Frankreich kündigt Ausbau der Uran-Brennstoff-Erzeugung auf Basis teilweise bundesdeutscher Zentrifugen-Technik der URENCO an

Der französische Atomkonzern Orano baut laut Medienberichten die Herstellung von Uran-Brennstoffen an seinem Standort in Tricastin im Süden an der Rhone aus. Mehr als 1,3 Milliarden Euro sollen dort investiert werden, um die Produktionskapazitäten für angereichertes Uran auszubauen. Dabei kommen Zentrifungen zur Anwendung, in denen minimalste Gewichtsunterschiede der Uran-Isotope genutzt werden, um spaltbares Uran herzustellen. Grundsätzlich ist diese Technik in der Lage, Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken bis hin zu Atomwaffen herzustellen. Die Technik stammt von der teilweise deutschen URENCO, die eine vergleichbare Anlage im westfälischen Gronau sowie in den Niederlanden, Grobritannien und den USA betreibt. Gemeinsam mit Orana betreibt URENCO die sogenannte ETC – Enrichment Technology Company, die die Zentrifungen entwickelt und baut. Die Ausbaupläne habe die Commission nationale du débat public (CNDP)  bereits am 5. Oktober 2022 beschlossen und Orano mit der Umsetzung beautragt. (Siehe weitere Informationen unten als Dokumention, Foto: Lager mit Uran in Pierrelatte an der alten Georges Besse.)

Mitte der 2000er Jahre hatte die weitgehend staatliche französische Atomwirtschaft sich zur Hälfte an der URENCO-Tochter ETC beteiligt. Anders als die Bundesrepublik ist Frankreich Atomwaffenstaat und benötigt angereichertes Uran nicht nur für Atomkraftwerke oder Forschungsanlagen, sondern auch für U-Boot-Antriebe oder Atomwaffensprengköpfe.

Bis zu 1,7 Milliarden Euro sollen laut Orano zur Erweiterung der Anlage Georges Besse 2 auf dem Gelände der Atommeiler in Tricastin investiert werden. Die GB2 war 2004 in Bau gegangen und die Zentrifuge der URENCO lösten in der Folge die unwirtscaftliche Diffusionstechnik ab, die auch in den USA verbreitet war. Die GB2 wurde zwischen 2011 und 2016 schrittweise in Betrieb genommen und verfügte seitdem „über eine jährliche Produktionskapazität von 7,5 Millionen Separationsarbeitseinheiten (STE), mit denen die Arbeit gemessen wird, die für die Trennung von Uran erforderlich ist. Orano möchte die Produktionskapazität der Anlage auf das Maximum von 11 Millionen STE ausbauen.“ So berichtet am 10. Februar unter anderem Les Journal de Enterprises. 

  • Siehe auch einen Bericht zur Erweiterungs-Ankündigung mit Datum 1o. Oktober 2022 bei der World Nuclear News.

Weiter soll aus der Pressemitteilung von Orano hervorgehen, dass die „bereits vorhandenen 14 Module um vier weitere Module erweitert werden. Der Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten Ende 2024 beginnen und die Anlage 2030 vollständig in Betrieb genommen werden soll. Insgesamt sollen rund 50 zusätzliche dauerhafte direkte Arbeitsplätze geschaffen werden (derzeit sind rund 350 Personen in den Anlagen von Georges Besse 2 beschäftigt).“

Informationen zu den einzelnen Modulen und den schrittweisen Erweitungen der Anlage sind auch hier bei der Gemeinde von Pierrelatte zu finden, auf deren Gebiet die Atomanlagen liegen. Dort wird ausdrücklich betont, dass die GB2 zur Herstellung von „zivilem Uran“ eingesetzt wird.

Les Journal des Enterprises berichtet, dass das Erweiterungsprojekt laut Orano dem Bedarf nach einer Erhöhung „der Anreicherungskapazitäten als Beitrag zur westlichen Energiesouveränität“ diene. „Derzeit teilen sich vier große Produzenten den Weltmarkt für Urananreicherung“, „zwei westliche Anreicherer, die britische Urenco (31 % der Produktionskapazitäten) und Orano (12 %)“, sowie ein „russischer Anreicherer, Rosatom (43 %), und die chinesische CNNC (13 %).“ Das Medium betont: „Im Gegensatz zu Europa und den USA sichert Russland seine Energiehoheit heute selbst. Rosatom trägt sogar durchschnittlich 30 % zur Versorgung des westlichen Marktes bei (28 % in den USA und 31 % in Europa).“ Allerdings hängt der Auftrag zur Erweiterung sicherlich auch damit zusammen, dass Frankreich eine Erweiterung seiner Atomstromerzeugung anstrebt und auch die militärischen Anwendungen modernisiert und gestärkt werden sollen.

