Zeitbombe Zwischenlager? Atommüll in der Warteschleife

Zeitbombe Zwischenlager? Atommüll in der Warteschleife

Hochradioaktiver Atommüll. Die Medien focusieren derzeit auf die Probleme der Endlagersuche. Doch Frank Grotelüschen vom Deutschlandfunk fragt in der Wissenschaftsrubrik: „Zeitbombe Zwischenlager? Atommüll in der Warteschleife“. Anlass des Berichts ist offenbar eine erst vor wenigen Wochen vom BUND und der Physikerin Oda Becker veröffentlichte neue Studie, in der erneut auf die wachsenden Probleme und Risiken bei der immer länger andauernden Zwischenlagerung der hochradiokativen Abfälle hingewiesen wird.

Ein Endlager wird laut Gesetz frühestens 2050, vermutlich aber erst Jahrzehnte später zur Verfügung stehen. Bereits Mitte der 2030er Jahre und dann Mitte der 2040er Jahre werden alle Zwischenlager ihre bisherige Genehmigung verlieren, nur für 40 Jahre ist ihre Sicherheit geprüft. Die Frage ist nicht nur, ob die Castoren dicht bleiben. Schon heute ist klar, dass die Lagerhallen angesichts von Terrror-Gefahren und mit Blick auf (gezielte) Flugzeugabstürze Mängel haben. Dem Zwischenlager Brunsbüttel hat ein Gericht deshalb die Genehmigung entzogen. Real sind viele baugleiche Zwischenlager ebenso betroffen. Weil sie nicht beklagt wurden, sind ihre Genehmigungen rechtlich nicht antastbar, aber ebenso unsicher wie das Zwischenlager Brunsbüttel. Umfassende Nachrüstungen sind an allen Zwischenlagern im Gange, kommen aber nur extrem langsam voran. In Lubmin muss sogar ein neues Lager gebaut werden, weil die alte Halle nicht nachrüstbar ist. Doch diese Nahrüstungen werden nicht ausreichen. Auch wenn – gute Nachrichtung – der besonders schwere Flieger vom Typ A380 nicht mehr hergestellt werden soll. Bedeutsam ist aber z.B. die Frage, ob die hochradioaktiven Inhalte in den Castor-Behältern die verlängerten Zwischenlager-Zeiten überstehen oder zerbröseln und dadurch neue Risiken erzeugen. Bereits vor einigen Jahren waren erstmals auch öffentlich neue Konzepte für die verlängerte Zwischenlagerung angesprochen worden. Doch die staatlichen Stellen haben ein Problem: Sie müssen Sicherheit garantieren – für ein Problem, das nicht die menschlichen Verantwortungssysteme und Zeithorizonte überfordern könnte.

Das für die Atommüll-Lagerung zuständige BaSE hatte auf die Veröffentlichtung der BUND-Studie umgehend mit einem Statement reagiert und stellt fest: Sicherheit steht bei Lagerung hochradioaktiver Abfälle an erster Stelle. Das mag zutreffen. Nur heißt das nicht zwangsläufig, dass die Sicherheit auch tatsächlich gewährleistet ist. Immerhin bleiben jenseits kritischer und zu diskutierender Einschätzungen auch noch erhebliche Forschungsfragen, nicht nur mit Blick auf die verlängerte Zwischenlagerung.

In Lubmin muss wegen bestehender Probleme bei der Sicherung der hochradioaktiven Atomabfälle das Zwischenlager komplett neu gebaut werden.

Neu in Lubmin: Noch immer ist eine neue Lagerhalle erst im Antragsverfahren und dennoch wird weiter geplant. Nach neuen Medienberichten soll nun das neue Zwischenlager nicht mehr mit einer integrierten „Heißen Zelle als Option“ errichtet werden, sondern als „Anbau“, wie die Ostsee-Zeitung hinter einer Paywall berichtet:

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Dirk Seifert

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