Atomwaffenfähig und überflüssig: Forschungsreaktor Garching voller Atommüll

Der Atomforschungsreaktor Garching kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zuletzt ein Störfall mit Freisetzung von Radioaktivität. Nebenbei die Feststellung, dass der Reaktor für die bei seiner Genehmigung propagierte Hilfe in der medizinischen Therapie gar nicht zum Einsatz kommt, Probleme mit der Brennstoffversorgung angesichts von Terrorgefahren und entgegen der Genehmigung immer noch atomwaffenfähige hochangereicherte Brennelemente im Einsatz. Der Bund Naturschutz in Bayern will daher wegen illegalem Betrieb einer Atomanlage die Bayerische Staatsregierung zur Stilllegung des Forschungsreaktors zwingen. Als wäre das nicht genug, ersäuft der Reaktor trotz zahlreicher Stillstände an seinem eigenen Müll. Der soll jedoch nicht in Bayern zwischengelagert bleiben, sondern quer durch die Republik nach Ahaus in NRW. Ein Genehmigungsverfahren, damit die hochradioaktive Atomwaffen-Fracht per LKW mit über 100 Tonnen schweren gepanzerten Spezialfahrzeugen auf die gefährliche Reise gehen kann, sind gestellt, teilt der Betreiber, die TU München (TUM) laut einem Bericht des Donaukuriers mit.

Zu den geplanten Atomtransporten heißt es dort: „Unabhängig von der Klage könnte dem FRM II bald eine erneute Zwangspause drohen – wegen eines Engpasses im Abklingbecken. Dort sind aktuell 47 der 50 Plätze besetzt. Bedeutet: Nur drei Brennelemente, von denen jedes 60 Tage lang im Einsatz ist, können noch gelagert werden. Um neuen Platz zu schaffen, sollen ausgebrannte Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Aktuell laufe das Genehmigungsverfahren, berichtet die FRM-II-Sprecherin. Wann die ersten Castortransporte durch Garching rollen werden, lasse sich indes noch nicht sagen. Atomgegner im westfälischen Ahaus und in Garching haben jedoch schon jetzt Proteste angekündigt.“

Angesichts des wachsenden Drucks zaubern die Betreiber nun in Sachen der umstrittenen waffenfähigen Brennelemente und der beklagten Genehmigung Meldungen aus dem Hut, mit denen wohl nach den Versäumnissen der letzten zehn Jahre Bewegung in der Sache signalisiert werden soll. Als „Pionierarbeit“ kündigt der Betreiber für die Zukunft den „Prototyp eines neuen Brennstoffs“ an. Siehe gleich im Anschluss die Dokumentation einer PM von der Homepage der TUM.

Dokumentation: Pionierarbeit: Prototyp eines neuen Brennstoffs

Dort sind auch einige Fotos zu sehen!

Fortschritte bei der Herstellung eines niedriger angereicherten Brennstoffs mit monolithischem Uran-Molybdän: Technische Universität München (TUM) und Framatome arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines neuen Brennstoffs. Die ersten Prototypen werden Anfang 2021 hergestellt und sollen 2022 bereits in Produktion gehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Framatome und TUM wurde im November 2019 beschlossen. Der Vertrag sieht ein gemeinsames Pilotprojekt zur Fertigung des monolithischen U-Mo-Brennstoffs mit einer Anreichung von 19,75% mit dem französischen Brennelemente-Fertiger Framatome vor. Es beinhaltet die Entwicklung einer Pilot-Fertigungslinie sowie damit die Herstellung von Brennstoffplatten für Bestrahlungsversuche. Diese Versuche sind zentraler Bestandteil der Qualifizierung dieses neuen Brennstoffs speziell für Forschungsreaktoren wie den FRM II in Europa.

Erste Ergebnisse für 2022 erwartet

Die Pilot-Fertigung wird am neuen Forschungs- und Entwicklungslabor von Framatome, dem „CERCA Research and Innovation Laboratory“, in Romans-sur-Isère in Frankreich aufgebaut. Sechs Spezialisten formen das Projektteam, darunter je ein Ingenieur und ein Doktorand der TUM. Der TUM-Doktorand wird ab Sommer 2020 direkt bei Framatome vor Ort an der Pilot-Fertigungslinie arbeiten. Diese wird bereits Anfang 2021 in Betrieb gehen und ab dem Jahr 2022 Brennstoff für Bestrahlungsversuche und die Qualifizierung liefern. In der Anfangsphase werden bestimmte
Teilschritte noch aus den Laboren der TUM zugeliefert.

Zusammenarbeit mit Belgien und Frankreich

Diese Bestrahlungsversuche unternehmen TUM und Framatome im Rahmen europäischer Projekte, an denen auch die französische CEA, das französische Forschungsinstitut ILL und das belgische Nuklearforschungszentrum SCK CEN beteiligt sind. „Die Entwicklung dieses Brennstoffs ist ein großer Schritt nach vorne, mehrere internationale Teams forschen seit Jahren an dieser Aufgabe. Der Erfolg dieses Projekts wird weltweit von großer Bedeutung sein“, sagt Prof. Dr. Peter Müller-Buschbaum, wissenschaftlicher Direktor des FRM II.

Weltweit profitieren andere Forschungsreaktoren

Der monolithische U-Mo-Brennstoff eröffnet nicht nur dem FRM II, sondern Forschungsreaktoren weltweit, neue Möglichkeiten zur Umrüstung auf niedrigere Anreicherung. „Wir bieten den Forschungsreaktoren einen alternativen Weg, wie sie den hohen Neutronenfluss für Forschung, Industrie und Medizin erhalten und gleichzeitig aber die Anreicherung des Brennstoffs senken können”, sagt Francois Gauché, Direktor von Framatome-CERCA.

Sobald dieser Brennstoff mit niedriger angereichertem Uran – idealerweise mit Anreicherung unter 20% – qualifiziert und industriell verfügbar ist, können Forschungsreaktoren wie der FRM II mit der Umrüstung beginnen.

Weitere Informationen:
Die Umrüstung des FRM II

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