AKW Brokdorf April 2022: Mahnung an Tschernobyl – Ukraine – Atomgefahren und Krieg

AKW Brokdorf April 2022: Mahnung an Tschernobyl – Ukraine – Atomgefahren und Krieg

Rund 150 Atomkraftgegner:innen demonstrierten aus Anlass des 36. Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor dem stillgelegten AKW Brokdorf. Alte und auch neue Atomgefahren im Zeichen des Kriegs Russlands gegen die Ukraine wurden von den Redner:innen benannt. Atomanlagen werden im Krieg auch schnell zu Angriffszielen. Russische Truppen hatten Tschernobyl und ein weiteres AKW in die Kampfhandlungen einbezogen und damit auch die Erpressbarkeit aufgezeigt, die vom Atomkraftwerken im Kriegsfall oder bei Terrorangriffen ausgehen. Das AKW Brokdorf an der Unterelbe gehört zu den umstrittensten Atomkraftwerken in Westdeutschland. Die Redner:innen verurteilten den von Russland geführten Krieg, der Leid, Elend und Zerstörung für die Menschen in der Ukraine bringe. Allerdings wurde auch die Verantwortung der NATO und der USA genannt. Statt Atom-Laufzeitverlängerungen brauche es angesichts der Nukleargefahren nicht nur die Stilllegung aller noch am Netz befindlichen AKWs, sondern auch die Schließung der Uranfabriken, die bislang komplett vom Atomausstieg ausgenommen sind. (Cartoon: Norbert Pralow, Foto: DSe)

Seit Mitte der 1970er Jahre kam es mit den Planungen zum Bau eines Atomkrafwerks in Brokdorf trotz Verboten und Hetze einiger Parteien und deren Politiker:innen zu teilsweise heftigen Großdemostrationen mit bis dahin ungeahnten Aufmäschen von Polizei und Grenzschutztruppen mit Hubschraubern, Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern. Erst 1986 wurde das AKW Brokdorf als erster westlicher Reaktor nach der Tschernobyl-Katastrophe in Betrieb genommen und manifestierte damit die tiefe gesellschaftliche Kontroverse und Spaltung um die Frage: Darf eine Gesellschaft alles technisch Machbare tun oder gibt es Grenzen, angesichts der großräumingen nuklearen Zerstörungsrisiken und dem Millionen Jahre strahlenden Atommüll? Eine Frage, die heute immer mehr Menschen im Zeichen von Krieg und Klimakatastrophe beschaftigt.

Zum Jahreswechsel 2022 ist das AKW Brokdorf als Ergebnis der Fukushima-Katastrophe und dem deutschen Atomausstieg endgültig stillgelegt worden. Das Genehmigungsverfahren zum Rückbau ist angelaufen. Mindestens noch bis in die 2050er Jahre – vermutlich erheblich länger – wird in Brokdorf noch der hochradioaktive Atommüll in Castor-Behältern zwischengelagert bleiben, selbst wenn der Reaktor we geplant in den 2030er Jahren zurückgebau sein sollte. Ein Endlager für diese Abfälle gibt es immer noch nicht. Das Suchverfahren ist nach dem Scheitern von Gorleben neu angelaufen. Demnächst soll noch weiterer hochradioaktiver Atommüll aus der britischen Plutoniumfabrik in Sellafield kommen, der dann im Zwischenlager an der Unterelbe aufbewahrt werden soll. Eine Genehmigung dafür steht noch aus.

In einer aktuellen Stellungnahme hat der BUND Arbeitskreis Atomenergie und Strahlenschutz ein Stellungnahme veröffentlicht, in der vor den nicht zu trennenden zivilen und militärischen Risiken der Atomenergie gewarnt wird. Diese Stellungnahme ist hier zu finden bzw direkt hier als PDF oder auch hier direkt.

 

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Dirk Seifert

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