Fahrplan: Castoren aus Sellafield über Nordenham nach Biblis

Fahrplan: Castoren aus Sellafield über Nordenham nach Biblis

Trotz Corona und wachsenden Infektionszahlen sollen die brisanten Atomtransporte mit hochradioaktivem Atommüll aus der britischen Plutoniumfabrik Sellafield Ende Oktober mit einem Großaufgebot von Polizei per Schiff über den niedersächsischen Hafen von Nordenham und weiter per Bahn in das Zwischenlager im hessischen Biblis transportiert werden. Vor wenigen Tagen hatte die zuständige Behörde den Sofortvollzug für die Transporte in Kraft gesetzt. Sechs Behälter mit der brisanten Strahlenfracht, die bei der hochgefährlichen und extrem giftigen Plutoniumabtrennung aus deutschen Brennelementen in Sellafield angefallen sind, sollen per Schiff und Bahn nach Biblis gebracht werden. Die Transportgenehmigung ist bis Ende 2020 gültig. (Foto: GNS, Verladung eines leeren CASTOR HAW28M auf die Pacific Grebe, Ausschnitt​)

Ein erster Transportversuch, bei dem rund 6.000 Polizist*innen eingesetzt werden sollten, war im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Wegen massiver Sicherheitsbedenken hat der BUND Hessen gegen die Einlagerungsgenehmigung durch das Atommüll-Bundesamt BaSE Klage eingereicht. Um zu verhindern, dass mit dem Transport der Behälter mit den in Glas verschmolzenen Abfällen aus der Plutoniumfabrik Fakten für die Einlagerung geschaffen werden, hat der BUND ein Eilverfahren angekündigt, um den verfügten Sofortvollzug aufzuheben. Die zuständige Atommüllbehörde BaSE hatte erst vor wenigen Tagen den Sofortvollzug für die Genehmigung erneuert.

Der BUND verweist mit seiner Klage auf grundlegende Mängel der für den Transport und die für Biblis vermutlich weit mehr als 40 Jahre dauernde Zwischenlagerung eingesetzten Behälter vom Typ „Castor HAW 28M“. Außerdem habe es Vorfälle bei der Verladung des Glaskokillen gegeben. In Biblis fehle obendrein eine Reparaturvorrichtung, sollten die Behälter undicht werden.  Im Eilverfahren, so der BUND wolle man die Transporte unterbinden.

Die mit der Herstellung der Castor-Behälter befasste Gesellschaft für Nuklear-Service bestätigt den geplanten Atomtransport über einen deutschen Seehafen auf ihrer Homepage. Zum Transport teilt GNS mit: „Das neue Zeitfenster für diesen Transport ist nun das vierte Quartal 2020.“

Auf der Homepage auch der Hinweis auf weitere geplante Atomtransporte aus Sellafield sowie der französischen Plutoniumfabrik in La Hague, die neben Biblis künftig auch in die Zwischenlager nach Ohu/Niederaichbach und Brokdorf sowie Philippsburg rollen sollen. Ehemals war vorgesehen, diesen brisanten Atommüll nach Gorleben in das dortige Zwischenlager zu bringen. Für eine Kompromiss mit dem Land Niedersachsen im neuen Endlagersuchverfahren, bei dem Gorleben als Standort im Rennen bleibt, hatten Bund und Länder vereinbart, keinen weiteren Atommüll mehr nach Gorleben zu bringen, um den Standort nicht weiter „vorfestzulegen“. Die GNS informiert dazu hier und dort sind auch Fotos zu finden.

Die zuständige Atommüll-Behörde berichtet hier über die „Rückführung“ der Atommülls aus den Plutoniumfabriken.

Dokumentation der GNS-PM: Vorbereitungen für Rückführungstransport aus Sellafield nach Biblis wiederaufgenommen, 25.09.2020

Die Vorbereitungen für den aufgrund der beginnenden COVID-19-Situation im Frühjahr ausgesetzten Rückführungstransport von verglasten radioaktiven Abfällen aus der Wieder­auf­arbeitungs­anlage in Sellafield/UK in das bundeseigene Zwischenlager in Biblis sind wiederaufgenommen worden. Die im Rahmen der Terminverschiebung durchgeführte Änderung der Transportgenehmigung gemäß § 4 AtG hat das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) heute erteilt. Nach Abstimmung der Innenministerien mit den für die Begleitung des Transports verantwortlichen Polizeibehörden kann der Transport somit noch in diesem Jahr durchgeführt werden.

Um den geplanten Rückführungstransport auch unter den Bedingungen von COVID 19 durchführen zu können, haben die beteiligten Unternehmen und Institutionen umfassende Vorsorgekonzepte und Hygieneregeln für alle Phasen des Transports erarbeitet. Diese sind vergleichbar mit den vielfältigen Maßnahmen, die inzwischen in vielen anderen Bereichen von Industrie und Logistik tagtäglich wirkungsvoll zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wird die Sicherheit des Transports der radioaktiven Abfälle in keiner Weise beeinträchtigt. Die Gesundheit aller Beteiligten und der Bevölkerung entlang der Transportstrecke haben auch weiterhin höchste Priorität.

Der Transport wird von der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield über einen englischen und einen deutschen Seehafen zum Zwischenlager Biblis der bundeseigenen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH führen. Er umfasst sechs für diesen Zweck ausgelegte Sicherheitsbehälter vom Typ CASTOR® HAW28M mit verglasten Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente. Der Transport wird im Auftrag der deutschen Kernkraftwerksbetreiber durchgeführt.

GNS-Infoportal zur Rückführung: Umfassende Informationen rund um die Rückführung deutscher Wiederaufarbeitungsabfälle und die anstehenden Transporte hat die GNS auf einer speziellen Website zusammengestellt. Hier finden sich weitere Hintergrundinformationen, Fotos und Grafiken sowie Ansprechpartner der beteiligten Unternehmen: rueckfuehrung.gns.de

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Dirk Seifert

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