URENCO-Uran für US-Atomwaffen

Unterstützung des US-Atomwaffenprogramms durch URENCO mit Zustimmung der Bundesregierung? Darüber berichten erneut die Tagesschau und der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel. Demnach habe URENCO Lieferungen von angereichertem Uran für den Betrieb der für das US-Atomwaffenprogramm zur Tritium-Herstellung eingesetzten Atomreaktoren der US-amerikanischen Gesellschaft Tennessee Valley Authority (TVA) vereinbart. In dem Tagesschau-Bericht fordern Zdebel und Jürgen Trittin, die Bundesregierung müsse mit ihrem Veto-Recht in den Kontrollgremien von URENCO dafür sorgen, dass die Lieferverträge umgehend beendet werden. Insbesondere müsse die Uranfabrik der URENCO in Gronau endlich abgeschaltet werden.

Die Uranlieferungen sollen je zwei Reaktorblöcke in Watts Bar und Sequoyah versorgen, die laut Mitteilung der TVA für das US-Atomwaffenprogramm die Herstellung von Tritium übernehmen. „Bisher“, so die Bundesregierung jüngst auf Nachfragen von Hubertus Zdebel, „habe URENCO noch kein angereichertes Uran an TVA geliefert.“

Das Tritium in den Atomsprengköpfen muss regelmäßig erneuert werden und sorgt für eine Vervielfachung der Sprengkraft. URENCO beliefert damit direkt Atomreaktoren, die für das Atomwaffenprogramm der USA aktiv sind. Der Vertrag zwischen TVA und URENCO unterliegt auch der Zustimmung des URENCO-Kontrollgremiums, in dem neben Großbritannien und den Niederlanden auch Vertreter der Bundesregierung mit Veto-Recht sitzen.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die „Tagesschau“ berichtet, dass die Bundesregierung offenbar mit derartigen Uranlieferungen von URENCO zur Herstellung von Tritium für das US-Atomwaffenprogramm keine Probleme habe. Laut einem Bericht des US-Energieministeriums aus 2014 (PDF) hatte URENCO ein Rechtsgutachten erstellen lassen, welches Uranlieferungen für „Tritium-Reaktoren“ als zulässig einstufte. Demnach wäre die Tritium-Herstellung lediglich ein Nebenprodukt („by-product“) der ansonsten zur Stromerzeugung eingesetzten Reaktoren.

URENCO ist mit seinen Urananreicherungsanlagen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA im Rahmen internationaler Kontrollverträge – unter anderem in den Verträgen von Almelo und Washington – ausschließlich für die „friedliche“ Atomenergienutzung vorgesehen, also nur für Urananreicherungen zum Einsatz in Atomreaktoren zur Stromerzeugung. Ein sogenannter Gemeinsamer Ausschuss der drei genannten Staaten ist neben EURATOM für die Kontrolle der URENCO-Aktivitäten und der Einhaltung der Verträge zuständig. Dem Bericht des US-Energieministeriums zufolge, hat dieses „Joint Committee“ gegen die rechtliche Bewertung von URENCO keinen Einwand erhoben.

Aus einem Bericht des Vorstands von TVA (PDF, ab Seite 42) vom 11. Mai 2017 geht jedoch hervor, dass das Unternehmen Lieferverträge mit Westinghouse zur Herstellung von Brennelementen und mit Louisiana Energy Services LLC (LES) für angereichertes Uran geschlossen hat, um die jeweils zwei Reaktorblöcke in Watts Bar und Sequoyah mit Uranbrennstoff zu versorgen. Louisana Energy Services ist die zu URENCO gehörende Urananreicherungsanlage in New Mexico. TVA betreibt insgesamt sieben Atomreaktoren. Neben Watts Bar 1 soll künftig auch ein Reaktor von Sequoyah zur Tritium-Herstellung für das US-Atomwaffenprogramm eingesetzt werden.

Auf Nachfragen von Hubertus Zdebel hatte die Bundesregierung jüngst darauf verwiesen, dass die Sitzungen des Joint Committees „streng vertraulich“ wären und eine Bestätigung der Angaben des US-Energieministeriums verweigert. Auf weiteres Nachfragen teilt die Bundesregierung am 29. Mai lediglich mit: „Die Firma URENCO hat bisher kein von ihr angereichertes Uran für den US-Betreiber Tennessee Valley Authority (TVA) geliefert.“ (siehe unten)

Über den Vertrag mit Westinghouse gibt der TVA-Vorstand an, dass dieser Lieferungen im Wert von 450 Millionen US-Dollar für den Zeitraum von 2021 – 2030 vorsieht. Außerdem wird von einer Laufzeit von 14 Jahren gesprochen (Der Grund für diesen Widerspruch bei den Zeitangaben ist unklar). Mit Blick auf den URENCO-Vertrag ist von einem Vertragswert von 500 Millionen US-Dollar die Rede, ein Lieferbeginn wird nicht explizit genannt. Das Ende der Laufzeit wird bei URENCO mit 2030 angegeben.

Auch Nuclear Intelligence Weekly berichtet am 12. Mai über diesen Deal. In der (online nicht verfügbaren) NIW-Meldung heißt es, dass der Vorstand „also approved a $500 million enriched uranium product contract with Urenco’s US subsidiary, also through 2030
and for the same four reactors — two at Sequoyah and two at Watts Bar. These are the four reactors that TVA announced last month may host tritiumproducing burnable absorber rods that when irradiated will produce tritium for the US nuclear weapons program (NIW Nov.21’14).“ Auch „Times free Press“ berichtet über den TVA-Deal mit Westinghouse und URENCO.

 

Doku TfP: TVA awards $450 million contract to Westinghouse despite its bankruptcy

Despite its bankruptcy, Westinghouse Electric Co. won a $450 million contract from the Tennessee Valley Authority on Thursday to fabricate nuclear fuel through 2030.

TVA directors agreed to use Westinghouse for the fuel fabrication after TVA Executive Vice President Joe Grimes told the board that TVA will obtain appropriate credit assurances before any contract with Westinghouse is signed. Westinghouse was the low bidder for the contract, which has a proposed term of 14 years.

Grimes said Westinghouse has a proven technology for the two Westinghouse-designed plants TVA operates in Tennessee — the Sequoyah Nuclear Power Plant near Soddy-Daisy and the Watts Bar Nuclear Plant near Spring City, Tenn. Grimes said TVA will obtain adequate protections to ensure that it will get ongoing fuel supplies at contract prices from either Westinghouse or its successors.

Westinghouse, a subsidiary of the Japanese-based Toshiba, filed a Chapter 11 bankruptcy petition in March after projecting it could lose up to $10 billion from costly problems at the nuclear plants it is building in Georgia and South Carolina.

The fiscal problems for Westinghouse related entirely to its construction operations, and not its fuel or services businesses, TVA President Bill Johnson said.

„Fuel and services are very robust and viable enterprises, and Westinghouse probably provides 70 percent of the fuel fabrication for pressurized water reactors in the United States,“ Johnson said. „In any event, that business is either going to be spun off or repackaged and stay in business.“

Johnson said Westinghouse prices „were very good“ and won’t push up any rates or costs for nuclear power in the future.

The TVA board also approved a contract Thursday with Louisiana Energy Services, a supplier of uranium used in making fuel, valued at $500 million through 2030.

In addition, the board authorized the CEO to enter into contracts for work to convert all wet storage of coal ash to dry storage and meet the environmental standards for water quality and effluents at TVA’s coal plants that previously used coal ash ponds. The combined value of the contracts is capped at $1.9 billion.

Contact Dave Flessner at dflessner@timesfreepress.com or at 423-757-6340.

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