Atomforschungsreaktor Garching: Medizinischer Nutzen war ein billiger Propaganda-Trick

Was war nicht alles an tollen Dingen versprochen worden, um den Atomforschungsreaktor in München Garching gegen massiven Widerstand durchzusetzen: Vor allem medizinische Anwendungen waren in der Öffentlichkeitsarbeit immer wieder betont worden, um den mit atomwaffenfähigem Uran betriebenen Reaktor zu rechtfertigen. Heute ist klar: Die hochfliegenden Pläne für medizinische Anwendungen am Forschungsreaktor München II in Garching haben sich als Luftblase entpuppt, wie die Süddeutsche Zeitung vor wenigen Tagen bilanzierte. Bereits 1998 hatte die internationale Ärzteorganisation IPPNW in einer eindrucksvollen Broschüre gewarnt, dass die Versprechungen kaum haltbar wären. UmweltFAIRaendern erinnert aus aktuellem Anlass und bringt diese Broschüre online.

1997 hatte TU-Präsident Wolfgang Herrmann eine „neue Ära in der medizinischen Forschung und in der Behandlung, in Diagnose und Therapie, insbesondere von Krebserkrankungen“ vorhergesagt. Noch 2004 war man bei der Technischen Universität München, die den Reaktor betreibt, von bis 120 Patienten pro Woche ausgegangen. Tatsächlich wurden – wenn überhaupt – nur wenige Patienten im Jahr behandelt.

Auf die Rolle der medizinischen Anwendungen in der Öffentlichkeitsarbeit zur Durchsetzung des umstrittenen Atommeilers, der mit hoch angereichertem Uran betrieben wird, haben die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) schon 1998 in einer aufschlussreichen Broschüre „Medizin und Forschungsreaktor München II – Gesund durch den Reaktor?“ (PDF) hingewiesen. Damit niemand sagt, „dass konnte man ja nicht wissen“, stellt UmweltFAIRaendern diese Broschüre online.

Gegen den Reaktor, der derzeit u.a. wegen unzulässiger Abgaben von Radioaktivität still liegt, klagt der Bund Naturschutz wegen illegalen Betriebs. Er wird nach wie vor mit hoch angereichertem waffenfähigem Uran betrieben, obwohl er seit Jahren auf niedrig angereichertes Uran umgerüstet hätte werden müssen.

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