Restrisiko – Broschüren über die Gefahren der Plutoniumfabriken in Frankreich und England

Immer wieder versuchte die deutsche Politik seit den 1950er Jahren zusätzlich zur nuklearen Uran-Linie bei der Nutzung der Atomenergie auch den Plutonium-Pfad zu realisieren. Als Forschungsanlage und damit sozusagen im Kleinen wurde dieser Pfad vor allem in Karlsruhe realisiert. Für die industrielle Linie sollten in Hanau, in Kalkar, in Gorleben und schließlich in Wackersdorf Plutonium-Fabriken entstehen. Die beiden Atomwaffenstaaten Frankreich und Großbritannien hatten mit Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield solche Plutonium-Anlagen realisiert, in denen unter anderem aus abgebrannten Brennelementen von Atomkraftwerken Plutonium chemisch separiert wurde. Greenpeace hatte über die enormen Risiken dieser Anlagen eine Broschüren-Reihe „Restrisiko“ aufgelegt, die Ende der 1980 Jahre in mehren Folgen erschien. umweltFAIRaendern dokumentiert hier als Fortsetzung die Ausgaben 6 und 7, die 1990/91 veröffentlich wurden. Jahrzehntelang schickten deutsche Atomkraftwerke ihren Atommüll dort hin, – seit Jahren laufen nun die Rücktransporte des gefährlichen Atommülls. Demnächst gehen Castor-Atomtransporte zu den AKWs Brokdorf, Biblis, Philippsburg und Isar/Landshut. Früher nach Gorleben und demnächst auch erneut in das Zwischenlager Ahaus.

Zu den anstehenden Rücktransporten von Atommüll aus La Hague und Sellafield siehe:

AKW Brokdorf – Beiträge aus der Geschichte des Widerstands

Ab 1976 eskalierten die Auseinandersetzungen um den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf in der Wilster Marsch. Während das nicht einmal 20 Kilometer entfernt in Dithmarschen gelegene AKW Brunsbüttel noch weitgehend ohne Proteste gebaut und 1976/77 in Betrieb ging, sollte Brokdorf zu einem der wichtigsten Widerstandsorte für die entstehende Anti-Atom-Bewegung werden. Demonstrationen und Klagen sorgten dafür, dass die Bauarbeiten von 1976 bis Ende 1980 vorübergehend gestoppt wurden. Die ungeklärte Entsorgung des Atommülls hatten die Richter als ein Problem angesehen und damit Gorleben auf die Tagesordnung gesetzt. Der Widerstand gegen das AKW Brokdorf war von vielfältigen Initiativen und Organisationen mit sehr unterschiedlichen politischen Positionen charakterisiert. Viele Gruppen hatten sich zu den Bürgerinitiativen Umweltschutz Unterelbe (BUU) zusammen geschlossen. Auch Organisationen wie der Kommunistische Bund, die KPD oder der Kommunistische Bund Westdeutschland waren als sogenannten K-Gruppen im Anti-Atom-Widerstand dabei, oftmals auch mit ihren Mitgliedern in den BUU-Gruppen engagiert. Vor allem von diesen Gruppen gibt es Broschüren und Dokumentationen aus der Zeit. Frei nach dem Motto „Gibt es ja alles im Internet“ dokumentiert umweltFAIRaendern.de hier einige Broschüren aus den frühen Zeiten des Widerstands gegen das AKW Brokdorf. Die PDF-Dateien sind automatisch mit einer OCR-Texterkennung bearbeitet worden.

Zuvor erschienen zur Geschichte der Kämpfe um das AKW Brokdorf und anderer Atomstandorte auf umweltFAIRaendern.de:

Das sogenannte „MAO-Projekt“ (Materialien zur Analyse von Opposition) widmet sich der Dokumentation zahlreicher Dokumente aus den K- und autonomen Gruppen vor allem aus den 70er Jahren. Zur Anti-Atom-Bewegung und den Kampf um Brokdorf sind hier viele Dokumente veröffentlicht.