Nach den Berichten solle die Erweiterung auch dazu dienen, auf „eine potenzielle kurz- und mittelfristige Knappheitssituation schnell“ reagieren zu können. Damit würde auch die Abhängigkeit „der Lieferung von angereichertem Uran durch Rosatom für den westlichen Markt ganz oder teilweise eingestellt wird“, so Orano. Die Erweiterung wird so dargestellt, als reagiere Orano auf die Kriegssituation. „Vor dem Krieg in der Ukraine schätzte Orano, dass „die Nachfrage stabil bleiben würde“. Angesichts der möglichen Folgen des Konflikts schätzt Orano seinen potenziellen Markt für die Jahre 2030-2040 nun jedoch auf 11 Millionen STE pro Jahr. US-amerikanische Stromerzeuger haben bereits Handelsgespräche über die Substitution ihres angereicherten Urans aus Russland aufgenommen.“

  • Einige Übersetzungen wurde mithilfe von Deepl.com kontrolliert und verbessert!

INFORMEZ-VOUS ET EXPRIMEZ-VOUS 

Orano a saisi la Commission nationale du débat public (CNDP), qui a décidé, le 5 octobre 2022, d’organiser une concertation relative au projet d’extension de son usine d’enrichissement d’uranium Georges Besse II, située sur le site Orano du Tricastin.

La concertation préalable vise à :

• Présenter le projet au public, en diffusant une information claire et transparente et en répondant à toutes les interrogations du public relatives au projet.

• Recueillir les observations et propositions du public sur l’opportunité du projet, ses objectifs et ses principales caractéristiques, les alternatives et sa non-réalisation.

L’usine Georges Besse 2 est une installation nucléaire d’enrichissement d’uranium civil par le procédé de centrifugation. Elle dispose de 2 unités en fonctionnement, composées de 8 modules pour l’unité Sud et 6 modules pour l’unité Nord. Mise en service progressivement entre 2011 et 2016, sa capacité annuelle nominale est actuellement de 7,5 millions d’UTS1 (MUTS). L’uranium enrichi produit par l’usine, à usage exclusivement civil, permet d’alimenter l’équivalent de 90 millions de foyers annuellement2.

Orano propose aujourd’hui de porter la capacité annuelle de production à 11 millions d’UTS / an, soit la capacité installée initialement prévue lors du lancement du projet en 2004. Cette extension de capacité, dans le contexte géopolitique actuel, permettrait de répondre aux besoins de nos clients électriciens occidentaux qui souhaiteraient s’affranchir de l’approvisionnement en uranium enrichi russe.

liens :

Participer à la concertation

Plus d’infos 

DOCUMENTS PROJET EXTENSION GB2

(****** die gleich genannten vier PDF-Dateien sind hier als Archiv auch hier als Zip.Datei)

 

Anti-Atom: Isar 2 runterfahren – Kundgebung am 11. Februar in Landshut

Ein Bündnis von bayerischen Atomkraftgegner:innen ruft zur Kundgebung für Samstag 11.02.2023 um 13:00 Uhr in die Innenstadt von Landshut auf. Dabei sein wird vermutlich auch der aus der Anti-WAA-Bewegung bekannte EX-Landrat Schuierer. Raimund Kamm (Landesvorsitzender des Bundesverbandes WindEnergie e.V. in Bayern (BWE Bayern) und Vorstand FORUM (Gundremmingen)) sowie weitere Redner:innen haben zugesagt, die Proteste für die endgültige Abschaltung des Atommeilers zu unterstützen. Umrahmt wird der Countdown von der Trommelgruppe Ubuntu Drummers und dem Liedermacher Armin Reiseck. Es ist wichtig den permanenten Versuchen Atomkraft wieder hochzufahren Widerstand entgegen zu setzten, heißt es beim BUND-Regensburg und der BüfA Landshut. Für den Fukushima-Jahrestag am 11. März ruft ein Bündnis unter dem Namen „runterfahren.org“ zu weiteren Aktionen für die endgültige Stilllegung der Atomenergie auf.

