem auch der Bundestagsabgeordnete und Kuratoriumsmitglied Matthias Miersch teilnahm. Der stellte fest: „Die Atommülldebatte ist noch nie einfach gewesen“, sagt Dr. Matthias Miersch. Weiter sagte er: „Viele Generationen werden von diesem komplexen Thema noch betroffen sein. Daher ist es wichtig, das umfangreiche und über Jahrzehnte aufgebaute Wissen in der Zivilgesellschaft an die junge Generation weiterzugeben. Ein solcher Wissenstransfer trägt zu einer sachlichen und kompetenten Diskussion bei.“

Der Atommüllreport wird von zahlreichen Akteuren aus der Anti-Atom-Bewegung getragen und soll eher als wissenschaftliche Plattform atomkritisches Wissen zusammenführen und für die Zukunft verfügbar machen und halten. Ein äußerst ehrgeiziges Ziel. In der Selbstdarstellung auf der Homepage des Atommüllreports heißt es dazu: „Das Fachportal atommuellreport.de leistet einerseits einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung um einen verantwortbaren Umgang mit Atommüll. Andererseits soll es als langfristige Ressource das Wissen über den Atommüll über viele Jahrzehnte erhalten.“ Hervorgegangen ist der Atommüllreport aus den Aktivitäten der Atommüllkonferenz der Anti-Atom-Initiativen, die zweimal im Jahr tagt.

Ein Aspekt, der die Akteure beim Atommüllreport antreibt, ist, dieses atomkritische Wissen auch den nachfolgenden Generationen zu vermitteln und daher geht ein sehr gezielter Blick auf die junge Generation. In der DBU-PM ist zu lesen: „Es waren in der Vergangenheit oft die Anti-Atom-Bewegung und ihre Experten, die auf Sicherheitsprobleme beim Umgang mit dem Atommüll aufmerksam gemacht haben. Diesen kritischen Blick wird auch ein neues Suchverfahren dringend brauchen“, sagt Thorben Becker vom BUND. Doch Wissen alleine reicht nach Darstellung der Projektbeteiligten nicht aus, um zu gewährleisten, dass auch kommende Generationen fundierte, sachliche und wissensbasierte Diskussionen führen. Daher sei die BUNDjugend mit ihren 60.000 Mitgliedern mit ins Boot geholt worden.“

Dass das Atommüllthema vielen jungen Menschen durchaus im Bewusstsein, aber es dennoch kaum in der gesellschaftlichen Debatte ist, machte der Vertreter der BUND-Jugend deutlich: „„Jugendstudien und internationale Umfragen zeigen, dass ein Großteil der deutschen Schüler das Thema Atommüll gleichrangig neben den Umweltthemen Luftverschmutzung, Aussterben von Tieren und Pflanzen sowie Energieknappheit im Blick hat“, verdeutlicht Gert Sanders vom BUNDjugend Bundesverband. Das heiße aber nicht automatisch, dass Jugendliche sich für diese – ihnen wichtige – Themen engagierten. Junge Menschen seien vor allem mit persönlichen Zukunftsfragen beschäftigt. Ausschlaggebend für ein gemeinnütziges Engagement seien für Jugendliche aktive Mitgestaltungsmöglichkeiten.“

Auch über die Inhalte der Kooperation zwischen der DBU, dem Atomüllreport und der BUND-Jugend wird in der Pressemitteilung einiges gesagt: „In der bislang auf zwei Jahre vereinbarten Förderzeit steht einiges auf dem Plan: „BUNDjugend und der „Atommüllreport“ werden zusammen drei Themen-Workshops durchführen: In einem ersten stehen aktuelle technische Gegegebenheiten rund um Transport und Lagerung von Atommüll im Blickfeld. Ein zweiter Workshop hat die Geschichte des gesellschaftspolitischen Konflikts zum Inhalt. Und in einem dritten werden die Organisation von Beteiligungsprozessen und die Konzeption einer Beteiligungsbox, die gesammelte Materialen enthält, entwickelt. Für Schüler der achten Klassen werden zusammen mit Pädagogen Unterrichtseinheiten und Bildungsmaterialien zum Thema erarbeitet. Die BUNDjugend wird zusammen mit anderen Jugendorganisationen ein Netzwerk „Wissensmanagement zum Thema Atommüll und Beteiligung“ aufbauen. Außerdem gehe es bei dem Projekt darum, von Jugendlichen zu lernen, welche Kommunikationswege – wie etwa Facebook, Twitter und Co. – geeignet sind, um die zukünftigen Entscheidungsträger am ehesten für die Herausforderung zu gewinnen, die der Umgang mit dem Abfall der Atomenergie bedeutet.“

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