Zdebel in Paderborn: Sozial und ökologisch – Linke Antworten auf die Klimakrise

Unter dem Motto „Sozial und ökologisch – Linke Antworten auf die Klimakrise“ ist der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel am 18:00 – 20:00 Uhr) auf einer Veranstaltung im Bürgerbüro, Ferdinandstr. 25 bei DIE LINKE. KV Paderborn zu Gast.

Die Klimakrise schreitet voran – und außer vollmundigen Bekundungen entscheiden sich die Herrschenden der Welt meist für kurzfristige Profitinteressen und nicht für den langfristigen Erhalt unseres Planeten als bewohnbarem Ort. Am 8. Januar 2019 möchte Hubertus Zdebel in Paderborn darüber diskutieren, warum Kapitalismus und Klima unvereinbar miteinander sind und was wir tun können.

Hubertus Zdebel (Facebook) kommt aus Münster und ist in der Bundestagsfraktion DIE LINKE als Gewerkschafter und Umweltaktivist aktiv. Sein klares Statement: Am sozial-ökologischen Umbau führt kein Weg vorbei. Seit 2013 setzt er sich für Atomausstieg, gegen Fraking, für die Energiewende und Klimaschutz auch im Deutschen Bundestag ein.

 

Spurensuche Franz Josef Strauß: Militärische Ambitionen beim deutschen Einstieg in die Atomenergie

Gern wird von interessierter Seite betont, dass der deutsche Einstieg in die Atomenergie niemals militärische Ambitionen hatte. Dabei war nach schwierigen Verhandlungen Deutschland lediglich verpflichtet, auf eigenem Boden keine Nuklearwaffen zu entwickeln oder zu besitzen. Schon dies ein Hinweis, dass es irgendwie deutsche Ambitionen gegeben haben muss. Das öffnete die Tür für weitere Möglichkeiten. Z.B. für solche, die Franz Josef Strauß, erster Atom- und danach Verteidigungsminister der Bundesrepublik, in seinen Ende der 1980er Jahre veröffentlichten „Erinnerungen“ zum besten gibt. Demnach hat es bereits Ende 1957 und Anfang 1958 ausgehandelte Geheimverträge auf Vorschlag Frankreichs mit der Bundesrepublik und außerdem italienischer Beteiligung zum Bau einer „Isotopenanlage in Pierrelatte“ gegeben, in der es eindeutig um die Atombombe ging. Isotopenanlage? Das war damals vor allem eine militärische Anlage zur Anreicherung von Uran235 für die Herstellung von waffenfähigem Uran. Der französische Verteidigungsminister Jacques Chaban-Delmas hatte eine solche Beteiligung Strauß angedient, der mehr als willig darauf einging. Es war de Gaulle, der diesen Deal später verhinderte. (Foto: De Gaulle und Franz Josef Strauß, 8. Juli 1962 in Reims, Bundesarchiv, B 145 Bild-F013405-0052 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0)

Bereits Matthias Küntzel hatte die Strauß-Memoiren in seinem Buch Bonn und die Bombe (unter dem Link ist das Buch als PDF kostenlos zum download bereitgestellt) aufgegriffen. Küntzel lässt in der Einleitung zu seinem Anfang der 1990er veröffentlichten Buch keinen Zweifel, dass nicht nur Strauß an deutschen Atomwaffen interessiert war: „Wie inzwischen nachgewiesen, hatte Adenauer in jener Zeit vor dem Bundeskabinett erklärt, über die europäische Zusammenarbeit »möglichst schnell« auch deutsche Atomwaffen produzieren zu wollen – ein Anliegen, das »der Alte« fortan im Auge behielt. Parlament und Bevölkerung wurden über jene Ausrichtung der deutschen Nuklearpolitik jahrzehntelang im Unklaren gelassen oder mit Unwahrheiten abgespeist.“ (S. 12)

In seinen „Erinnerungen“ berichtet Strauß, was über 30 Jahre in Deutschland geheim gehalten wurde: Die Franzosen hätten sich „nach den Erfahrungen während der Suezkrise im Herbst 1956 entschlossen“, so Strauß (Seite 313), „eine eigene Atombombe zu entwickeln und zu produzieren, um von den Vereinigten Staaten unabhängig zu sein.“ Um dies zu realisieren wollte die französische Regierung 1957 die Bundesrepublik beteiligen.