Dokumentation:

Das Landshuter Bündnis für Atomausstieg (BüfA) und Erneuerbare Energie ruft zur 2. Count Down Demo am Samstag, 11. Februar, auf. Spätestens am 15. April muss endgültig Schluss sein mit der Nutzung der Atomkraft in Deutschland. Der Winter hat bestätigt, dass zur Sicherung der Energieversorgung die drei noch laufenden Atomkraftwerke, darunter auch Isar II, nicht benötigt.

Alle Anstrengungen müssen jetzt in den Ausbau der erneuerbaren Energien gebündelt werden. Die Kundgebung findet an der Martinskirche in Landshut statt und beginnt um 13 Uhr. Als Redner*innen haben zugesagt: Kathy Mühlebach–Sturm (Bund Naturschutz, BüfA Landshut), Raimund Kamm, (FORUM gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik) und Johannes Hunger (Bündnis 90/Die Grünen, Vertreter der jungen Generation im Endlagersuchprozess). Musikalisch begleitet wird die Kundgebung von den Ubuntu Drummers und Armin Reiseck. Kurzfristig hat auch der Anti WAA Landrat Hans Schuierer zugesagt.

Zentrales Atommülllager Würgassen – Gefälligkeitsgutachten und politische Vorgaben – Massive Kritik an BMU und BGZ

Das Auswahlverfahren für ein bundesweites Zentral-Atommülllager für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle läuft auf einen Neustart hinaus. Die bisherigen Planungen und das Auswahlverfahren für einen Standort in Würgassen an der Weser sind heute auf einer Pressekonferenz mit mehreren Gutachten auseinander genommen worden. Die von vielen Kommunen in der Region unterstützte Bürgeriniative „Atomfreies Dreiländereck“ zeigte in der Präsentation massive Fehler auf und kritisierte ein Gefälligkeitsgutachten des Öko-Institut zur Standortauswahl. Die „Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung“ (BGZ) als Antragsteller und zukünftiger Betreiber eines solchen Atommülllagers dürfte erhebliche Probleme bekommen. Der BUND NRW kündigte auf der PK außerdem an, dass er mit einer Verbandsklage die Rechtmäßigkeit einer solchen Atomanlage prüfen werde, sollte es im weiteren zu einer Genehmigung kommen. (Weiter unten alle Quellen und Dokumentation, siehe vor allem „Atomfreies Dreiländereck„. Zum Öko-Institut siehe ganz unten die Doku. Auf der BGZ-Seite habe ich die nicht mehr gefunden. Kann mein Fehler sein. Zwar nicht bei der BGZ, aber beim BMU ist die Studie als PDF online oder hier direkt)

In dem geplanten Atommüll-Lager sollen alle leicht- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen kommen und dort nach optimierten Plänen verpackt werden, um den Strahlenmüll dann im noch im Bau befindlichen Endlager im Schacht Konrad in Salzgitter unter die Erde zu bringen. Alle? Nicht direkt. Denn nur ungefähr die Hälfte der in Deutschland anfallenden Strahlenabfälle dieser Art dürften im Schacht Konrad eingelagert werden. Was mit dem weiteren Atommüll dieser Art passieren soll, ist eher im Nebel, wenn man die bisherige Umgangsweise staatlicher Stellen betrachtet.

Schon die Sinnhaftigkeit eines solchen neuen „Zentral-Lagers“, vom Projekträger lieber Logistikzentrum genannt, verbunden mit tausenden von Transporten und Arbeitschritten, die zu einer zusätzlichen Strahlenbelastung für Anwohnende und Beschäftigte führen, ist umstritten.

(Warum ein solches neues Atommülllager aber im einige hundert Kilometer von Salzgitter entfernten Würgassen entstehen soll, bleibt in der öffentlichen Debatte weitgehend ausgeklammert. Es wäre ja im Grunde, wenn eine solche Anlage überhaupt Sinn macht, „vernünftig“, sie direkt am Schacht Konrad zu bauen. Vorn rein – sortieren – umpacken – einpacken und in den Keller bringen!)