Ohne Wenn und Aber macht Strauß in seinen weiteren Ausführungen klar, dass es um die Atomwaffe ging. „Chaban-Delmas sagte mir, Paris sei fest entschlossen, jetzt die lsotopenanlage Pierrelatte zu bauen. Da dies ein sehr teures Vorhaben sei, würde man es gern gemeinsam mit den Deutschen und Italienern durchführen. Dieses in aller Sachlichkeit vorgetragene Angebot war mehr als eine Überraschung. Gemeinsame Entwicklung und Produktion sollte im Verhältnis 45 : 45 : 10 zwischen Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und Italien aufgeteilt werden. Auf meine Frage, ob dies ein Angebot des Verteidigungsministers sei oder das Angebot der französischen Regierung unter Ministerpräsident Felix Gaillard, bestätigte Chaban-Delmas, daß es sich um eine Offerte der französischen Regierung handle.“

Die Isotopenanlage ist nichts anderes als die Urananreicherung, mit der das spaltbare Uran 235 über seinen natürlichen Gehalt von etwa 0,7 Prozent auf über 80 Prozent erhöht wird. Auf dieser Basis lassen sich Atombomben mit Uran als Sprengstoff bauen.

  • „Die Urananreicherung ist ein klassischer Weg, um nuklearen Brennstoff herzustellen. Diese aufwendige Technologie ist aber auch der Schlüssel zu Atomwaffen,“ schrieb 2007 der damalige Außenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in einem Gastkommentar im Handelsblatt (2. Mai 2007). Steinmeier meinte den Iran. Aber mit der Urananreicherungsanlage der Urenco in Gronau verfügt seit Anfang der 1970er Jahre auch die Bundesrepublik über diesen Schlüssel. Und bis heute ist die Urenco vom bundesdeutschen Atomausstieg ausgenommen. So ist es in einem Artikel von mir in der Jungen Welt zu lesen. Der gesamte Text ist hier online.

Während öffentlich von interessierter Seite gegen eine immer deutlichere Forschungssituation gern beteuert wird, dass es keine deutschen militärischen Interessen für eine deutsche Bombe oder einen Zugriff gegeben hätte, machte Strauß mit den Ende der 1980er Jahre nach seinem Tod veröffentlichten „Erinnerungen“ klar, dass die Atomwaffe unbedingt in der Absicht deutscher Politik lag.

Deutlich wird dabei auch, wie er einerseits der offiziellen Linie entsprechend alle militärischen Anwandlungen öffentlich leugnet, gleichzeitig aber sehr klar in Richtung einer deutschen Teilhabe an der Bombe strebt. Strauß berichtet weiter: „Umgehend habe ich Konrad Adenauer von dieser Unterredung und ihrem brisanten Inhalt informiert. Seine Reaktion war die gleiche wie bei Schäffers Ausflug nach Ost-Berlin: Machen Sie es, aber wenn es Ärger gibt, weiß ich von nichts. Am 21. Januar 1958 lud ich die Verteidigungsminister Frankreichs und Italiens nach Bonn ein. Zwischen den Unterhändlern der drei Verteidigungsministerien wurde ein Entwurf vorbereitet. Diesen Entwurf im Gepäck, flog ich Ostern 1958 nach Rom. Es bestand kein Zweifel, daß die drei Länder in dieser Sache zusammenarbeiten wollten.“

Wie wichtig die ganze Angelegenheit war, zeigt sich auch im zeitlichen Verlauf. Denn schon am „Ostermontag 1958 trafen sich in einem Sitzungssaal des italienischen Verteidigungsministeriums in Rom die Verteidigungsminister Chaban-Delmas, Taviani und Strauß. Dort haben wir den Entwurf des Abkommens, das sich nicht auf nukleare Zusammenarbeit beschränkte, sondern eine erweiterte und fortgeschriebene Fassung des Abkommens von Sidi-bel-Abbes darstellte, ausführlich besprochen. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Atomsprengkörpern. Ich habe zu bedenken gegeben, daß die Deutschen hier natürlich in einer anderen Situation seien, da sie im Gegensatz zu Frankreich und Italien unter einem besonderen Vorbehalt stünden. Chaban-Delmas: »Sie meinen das Brüsseler Protokoll, das den Deutschen die Entwicklung und Produktion von ABC-Waffen auf deutschem Boden verbietet. Aber Sie sind doch völlig frei, das im Ausland zu tun. Und wenn wir Franzosen das anbieten, gibt es keine Bestimmung des Brüsseler Protokolls, die dem im Wege stünde.«

Es gibt angesichts dieser Aussagen von Strauß kein Vertun. Auch wenn die Initiative hier offenbar auf französischer Seite lag. Die Eilfertigkeit mit der Strauß dieses Angebot behandelt, spricht Bände. Und er ist sich natürlich der Problematik bewusst:

„Ich erklärte, daß dieses Thema für uns Deutsche eine explosive Angelegenheit sei, der Bundeskanzler und der Außenminister seien selbstverständlich unterrichtet. Um das heiße Eisen abzukühlen, schlüge ich vor, Punkt 11 des beabsichtigten Abkommens anders zu formulieren. Dort war von Atomsprengkörpern die Rede. »Welchen Text schlagen Sie denn vor?« fragte Chaban-Delmas. Meine Antwort: »Gemeinsame Erforschung und Nutzung der Kernenergie für militärische Zwecke.« Damit entfiele zum einen das heikle Wort Atomsprengkörper, zum anderen sei ein unabhängiges Energieversorgungsnetz für die Truppe von großem Interesse für uns. Was wir brauchten, so argumentierte ich, seien stromnetzunabhängige Generatoren, weil im Kriegsfalle das Stromnetz und damit die Stromversorgung unserer militärischen Einrichtungen ausfielen. Für solche Notaggregate kämen kleine Atommeiler in Frage – wir dachten damals, daß eine solche Entwicklung möglich sei. Interessiert seien wir auch an nuklearen Schiffsantrieben. Wenn das Abkommen bekannt werden sollte, könnte ich mich darauf zurückziehen, daß ich diesen Vorbehalt gemacht hätte. Wir könnten dann sagen, daß wir uns an diesem Gemeinschaftswerk beteiligten, daß unser Interesse aber nicht den Sprengkörpern, sondern transportablen Kleinreaktoren und atomaren Schiffsantrieben gelte.“

  • Nur am Rande erwähnt: Seit 1955 wird von Kurt Diebner und Erich Bagge die Errichtung einer Atomforschungsanlage für Schiffsantriebe in Norddeutschland angestrebt, die schließlich in Geesthacht auch errichtet wird. Mit der „Otto Hahn“ geht später das erste und letzte nukleare Frachtschiff in Betrieb. Immer wieder gibt es in der Literatur knappe Hinweise bzw. Andeutungen, dass es bei diesen atomaren Schiffsantrieben nicht so sehr um Antriebe für die zivile Schifffahrt gegangen ist, sondern vor allem um nukleare Antriebe für U-Boote. Siehe: Spurensuche: Militärische Motive der deutschen Atomenergie-Politik und die Atomforscher Kurt Diebner und Erich Bagge

„Das Abkommen wurde paraphiert, und jeder Unterzeichner nahm eine Kopie mit. Die Franzosen schlugen als nächsten Schritt die Besichtigung von Pierrelatte vor, danach sollten die Fragen der Arbeitsteilung und der Finanzierung geklärt werden. Aber es passierte nichts mehr. Das Siechtum der Vierten Republik beschleunigte sich, de Gaulle kam an die Regierung, aber die Einladung nach Pierrelatte blieb aus.“

Dass für Strauß diese Frage einer deutschen Beteiligung an der Atomwaffe mit Frankreich und Italien nicht irgendein untergeordneter Aspekt war, wird aus seinen Reaktionen deutlich. Als der wieder an die Macht gelangte de Gaulle die Pläne einer deutschen Beteiligung an der französischen Bombe stoppt, reagiert Strauß heftig und stoppt seinerseits den Kauf des französischen Kampfflugzeuges Mirage III. Ein heftiger Affront. Aber, so erklärt Strauß: „Ich habe den Kauf der Mirage eifrig betrieben, nicht zuletzt deshalb, weil es mir unlogisch schien, daß wir uns von den Franzosen die Kernwaffensprengkörper und von den Amerikanern die Flugzeuge verschafften. Die deutschen Militärs haben darauf hingewiesen, daß die Mirage zu klein ausgelegt sei, eine zu geringe Reichweite habe, daß ihre Elektronik nicht genüge, das Radar noch in den Anfängen stecke. Deshalb waren unsere sämtlichen Militärs gegen die »Mirage III«, sie wollten den Starfighter.“