Das Video der Pressekonferenz ist im Youtube-Kanal der Initiative online und unter der PM direkt hier anzusehen:

Dokumentation: Atomfreises Ländereck Hessen – Niedersachsen – NRW – Pressekonferenz am 07.02.2023

Die Kritik am geplanten zentralen Bereitstellungslager / Logistikzentrum Konrad im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen wird seit Bekanntgabe durch den Vorhabenträger, der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), immer intensiver. Zuletzt konnte belegt werden, dass ein von der BGZ wiederholt zitiertes positiv-Gutachten des Öko-Instituts unter massiver Einflussnahme des seinerzeit von der SPD geleiteten Bundesumweltministeriums erstellt wurde.

Aktuell haben die Verantwortlichen des BMUV eine Überprüfung der bisherigen Standortentscheidung durch die Fachexperten der Entsorgungskommission des Bundes (ESK) angeordnet, welche bis Ende Q1/2023 veröffentlicht werden soll. Der Region im Dreiländereck ist es wichtig das die ESK, über Unterlagen der BGZ hinaus, belastbares als auch qualitativ hochwertiges Informationsmaterial erhält, welche dem Anspruch an das Vorhaben von umfangreicher logistischer Tragweite gerecht wird. Vor allem Menschen in NRW, als auch in NI und HE werden über Jahrzehnte mit mehrfach täglichen Gefahrgut-Transporten der Klasse 7 belastet werden. Um so wichtiger ist es, dass die Entscheidungsgrundlage für die zu treffende Beurteilung der Standortentscheidung „LoK Würgassen“ auf harten Fakten beruht.

Aus diesem Grunde hat die Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck e.V. mit der Unterstützung diverser Städte, Kommunen, Landkreise und der Bevölkerung ein Gutachten zur Darstellung der hiesigen Infrastrukturgegebenheiten bei der „RegioConsult Verkehrs- und Umweltmanagement Fachagentur für Stadt- und Verkehrsplanung“, Marburg, beauftragt. Die Studie wurde im Rahmen einer Pressekonferenz im historischen Rathaus Bad Karlshafen von der Fachagentur vorgestellt und erläutert. Im Anschluss hat Rechtsanwalt Philipp Heinz, Berlin, eine rechtliche Stellungnahme abgegeben.

Dokumente:

https://www.youtube.com/watch?v=_QbPEGAEXJ4

Das Öko-Institut hatte in 2020 das hier veröffentlicht:

Lagerung radioaktiver Abfälle möglich

10.03.2020
 Ehemaliges AKW Würgassen kann Zwischenlager-Standort sein

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die im Endlager Konrad eingelagert werden sollen, können auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen bis zum Weitertransport an das Endlager aufbewahrt werden. Das AKW Würgassen ist bereits seit 1997 stillgelegt; der Rückbau der nuklearen Anlagenteile ist seit 2014 abgeschlossen. Der Standort ist nach einer ersten Einschätzung des Öko-Instituts deshalb geeignet, weil er den Anforderungen der Entsorgungskommission (ESK) weitestgehend entspricht. Zudem existieren bereits zwei genehmigte Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle auf dem Gelände. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Stellungnahme des Öko-Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU).

Kriterien der Betreibergesellschaft nachgeprüft

Da am Endlagerstandort Konrad selbst nur geringe Lagerkapazitäten bestehen, müssen die einzulagernden Abfälle in einem sogenannten zentralen Bereitstellungslager (ZBL) angeliefert, vorübergehend aufbewahrt und nach Bedarf an das Endlager abtransportiert werden. Um einen geeigneten Standort für das ZBL zu ermitteln, hat die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) verschiedene verfügbare Standorte ermittelt und im Hinblick auf sicherheitstechnische und logistische Anforderungen auf Basis der Empfehlungen der Entsorgungskommission (ESK) untersucht. Das Öko-Institut hat nun die Auswertungen der BGZ, die das ZBL planen, errichten und betreiben wird, unabhängig nachgeprüft.

Zentrale Frage bei der Auswahl des Standorts ist dabei, kann er zeitnah verfügbar sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass das ZBL rechtzeitig in Betrieb gehen kann, um den Einlagerungsbetrieb nicht zu verzögern. Das Endlager Konrad soll voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen. Für die Bewertung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts folgende Kriterien des BGZ nachgeprüft:

  • Entfernung des Standorts zum Endlager Konrad
  • Größe des Standortes
  • Abstand zu bestehenden Gleisanlagen zum Transport
  • Abstand zu Wohnsiedlungen
  • Kein Naturschutzgebiet

Insgesamt haben die Expertinnen und Experten des Öko-Instituts für den Standort Würgassen kein Risiko identifiziert, das die zeitnahe Umsetzung des zentralen Bereitstellungslagers behindern könnte.

„Dennoch sind aus unserer Sicht weitere Planungen, Untersuchungen und Nachweise erforderlich, die im Genehmigungsverfahren im Detail geprüft werden müssen“, betont Julia Neles, Expertin für die Lagerung radioaktiver Abfälle am Öko-Institut. „Dazu gehört etwa, ob bauliche Maßnahmen gegen Hochwasser ergriffen werden müssen.“

(Die folgenden Studien sind direkt hier und hier als PDF zum download, umweltFAIRaendern)

Studie „Stellungnahme zur Herleitung der Standortempfehlung „Zentrales Bereitstellungslager Konrad“ der BGZ“ des Öko-Instituts

Studie „Bewertung der grundsätzlichen Eignung des Standorts Würgassen für die Errichtung und den Betrieb eines Zentralen Bereitstellungslagers Konrad (ZBL)“ des Öko-Instituts

Atommüll-Transporte: Von Würgassen nach Grafenrheinfeld – und vielleicht wieder retour?

Während in Würgassen über ein bundesweites Zentrallager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll mit der Bundegesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) gestritten wird, kündigt der Betreiber des stillgelegten Atomkraftwerks Würgassen, PreussenElektra, Atommülltransporte in das Zwischenlager des ebenfalls stillgelegten AKW Grafenrheinfeld in Bayern an. Die Aufnahmebereitschaft sei gegeben, teilt das Atomunternehmen in einer PM mit. Vier LKW mit strahlenden Abfällen sollen „Mitte Februar“ von der Weser an den Main rollen. Der Grund der Atomtransporte sind die Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des geplanten Endlagers für derartige Abfälle im Schacht Konrad. Weil die sich seit Jahren immer wieder verschoben hat, laufen an vielen Atommeilern wegen des Rückbaus die Lager mit Atommüll voll: „Da am Standort keine Zwischenlagerkapazitäten verfügbar sind, werden die Abfälle in die Zwischenlager der BGZ nach Ahaus und Grafenrheinfeld gebracht.“ Und später geht das Zeug dann wieder – sofern es je zu einem Zentrallager in Würgassen kommen sollte – zunächst wieder dorthin zurück bevor der Strahlenmüll – sofern es denn zu dem Endlager kommen wird – in den Schacht Konrad kann.

Dokumentation Pressemitteilung PreussenElektra, 6. Februar 2023

Transport von schwachradioaktiven Abfällen in das Zwischenlager Grafenrheinfeld erfolgt Mitte Februar

Die Einlagerung von schwachradioaktiven Abfällen aus dem ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen in das Abfall-Zwischenlager am Standort Grafenrheinfeld (AZR) kann Mitte Februar erfolgen. Die hierfür erforderliche Prüfung der Annahmebereitschaft durch die Betreiberin des Zwischenlagers, der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ), wurde zuvor abgeschlossen. In Abstimmung mit dem Transporteur ist der Transport von Würgassen nach Grafenrheinfeld nun für Mitte Februar terminiert.

Insgesamt werden vier Transportcontainer als Gefahrguttransport per LKW befördert. In den Containern befinden sich schwachradioaktive Abfälle aus dem Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen. Dies sind beispielsweise Metallschrott, Bauschutt und mineralisches Isoliermaterial.

Am Standort Würgassen hat PreussenElektra im Herbst 2020 damit begonnen, die noch in einem Teil des Kraftwerks vorhandenen schwach- und mittelradioaktive Abfälle fachgerecht zu verpacken und an die bundeseigene BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) zum Transport und zur Zwischenlagerung bereitzustellen. Da am Standort keine Zwischenlagerkapazitäten verfügbar sind, werden die Abfälle in die Zwischenlager der BGZ nach Ahaus und Grafenrheinfeld gebracht.

Dazu Markus Wentzke, Anlagenleiter in Würgassen: „Die Abfälle aus Würgassen werden längstens 10 Jahre im AZR verbleiben. Die Einlagerung dieser Abfälle ändert nichts an der Tatsache, dass die genehmigten Strahlenschutzgrenzwerte sicher eingehalten werden. Genehmigt sind ein Gesamtvolumen und ein radiologisches Inventar, daran ändert auch unser Abfall nichts.“

Die Lagergenehmigung des AZR sieht vor, dass 20 Prozent des Einlagerungsvolumens für einen begrenzten Zeitraum für Abfälle aus anderen Kernkraftwerken der PreussenElektra genutzt werden darf.