Doch diese massive Drohkulisse führte nicht zum gewünschten Erfolg. Im Juli 1958 muss Strauß einsehen, dass es unter de Gaulle keine deutsche Beteiligung an der Entwicklung einer Atombombe geben würde. Für die deutsch-französische Zusammenarbeit ein schwerer Schlag: „Zurückgekehrt nach Bonn, ordnete ich an, die rüstungstechnische Zusammenarbeit mit Frankreich einzustellen und keine Gespräche mehr über den Ankauf französischer Rüstungsgüter zu führen. Meine Absage schlug in Paris ein wie eine Bombe, die ganze Hoffnung auf engere Zusammenarbeit mit den Deutschen und auf große Aufträge für die französische Rüstungsindustrie mußte begraben werden. Der Deutsche Botschafter in Paris, Herbert Blankenhorn, berichtete, die Franzosen seien bedrückt wegen der Abkühlung der Beziehungen und wollten die Sache wieder in Ordnung bringen.“

Doch um eine deutsche Beteiligung an Atomwaffen ging es in der Folge nicht mehr. Nicht weil man nicht wollte, sondern, so Strauß, weil Adenauer dies zu heikel war. Er selbst habe im Grund vom Verteidigungsminister Messmer in der Regierung de Gaulle eine Art Verständnis zur deutschen Beteiligung an einer französischen Atomwaffe erhalten, so Strauß. Adenauer hätte das nur in die Hand nehmen und de Gaulle gegenüber auf den Tisch legen müssen. Adenauer tat dies jedoch nicht.

Strauß tröstete sich nach dem Scheitern der Atomwaffenpläne mit einer anderen Vision der Zukunft, die Karl Fischer, Abteiligungsleiter Wehrtechnik im Verteidigungsministerium vorgebracht hatte: Vielleicht könnten gänzlich neue Waffensysteme, Laserwaffen eine Art „Überspringung“ des Problems mit der Atomwaffe ermöglichen?

In seinen „Erinnerungen“ räumt Franz Josef Strauß also unumwunden ein, dass es spätestens 1957/58 konkrete Planungen an einer deutschen Beteiligung an Atomwaffen mit Frankreich und Italien gab. Diese Pläne scheiterten. Aber es lohnt sich mit Blick auf den Einstieg in die vermeintlich zivile Atomenergie in Deutschland ein weiteres Mal auf Künztel verwiesen: Unter dem Stichwort „Das nukleare Stand By-Programm“ schreibt er u.a.: „Der Atomphysiker Otto Haxel gegenüber J. Radkau: »Strauß … habe ihm versichert, er selber sei nicht so dumm, zu glauben, daß die Bundesrepublik sich den Bau von Atombomben leisten könne. Er wolle die Möglichkeit dazu jedoch als Trumpf bei internationalen Verhandlungen in der Hand behalten.« (Fußnote 1150 bei Radkau 1983:517)“ (Küntzel, S. 29). Der Bau der Forschungsanlagen auf Basis von Natururan mit der Möglichkeit einer hohen Plutonium-Produktion, der in den 50/60er Jahren in Karlsruhe auf den Weg gebracht wurde, dürfte in jedem Fall ein weiterer „Trumpf“ gewesen sein, mit dem die Bundesrepublik in der Außenpolitik etwas „in der Hand“ hatte.

Atomare Neubauten Standort Lubmin: Heiße Zelle als Option – Neue Atommüll-Lagerhallen in Planung und Bau

Mit Atommüll lassen sich Geschäfte machen – vor allem auf Kosten der SteuerzahlerInnen. Auch in Lubmin an der Ostsee, in der Nähe von Greifswald. Das „EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH“ ist dort für den Rückbau der alten DDR-Reaktoren im Auftrag des Bundesfinanzministeriums zuständig, hantiert mit jeder Art Atommüll und betreibt für hochradioaktiven und anderen Strahlenmüll die Lagerung. Im Frühjahr 2019 soll nun im zweiten Anlauf der Antrag für den erforderlichen Neubau eines Castor-Atommülllagers für hochradioaktiven Abfall mit einer möglichen Option auch für eine Heiße Zelle gestellt werden. Die derzeitige Castor-Halle erfüllt nicht mehr die Sicherheitsanforderungen. Noch im Dezember 2018 haben außerdem die Bauarbeiten für eine Zerlegehalle für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll begonnen. Darüber berichten unter anderem die Ostsee-Zeitung, die SVZ und die dpa bzw. Wallstreet-online in nahezu identischen Artikeln. Auch an den vielen anderen AKW-Standorten werden derzeit bundesweit neue Atommülllager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll geplant und gebaut. (Foto EWN mit Montage, weitere Bearbeitung umweltFAIRaendern: Standort neue Castor-Halle)

  • Alles zum Thema Atommüll, Sicherheitsrisiken in Lubmin und dem Thema Heiße Zelle auf umweltFAIRaendern.de

Mit Bezug auf einen dpa-Bericht ist bei Wallstreet online über den Baubeginn der neuen Zerlagehalle zu lesen: „In dem Gebäude, dessen Kosten das EWN mit 43 Millionen Euro beziffert, sollen schwach- und mittelradioaktive Kraftwerks-Großteile zerkleinert und für die Entsorgung beziehungsweise Endlagerung vorbereitet werden. Die Halle in Nähe des bestehenden Zwischenlagers soll mit technischen Bereichen für Trocken- und Nasszerlegung ausgestattet sein und Ende 2021 in Betrieb gehen, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes.“

Genehmigt wurde die erste Teilgenehmigung von den Baubehörden des Kreises Vorpommern-Greifswald. Eine weitere – vermutlich die atomrechtliche – Genehmigung erwartet EWN, Rechtsnachfolger der DDR-Atommeiler Lubmin und Rheinsberg, vom Innenministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die OZ weiter: „Rückbau und Entsorgung von Nuklearanlagen werden sich bei uns wie auch in Deutschland insgesamt bis weit in die 30er Jahre hinziehen“, sagte Cordes. In den nächsten Jahren werde sich das Unternehmen auf das Zerlegen von Reaktordruckgefäßen, das Verpacken radioaktiver Abfälle, die Zwischenlagerung und die Vorbereitung der Endlagerlogistik konzentrieren. Das EWN beschäftigt an seinen Standorten in Lubmin und Rheinsberg rund 900 Mitarbeiter, rund zwölf Prozent mehr als 2014.“

Atomausstieg? Der Müll bleibt noch für ein wenig Ewigkeit und damit auch als Geschäft. Für die Demontage der DDR-Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg zahlt der Bund rund 6,6 Milliarden Euro. In Lubmin richten sich die EWN laut SVZ auf einen wachsenden Atommüllmarkt ein: „In der ersten Ausbaustufe, die sich über die 2020er Jahre erstreckt, würden in der Halle Dampferzeuger, später auch Reaktordruckbehälter zerlegt, um sie für die Endlagerung im „Schacht Konrad“ vorzubereiten. Aufträge von Dritten lägen zurzeit nicht vor, doch schließt das bundeseigene Unternehmen solche Arbeiten nicht aus. Die Auslegung der Halle sei bundesweit einzigartig, sagte Cordes. Aus der Landespolitik hat es immer wieder Befürchtungen gegeben, dass das EWN nach dem Rückbau der DDR-Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg das Drittgeschäft mit fremdem Atommüll am Standort Lubmin ausweitet.“

Seit längerem ist klar, dass die bestehende Zwischenlagerung von hochradiaktivem Atommüll in Castor-Behältern am Standort Lubmin angesichts gewachsener Terrorgefahren nicht mehr ausreichend sicher ist. AtomkraftgegnerInnen betonen zusätzlich, dass es Handlungsbedarf gibt, nachdem das Oberverwaltungsgericht Schleswig per Urteil die Genehmigung für das Castor-Zwischenlager in Brunsbüttel kassiert hat. Versuche, Sicherheit in der bestehenden Konstruktion nachzurüsten, blieben erfolglos. Auf Basis einer gemeinsamen Lagerhallen-Konstruktion werden in Lubmin leicht- und mittelaktive sowie die hochradioaktiven Castoren zwar räumlich getrennt, aber im Grunde in einer Halle gelagert.