Über PreussenElektra

Die PreussenElektra GmbH betreibt in Deutschland das Kernkraftwerk Isar 2 (Bayern) für die Stromproduktion. Die Kernkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Grohnde (Niedersachsen) wurden am 31.12.2021 abgeschaltet und befinden sich nun im Nachbetrieb. Die im Jahr 2011 abgeschalteten Anlagen Isar 1 (Bayern) und Unterweser (Niedersachsen) befinden sich im Rückbau, ebenso wie das 2015 abgeschaltete Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Bayern). Der Rückbau des Kernkraftwerks Stade (Niedersachsen) ist weit fortgeschritten und der des Kernkraftwerks Würgassen (Nordrhein-Westfalen) bereits abgeschlossen. Ziel der PreussenElektra ist es, in Bayern bis Frühjahr 2023 klimaschonend und zuverlässig Strom zu erzeugen sowie bis zum Jahr 2040 den sicheren Rückbau der übrigen stillgelegten Anlagen zu gewährleisten.

 

Kein unterirdisches Endlager in Sicht – Welche Sicherheit braucht die langfristige oberirdische Atommülllagerung? Verbunkern und heiße Zelle nachrüsten

Die Behörden und Unternehmen, die von der Bundesregierung mit der Suche nach einem unterirdischen Endlager für hochradioaktiven Atommüll beauftragt sind, haben das Verfahren aufgrund der notwendigen Sicherheitsanforderungen um Jahrzehnte verlängert. Vermutlich wird der hochgefährliche Atommüll in diesem Jahrhundert nicht mehr unter die Erde kommen. Den möglichst sichersten Ort für den hochgefährlichen Atommüll zu finden, ist eine ungeheure Aufgabe. Die Folge: Aus dem „Provisorium“ der oberirdischen Zwischenlagerung in Stahl-Behältern wird ein langfristiger Dauerzustand. Die staatlichen Verantwortlichen betonen zwar, dass man die Sicherheitsfragen einer langfristigen Zwischenlagerung untersuchen müsse und dabei auf einem guten Weg sei. Auch wenn ihnen das Verfahren zur Endlagersuche aus dem Ruder läuft – natürlich haben staatliche Stellen und Beauftragte alles im Griff. Die Physikerin Oda Becker hat auf der Atommüllkonferenz am letzten Samstag in Göttingen klar gemacht, dass es gute Gründe gibt, die Beteuerungen der Verantwortlichen kritisch zu hinterfragen und die Sicherheit und Sicherung der Zwischenlager auf den Prüfstand zu stellen. In jedem Fall braucht es neue Konzepte und eine gesellschaftliche Debatte, wie es nun mit der Atommülllagerung weiter gehen soll. Nicht nur bei den hochradioaktiven Abfällen, sondern auch bei den leicht- und mittelradioaktiven. Initiativen fordern inzwischen neue verbunkerte Lager und die Nachrüstung heißer Zellen, damit defekte Castor-Behälter vor Ort repariert werden können. (Foto: Atommüllzwischenlager Ahaus)

Der Vortrag von Oda Becker auf der 22. Atommüllkonferenz ist hier als PDF online. Die Physikerin hat in ihrem Vortrag auch angekündigt, dass sie im Auftrag des BUND an einem Update ihrer Studie zum Status der Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle arbeitet, die im März/April 2023 veröffentlicht werden soll.

Während sich die Endlagersuche deutlich verschiebt, steigen seit Jahen die Risiken der oberirdischen Atommülllagerung. Alle Atomanlagen werden seit Jahren entsprechend nachgerüstet, um den Schutz gegen Terroranschläge zu erhöhen. Unklar ist auch, ob der in Castor-Stahl-Behälter verpackte Atommüll über die eigentlich nur für 40 Jahre geplante Zwischenlagerung hinaus funktioniert und wie sich der dort eingeladene Atommüll auf Dauer verhält. Halten die Behälter-Dichtungen? Zerbröselt der Atommüll möglicherweise in den Behältern und könnte es zu Explosiven in den Behältern kommen? Was tun gegen Angriffe mit Raketen oder wenn Flugzeuge als Waffen für Angriffe auf Atomanlagen genutzt werden. Alles Fragen, auf die es bislang nur wenig Antworten gibt und die immer der Geheimhaltung unterliegen.

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