  • Alles zum Urteil des OVG Schleswig auf umweltFAIRaendern.de
  • Siehe unter dem Text oder hier als PDF: Im November haben EWN mitgeteilt, dass ein konkreter Standort für den Neubau des Castor-Zwischenlagers in Lubmin untersucht wird.

Auch diese Problematik wird in dem Bericht der OZ aufgegriffen: „Als Schutz vor Terrorangriffen plant das EWN zudem den Bau eines neuen Lagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall. Im Frühsommer will das EWN nach den Worten Cordes den Bauantrag für die etwa 135 Meter lange Halle stellen.“ Der Antrag geht dann an das unter der Führung des Bundesumweltministeriums stehende Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Als Generalplaner wird von der EWN die Steag beauftragt, wie das Unternehmen bereits im Juli per PM (PDF) mitteilte. (Siehe auch hier.)

  • Hinweis: Ab Jahreswechsel 2019 ist der gesamte Atommüll in Deutschland nicht mehr Sache der Atomkonzerne Marke E.on/PreussenElektra, Vattenfall, RWE und EnBW, sondern wird komplett verstaatlicht. Gegen eine eher geringe Einmalzahlung von rund 24 Mrd. Euro haben im Bundestag CDU/CSU, SPD und GRÜNE (!) mit einem Entsorgungsfonds die Atomkonzerne „enthaftet“ und der Übertragung aller künftigen finanziellen Risiken bei der Atommülllagerung auf die SteuerzahlerInnen zugestimmt. Der Bundestag folgte damit weitgehend den Empfehlungen einer als „Trittin-Kommission“ vom Bundeswirtschaftsministerium eingesetzten Gruppe, an der die Linksfraktion nicht beteiligt wurde. Alles zum Thema Entsorgungsfonds auf umweltFAIRaendern und: Atom-Deal: Grüne, SPD, CDU, CSU zum Vorteil der Konzerne.

Interessant, wie man in Lubmin laut Wallstreet online mit dem Thema Reparatur defekter Castor-Behälter /  Heiße Zelle umgehen will: „Für den als Ersatzlager geplanten Neubau will das EWN zunächst keine sogenannte Heiße Zelle zur Umverpackung von Castoren beantragen, behält sich aber dafür eine Raumreserve vor, wie Cordes sagte. Diese könnte notwendig werden, sollten sich die Anforderungen an die Zwischenlagerung verändern. Bislang ist die Castoren-Lagerung in Lubmin bis zum Jahr 2039 genehmigt. Alle Bestrebungen, ein zentrales Endlager für den hochradioaktiven Abfall aus deutschen Atommeilern zu finden, sind bislang gescheitert. Im Frühjahr 2017 beschloss der Bundestag dafür das Standortauswahlgesetz.“

Das Standortauswahlgesetz spricht von einem Endlager ab 2050, aber kaum ein Experte hält diesen Termin für realistisch. Vielfach wird das Jahr 2080 genannt, aber auch das Jahr 2100 könnte möglich sein. Doch bereits in den 2035ern und dann so gegen 2045 werden die vorhandenen Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll ihre bisherige Genehmigung verlieren. Wie es dann weiter geht, ist unklar oder auch strittig. Klar ist: Bevor ein Endlager in Betrieb geht, muss die bislang auf 40 Jahre befristete Zwischenlagerung verlängert werden. An vielen Standorten von Atomkraftwerken, wo sich solche Standortzwischenlager befinden und auch in Gorleben und Ahaus, macht man sich daher Sorgen, zum faktischen Endlager zu werden.

Zu den bisher bekannten Planungen der EWN in Lubmin und der bislang offenen „Endlagerfrage“ stellt die Grüne-Landesvorsitzende Ulrike Berger laut dpa fest: „Eine „Heiße Zelle“ müsse zu den notwendigen Sicherheitsstandards in Zwischenlagern gehören. „Die gültigen Nachweise attestieren den Transport- und Lagerbehältern eine Sicherheit für 40 Jahre“, sagte sie und verwies auf ein Positionspapier zur Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle, das von mittlerweile von mehr als 70 Anti-Atom-Initiativen und Verbänden mitgetragen werde.“

Die Gründe für eine Heiße Zelle sind: „Für die absehbare Verlängerung der Lagerdauer gebe es keine zuverlässigen Sicherheitsnachweise für Zustandsänderungen an den Behältern, sagte Berger. Die Transportfähigkeit der Behälter wie auch deren Reparatur und die Überprüfung des Inventars müssten über den gesamten Zeitraum der Zwischenlagerung gewährleistet sein. Die einzige „Heiße Zelle“ für den Austausch von Primärdeckeldichtungen der Behälter sowie das Umladen von Behälterinventaren sei in Deutschland die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Diese entspreche schon heute nicht mehr dem Stand der Technik und werde zudem nach Angaben des Betreibers in absehbarer Zeit stillgelegt.“

 

Dokumentation PM EWN

PRESSEMITTEILUNG

Lubmin, 11. Juli 2018 – Ersatzlager für die Halle 8 des ZLN – EWN beauftragt die STEAG als Generalplaner

Die EWN GmbH hat die STEAG Energy Services GmbH, Essen, als Generalplaner für den Bau des Ersatzlagers für die Halle 8 des Zwischenlagers Nord (ZLN) gebunden und mit der gemeinsamen Planungsarbeit begonnen.

„Der Beginn der Arbeiten mit der STEAG verlief planmäßig“, so Henry Cordes, der Vorsitzende der Geschäftsführung der EWN GmbH. „Wir gehen davon aus, dass wir im Frühjahr 2019 den Genehmigungsantrag stellen werden. 2024 sollen die Bauarbeiten dann abgeschlossen werden.“

Im Dezember letzten Jahres hatte die EWN GmbH die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sie aufgrund der geänderten bundesrechtlichen Vorgaben die Errichtung eines Ersatzlagers für die bislang in Halle 8 des ZLN aufbewahrten
Castor-Behälter plant.

Die Anzahl der 74 bisher in Halle 8 des ZLN gelagerten Castor-Behälter bleibt dabei jetzt und in Zukunft unverändert. Die Castoren werden nur umgelagert. Das Vorhaben bezieht sich allein auf den Ersatz der Halle 8. Die Hallen 1-7 des ZLN sind von dem geplanten Vorhaben nicht berührt.

 

Dokumentation PM EWN:

PRESSEMITTEILUNG
Lubmin, 28. November 2018 – Bauplatz für das Ersatzlager für die Halle 8 des ZLN steht fest  (PDF, mit Foto)

Nachdem die EWN GmbH im Dezember 2017 den Bau eines Ersatzlagers für die 74 Castoren aus Halle 8 beschlossen hatte, haben wir uns nach sorgfältiger Prüfung für den Standort des Ersatzlagers (ESTRAL) entschieden.

Das vorgesehene Baufeld für das ESTRAL befindet sich auf dem Gelände der EWN GmbH, nordöstlich vom ZLN. Das Gebäude wird mit der Längsseite in Nord-Südrichtung ausgerichtet. Für die gewählte Variante spricht vor allem eine optimale Raumaufteilung innerhalb des Gebäudes. Die Außenmaße des Ersatzlagers können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht exakt angegeben werden; wir gehen von etwa 135 m Länge, ca. 65 m Breite und ca. 25 m Höhe aus.

Foto: EWN-Gelände mit Gebäudeanimation des ESTRAL im Osten.

Vor diesem Hintergrund finden aktuell vorlaufende Baugrundsondierungen auf dem späteren Baufeld statt. Die Baugrund Stralsund Ingenieurgesellschaft mbH wird sowohl Trockenbohrungen als auch Drucksondierungen ausführen. Beide Aufschlussverfahren werden mit entsprechender Technik auf normalen LKW ausgeführt.

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